Mahnwache vom 21.02.2015

Gestern wieder vor „MyZeil“. Unser Dank gilt der Frankfurter Polizei für umsichtigen Schutz.

Ein älterer iranischstämmiger Mitbürger schloss sich wieder über die ganze Zeit von 15:00 bis 17:30 Uhr an. Auf seinem Schild stand „Gegen Rassismus! Gegen politischen Islam!“. Den Gruppen von muslimischen Diskutanden hielt er tapfer stand, obwohl sie ihn bedrängten.

Ein Mädchen und seine Freundin, vielleicht 14, fragten, warum wir wieder hier seien. Sie hätten das letzte Mal (ich erkannte sie wieder) gesehen, dass wir stark bedrängt worden seien. Sie verstanden nicht, dass wir trotzdem wiedergekommen seien. Ich erklärte ihr, dass das Problem weiterhin bestünde und deshalb ein wenig Ausdauer erforderlich sei. Aufgeben, weil man nicht gleich das Gewünschte erreiche, sei keine gute Option. Sie gingen nachdenklich.

Eine Gruppe Jungen, vielleicht 12-14, die sich nach und nach zusammenfand und erst als sie zu sechst waren, sich zu mir trauten, war besonders kreativ im Aneinanderreihen von Beleidigungen. Weitere gesellten sich hinzu. Man hielt sich nicht mit irgendwelchen Fragen auf. Das volle Programm menschlicher Abwertung wurde abgespult. Man war bemüht, mich erst gar nicht zu Wort kommen zu lassen, sondern setzte sofort nach. Die Jungen zogen, wie es schien, Befriedigung aus ihrem Tun, fühlten sich auf eine sehr fremdartige Weise gut dabei, mit einem anderen Menschen im Schutz der Menge und der Anonymität derart umgehen zu können. Man duzte ungehemmt und aggressiv*:
„Du bist Hartz IV.“
„Putz deine Zähne, ist ja alles ganz gelb, iiih. Zahnbürste kostet doch nicht so viel. Kannst dir wohl nicht mal das leisten.“
„Du stinkst, wasch dich mal.“
„Wir machen dich fertig.“
„Du hast wohl kein Leben, dass du hier stehst.“
„Du hast gelbe Zähne und hast Haarausfall und bist hässlich.“
„Du hast keinen Mann, keiner liebt dich.“
„Du Fotze.“
„Du hast nichts zu tun, du bist dumm, dass du hier stehst. Du hast keinen Mann und keine Kinder, um die du dich kümmern musst.“
„Wenn die Polizei nicht hier wäre, würden wir dich köpfen. Mit einem stumpfen Messer.“ [Man sieht, Dennis Cusperts Video hatte vollen Erfolg.]
Als ich dann doch mal sagte, jetzt reicht´s aber, redet ihr auch so mit euren Lehrern? Geht doch einfach weiter“, wurde mir vorgehalten: „Du hast wohl keine Eier… Eierstöcke, nein, hast du doch.“, „Wir bleiben hier, Meinungsfreiheit“.
Zwei junge muslimische Frauen um die 18, offen gekleidet, wollten nachfragen und sich unterhalten und traten zu der Gruppe hinzu. Sie sahen die Interaktion und versuchten, mit mir trotzdem zu reden, indem sie zu der Gruppe Jungen hin wiederholt „Jetzt seid doch mal ruhig“ und „Ihr seid asozial.“ sagten. Ich versuchte, nun noch weniger auf die Jungen zu reagieren und stattdessen mit den jungen Frauen zu sprechen. Die Jungen trollten sich nach einiger Zeit. Die Mädchen ließen sich das Anliegen erklären und wurden sehr nachdenklich. Sie sahen die Probleme, hatten ja gerade auch erlebt, wie aggressiv diese Jungen auftraten. Sie konnten sich vorstellen, dass so vorstrukturierte Jungen mit geringerer Wahrscheinlichkeit freundliche, selbstbeherrschte und sanftmütige Männer werden würden. Ich konnte vermitteln, dass gerade wir als Frauen darauf angewiesen sind, dass die Mehrheit der Männer zivilisiert ist und auf das „Recht des physisch Stärkeren“ persönlich und gesellschaftlich verzichtet. Und auch, dass das *auch* Erziehungssache ist.

Ein chinesischer Atheist blieb länger und stellte die vielfachen religiösen Problematiken in Relation zu denen in seiner ehemaligen Heimat. Man stelle mit 1,4 Mrd. Menschen einen großen Anteil der Weltbevölkerung, aber religiöse Konflikte sah er dort als nicht zentral an. Man habe politische Probleme, ja, aber diese seien nicht religiös fundiert.

Ein junges Pärchen bestehend aus einem offenkundig unter Drogen stehenden großen Mann und seiner englischsprachigen Freundin, versuchte, Abfälliges anzubringen. Dies ging von dem jungen Mann aus, der optisch der alternativen Szene zuzuordnen war. Die junge Frau fragte etwas auf englisch. Ich antwortete ebenso, woraufhin ich von dem jungen Mann aggressiv angemacht wurde, warum ich denn hier englisch sprechen würde. Ich antwortete nun auf deutsch, woraufhin sie wiederholte, nichts zu verstehen. Ein ebenso bizarres wie perfides Spielchen, dass darauf angelegt war, dass ich es nicht richtig machen konnte. Die beiden verschwanden unzufrieden, nachdem ich das nicht mehr mitspielte.

Eine Mitstreiterin hatte ein Plakat „Lasst euren Glauben nicht in den Dreck ziehen! Schließt Euch an, Muslime!“ mitgebracht. Sie zog andere Mitdiskutanden an als ich mit meinem „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus!“-Plakat. Auch dort wurde heftig diskutiert.

Ein junger Mann, ein Jahr vorm Abi und Muslim, blieb trotz des stillen Protests seiner Freundin länger zum Gespräch. Er wollte wissen, was es mit dem „Islamismus“ auf sich habe. Er bezeichnete sich als Islamist bis ich ihm den Unterschied erklärte, da er dies für ein Synonym für Muslim hielt. Er bezeichnete sich auch als Salafist (unter Bezug auf die ersten drei Generationen), der er aber im üblichen Sinne nicht war. Ich versuchte die Bedeutung bzw. die aktuelle Nutzung des Wortes zu erläutern. Bessere Wortvorschläge für den politischen Islam und die Radikalisierung hatte aber auch er nicht, denn der Bezug zum Islam (was ihm nicht gefiel, er aber irgendwie einsah) müsste ja erhalten bleiben. Wir sprachen dann noch über seinen Studienwunsch, zu dem ich ihm noch ein paar Tipps geben konnte.

Ein marokkanischstämmiger Muslim liess sich auch alles erläutern. Er sah die Problematik, hatte jedoch Schwierigkeiten mit dem Wort Islamismus. Er bemerkte, dass ich immer, auch während unseres Gesprächs, die Bewegungen und Aktionen der Personen um uns herum beobachtete und mich häufiger umsah, auch um die Mitstreiter im Auge zu behalten. Er meinte dann mehrfach, er wäre sehr für die zivilisierte Diskussion des Dissenses, ich solle keine Angst haben, er würde sich vor mich stellen, käme es hart auf hart. Wir haben dann länger geredet und kamen zu dem Zwischenstand, dass die Kinder besser erzogen werden müssten.

Eine Mädchengruppe, in der ich etliche bekannte Gesichter sah, versuchte die übliche Islamismus-Nachfrage, indem sie eine, auf die ich noch nicht getroffen war, als Redeführerin vorschob. Auf meine Anmerkung, ich hätte es doch schon den Freundinnen erklärt, diese könnten es doch weitersagen, wurde aggressiv geantwortet, ich hätte wohl keine Antworten. Auch hier war wieder die Genugtuung zu spüren, in der Menge eine seltsame Form von Macht ausüben zu können.

Gegen Ende hatte sich um eine Frau, die schon mehrere Male zu uns hinzugekommen war und auch größeren Ansammlungen standhielt, eine Gruppe aggressiver Männer gebildet, in der auch Akhis* waren. Ein großer Mann, vielleicht 1,90 und 120 kg und um die 50, gefiel sich darin, diese Frau eine ganze zeitlang niederzubrüllen zu versuchen. Diese ganze Gruppe war sehr nahe um die Mitstreiterin und ich versuchte, sie da heraus zu holen. Auf meinen Hinweis, dass man zivilisiert reden könne, aber dann in normalem Ton, brüllte er, er sei ein großer Mann von 1,90, er habe halt eine laute Stimme (das war natürlich Mumpitz, mit 95 db redet keiner in normalen Gesprächen, auch er nicht) und ich müsse seine Meinung schon ertragen. Er brüllte ungehemmt weiter, befeuert von den umstehenden Kumpanen, alle kleiner als ich, die sich offensichtlich daran erfreuten, eine solch laute, große und verbal aggressive Person vorschicken zu können. Autoritär Strukturierte in aggressiver Mission.

Als wir abbauten (es war die angemeldete Zeit des Endes und das wussten sie auch), wurde es von eben dieser Gruppe wieder als „Sieg“ gefeiert, „allahu akbar, jetzt ziehen sie ab“.

Einigen Menschen ist nichts zu blöde, wenn es nur das eigene Selbstbewusstsein unterstreicht.

* Man stelle sich diese Jungengruppe auf dem Schulhof vor, wie sie dort mit anders denkenden, andersgläubigen Schulkameraden umgehen mögen. Also Personen, die dieser Aggression nicht ausweichen können, in der Unterzahl sind und vielleicht noch annehmen müssen, dass Lehrer ihnen nicht helfen können oder wollen. Oder die mit Lehrern gleichartig umgehen. Ich habe mittlerweile Hinweise darauf, dass mit Lehrern geleg. ähnlich verfahren wird, wenn auch nicht in dieser Ungehemmtheit (man ist nicht anonym).

Ich habe diese Beleidigungen einmal ohne Anspruch auf Vollständigkeit, was mir von der Kanonade in Erinnerung blieb, aufgelistet, um zu zeigen, wie man auch als FRAU angegangen wird. Das waren ja weitgehend auch Beleidigungen, die in den Bereich der Geschlechtsehre, das heßt juristisch so, hineingingen. Man mag sich kaum vorstellen, wie diese Jungen im weitgehend weiblich dominierten Grundschulbereich agieren.

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Immer diese Komplotte

Hassan Dabbagh, seines Zeichens Imam der Leipziger Al Rahman Moschee und bundesweit seit Jahren bekannter Prediger, ist häufiger im Fernsehen bei Talksshows, z.B. bei Frau Maischberger zu Gast. Er führt seit langer Zeit einen Doktortitel im Internet, bei Video-Titeln z.B. und es gab eine fb-Seite, auf der er mit Titel aufgeführt war als „Scheich Dr. Hassan Dabbagh“.

Nun gibt es Regeln, wonach ein solcher Titel geführt werden darf. Führt man ihn zu Unrecht, ist dies strafbewehrt nach § 132a StGB. Das kann auch schon die falsche Bezeichnung bei einem im Ausland erworbenen Titel sein. An einer Universität im Ausland erworbene Titel müssen gekennzeichnet sein. Da Herr Dabbagh eine solche Zusatzkennzeichnung an seinem Titel nicht führte, ist alleine dies nicht statthaft, denn eine entsprechende Arbeit wurde in Deutschland nicht vorgelegt. Zumindest liegt in der Datenbank keine Dissertation unter seinem Namen vor.

Im Internet gibt es u.a. ein denkwürdiges Video, in dem er Kamelurin anpreist. Dort tritt er in einem Arztkittel auf, der noch deutlich die Verpackungsfaltung aufweist:

Ein solches unberechtigtes Auftreten als Arzt kennt man auch von anderen Quacksalbern, die ein unbedarftes Publikum beeindrucken möchten. Nachfragen bei der zuständigen Ärztekammer Sachsen verwunderten, man kennt ihn dort nicht. Endgültig verdächtig machte ein Audiomitschnitt, in dem er zwei kleine Quacksalberkurse zur Promotion aufblähte, so ab 9:55:

„… ich bin also auch ein Doktor, wenn man danach fragt“.

Das sollte man dann doch einmal ganz, ganz genau tun. Peinlich genaue Nachfragen bei solchen begründeten Verdachtsmomenten sind Sache der Strafverfolgungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft Leipzig tut dies auf meinen Hinweis aktuell.

Die Presse wirft nun auch einen Blick darauf, aus BILD Leipzig von gestern:

„Ist der Imam etwa ein Schwindel-Doktor?
Das zumindest behauptet Szene-Kennerin Sigrid Herrmann-Marschall, die Dabbagh jetzt angezeigt hat.
„Er täuscht über seine Person und versucht mit dem Titel, wohl unberechtigt, Eindruck zu schinden. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden“, so Herrmann-Marschall zu BILD.“

Dabbagh wähnt nun ein Komplott gegen sich, bemüht eine unterschlagende Polizei, die seine Zeugnisse entwendet haben soll, Unbekannte, die eine Facebook-Seite in seinem Namen unterhielten, und Hacker, die ausgerechnet nur an seinem Doktortitel irgendwie herumgehackt haben sollen.

Man sieht, es wird allerlei Buntes als Schutzbehauptungen zusammenfabuliert. Das ist wenig überzeugend, genau wie das Schweigen, wo, bei wem und wann er denn genau diesen Titel erworben haben will.

Da kann dann schon einmal das Gedächtnis schwach werden oder auch gegenüber der Journalistin an den § 55 StPO gedacht werden. Lieber nichts genaues sagen, was gegen einen verwendet werden kann und belastet.

Diese Einsicht kommt allerdings nach meiner Ansicht zu spät. Der Polizei eine Unterschlagung zu unterstellen, das sollte eigentlich für eine Ahndung wegen übler Nachrede ausreichen.

Das ist also weniger ein Komplott, sondern selbst verursacht, denn da redet sich jemand um Kopf und Kragen, nachdem ein Schwindel aufflog. Für den Schwindel ist nur er verantwortlich.
Für jemanden, der sich gerne markig als „echter Kerl“ präsentiert mit gleich zwei Frauen, eine seltsam kindliche Reaktion. Dass er ertappt wurde bzw. jetzt gegen ihn ermittelt wird, ist einfach dem Umstand geschuldet, dass er behandelt wird wie jeder andere auch, der wohl Titelmissbrauch betreibt und dass man sein Wort ernst nimmt wie das eines Mannes, nicht wie das eines Kindes, das nur ein wenig spielen will. Erwachsene Menschen, Mitbürger müssen damit rechnen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie gegen Gesetze verstoßen. Eindruck schinden zu wollen, wenn es gut läuft mit dem gefälligen Selbstschmuck, aber zu jammern wie ein ertapptes Kind, passt nicht so recht zusammen. Aber er kann sich ja doppelt trösten lassen.

http://www.bild.de/bild-plus/regional/leipzig/imam/staatsanwalt-ermittelt-gegen-imam-39841210.bild.html

Mahnwache vom 14.02.2015

Die „Mahnwachen gegen Salafismus und die Koranverteilungen auf der Zeil“ finden seit September 2014 regelmäßig auf der Frankfurter Zeil statt.

Hintergrund ist, dass zu wenig gegen die Radikalisierung, die im Umfeld stattfindet, unternommen wird. Es gibt Nachweise, dass Jugendliche durch diese Radikalisierung den Weg nach Syrien zum IS und in den eigenen Tod fanden

Ein Augenzeugenbericht.

Mahnwache vom 14.02.2014

Heute mal an einem anderen Ort: Neben der Pizza-Hut. Von 15-17:30 Uhr . Mein Dank gilt der Frankfurter Polizei, mit der wir es heute schwer hatten und ohne die wir das heute gar nicht hätten machen können.

In kleiner Besetzung hatten wir es sofort und dann zunehmend auf bis zuletzt mit so 10-12 Antifa-Anhängern zu tun (später dann Akhis*, etwa 30, muslimische und nichtmuslimische Passanten sowie ein 5-köpfiges Team von Sabri ben Abda). Bei mindestens 3 Leuten dieser Gruppe hatte ich zudem den Eindruck, dass sie unter Drogen stehen. Schon nach wenigen Minuten wurde es sehr aggressiv mit zunehmender Anzahl von deren Seite. Von einem jungen Mann, der uns bedrohte, wir sollten die Schilder ganz flott herunternehmen, nur dann würde uns vielleicht nichts passieren, musste ich die Personalien aufnehmen lassen.

Die Antifa-Leute agierten recht ähnlich wie die islamistischen Unterstützertruppen: Möglichst dicht ran, sich das Wort Islamismus wieder und wieder erklären lassen wollen, immer wieder Provokationen, Beleidigungen, Unterstellungen und das alles im Gruppen-Maschinengewehr-Tempo, wirklich so etwas wie ein abscheu- oder hasserfülltes Gesicht. Bizarr. Wir wurden alleine schon durch diese aggressive Gruppe, die nicht zuhörte, sondern wieder und wieder gleiches Falsches wiederholte, in Anspruch genommen.

Ein iranisches Paar und wenige andere Passanten unterstützten uns spontan und hielten tapfer stand trotz der unübersichtlichen und aggressiven Lage vor Ort.

Verschiedene Bürgerinnen und Bürger machten ebenfalls zwischendurch Mut und bedankten sich für die Aktion.

Um verschiedene Passanten, die stehenblieben und diskutierten, bildeten sich Pulks von Leuten, die zuhörten oder sehr emotional mitdiskutierten. Es war heute um einzelne Teilnehmer wieder sehr eng und für manche beklemmend. Personen, die ich klar von vergangenen Aktionen wiedererkannte, leugneten, mir schon einmal begegnet zu sein. Man braucht bei diesen irrsinnigen und nervenden Aktionen gutes Standvermögen und Ruhe sowie einen stabilen Realitätssinn.
Ein Antifa-Mann bemühte sich dauernd, mir jedes Wort im Munde herumzudrehen, sofort aggressiv nachzuhaken. Egal, was ich tat: Wenn ich erklärte, genügte die Erklärung nicht (er hörte erst gar nicht zu) oder was ich sagte war „eh scheisse“. Wenn ich ankündigte, nicht mehr ihm reden zu wollen, fiel er mir ins Wort und sagte, ich täte es doch gerade. Auf ernsthafte Ansprache als erwachsene Person (er war vielleicht 32) reagierte er auch nicht.

Etwa 30 m entfernt sah man eine Männergruppe, teilweise in traditioneller islamischer Kleidung mit Army-Look gemischt. Man redete mit einem Kameramann, der Aufnahmen machte. Da mit dem Objektiv meist in unsere Richtung gezielt wurde, wollte ich mir das – die heute anwesende Polizei erachtete dies wohl als unproblematisch – näher ansehen. Als ich hinzutrat und die Aufnahmen unserer Gruppe untersagen wollte, drehte sich der Mann, der zunächst mit dem Rücken zu mir stand, um. Es war Sabri ben Abda. Mir entfuhr „ach, der Herr Sabri“, woraufhin er mich auf seinen Nachnamen verwies (das ist ja auch korrekt) und fragte, woher ich ihn kenne. Ich verwies auf den Offenbacher Prozeß vor einem Jahr etwa. Er versuchte dann verschiedene Mätzchen, worauf ich nur entgegnete, dass er solche Spielchen wie mit den Journalisten mit mir nicht machen könne, da ich seine Videos kenne. Er stellte sich dann als Opfer widriger Umstände dar, der die Geldstrafe nicht zahlen könne, da ihn als angeblicher Salafist niemand einstelle (ja, das kann ein Problem sein; ich war in diesen Momenten der Überraschung jedoch nicht geistesgegenwärtig genug, anzumerken, dass es aber für die Syrien-Trips gereicht habe…). Der Kameramann drehte weiter, was ich dann bemerkte. Ich untersagte dieses dann ein weiteres Mal, worauf der Kameramann beharrte, man filme nicht mich, sondern allgemein. Der eine Antifa-Mann, der mir seit 20 Min. an den Rockschößen hing und mich ständig provozieren wollte, war mir gefolgt und souflierte nun zur Salafigruppe hin verschiedenes. So, dass der Kameramann dies dürfe und überhaupt. Ich trat einen Schritt nebenan und raunte dem Mann zu, dass das jetzt mal unter Erwachsenen sei und gerade eine ernste Angelegenheit, er sich nicht einmischen solle und das nicht ungefährlich sei. Ich wisse, was ich tue, er aber gerade nicht. Das beeindruckte ihn nicht im Mindesten und er fuhr fort, den Salafisten Bizarres zu mir vorzugeben. Mit der von mir bekundeten Gefährlichkeit für mich schien er ganz zufrieden. Ben Abda meinte, er sei doch ganz harmlos und spreche nur… Als ich das Recht am eigenen Bild wieder reklamierte, meinte der Kameramann, er sei beim Herrn Scherzberger und ich würde von seinem Anwalt hören (worüber?). Man trollte sich dann aber doch und postierte sich 50 m weiter zum Kaufhof hin.

Zwischendurch, im Vorbeigehen erklärte mir ein Junge (wohl von der Antifa, aber ich bin mir nicht sicher), er habe alle unsere Plakate bespuckt, ich hielte jetzt seine Spucke in den Händen. Meine spontane Eingabe ihm nachzurufen „prima, da haben wir ja einen DNA-Nachweis für den Täter der Sachbeschädigung“ hat er wohl nicht verstanden.

Als dann neben den muslimischen Passanten und der Antifa auch noch die Akhis auftauchten, wurde es sehr, sehr eng. Jeder von uns war von einer Traube teilweise aggressiver Menschen umgeben und anderen, die diese Aggressionen offenkundig billigten Man stellte sich absichtlich sehr dicht hinter mich, bedrängte mich von vorne und wenn ich dann 20 cm zurückwich, machte mich der Hintermann an. Passierte genau so mehrfach, kann also irgendwie nicht so recht Zufall gewesen sein. Das waren auch immer die Antifa-Leute.

Ein junger, großer Mann war aus einer Nachbarstadt extra angereist, um uns zu unterstützen. Er besah sich die Lage und entschied sich aus Furcht gegen eine offene Teilnahme. Konkret wurde Nachgehen und Verprügeln sowie Erkennen in dieser Heimatstadt befürchtet und körperliche Auseinandersetzungen deswegen. Er blieb aber am Rand und debattierte mit. Ich bedanke mich, dass er die Angst soweit überwand.

Die Akhis fühlten sich heute sehr stark. Einem Mitstreiter wurde ein Koran in die Hand gedrückt und dann rief ein Akhi beim Herrn Sabri an, er solle nunmehr eine Konvertierung filmen. Daraus wurde zwar nichts, es war ja nur reine Provokation. Ein älterer Junge lachte die ganze Zeit, als er mich fragte, was Islamismus sei. Es wurde fragemäßig nachgesetzt und dann begann er einfach von vorn. Wollte ich aus dem Spielchen raus, wurde aggressiv gesagt, ich hätte keine Antworten.

Ein Akhi, demnächst Abiturient an einer Frankfurter Schule und IS-Anwerber nach eigenen Angaben (was bei ihm, ich kenne ihn, stimmen dürfte), gefiel sich darin, sehr primitiv zu werden. Ich halte mein Plakat immer hoch und muss dazu natürlich die Arme nach oben strecken. Das nahm er als Anlass, mir über etliche Minuten (ich war eingekreist und konnte kaum weg) immer wieder zu sagen, ich würde stinken, ich solle mich unter den Armen waschen, er würde mir auch Deo spendieren und dann wieder von vorne… Das ist nun eine häufiger zu beobachtende Masche: Man nimmt etwas, was sonst unter keinen Umständen sozial adäquat wäre zu sagen, unwahr ist, aber peinlich wäre und wiederholt das ständig. Man baut darauf, dass das den anderen verunsichert und herabsetzt und er die Kontrolle über sich wegen dieser Frechheit verliert. Da ich diese Masche seit Jahren kenne, nur von diesem Früchtchen noch nicht, zieht diese Nummer bei mir natürlich nicht.

Von Passanten gab es wieder einige interessante Infos und Hinweise.
Solche Tipps machen das Ganze neben Aufklärung und Flagge zeigen sowie den Beobachtungen immer wieder lohnend, auch wenn es heute doch recht herbe war und anstrengend.
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* Akhi = Bruder. Hier: Mitglieder der islamistischen Unterstützerszene für LIES!, die organisiert sind und strukturiert und kollektiv agieren.

Der Narrativ von den Juden

Sich verbietende Analogieversuche

Hört man sich in muslimischen Communities ein wenig um und schaut in die sozialen Netzwerke, so verbreitet sich ein Narrativ derzeit virulent: Die Muslime, so wird da behauptet, seien die „neuen Juden“. Anhänger dieser eigenen Opfermythologie* finden sich bei den Ahmadiyya ebenso wie bei den Salafisten. Es muss also ein Narrativ sein, der sich einer gewissen Akzeptanz quer durch alle islamischen Ausrichtungen erfreut.

Diese Darstellung ist, obschon nicht ganz neu, doch von besonderer Brisanz. Sie zieht eine Linie vom 3. Reich in die heutige Zeit. Glaubt die vorbringende Person wirklich, dass sie staatlicherseits diskriminiert und verfolgt wird, dass hier und heute weniger Rechte vorliegen und dann später vielleicht der gewaltsame, organisierte Tod droht? Trotz verfassungsmäßigen Rechten und Gleichstellungsbemühungen? Trotz Islamkonferenz, Integrationsbeauftragten, Dialogtischen, Islamunterricht an staatlichen Schulen und multikulturellen Events, zu denen Muslime nicht nur willkommen sind, sondern auch gesondert gebeten und eingeladen werden? An denen sie sich frei beteiligen können oder auch nicht? Trotz der immer noch außer vielleicht bei säkularen Muslimen üblichen Diskriminierung nicht- und andersgläubiger Männer, die ohne Konversion keine Muslima heiraten können, wo es also hinsichtlich der Heiratsschranken – freundlich formuliert – erheblichen eigenen Nachholbedarf gibt? Der Analogieversuch suggeriert doch, dass es eine systematische Verfolgung von Muslimen gäbe. Und zwar von irgendeiner dunklen Macht. Wer nun könnte in der Eigenwahrnehmung Muslime systematisch verfolgen? Der Staat als ganzes, die Politik, die Justiz, die vierte Gewalt?

Der Staat und seine Repräsentanten bemühen sich wieder und immer wieder zu betonen, dass mindestens die Muslime, wenn nicht sogar ihr Glaube, zu Deutschland gehören. Das wird regelmäßig von den muslimischen Verbänden gewürdigt und gefeiert. Wegen GG und AGG, wegen aller vorhandenen rechtsstaatlichen Gleichberechtigung als Bürger, sofern die Person die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, sind das mehr als Sonntagsreden. Das ist die staatliche Realität. In den Winkeln der Gesellschaft, in denen das (noch) nicht umgesetzt ist, ist das von Muslimen einklagbar, sie können für ihre Rechte den juristischen Weg beschreiten. Das kann es also nicht sein, weswegen der Versuch einer Analogie schon dort scheitert.

Fragt man dann einmal nach, so hört man Dinge wie „die Muslime sind so häufig in den Medien“, „der Islam wird immer nur schlecht gemacht“ oder „das viele Gute, das Muslime tun, wird einfach nicht wahrgenommen“ und aktuell „diese Zeichnungen beleidigen mich…“. Nicht einmal die Damen und Herren Verschwörungstheoretiker behaupten mithin, dass sie von staatlicher Seite oder der Politik in der Breite missachtet würden. Das machen vielleicht die Salafisten oder diejenigen, die unter strengen Auflagen vom Verfassungsschutz beobachtet werden aber andere weniger. Es gibt mancherorts sogar Antidiskriminierungsbüros. Es zentriert sich also um die mediale Wahrnehmung und Darstellung. Gegen die können aber natürlich Muslime wie alle anderen auch jedes rechtsstaatliche Mittel, das die allgemeinen Gesetze und die der öffentlich-rechtlichen Medien und auch der Selbstverpflichtungen bieten, nutzen. Gibt es nun eine Welle von Gegendarstellungen gegen „falsche“ Berichte, eine Welle strafrechtlicher Verfahren gar wegen Volksverhetzung etc.? Man hört wenig bis gar nichts darüber.

Wenn also die rechtsstaatlichen Mittel nicht genutzt werden von den Muslimen selber, was bleibt dann übrig von dem Vorwurf? Wenig jenseits der schlechten Laune darüber, dass berichtenswerte Vorgänge von anderen Muslimen verursacht werden oder Normalität keinen Nachrichtenwert hat (bei jeder gesellschaftlichen Gruppe!). Es passt nicht in die beliebte Vorstellung, dass alles Schlechte vom Menschen oder dem Shaytan komme und alles Gute vom Islam. Es passt nicht, dass Sharia-Polizei, IS und Charlie Hebdo irgendwie doch mit dem Islam zu tun haben könnten. Durch die Berichterstattung kann man das nicht so weit wegschieben wie man es gerne möchte, weswegen verbreitet die Forderung vorgebracht wird, man möge DA weniger berichten. Diese Forderung soll die Wahrnehmungsschwelle verändern, soll die gesellschaftliche Wahrnehmung der muslimischen Wunsch-Eigendarstellung anpassen. Der Narrativ, ein Vorgang habe nichts mit dem Islam zu tun, wird durch die normative Kraft des Faktischen jedoch eingeholt. Die Community-eigene Realitätsverweigerung, dass auch Schlechtes aus muslimischer Religiosität, aus der Frömmigkeit durch wörtliches Nachfolgen ersprießen könnte, ist in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Wirklichkeit immer weniger induzierbar. Das stört, weil es aus dem paternalistischen Biotop in die gesellschaftliche Realität holt. Wer als vollwertiger Bürger gelten will, muss damit leben, dass gerade das Wahrnehmen auf Augenhöhe heißt, eben nicht wie ein Kind behandelt zu werden, das nur ein bisschen spielen will und dessen Worte und Handlungen man nicht so ernst nimmt.

Aktuell versteigen sich einige gar dazu, die Karikaturen von Charlie Hebdo mit denen im Stürmer über die Juden seinerzeit gleichzusetzen. Aber: Charlie Hebdo ist nicht der französische Staat, und auch nicht der deutsche.

Dass die Vorstellung, die Muslime seien die neuen Juden, sich trotzdem größerer Beliebtheit erfreut, hat einen anderen Grund. Es lässt sich am besten am Beispiel erläutern. Eine Person, von der diese Vorstellung wiederholt in meiner Gegenwart vorgebracht wurde, ist ein junger Student, der einer als gemäßigt geltenden islamischen Gruppierung angehört. Der junge Mann ist, der Sprachfähigkeit nach zu urteilen, hier geboren, hier zur Schule gegangen, hat Abitur gemacht und studiert jetzt ein Fach seiner Wahl. Ein eloquenter junger Mann, der seine Ansprüche frei formuliert und vorbringt. Soweit die Fremdwahrnehmung. Trotzdem fühlt er sich zur Zeit als „Jude“ behandelt und alle seine „Geschwister“ gleich mit. Sagt er zumindest. Fragt man auch hier nach, so zentrieren sich ebenfalls die Medien als Auslöser. Weist man dies zurück, weil diese Art der Berichterstattung und auch Kritik und nicht zuletzt Spott (meistens) alle gleichermaßen trifft, wird der junge Mann zunehmend heftiger und emotionaler.

Das ist nun weit mehr als das immer begründete „Wehret den Anfängen!“, sondern eine Haltung, die entweder völlig bizarr ist oder in diesem Vorbringen manipulieren will. Die Wahrnehmung des Gegenübers soll beeinflusst werden. Wer sich, obwohl er offensichtlich alle gleichen Rechte genießt, mit Menschen vergleicht, die keinerlei Rechte mehr hatten, entmenschlicht wurden rechtlich und später auch faktisch durch ihre Behandlung, der sollte sich fragen, wie aufgeblasen und egozentrisch seine Selbstsicht in Wirklichkeit ist, wenn gleiche Rechte nicht mehr genügen, um nicht Opfer zu sein, nicht unterprivilegiert. Wer behauptet, mindere Rechte zu haben, obwohl dies faktisch und persönlich nicht vorliegt, wer behauptet, verfolgt zu werden, obwohl er nicht verfolgt wird, der möchte in Wirklichkeit einen Schluck mehr aus der Pulle als andere. Bei dem exemplarischen jungen Mann zeigt sich, dass er am liebsten jede Kritik an *seiner* Weltanschauung unterbunden wissen möchte. Am liebsten noch, bevor sie offen artikuliert wird. Sonst sei er Jude. Er benutzt das „Juden-Argument“ in geschichtsvergessener oder skrupelloser Art und Weise, um Kritik zu unterbinden. Das Argument soll betroffen machen, soll nachgiebig machen für Forderungen. Wird man nicht weich, wird es leicht mal aggressiv, was nicht zum Opferspielen passt (den jungen Mann aber nicht aufhält). Manipulationsversuche sind nicht strafbar, sich selbst und/oder andere zu belügen, auch nicht. Zutrauen in die demokratische Sicht des Gegenübers schaffen sie allerdings auch nicht, denn dazu passt nicht, „gleicher“ sein zu wollen als andere.

Der exemplarische junge Mann steht für viele, die diesen Opfermythos schaffen. Es sind Personen mit einer sehr merkwürdigen Realitätssicht, die oft aggressiv fordernd auftreten.

Erst wenn dieser Mann und andere, die diesen Narrativ weitergeben und benutzen, begriffen haben, wie abwegig das in dieser Konstellation ist, wenn sie ihre reale Lage hier in Deutschland einmal ehrlich mit der der Juden in den Jahren 33-45 vergleichen und durch diesen Vergleich nicht ihrerseits Juden und das Leiden und den Tod in dieser Zeit herabsetzen und ganz ungehörig verharmlosen, dann werden wir ein Stück weiter sein. Wer sich wegen einer Zeichnung, auch wenn sie ihm nicht schmecken mag, als Opfer systematischer Verfolgung sieht und sich wie ein Jude zu der schlimmsten Zeit Deutschlands behandelt fühlt, der sollte sich was schämen.

Er sollte sich was schämen für diese sich verbietende Analogie.
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* Die Rede ist wohlgemerkt nicht von den sicher immer wieder vorkommenden Diskriminierungen, die bei einzelnen Begegnungen oder Handlungen erfolgen können. Das gibt es und das betrifft Personen mit bestimmten Namen genauso wie es auch Personen mit bestimmten Adressen trifft. Aus dem Namen oder der Adresse wird auf die Eigenschaften der Person geschlossen. Personen, die so pauschalisieren oder Vorurteile fällen, gibt es zweifellos und solche Zuordnungen gibt es vor verschiedenem Hintergrund.