Mahnwache vom 25.04.2015

Vor dem „My Zeil“, diesmal zu späterer Zeit von 17:30 bis 19:30 Uhr. Wir bedanken uns bei der Frankfurter Polizei für die freundliche Betreuung.

Mit dabei waren wieder eine kleine kurdische Delegation und der Kurdisch-Israelische Freundschaftsverein (KIFA), sowie ein Mitstreiter, der eine erhebliche Anreise in Kauf genommen hatte. Herzlichen Dank für das außerordentliche Engagement.

Kurz nach Beginn, die ersten Passanten waren da und diskutierten, lief ein junger Mann laut schreiend an uns vorbei und konnte sich gar nicht beruhigen. Er versuchte, andere aufzuwiegeln, indem er ständig rief, dass „man“ das nicht hinnehmen könne und dass „man“ was gegen und unternehmen müsse. Sein Erfolg war eher bescheiden. Einige bewegten sich eher langsam auf ihn zu. Dass sich da nicht mehr fanden, war allerdings Zufall und wäre bei stärkerer Frequentierung durch Unterstützer sicher auf fruchtbareren Boden gefallen. Die Polizei ließ da aber nichts anbrennen und klärte den Herrn am Rande auf.

Ganz am Anfang:

Eine Gruppe junger Männer und Jungen hatte sich einen hochgewachsenen jüngeren Mitstreiter ausgesucht und bedrängte ihn. Da es sehr lautstark wurde, stellte ich mich hinzu, was nur wenig milderte. Ein Teil zog sich dann zur Beratung zurück an den Rand und palaverte mindestens eine halbe Stunde lang. Anscheinend überlegte man, was man zweckmäßigerweise unternehmen könne. Dabei fiel ein Junge auf, der in der Gruppe dabei war, aus der mir vor einigen Wochen ein Bub das eigenhändige Köpfen angekündigt hatte, wenn die Polizei nicht da wäre. Manche Gesichter vergisst man auch bei einmaligem Sehen nicht.

Einige ezidische Mitbürger berichteten – sie kamen nicht das erste Mal – von der Situation, wie sie ihre Familien erleben. Sie sind noch im Irak und leben in ständiger Furcht.

Einer jüdischen Mitbürgerin wurde mehrfach gesagt, sie dürfe eigentlich gar nicht hier leben nach den Zuständen und Vorfällen in Gaza. Gängige Behauptung: In Gaza würden „von den Israelis täglich 1000 Babys ermordet“. Ihre Entgegnung, wonach das 365.000 Babys im Jahr wären und das selbst bei maximaler Reprodukutionsfokussierung nicht stimmen könne, wird meist abgetan. Es war der Tag, an dem man gerne einmal aus Deutschland verwiesen wurde. Auch mir wurde dies zweimal angeraten, weil ich das Schild „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“ hielt und dies nicht sogleich herunter nahm auf Befehl.

Dazwischen immer wieder gute Gespräche wie das mit zwei jungen Männern, beide Muslime, die kritisch beäugten, dann herüberkamen und mit denen dann doch ein wirklich gutes Gespräch möglich war. Wir bedankten uns gegenseitig für den Austausch und sie liefen dann noch ein wenig bei den anderen Mitstreitern herum und lauschten. Mehrere gute Gespräche waren mit Passanten mögich, die sich wunderten, dass so wenige sich anschließen, dann aber selber Angst hatten.

Ein Mitstreiter, vor einigen Jahren aus einer Diktatur nach Deutschland gekommen, wunderte sich auch. Er habe Tage Dunkelhaft erlitten für eine freie Meinung, habe hinter sich nichts gehabt als die Ungewissheit, und hier sei man mit dem Rechtsstaat hinter sich so ängstlich, so verzagt.

Verzagt waren Samstag auch die LIES!-Aktivisten. Sie tauchten nicht auf. Auch die männliche und die weibliche Unterstützerszene fehlten komplett.

Wie sich allerdings insbesondere jüdische Mitstreiter fühlen, wenn, wie geschehen, mehrere kleine Jungs an Hitler erinnern und „Gas, Gas macht Spaß“ rufen, kann man nur erahnen.

Eins ist allerdings sicher: In manchen Familien scheinen Kinder schon früh mit einem brutalen Antisemitismus aufzuwachsen. Da ist es anscheinend normal, andere Menschen abzuwerten und über den Holocaust Witze zu machen. Unvorstellbar.
Ich vermute, die Abwertung wird alle „anderen“, alle Nichtmuslime betreffen, wenn auch nicht mit gleicher Wucht.
Ob Schulbücher so etwas aufnehmen?
Wie kann Schule da nur gegenwirken? Kann sie das überhaupt?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort etwas so Elementares besprochen wird, dem anderen sein Lebensrecht anzuerkennen. Es wird schlicht vorausgesetzt.

Es scheint, wir müssen bei manchen ganz, ganz vorne beginnen.

Ein Gedanke zu „Mahnwache vom 25.04.2015

  1. Unter dem Eindruck der heutigen Ereignisse fällt mir die Korrelation auf, dass letzten Samstag die Zeil völlig leergefegt war von Aktivisten und Akhis.
    Möglicherweise traf man sich irgendwo – Lagebesprechung?

    Liken

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