Highway to hell

Erste Früchte der neuen Berliner Kooperation von LIES! mit der Rapper-Szene

 

Vor einigen Tagen war hier die Rede von einer vor etwa zwei Monaten aufgefallenen neuen Bekanntschaft zwischen Ashraf Rammo und Bilal Gümüs, also Berliner Halbwelt und LIES!-Projekt:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/04/23/massive-probleme/

Verschiedene ungute Modelle sind in dieser Konstellation denkbar. Ein davon genanntes war der ideologische Zugang zu Clan und Fans von „Massiv“, einem Rapper, dessen Manager Ashraf Rammo war oder ist.

Die ersten Früchte dieser neuen Freundschaft, wohl der eine Teil des Deals, wurden bereits sichtbar. Seit 14 Tagen online, bereits 85.000 mal gesehen. Wenn das keine Werbung ist:

Dieser Liedtext wurde von von Bilal Gümüs Geschichte inspiriert. Aber natürlich sehr geschönt und verzerrt. Gümüs hat nicht studiert. Und ob er in Sossenheim, wo er aufwuchs, jemals solche wie die beschriebenen Diskriminierungserfahrungen wegen seiner Herkunft machen musste, darf bezweifelt werden. Es wird aber die Identifikation geboten für diejenigen, die solche Erfahrungen machen mussten oder auch diejenigen, die sich nur herabgesetzt fühlen. Eine ältere Schilderung, wie er zum Islam fand und wie er in der Jugend wirklich war, also eine ehrliche Selbstsicht:

Aggressiv, zu jedermann respektlos, keine Achtung vor Regeln und Gesetzen. Mit 19 dann als vorläufigen Endpunkt zu 2,5 Jahren Jugendhaft verurteilt. U.a. wegen versuchtem Totschlag und Raubüberfällen. Das hört sich etwas anders an als die Umschreibung, er sei „grundlos gehasst“ worden. Er hat sich ja sogar in Haft noch mit einem Mithäftling geprügelt. Man kann ahnen: Auf dem Schulhof war er eher kein Friedensengel. Beachtlich auch die anderen Umdeutungen.

Wenn jemand natürlich länger einsaß, wird die Jobsuche schwierig. Das hat weniger mit der Herkunft zu tun (die das generell schwieriger machen mag, vor allem, wenn man wenig gelernt hat), sondern mit dem Misstrauen, im Streit einen womöglich nicht beherrschten Mitarbeiter zu erhalten, der einen halb tot schlägt im Zorn. Sogar das Sitzen an der sprichwörtlichen Aldi-Kasse wird bei einem verurteilten Räuber nicht in Aussicht sein.

Bilal Gümüs wurde einmal von der Polizei in Frankfurt festgenommen vom LIES!-Stand weg. Er hatte gegen die Sondernutzungssatzung verstoßen und sich dann wohl sehr, sehr falsch verhalten. Zudem war es so, dass wir ordentlich angemeldet waren und er nicht. Da muss man schon mal weichen, wenn man in 5 m Entfernung campiert. Das ist der Kern der Geschichte, vom 13.09.2014. Ein Foto von dem Tag, ich hatte mein lustiges „Achmed, the dead terrorist“-Shirt an:

Da war eigentlich nur ich mit ein paar Mitstreitern. Kein Nazi weit und breit. Nur Menschen mit ihrer friedlich artikulierten Meinung in einer angemeldeten Mahnwache 5 m neben einer Gruppe von LIES!-Aktivisten. Hätte ich einen Nazi gesehen, hätte ich ihn weggeschickt (was ich in der Folgezeit manchmal tun musste, einen habe sogar angezeigt). Steine gibts da auch nicht. Wie man aus einer kleinen Demo mit Plakaten, einem Widerstand gegen die Polizei bei Verstoß gegen die Sondernutzungssatzung und einer folgenden – kurzen! – Festnahme eine solche Räuberpistole machen kann, ja, das ist dann schon… Kunst. Sieht man genauer hin, so ist es Propaganda für LIES!.

Seine Sicht der Dinge damals hatte er in einem Video dargelegt, noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse. Auch da war nicht von einem steinewerfenden Nazi die Rede, sondern (das Video wurde inzwischen auf „privat“ gestellt, aber natürlich habe ich das noch) nur von Stasi-Methoden der Polizei.

So weit also die Realität.

Die Ashraf Rammo- und „Massiv“-Version ist eine andere, ein Heldenmythos. Es wird in dem Lied massiv gegen die Gesellschaft Stimmung gemacht. Aus einem Täter in der Realität wird ein Opfer der Umstände gemacht, ein schwarz-weiß-Denken wird angeboten und perpetuiert. Die LIES!-Leute werden als normale Muslime dargestellt und die Ummah beschworen als Gegengesellschaft, in der Gerechtigkeit widerfährt. Die Medien werden als „Mist“ herabgesetzt, die undifferenziert seien. Vielleicht, weil sie Täter Täter nennen und nicht Opfer. Am besten deren Sicht ausblenden, für unwahr heißen. Beste ideologische Vorbereitung also für die „netten Brüder“ vom LIES!-Stand. Die, die dann doch den einen oder anderen Syrien-Trip vermitteln können und als Reise nach Utopia mit Paradies-Option verkaufen.

Für alle anderen erscheint das jedoch als highway to hell. Und Ashraf Rammo macht die Musik dazu.

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