Der Preis im Diesseits

Vor etlichen Jahren hatte Ibrahim Abou Nagie eine Firma, die Plastikfolien vertrieb, eine A.B.N. Folien GmbH. Die Firma, die zunächst in der Straße Am Entenpfuhl 69 in 50765 Köln residierte, war zuletzt in der Maybachstr. 11-11a in 50259 Pulheim registriert. Diese Firma existierte bis 2006, in dem Jahr wurde die GmbH wegen Vermögenslosigkeit gelöscht. Privatinsolvenzen, die solchen Firmeninsolvenzen oft folgen, dauern mindestens 6 Jahre, meist jedoch etwas länger. Abou Nagie war also in 2014 finanziell wohl wieder ein freier Mann. Eigenwirtschaftliche Betätigungen wurden dadurch wieder möglich, ohne dass die Ergebnisse Einfluss auf die Restschuldbefreiung hätten etc.

Seine LIES!-Aktion hatte Abou Nagie einige Zeit rechtlich als Stiftung bezeichnet. Stiftungen können privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich organisiert sein. Ist eine Stiftung öffentlich-rechtlich und soll sie rechtsfähig sein, so muss sie der zuständigen Stiftungsbehörde gemeldet werden. Die Stiftungsbehörde führt dann Aufsicht und sie sorgt dafür, dass der Stiftungszweck erfüllt wird und andere Rahmenbedingungen erfüllt sind und bleiben. Eine solche Rechtsform hatte die Stiftung des Herrn Nagie natürlich nicht. Jenseits dieser Form der rechtsfähigen Stiftung ist dieser Begriff ziemlich frei. Man kann im Prinzip jede Personenvereinigung so titulieren.

Ob Abou Nagie Treuhänder dieser Stiftung war, ist nur schwer zu überprüfen und Sache des zuständigen Finanzamtes. Bei einem Treuhänder fällt – sofern er in Insolvenz gerät – das von ihm verwaltete Vermögen in die Insolvenzmasse. Zu fragen wäre also, ob Abou Nagie während seiner Insolvenz Treuhänder wurde und ob dann Teile des Stiftungsvermögens bei Kenntnisnahme der Behörden nicht nachträglich hätten eingezogen werden können (es gibt Dinge, die man in der Insolvenz einfach nicht tun sollte bzw. sich sehr genau informieren muss, welche rechtlichen Folgen dies hat). Dies alles unabhängig davon, dass er sich stets in dieser Zeit als mittellos ausgab und nach aktueller Anklage in Köln nicht mittellos war, s. Beitrag vom 09.04.

Da das alles rechtlich nicht ganz einfach ist, wird die aktuelle Suchmeldung verständlich:

Da jedoch auch der beste Steuerberater aus einem X kein U machen kann und darf, darf man da gespannt sein. Zumal Abou Nagie für die Stiftung reklamiert, Umsatzsteuer zurück erhalten zu müssen.

Seit dem 24.09.2014 hat der Herr Abou Nagie nun auch wieder eine Firma, die LIES!-GmbH, diesmal im Sintherer Holzweg 1 50259 Pulheim. Das, was er nun als europaweite Mildtätigkeit verkauft, ist also wieder eine Betätigung, die – eine GmbH! – nun auch offiziell wieder eine Gewinnerzielungsabsicht hat. Die verschiedenen rechtlichen Implikationen dieses Umstandes, eine Besonderheit des deutschen Kaufrechts ist da wegweisend, führen hier zu weit, nur so viel: Die LIES!-Stände sind mindestens mittelbar die einer GmbH. Auch Bilal Gümüs, der leitende Frankfurter Protagonist der LIES! GmbH stellt das LIES! Projekt als gewerbliche Betätigung heraus:

Abou Nagie stellt sicher, dass die Verteilungsströme dieser Bücher nur über ihn laufen. Europaweit, auch in Ägypten, der Türkei und Indien, ab 5:30:

.

Da  beißt man aufkeimende Konkurrenz wie „Siegel der Propheten“ schon mal weg. Der Herr, der dieses Projekt leitet, Erol Selmani, ist inhaltlich sehr ähnlich aufgestellt und die von ihm verteilte Übersetzung ist eine von Bubenheim. Also wenig Unterschiede. Das wäre entbehrlich, ginge es nur um die Belohnung im Jenseits, das Hasanat.

Lange Zeit war von der LIES-fb-Seite der shop der LIES!-Stiftung aufzurufen. Das hat mal aktuell geändert:

https://www.facebook.com/diewahrereligion/app_156393791048177

Der DWR online shop war auch lange Zeit in Herford angesiedelt.
Nun lässt man alles über Pulheim laufen. Die Stiftung ist ebenfalls nun shopfreie Zone, in der man nur noch zu Spenden aufruft:

http://diewahrereligion.eu/hausdesqurans/

Die Stiftung (wer ist Treuhänder?) kauft dann wohl bei der GmbH des Herrn Abou Nagie die Bücher und das Equipment. Die Stände werden immer prächtiger an vielen Orten: T-Shirts, Trolleys und Segel, Tonnen, Ständer und farblich passende Teppiche (!). Dawa Ton in Ton. Da geht was. Die Anhänger ordern anscheinend wie 4 jährige Mädchen Barbies rosa Ausstattung für das Puppenheim:

Die wohl gewünschte Trennung von LIES! Stiftung und LIES! Verlags GmbH ist durchaus interessant. Meiner Meinung nach möchte man die Mildtätigkeit, sei es die ehrenamtliche Arbeit oder die Spende, bei der Stiftung ansiedeln, den Gewinn aber bei der GmbH. Hätte man eine Gemeinnützigkeit, genösse man sogar noch Steuervorteile. Auf der fb Seite „Die wahre Religion“ steht ja bereits, man sei eine „Gemeinnützige Organisation“. Ein spannendes Modell der Ausgliederung von Arbeit. Die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen. Hasanat in diesseitige Gewinne ummünzen. Nicht ungeschickt.

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