Mahnwache vom 18.04.2015

Vor dem „My Zeil“ von 16-18 Uhr. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei.

Unterstützung gab es diesmal auch von einer Gruppe aramäischer Christen, die parallel auf den Genozid an den Angehörigen ihrer Glaubensrichtung aufmerksam machen wollten. Die KIFA (Kurdistan Israel Friendship Association) war ebenfalls wieder vertreten, da gerade Kurden unter dem Terror der IS in Syrien und Irak besonders leiden.

Ein Passant berichtete aus Marburg, wo in letzter Zeit auch LIES!-Stände aufgebaut und geworben würde. Er beobachte dies mit Sorge. Bei uns wollte er sich gerne weitergehend informieren und hörte etliche Dispute mit Vertretern der Unterstützer(Akhi)-Szene an. Auch einige Abfälligkeiten von anderen Passanten, die uninformiert waren, den Zweck unser Mahnwache missverstanden und sich auch nicht aufklären lassen wollten, verfolgte er mit. Ich konnte ihm aufzeigen, dass in Frankfurt mittlerweile eine strukturierte und gemeinsam agierende Unterstützerszene besteht.

Einer Mitstreiterin wurde wiederholt gestern gesagt, ihre „jüdische Nase“ spreche ja schon für sich. Sie ist zwar Atheistin und auch slowenischer Herkunft und sie sagte ihnen dies dann auch. Man sieht aber daran sehr typisch das negative und faschistoide Stereotyp in einigen Teilen der Community. Wer physische Merkmale hernimmt und daraus Aussagen über Haltungen und Geisteszustand herleitet und auch die Person daran wertet, hat ein klar rassistisches Denken.

Auch mir wurde gestern, als ich mich neben einem Mitstreiter postierte, der von einigen jungen Männern umringt wurde, die sehr lautstark und dominant auftraten, etwas in diese Richtung vorgehalten. Natürlich bin ich als Veranstaltungsleiterin auch für die Sicherheit mitverantwortlich und muss danach schauen, dass alles im Rahmen bleibt. Wenn klare Worte nicht ernst genommen werden und Wiederholung nötig ist, schaue ich auch schon mal angemessen entschlossen und mache deutlich, dass ich auch von der Veranstaltung entfernen lassen kann. Das wiederum wurde mir – das N-Wort fiel mal ausnahmsweise nicht – als „wie die vor 70 Jahren“ ausgelegt. Man ist sehr freimütig in Entschuldigungen für sich selber, sich nicht an die Regeln anderer halten zu müssen.

Drei Damen, die regelmäßig vorbeikommen, diskutierten am Rande wieder fleißig mit.

Einer muslimischen Mitstreiterin, die das Schild „Salafisten werben, Kinder sterben!“ mit hielt, wurde mehrfach vorgeworfen, sie sei keine echte Muslima.

Dieses obige Schild fand ein Passant „zu plakativ“. Es ist erstaunlich, wie viele sich mehr über die Wortwahl aufzuregen scheinen als die Handlungen.

Ein Passant warf mir „Rassismus“ vor (ich trug das Schild „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus!“ und „Für Menschenrechte!“). Auf meinen Einwurf, dass er mir das erklären solle, zog er ein angeekeltes Gesicht auf und meinte, mit mir rede er nicht.

Ein häufig vorbeikommender alter Mann mit „Erkennt Christus als euren Herrn“ o.ä. -Schild um den Hals versuchte wie schon die Samstage zuvor, die Menschenansammlung vor dem „My Zeil“ für seine recht aggressiven Missionierungsbemühungen zu benutzen. Mein deutlicher, aber noch einigermaßen freundlich vorgetragener Platzverweis führte zu einer Schimpfkanonade. Ich als Atheistin (sieh an, ich sprach das erste Mal mit ihm persönlich) wäre natürlich gegen ihn und gegen Christus. Ja nu. Auch andere haben also Schwierigkeiten, wenn sie ihren Willen nicht kriegen.

Einer kleinen Delegation eher links wirkender Jugendlicher konnte ich nach anfänglichen höhnischen Herabsetzungen und bösen Blicken das Anliegen erläutern. Sie waren nicht ganz zufrieden, waren aber auch nicht mehr ganz so aggressiv, als sie gingen.

Verschiedene Sympathisanten der LIES!-Truppe forderten mich auf, mein Schild herunter zu nehmen. Auf mein freundliches „Nö, ich höre nicht auf Befehle“ wurde es mehrfach wiederholt, nachgeäfft und dann ging man zu sehr farbigen Beschimpfungen über.

Zwei Mädchen ließen sich erst den Begriff „Islamismus“ erläutern nur um dann in Folgefragen zu zeigen, dass sie weder zugehört noch verstanden hatten (trotz kurzer Sätze und einfacher Ausführung). Trotzdem behaupeten sie, verstanden zu haben. Der Passant aus Marburg, der alles mitangehört hatte, musste grinsen.

Zwischendrin erkannte eine Mitstreiterin, dass wir unter Beobachtung von LIES!-Protagonisten standen. Anscheinend wurde abgeschätzt, ob man es sich trauen könne, aufzubauen. Das verwundert ein wenig, schließlich machen wir eine friedliche Mahnwache, eine Mischung aus street working und speakers corner und die einzige Aggression geht von Sympathisanten der LIES!-Gruppe und misssverstehenden Passanten aus.

Eine gemischte Gruppe etwa 14 jähriger bestand teilweise aus bereits bekannten Gesichtern. Insbesondere 2 stark geschminkte Mädchen taten sich wieder sehr durch Obszönitäten und Abwertungen hervor, die in der Aufforderung des einen Mädchens gipfelten, der gleichaltrige Junge möge mir doch „sein Skateboard in die Fresse schlagen“. Wenn dieses Mädchen nicht spricht, hätte man sie – rein nach dem Äußeren – für ein ganz „unschuldiges“ und freundliches Mädchen (trotz starker Schminke) halten können. Ich bin sicher, dass sie dieses Äußere zu anderer Zeit auch nutzt, um eben diesen Eindruck zu erwecken. Im Schutz der Anonymität fallen manche Masken. So hübsch und so widerwärtige Haltungen und schlechtes Benehmen darinnen. So kann das Äußere täuschen.

Ein junger Mann, bekannt als langjähriger Anhänger von Dawaffm, Kader und wohl Organisator der Akhis, war in einer größeren Gruppe Gleichgesinnter und diskutierte lautstark mit einem Mitstreiter. Als ich hinzutrat, pries er gerade Abou Nagie: „…seine Backen, ich liebe sein Gesicht. Und seinen Bart, ich liebe seinen Bart.“ Dabei machte er mit der rechten Hand eine Handbewegung, als ob er ein Gesicht streichle (ich traute meinen Augen kaum). Meist habe ich mich ja gut im Griff, aber bei dieser bizarren Vorstellung dieses bekannt homophoben jungen Mannes musste ich dann doch mit unschuldigem Gesicht zu ihm halblaut anmerken, dass ich nichts gegen Schwule habe.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich gestern gestorben.
Nachtrag:
Nachdem die Mahnwache beendet war, postierte Bilal Gümüs seine Leute an gleicher Stelle, da weder Polizei noch Leute der Mahnwache noch anwesend waren. Man darf gespannt sein, ob er dieses Aussitzen seinen Anhängern als tapfere Platzeroberung verkaufen wird.