Mahnwache vom 28.03.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „MyZeil“ in Frankfurt. Herzlichen Dank für die aufmerksame Betreuung und Schutz durch die Frankfurter Polizei.

Es ist die erste Mahnwache nach dem Verbot von Tauhid Germany. Auch in Frankfurt gab es Durchsuchungen. Das war allerdings kein Thema. In den Debatten war es so, als ob das nicht stattgefunden hätte. Dieses Wegsehen in Verbindung mit der verbreiteten Haltung, die Medien berichteten immerzu und vorsätzlich wahrheitswidrig, schafft alleine schon einmal eine unterschiedliche Gesprächsgrundlage. Wenn zunächst geklärt werden muss, welchen Quellen überhaupt vertraut werden kann, wird es schwierig.

Der „LIES!“-Stand war diesmal sehr nahe, etwa 80 m, was man sofort am Publikum merkte. Die Szene der Unterstützer ist dann sehr aktiv – und es sind viele.

Am Anfang kam ein aufgebrachter Mann vermutlicher arabischer Herkunft mit zwei kleinen Töchtern zu einem Mitstreiter und beschwerte sich, dass wir nicht auch gegen die Tötung von Palästinensern demonstrieren, die von Israel mit Gas umgebracht würden. Es bildete sich ein Kreis von Passanten, die dem Disput zuhörten. Der Mann, nach eigener Angabe Altenpfleger, war sehr emotional und wurde immer lauter. Er wollte seine Sicht darstellen und dabei nicht auf das Problem des Salafismus eingehen. Am Ende applaudierten ihm die Zuschauer für sein „Wir haben alle die gleiche Abstammung“. Er hatte demnach gar nicht verstanden, worum es geht.
Zuhören lernen behöbe einige dieser schweren Kommunikationsprobleme.

Zwei Männer, vielleicht eriträischer Abstammung, einer davon mit neuen Krücken, liefen vorbei. Sie beschimpften uns und mich im langsamen Vorbeilauf. Mich nannte der mit den Krücken „Votze“* wegen meines „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“-Schildes. Ich versuchte, zu erläutern, trotz dieses Wortes. Es wurde wiederholt mit dem Zusatz, ich solle Deutschland verlassen (!) und man ging weiter. Ich lief ein paar Schritte nach und sagte ihm, dass das ganz sicher nicht eintreten werde und dass er die hiesigen Umgangsformen zu lernen habe. Er drohte mir an, mir die Nase zu brechen, ich solle das Schild runter nehmen und still sein. Das war ich dann nicht mehr bereit hinzunehmen und meinte noch zu ihm, dass wir das jetzt mal festhalten könnten. Er meinte, er gäbe mir gleich was zum Festhalten und würde mir dann doch die Nase brechen. Ich ließ das dann von der Polizei aufnehmen. Der Mann und sein Begleiter waren völlig überrascht, als die Beamten kamen und die beiden umstellten. Anscheinend gehört es nicht zur Erwartungshaltung hier, dass Handlungen wie Beleidigung und Nötigung auch einmal Folgen haben.

Ein Mitstreiter unterhielt sich mit einem zunächst etwas skeptischen etwa 17-18 jährigen sehr interessierten Jugendlichen aus Mannheim über das Thema „Missbrauch von Religionsfreiheit durch die Lies!-Koranverteiler“. Er verstand das Problem und versuchte danach, mit gleichaltrigen jugendlichen Migranten über das Problem zu diskutieren. Nach etwa 15 Minuten kam er wieder resigniert zu dem Mitstreiter und gab zu, dass es sehr schwierig sei, mit diesen Personen normal zu diskutieren.

Etliche Passanten machten uns Mut und bedankten sich für unser Engagement.

Bei einer anderen Mitstreiterin fielen gestern vermehrt antisemitische Äußerungen. Das ist nicht jeden Samstag so, aber gestern hatte sie dass so massiv, dass sie dies als „Jackpot gezogen“ bezeichnete. „Die Juden sind schuld“ fiel mehrfach. Sie verbat sich das auf diesem Platz und überhaupt. Man blieb, machte weiter und bedrängte sie nun. Einer Aufforderung von mir, sie mögen Abstand halten, wurde nicht Folge geleistet. Erst die Polizei konnten den judenfeindlichen Mob vertreiben.

Auch im Vorbeigehen vielerlei farbige Beschimpfungen von Personen, die das Anliegen gar nicht verstanden.*

Wie häufig wollten jugendliche Muslime von uns leere Plakate, um ihre Gegenposition auf unserer angemeldeten Demo zeigen zu können. Sie werden immer unfreundlich, wenn man ihnen das verweigert. Auch häufig die Fragen: „Hast du sonst nichts zu tun?“, „Ist dir langweilig?“, „Bist du dumm?“ und ähnlich Kreatives. Ein junger Mann wich mir eine halbe Stunde nicht von der Seite: Manndeckung.

Wir hatten zwischendurch eine Ein-Mann-Gegendemo von einem Mann, der schon mal an einem der vorherigen Samstage durch aggressive Debatten aufgefallen war. Gestern war er mit einem Anti-Israel Umhänger unterwegs und stellte sich auf „unseren“ Platz. Diese undifferenzierte Israel-Schelte konnten wir einerseits SO nicht stehen lassen und andererseits werden auf unserer angemeldeten Kundgebung nur Inhalte gezeigt, hinter denen wir stehen. Er war sofort umringt von einem Pulk Leute, die sein Schild sehr, sehr gut fanden. Ich hab ihn erst aufgefordert, sein Plakat vom Hals zu nehmen. Dann, als er das nicht machte, forderte ich ihn auf, weg zu gehen. Dann habe ich einen Platzverweis ausgesprochen. Das war diesem Mann völlig egal. Ich habe ihn dann von der Polizei vom Platz stellen lassen.

Einige Kinder, vielleicht 10 Jahre alt, ließen sich erklären, was wir wollen. Nach eingehender und kindgerechter Erläuterung (ich erzähle Kindern u.a. gerne von der einen Mutter, die ihren Sohn seit 1,5 Jahren sucht und nicht weiß, ob er noch lebt; das verstehen sie) bedankten wir uns gegenseitig für das Gespräch. Manchmal geht es doch.

Ein junger Mann arabischer Herkunft war mit seiner kleinen Schwester bei einem Mitstreiter und sagte zu ihr „Das sind die neuen Rechtsradikalen!“. Als er ihn fragte was er ihn gerade genannt hatte, sagte er: „Sie sind ein Nazi!“. Der Mitstreiter sagte ihm, er solle sich entschuldigen, sonst würde er ihn anzeigen. Als er das nicht tat, ging er zur Polizei. Als diese seine Personalien verlangte, entschuldigte er sich widerwillig bei ihm.

Am nächsten Samstag setzen wir aus. Wir setzen dieses etwas spezielle Streetworking am 11.4. ab 16 Uhr fort. Ich bedanke mich bei allen Mitstreitern.

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* Ich bin immer wieder erstaunt, welche Worte Leute kennen, die hier ankommen und sonst wenig deutsch beherrschen. Die Herabsetzungen werden anscheinend früh gelernt.

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