Mahnwache vom 02.05.2015

Von 16-18 Uhr vor dem Brockhausbrunnen auf der Zeil. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche Betreuung.

Mit dabei waren eine kleine Delegation syrischer Kopten und der Kurdisch-Israelische Freundschaftsverein (KIFA), Vielen Dank für das Ausharren im Namen des gemeinsamen Anliegens!

Kaum ein Bürger dürfte den vereitelten Terroranschlag auf das Radrennen in Oberursel nicht wahrgenommen haben. Bei den Diskussionen gestern spielten diese Vorgänge jedoch wiederum keine Rolle (exakt das gleiche Bild wie nach den Anschlägen von Paris). Über die ganzen zwei Stunden kein Gesprächsansatz, der darüber begonnen wurde oder dazu geführt würde. Stattdessen die immer gleiche Zurückweisung des Begriffs Islamismus als erster Einstieg. Das Wort wird als Angriff verstanden auf die Religion und auf die Person. Die Trennung zwischen Religion(szugehörigkeit) und Person wird von so enigen nicht vollzogen: Ich bin Muslim, also bin ich.

Das ist eine Haltung, die immer zu Diskussionen führt. Über Haltungen, die über die private und privat ausgelebte Frömmigkeit hinausgehen, muss man reden können. Dafür braucht man den Ausdruck Islamismus.

Eine Gruppe junger Frauen forderte die Herausnahme des Wortes „Islamismus“ aus unseren Schildern. Es folgte leider eine stereotype Abfolge: Immer aggressiveres Fordern, wenn man auf dem Recht, mit genau diesem Schild so dazustehen, beharrte. Die Stimme überschlägt sich, aus der Gruppe kommen weitere Fragen parallel und der Umstand, dass man als einzelne Person nicht alle Fragen gleichzeitig beantworten kann, wird als „Sieg“ verbucht.

 

Ganz am Anfang:

Eine besonders engagierte junge Frau, sehr stark geschminkt und noch mit Zahnspange, machte sich über meine Zähne lustig. Auch das ist leider eine sehr verbreitete Vorgehensweise: Körperliche Merkmale werden hergenommen, um herabzusetzen und zu verunsichern. Auf meine Anmerkung, für seine Zähne könne man ja nichts und das wisse sie ja wohl, wurde sie etwas ruhiger. Und auch als ich anbot, wir könnten gerne mal über Make up sprechen, das in der freien Wahl stünde. Das musste in der Situation mal sein.

Zwei Mitstreiterinnen wurden wegen ihrer Herkunft gesondert angegangen.

Als eine jüdische Mitstreiterin von einer unfreundlichen Muslima trotz ihres Widerspruchs aufgenommen wurde, fotografierte diese dann zurück. Dieses nun führte zu erheblichen Beschwerden (auch bei der Polizei). Wenn zwei das Gleiche tun…

Ein etwa 6 jähriger Junge, der bei einer Mädchengruppe war, versuchte mich zu schubsen und sagte, er hasse mich. Nun ja, armes Kind.

Einer Gruppe Jungen, die dann bei beharrlichem und ruhigem Erklären nach anfänglichem verbalen Säbelrasseln doch zuhörten, konnte ich vielleicht ein paar Gedanken mit auf den weg geben.

Als mehr Passanten da waren, waren verteilt auch drei Bodybuilder-Typen an den Diskussionen beteiligt. Sie agierten aber nicht gemeinsam, auch wenn sie „ihre“ Gruppen dabei hatten. Sie blieben aber trotz Anspannung, die ihnen anzumerken war, im Rahmen. Vielleicht lag das auch daran, weil die Polizei sie auch ausgemacht hatte und ein Schrittchen näher rückte.

Zwei junge Türken, Muslime sunnitischen Glaubens, aber wohl nicht sehr religiös, sprachen mit einer Mitstreiterin. Sie waren sehr interessiert an KIFA und lehnen sowohl die LIES als auch Erdogan ab und waren beunruhigt, was sich in Deutschland mit diesen Fanatikern aktuell entwickelt. Ich würde mir mehr Menschen bei uns wünschen, die ihre Befürchtungen artikulieren und auf die Strasse tragen. Nicht zuletzt geht es um Meinungsfreiheit, Deutungshoheit und auch um die Macht auf der Strasse: Gehört diese noch den Bürgern oder schon einer Masse, die dort mitten auf der Zeil bei einfacher Diskssion schon das Lebensrecht aberkennt und aggressiv zu werden droht?

Eine Gruppe junger Frauen, Muslimas, hatte eine immer schriller sprechende Wortführerin. Diese Gruppe hatte auch drei Muslimas mit engem Kopftuch dabei, die sich weniger beteiligten Die eine nahmen meine ruhigen Erklärungen einfach nur darüber, was Islamismus sei, emotional so mit, dass sie zu weinen anfing. In manchen Momenten wird die bei einigen wohl vorliegende Gehirnwäsche so deutlich, dass einen das Mitleid ergreift: Wenn es keine Worte gibt für Kritik, wenn es keine geben kann, dann ist man als Person natürlich sofort beteiligt. Kritik und Kritikfähigkeit müssen auch eingeübt sein.
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Einige Männer, die teils ordentlich mit Mitstreiterinnen diskutierten, mal allgemein, mal mit der jüdischen Mitstreiterin über Israel, verfingen sich dann doch in Verschwörungstheorien. Sie sahen Völkerbund und dann UNO als Handlanger Israels und USA. Geschichtsrevisionimus, immer mit Verweis auf You Tube, da „Bücher, Zeitungen, etc.“ alle manipuliert seien.

Die Unterstützer-(„Akhi“-)Szene fehlte weitgehend, es waren nur einzelne Protagonisten zu sehen. Einer, der in letzter Zeit besonders schlechte Laune hatte und sie auch gerne bei uns rauslies, bekam von einem zwei Kopf längeren Polizisten eine kleine Ansprache, die ihn sichtlich verblüffte. Er machte sich dann langsam von dannen, nicht ohne – hinter dem Rücken des Polizisten versteht sich – diesem noch einen Figer zu zeigen. Nicht den zeigefinger. ich war leider nicht geistesgegenwärtig genug, um Bescheid zu sagen. Das ist einer von den Herren, die durchaus einmal ein wenig Folgen ihrer Handlungen als Rückmeldung erhalten sollten.
Ein Diskussionspulk, wie er sich typischer Weise rasch bildet:

 

Der LIES!-Stand selber wurde am Samstag jedoch nicht aufgebaut, der Cheforganisator war zu Besuch in London mit Abou-Nagie. Vielleicht zum five o clock tea mit Anjem Chowdry und für den Frankfurter evtl. das „Damen-Programm“ am dortigen LIES!-Stand.

Vielleicht war es dadurch weniger aggressiv als sonst.

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