Mahnwache vom 30.05.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank für den umsichtigen Schutz an die Frankfurter Polizei.

Mit dabei war die Kurdisch-Israelische Freundschaft (KIFA). Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Dies ist ein vorläufiger Bericht, der noch ergänzt wird durch die Eindrücke der Mitstreiter sobald sie diese verschriftlichen. Ich stelle ihn aber schon jetzt online, weil es heute noch mal anders war als sonst.

Ein etwa neunjähriges Mädchen kam mit seiner einige Jahre älteren Schwester vorbei. Die Schwester trug Kopftuch, das jüngere Mädchen nicht. Das kleine Mädchen ging ohne große Umschweife in die Offensive: Das Schild sei beleidigend (ich hatte das Schild „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“), meinte sie. Ich wollte erklären, kam aber kaum zu Wort, da das Mädchen dauernd unterbrach. Dann fragte ich sie, wenn ich nicht erklären dürfe, was sie denn unter dieser Aufschrift verstehe. Sie konnte das nicht erklären, nur dass es beleidigend sei. Mit der älteren Schwester konnte ich dann ein paar Sätze wechseln, versuchte, das Wort Islamismus zu erläutern. Auch sie meinte jedoch, ich solle das Schild herunternehmen. Ich verneinte, das machte sie ärgerlich und es war den Schwestern deutlich anzumerken, dass sie es nicht gewohnt sind, darüber überhaupt nachzudenken.

Zwei weitere Mädchen, vielleicht 14, waren schon einmal da gewesen und erinnerten an das Gespräch. Das letzte Mal waren wir uneins geschieden. Sie fragten wieder, was das denn bringe. Ich erläuterte ein weiteres Mal unter Hinweis auf die Radikalisierung und sie meinten, das sei die Privatsache von den Jungen. Auf meine Frage, ob das auch für Nazis gelte, dass deren Meinung Privatsache sei und man das einfach hinnehmen und nicht diskutieren müsse, kam wenig. Es wurde deutlich, dass die Mädchen mit politischer Meinungsäußerung wenig anzufangen wussten und nur in den Kategorien „beleidigt mich“ oder „ist neutral“ denken konnten.

Ein junger Linker sprach mir ab, auch links sein zu können, weil er mein Schild nicht verstand.

Eine sehr traditionell gekleidete Muslima fragte mich, ob ich sie für radikal halte. Ich sagte ihr, dass ich das nicht notwendigerweise an Kleidung, sondern an den Haltungen festmache. Ich versuchte dann, das Wort Islamismus, das sie störte, zu erläutern als Gesprächsangebot für beide Seiten, weil wir eben über die Inhalte sprechen müssten. Obschon ausreichend sprachkundig, schien sie das nicht zu verstehen.

Eine Kleingruppe junger, westlich gekleideter Muslimas blieb stehen und diskutierte unter sich. Ich schnappte auf, dass sie sich über die Damen in traditioneller Kleidung ärgerten, die „immer solche Probleme machen“. Da ich nicht angesprochen wurde, lies ich die jungen Frauen das miteinander ausdiskutieren.

Mehrere Passanten liefen vorbei und beschimpften uns. Einmal konnte ich deutlich das Wort „Shaytan“ (Teufel) hören. Einige englischsprachige Besucher waren durch mein „Achmed the dead terrorist“-Shirt aufmerksam geworden und liessen sich das Anliegen erklären. Dieses Shirt zieht immer englischsprachige Touristen an, da der zugrundeliegende Bauchredner-Sketch weite Verbreitung hat im angloamerikanischen Raum.

Mittlerweile hatte sich um einen Mitstreiter eine größere Gruppe gebildet, die diesem immer näher rückte. Der Mitstreiter, dem es dann doch zu eng und aggressiv wurde, trat aus dem Kreis zu mir herüber. Die Gruppe nahm sich nun einen anderen Mitstreiter vor, dem sie in gleicher Weise zusetzte. Die Gruppe war plötzlich aufgetaucht und bestand aus bestimmt 20 jungen Männern. Unter ihnen war – er war Wochen nicht dagewesen – Ilyas K., der mit verschiedenen Mitstreitern die Direkt-Konfrontation suchte. Weitere Grüppchen tauchten auf, umringten ihrerseits sehr eng. Es wurde unübersichtlich.

Währenddessen wurden 10 unserer Plastik-Schilder gestohlen, unser „Demo-Koffer“ geplündert.

Es gab heftige Wortgefechte, man zog die Kreise noch enger um uns. Plakate aus Pappe wurden zerrissen bzw. auf sie geschlagen. Einen Mann, der ein Plakat zerschlagen hatte, konnte ich dingfest machen und habe ich anzeigen müssen. Leider hatte ich den Eindruck, dass er sich nur zu gerne nicht nur am Plakat vergriffen hätte. Einer Mitstreiterin mit einem Papp-Plakat hielt ein junger Mann eine Spraydose und ein Feuerzeug unter die Nase und drohte, das Plakat abzufackeln. Mitstreiter wurden absichtlich angerempelt, um dann zu schreien, dieser habe sie geschlagen oder hätte ihn angefasst. All das sehr aggressiv und mit gruppenweisem Vorgehen. Mehrere wurden gefragt, ob sie denn keine Angst hätten, später dann nach Hause zu gehen. So alleine.

Als ich K. einen Platzverweis aussprach, ignorierte er ihn. Ich lief zur Polizei, um das Platzverbot durchsetzen zu lassen. Plötzlich stürmten 15 junge Männer mit mir zur Polizei und riefen, ich hätte „Scheißmoslems“ zu ihnen gesagt, sie wollten nun mich anzeigen. Ich riet zur Anzeige und meinte nur, gut, dann weiß ich ja endlich, mit wem ich es zu tun habe. Ein bekannter Unterstützer verkündete, er habe eine Aufnahme. Ich bat darum, sie vorzuspielen. Der Mann drückte sich weg. Später traf ich noch mal auf ihn, er war weiter aggressiv. Er sagte dann zu mir, er hätte mich angezeigt, wenn er Beweise gehabt hätte (was natürlich Unsinn ist, diesen Beweis konnte es nicht geben, weil ich das nicht sagte und nie sagen würde).

Mahnwache 150530 II

 

Zwei Männer traten hinzu, vielleicht Vater und Sohn. Der ältere Mann störte die Gespräche mit mehreren jungen Frauen. Er rief immer wieder dazwischen, fragte mich immer wieder sehr aggressiv, was ich denn gegen den US-Imperialismus unternähme. Ich bekundete, dass dies nicht das Thema dieser Demo sei, er liess mich jedoch keine zwei Sätze am Stück sprechen. Ich wollte mich dann wieder den jungen Frauen zuwenden, was er durch ostentatives Zwischenrufen störte. Ich wies ihm vom Platz. Er kümmerte sich nicht darum, sagte, das dürfe ich nicht. Der jüngere Mann fragte fast genauso aggressiv nach, auf Grund welchen Gesetzes ich mir das anmasse. Ich outete mich als Versammlungsleiterin nach Versammlungsgesetz und Frankfurter Sondernutzungssatzung und wiederholte meine Forderung. Der junge Mann sagte nun er „lerne Richter“ (!). Aus einer Laune heraus fragte ich ihn nach dem Art. 4 GG. Nichts, aber: Er „lerne Strafrichter“ (!!). Nun gut, ich also: „Ok, was steht im § 164 StGB so ungefähr, welcher Teil ist das?“. Wieder nichts. Die Polizei nahm die Herren beiseite. Wenige Minuten später waren die Herren wieder auf dem Platz. Der Mann war weiter aggressiv. Ich forderte ihn auf, nicht in dieser übergriffigen Weise mit mir zu sprechen. Er meinte, das könne ich wohl glauben, dass er aggressiv sei. Dabei schaute er sehr befremdlich, ich muss schon sagen, hasserfüllt. Ich erinnerte an den Platzverweis, er habe wohl ein Problem mit Regeln. Darauf er: „Ja, mit ihren Blockwart-Regeln!“. Kurz nach Veranstaltungsschluss gingen die beiden zur Polizei, um sich den Namen des Einsatzleiters geben zu lassen. Sie würden gegen den Platzverweis Widerspruch einlegen (was natürlich sinnlos ist und rein querulatorisch).

Erprobt ruhige und geduldige Mitstreiter, die schon etliche aggressiv aufgeheizte Mahnwachen durchstanden haben, gerieten heute an ihre Grenzen. Eine neue Mitstreiterin, ihr wurde das Plakatabfackeln angedroht, war hinterher deutlich beeinträchtigt.

Seit ca. 4 Wochen ist der Lies!-Stand auf der Zeil in Frankfurt nicht mehr regelmäßig besetzt und auch die Unterstützer blieben weg. Dem Anschein nach ist die Szene aufgeschreckt. Heute nun kamen sie massiv zurück in neuer Formation. Eine größere Anzahl, aggressiver, besser organisiert. Man versucht es nun noch stärker mit organisiertem Druck. Diesem Druck darf man nicht nachgeben. Es geht darum, seine Meinung relativ frei sagen zu können. Es geht um die Deutungshoheit der Begriffe. Und es geht um die Macht auf der Strasse. Wer hat sie? „Wir“ oder schon eine Masse, die sich in der Anonymität herausnimmt, zu lügen, zu nötigen, Menschen als Untermenschen zu bezeichnen? Wir sagen: Nein! Diesem Druck einer anonymen Masse darf man nicht nachgeben! Straßenradikalisierung findet statt. Bei der Mahnwache wird sie fühl- und erfahrbar.

Es entstand ein Sachschaden von etwa 200 Euro (ich muss ihn noch genau beziffern).

 

Nachtrag:

Die Aktivisten von LIES! haben nach meiner Kenntnis gestern keine Koranverteilung durchgeführt. Trotzdem haben sie ein Bild eingestellt, das die Aktivität vom 30.05.2015 darstellen soll.
Man beachte die Bäume:

LIES Frankfurt falsches Bild 150530

Quelle: DWR fb-Seite

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Ein Gedanke zu “Mahnwache vom 30.05.2015

  1. Erfahrungsbericht einer Teilnehmenden an der Veranstaltung in Frankfurt am 30. Mai 2015

    „Demo gegen die Koranverteilung der Salafisten auf der Zeil“, so lautete der Arbeitstitel der Veranstaltung. Da ich schon immer einmal die Gelegenheit nutzen wollte und nicht nur hier im Internet auf die Gefahren des Salafismus in unserer heutigen Zeit und in unserem heutigen Europa hinweisen wollte, habe ich an diesem Wochenende daran teilgenommen.

    Meine Erkenntnisse, die ich daraus gezogen habe, möchte ich euch kurz darlegen.

    Es ist erschreckend, mit welcher Aggresivität wir von vielen Passanten mit Migrationshintergrund angegangen worden sind. Anscheinend fühlte sich jeder zweite oder dritte Passant angegriffen von unseren Schildern. Die Aussagetexte bezogen sich ausschließlich auf den Salafismus sowie auf extreme Islamisten und die Verteilaktionen der Lies-Truppe etc. In keinster Weise wurde mit diesen Aussagen ein Muslim beleidigt. Dennoch wurden die „Diskussionen“, die schon bald keine mehr waren schon nach recht kurzer Zeit sehr beängstigend. Einer unserer Mitstreiter wurde so heftig umringt und teilweise auch bedroht, dass die Polizei mit Platzverweisen eingreifen musste. Auch wurden uns schon sehr früh viele der Schilder, die sich noch im bereitgestellten Koffer befanden (was nicht hätte sein müssen, wenn alle 29 Personen gekommen wären, die sich zur Demo/Mahnwache angemeldet haben), gestohlen. Ein Schild wurde sogar mutwillig von einem Passanten zerstört, während es in der Hand gehalten wurde.

    Das Schild, das ich mit jemanden zusammen gehalten habe, wollte sogar ein junger Migrant von etwa 15 Jahren, mit den Worten: „Geh` mal etwas an die Seite, dass ich dein scheiß Schild abfackeln kann!“ zerstören. Er hielt ein Deospray in der einen Hand und in der anderen ein Feuerzeug. Er wiederholte diesen Satz noch zweimal und ich fragte ihn, ob er das im Ernst meinte, und ob er sich der Gefahr bewusst wäre. Das sei ihm egal, das Schild wäre scheiße. (Anm.: Text des Schildes „Salafisten werben, Kinder sterben!“)

    Daraufhin mischte sich ein weiterer Passant ein, der meinte, er finde den Text zwar auch nicht in Ordnung, aber deshalb müsste man noch lange nicht so eine gefährliche Situation erzeugen und so eine Aggresivität an den Tag legen. Es hätte schon Fälle gegeben, da hätten welche lichterloh in Flammen gestanden nach so einer Aktion. Darauf grinste er nur und ich warnte ihn noch zusätzlich, in dem ich ihn fragte, ob er denn gut finden würde, wenn er Pfefferspray in die Nase bekommen würde. Endlich steckte er beide Utensilien wieder ein und meinte zu uns, was wir für einen Aufstand machen würden, er hätte nur ein Deospray gezeigt und mehr nicht!!!

    Ein andere Person (wieder ein Migrant) fragte mich, ob ich denn keine Angst hätte alleine nach Hause zu gehen. Langsam wurde mir das Ganze doch etwas zu viel für meine schwachen Nerven. Da muss ich schon die anderen Mitstreiter sehr bewundern, die nun schon seit September letzten Jahres auf die Straße gehen. Hut ab!

    Obwohl wir immer wieder darauf hingewiesen haben, dass wir keine Probleme mit Muslimen haben, sondern nur damit, dass Salafisten immer mehr und immer öfter Kinder und Jugendliche für ihre Aktionen in Syrien etc. anwerben und die dann dort vor Ort den Tod finden würden, bezogen das die Meisten auf sich. Vernünftige Diskussionen gab es leider sehr selten. Nicht selten wurden wir auch als Pegida bezeichnet.

    Zum Schluss nahm die Aggresivität meiner Meinung sogar noch zu und ich hatte das Gefühl, dass es jeden Augenblick eskalieren könnte. Ein Glück, dass bei solchen Veranstaltungen stets die Polizei anwesend ist und ein wachsames Auge hat. Danke hier auch an die Frankfurter Polizei, ohne die es sicherlich nicht so glimpflich ausgegangen wäre.

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