Nicht ohne meinen Nagie

Der Frankfurter Verein „Zusammen e.V.“ ist ein kleiner Verein, der sich nach außen hin gegen Rassismus und Intoleranz stark macht. Aus den Vereinszielen:

„Wir arbeiten als Gemeinschaft und packen alle zusammen an, um uns gegen Ungerechtigkeit zu wehren. Wir sind gegen Rassismus. Unser Prinzip ist: Keine Toleranz für Intoleranz.“

http://zusammen-ev.de/index.php/ueberuns/unsere-ziele

Das klingt versöhnlich und vertrauenerweckend, wirkt wie ein Gewinn für die Frankfurter Stadtgesellschaft.
Tatsächlich hat z.B. der Vereinsvorsitzende Aitak Barani jedoch andere Einstellungen. Leider Haltungen, die wenig menschenfreundlich scheinen. Aktuell ereifert er sich über die angeblich islamfeindliche Berichterstattung der Frankfurter Rundschau:

„Unterstellt wird, dass hinter (von der Redaktion zugegeben: harmlosen und „sogar“ grundgesetzlich rechtmäßigen) Koranverteilung etwas Gefährliches stecke. Diese Gefahr muss aber nicht belegt werden. Es reicht die Behauptung, dass viele junge Männer, die Korane verteilt haben dann zur IS-Miliz gegangen seien oder dass für viele die „Lies“-Kampagne der erste Kontakt mit der salafistischen Szene sei.“

http://zusammen-ev.de/index.php/rassismusmelder/267-die-hetze-gegen-den-islam-die-frankfurter-rundschau-ist-ein-teil-des-problems

Er geht so weit, sich vor die LIES!-GmbH zu stellen als „harmlose Koranverteiler“, die „ohne Belege“ herabgesetzt würden. Man fragt sich, was für Herrn Barani in seiner verschwörungstheoretischen Parallelwelt als Beleg gilt. Ob vielleicht eine Aussage von Herrn Nagie selber ausreicht?

Wird sich Herr Barani nun damit retten, dass ja schließlich niemand gesehen habe, wie Nagie persönlich junge Menschen über die türkisch-syrische Grenze kutschierte?

Diese Art der Unterstützung ist leider nicht unüblicher Alltags-Islamismus: Man rät dazu, die extremistischen „Brüder“ zu ignorieren. Man stellt in Abrede, dass es Islamismus gibt, schiebt stattdessen allgemein die Schuld den Medien in die Schuhe. Eine beliebte Linie leider durch sehr viele muslimische Organisationen. Das Lied vom Opfer-Mythos, damit man nichts machen muss. Nicht mal, sich zu distanzieren.

Es wird deutlich, dass Herr Barani genauso argumentiert wie der Herr Abou-Nagie. Nagie mag sich nicht von den Schlächtern des IS distanzieren und der Herr Barani nicht von Herrn Nagie. Herr Barani scheint ein einfaches „wir – die da“-Schema von Menschen zu haben. Und da stellt er sich, wenn er es sich schon so einfach macht, auf die ganz, ganz falsche Seite. Eine israelfeindliche Haltung passt da leider nur zu gut ins Bild:

Er scheint es auch für unproblematisch zu halten, welche Ideologie hinter LIES! steht, die immerhin und das sind nur die wahrscheinlichen und bekannt gewordenen Fälle in Frankfurt – nicht als Gruppe, aber von der grundlegenden Haltung her – hinter dem Gallus Jugendzentrum Fall und hinter der Porticus-Attacke aufscheint. Da ist doch sehr viel Toleranz und sogar Unterstützung da für Intoleranz.

Die eigentliche Ursache von zunehmender Kritik am Islam hat er in der islamfeindlichen Haltung der FR ausgemacht. Das sind nicht etwa vornehmlich die IS-Schlächter, die sich auf den Islam berufen, und die Bilder, die sie in die Welt bringen, nein, das ist die Berichterstattung darüber:

„Die FR ist Teil des Problems: sie macht mit bei der Stimmungsmache gegen Muslime!“

Ausgerechnet die FR, die über viele Jahre hinweg bei dem Themenkomplex mehr freundlich als noch neutral war. Ein FR-Leser kann das nicht sein. Der Lohn für die freundliche Berichterstattung ist nun, dass nicht einmal mehr Neutrales als statthaft, sondern als Angriff empfunden und bezeichnet wird. Der FR kann man da nur zur Hyposensibilisierung raten.

Das sind somit die üblichen Verschwörungstheorien und Angriffe. Keinerlei Reflexion, nur Attacke.

Spätestens da wird klar: Da hat jemand ein Problem mit einer freien Presse. Da hat jemand ein Problem mit einer freien Gesellschaft. Und mit Juden obendrein.

Das sollten auch die Frankfurter wissen, die ihn bzw. seinen Verein unterstützen und ihn beim Wort seiner angeblichen Zielvorstellung nehmen. Die Integration unterstützen möchten und nicht Separation in gute Muslime und schlechte Ungläubige. Oder die nur so lange nicht schlecht sind, wie sie nützlich sind, ja sagen oder sich täuschen lassen. Anders kann man Integration auf der Fahne und Segregation im Hinterzimmer kaum verstehen.

Der Verein mag „Zusammen e.V.“ heißen. So wächst aber nicht zusammen, was zusammen lebt. Dazu müsste der Herr Barani auch im Kopf erst einmal in einer freien Gesellschaft ankommen und ein Demokrat werden. Das aber ist noch ein weiter Weg.

Nachtrag:

Der Verein mag ja sonst passable Arbeit leisten. DAS, diese Haltung ist aber auch dabei. Zumindest von diesem Vorsitzenden. Vielleicht sollte der Verein mal darüber nachdenken, ob sie solches Gedankengut wirklich mit ihrem Verein in Zusammenhang gebracht sehen wollen.

Der Verein schreibt auf seiner HP:

„Ansonsten achte ab jetzt darauf, ob unter Deinen Lehrern, Sozialarbeitern oder einfach überall in der Schule, an der Uni und auch in der Presse, Menschen gegen andere Minderheiten hetzen. Melde das. Wir dokumentieren.“

Das hier, diesen antisemitischen und verschwörungstheoretischen Hetzfilm teilt „Die wahre Religion“, also der Herr Nagie:

Die Kommentare, die man so stehen lässt, lassen auch tief blicken.

Dann walten Sie mal Ihres Amtes, Herr Barani. Dokumentieren Sie.