Mahnwache vom 07.03.2015

Zur üblichen Zeit 15-17:30 Uhr am unüblichen Ort: Vor der Plastik „David und Goliath“ an der Hauptwache, aber schon auf der Zeil. Ein herzlicher Dank für den umsichtigen Schutz durch die Frankfurter Polizei.

Wir begannen diesmal etwas verzögert, da sich einige Teilnehmer verspäteten. Einer der Mitstreiter war sogar aus einer weit entfernten Stadt seit 8 Uhr morgens angereist, um uns und unsere Aktion kennen zu lernen. Nun möchte er etwas ähnliches bei sich machen. Das ist prima und: Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Ein jüngerer marokkanischstämmiger Mann nebst Frau und einem Kind im Kinderwagen wollte wissen, was wir mit unseren Schildern bezwecken wollen. Nach kurzer Erläuterung schon wurde er sehr munter und ließ sich seinerseits aus. Er sei recht froh und zufrieden in Deutschland, sehe aber eine wachsende Religiosität mit Sorge. Viele würden ihre tatsächliche Meinung Nichtgläubigen gegenüber nicht äußern. Er schätzte „den Anteil der Aufgeklärten auf 5 %“. Zu dieser Schätzung konnte ich natürlich wenig sagen, da ich seinen Maßstab für Aufklärung nicht detailliert besprach. Nach einiger Zeit wollte er auch Frau und Kind nicht länger warten lassen, ich sagte ihm aber, dass wir Samstags meistens auf der Zeil seien (bis sich halt der Grund erledigt hat). Vielleicht kommt er wieder.

Zwei jüngere größere Mädchen, vielleicht 14, fragten auch, ließen aber wie häufig kaum ausreden. Überein kamen wir trotz meiner Erläuterungen nicht, da beide immer wieder nur auf Reizworte hörten, aber dem Sinnzusammenhang wiederholt nicht folgen konnten.

Zwischendurch sahen wir eine Gruppe einer islamischen Jugendorganisation, die neue Flyer verteilten. Wir kamen kurz ins Gespräch und sie berichteten, dass sie von den LIES!-Leuten wiederholt angegangen worden seien, so auch an diesem Tag. Da ich diese spezielle Problematik seit Jahren kenne, riet ich dazu, immer mindestens zu zweit zu bleiben und heftigere Beleidigungen oder gar Bedrohungen auch zur Anzeige zu bringen bzw. die Polizei um Hilfe zu bitten.

Eine Mitstreiterin berichtete von einem Pärchen, das in Selbstüberschätzung meinte, es handle sich doch nur um einen Hype. Sie fragte dann so, ob sie denn Frankreich und Bremen nicht mitbekommen hätten. Ja, in Bremen sei ja nichts gewesen. Sie erwiderte ironisch, ihr „Nichts“ bestünde darin, dass lediglich 60 Zimmerflaks (Uzis) ihren Besitzer gewechselt hätten und nun in der Hand von belgischen Islamisten seien. Sie kamen da zu keinem Ergebnis und sie sagte ihnen dann, dass sie noch an sie denken werden, wenn hier die ersten Menschen sterben.

Nett war aber nach ihrer Sicht ein älterer Herr, der letzte Woche mit ihr bis aufs Blut über den Begriff „Islamisten“ gestritten hatte. Er war felsenfest davon überzeugt, das die muslimischen Mitstreiter und sie irgendwie ungebildet seien. Er kam nach einer Woche wieder und entschuldigte sich bei ihr. Er habe nachgelesen und sie hätte ja doch Recht. Sie habe ihm natürlich sofort verziehen und habe dann ordentlich mit ihm diskutiert.

Eine weitere Mitstreiterin berichtete, dass mit ihr einige Frauen, Muslimas, gesprochen hätten, die der Auffassung waren, dass die Aktion wichtig sei, sie regelrecht „Angst vor der LIES!-Leuten hätten und diesen ganzen religiösen Fanatikern“.

Ein Junge kam mit einer Gruppe auf mich zu und fragte relativ aggressiv, was das solle, was ich da mache. Ich erklärte es ihm und unerwarteter Weise hörten er und seine Freunde dann ruhig zu und er bedankte sich anschließend sogar für die Ausführungen. Ich war sehr überrascht wegen des vorher/nachher-Effekts.

Ein wahrscheinlich muslimischer Passant fotografierte gezielt einige jüdische Teilnehmer, was sich diese verbaten. Es blieb allerdings ungeklärt, denn der junge Mann tauchte weg.

Nach der Veranstaltung liefen wir in der Kleingruppe gesichert zum Parkhaus. Dabei mussten wir an dem zu dieser Zeit nur dünn besetzten LIES!-Stand vorbei. Als ich mich nach 15 m umdrehte, erkannte mich der Herr Gümüs und reckte mir das Fingerzeichen entgegen.

Im Gegensatz zum gestreckten Mittelfinger ist das nicht strafbar.
Soll er.

Es ist nicht aller Tage Abend.

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