Furcht ist der Gegner

… der einzige Gegner.

Über die verschiedenen Ausgestaltungen und Imaginationen zur Hölle und zum Teufel, zu Psychomethoden im Allgemeinen war die letzten Tage hier mehrfach die Rede. Wie sieht das nun bei den Predigern selber aus, wie äußert sich die fixe Idee bei ihnen, wie steigern sie sich selber in die Angst hinein, die sie versuchen, auch anderen zu machen? Wie fließend sind die Grenzen zwischen starkem Glauben und religiösem Wahn? Wann mündet Religion auch in psychischer Selbstbeschädigung?

Angst kann diese Grenzen sehr dünn machen. Angst bewirkt auch bizarre Methoden, sie abzuwehren, man denke nur an Zwangshandlungen. Diese Grenzen sind zumindest bei einigen verwischt und man kann – dank Internet und deren Hang zur Selbstentblößung – dies auch anschauen.

Man kann verschiedenen Personen zuschauen dabei, wie sie in einem Vortrag sich völlig in diese Imaginationen hineinsteigern. So sehr, dass diese Angst ganz Besitz von ihnen ergreift. Die Schilderungen sind überaus eindringlich, mit einem Affekt transportiert, als ob diese Personen tatsächlich diese Dinge schon gesehen oder erlebt hätten. Labile oder suggestible Personen halten diese Emotionalität nicht aus, für sie ist das dann irgendwann authentisch, die Höllendrohung erscheint ihnen als eine real zu erwartende Folge. Kein Platz mehr für Metaphern, kein Raum für Zweifel. Diese Prediger haben eine sehr manipulative Art der Darstellung. Aus Glauben wird angeblich Wissen, echte Erkenntnis.

Es sind im Grunde primitive Dichotomien: Erlaubt, verboten, rein, unrein, Paradies, Hölle. Komplexitätsreduktion, Wegnahme der Entscheidungsfreiheit (bei wörtlichem Lesen von 33,37).

Die angeblich paradiesischen Belohnungen sind nur die Fortschreibungen der irdischen Freuden, die sich der Religionsstifter vorstellen konnte: Essen, trinken, viel Sex und noch mehr Sex. Das sind Dinge, die sich die Anhänger vorstellen können, die sie aber auch schon im Diesseits erleben können. Ein gutes Essen stellt auch im Diesseits schon zufrieden und auch wenn die Imagination das noch erhöhen mag, so ist auch eine erfüllte Sexualität für die Anhänger im Diesseits vorstellbar und erreichbar. Nicht umsonst wird vom IS immer wieder in Propagandavideos das angeblich vortreffliche Essen und die Phantasien hinsichtlich der sexuellen Möglichkeiten angeregt (ich war einmal Zeugin, wie sich 15 jährige auf der Zeil über die „Kriegsbeute“, gemeint waren Frauen, unterhielten).

Mächtiger ist jedoch die Angst, die Furcht vor ewiger Qual. Die Höllenqualen sind weniger gut fassbar, weswegen auch dort zu farbigen Bildern gegriffen wird. Man versucht, das möglichst plastisch zu verdeutlichen, bringt Beispiele aus dem Leben. Alles zielt darauf ab, möglichst viel Angst beim Zuhörer zu induzieren. Er soll sich maximal fürchten, um sich maximal zu unterwerfen. Dem angeblichen Willen Gottes und doch nur demjenigen, der die Furcht erzeugt und für seine Zwecke zu nutzen weiß. Angst triggern zu können oder zu nehmen, das ist zu viel Macht. Man lehrt das Fürchten.

Wenn Jugendliche nicht dazu erzogen werden, auch die Worte von Personen zu hinterfragen, die angeblich heilige Texte im Gepäck haben, wenn man Kindern nicht beibringt, geistliche Führer nicht als unantastbare Autoritäten hinzunehmen, dann wird man noch viele in die Fänge dieser Angstmacher verlieren.

Einige Beispiele mögen verdeutlichen, wie intensiv die Angst schon bei einigen Predigern selber erscheint.

Abou Nagie:

Abou Nagie rechnet u.a. die Zahl der Engel vor, die die Hölle zu den Menschen ziehen.

Abou Nagie gibt „die Ereignisse am jüngsten Tag“ wieder, als ob es die Nachrichten wären:

Ein best of Abu Abdullah, Abu Dujana und Abdellatif, genannt der Sheikh:

Abu Ubeyda:

Abu Abdullah, ehemals oft mit Dawaffm-Aktivisten zugange und nun in Großbritannien aktiv:

Der Mann weidet sich regelrecht in den widerwärtigen Schilderungen. Er kommt nicht auf die Idee, zumindest in Erwägung zu ziehen, das für sinnlose Ideen, freie Behauptungen und Geschichten vom Lagerfeuer zu halten. Fixe Ideen bis zum Erwartungswahn, alles real und wörtlich genommen. Kein Raum, zumindest die Möglichkeit metaphorischer Darstellung zu erwägen. Ein deutliches Beispiel dafür, wie psychisch ungesund extrem ausgelebte Religion sein kann, wenn sich jemand, der ängstlich ist, sehr in diese Vorstellungen hineinsteigert. Aus einer Annahme, einem Glauben, wird eine Angst, die in ihrer Intensität an eine Realangst vor kurz bevorstehenden unangenehmen Vorgängen heranreicht. Diese Schilderungen nicht nur als Metaphern zu nehmen, ruft eine erhebliche Furcht hervor bei empfänglichen Personen.

Man muss sich nicht alle diese Videos anschauen, um einen Eindruck zu erhalten. Empfehlenswert sind das erste Nagie-Video und das letzte von Abu Abdullah.

In diesen Videos wird deutlich: Die selbstempfundene Furcht soll induziert werden.
Wirklich fürchten sich diese Individuen nämlich parallel davor, dass andere ihre Furcht nicht nachvollziehen können. Sie ertragen es nicht, dass Menschen angstfreier sind als sie. Das weckt Aggressionen gegen die weniger ängstlichen und suggestiblen Personen. Wer ihre Angst abtut, verdient Vernichtung: „Möge Allah sie rechtleiten oder vernichten“, heißt es häufig. Unterwirf dich oder stirb.

Menschen, die mit dieser extremen Angst indoktriniert sind, werden nahezu alles tun, um diese Angst abzuwehren. Sie werden Abwehr-Rituale ausführen. Sie werden sich von Dingen fernhalten, die diese Furcht triggern könnten. Sie werden Personen glauben, die ihnen versprechen, diese Angst wieder zu nehmen, ohne den Grund zu hinterfragen: Die Prediger „heilen“ etwas, das sie in dieser extremen Form erst hervorriefen. Sie manipulieren mit diesen Ängsten. Sie machen aus einem Glauben vorgeblich Wissen. Dieses wortwörtliche Verständnis erzeugt Angst und die Angstabwehr läuft über ihre Abwehrangebote.

Diese Furcht ist also der Gegner. Gegen diese Furcht kann man sachliche Einordnung als Ursachenbekämpfung setzen und Relativierung*. Weniger Religiosität, mehr geschichtliche Einordnung. Sinn- und Wertschöpfung durch Diesseits und Menschsein. Mehr Mut zur eigenen Findung und Wertung vermitteln. Gegenhalten gegen autoritäre Erziehungsmuster. Es gibt kein Patentrezept, aber die Bekämpfung der Furcht, dieser speziellen Furcht ist ein wichtiger Teil.

 

 

 

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Mouhanad Khorchide, der eine wesentlich freundlichere Art der Gerechtigkeitsherstellung durch seinen Gott propagiert (er zieht ein Hadith von Bukhari dazu bei, um das als Gleichnisse zu bezeichnen), sieht beide Deutungen als Angebote. Er kommt ohne starke Furchterzeugung aus:

 

Der Preis im Diesseits

Vor etlichen Jahren hatte Ibrahim Abou Nagie eine Firma, die Plastikfolien vertrieb, eine A.B.N. Folien GmbH. Die Firma, die zunächst in der Straße Am Entenpfuhl 69 in 50765 Köln residierte, war zuletzt in der Maybachstr. 11-11a in 50259 Pulheim registriert. Diese Firma existierte bis 2006, in dem Jahr wurde die GmbH wegen Vermögenslosigkeit gelöscht. Privatinsolvenzen, die solchen Firmeninsolvenzen oft folgen, dauern mindestens 6 Jahre, meist jedoch etwas länger. Abou Nagie war also in 2014 finanziell wohl wieder ein freier Mann. Eigenwirtschaftliche Betätigungen wurden dadurch wieder möglich, ohne dass die Ergebnisse Einfluss auf die Restschuldbefreiung hätten etc.

Seine LIES!-Aktion hatte Abou Nagie einige Zeit rechtlich als Stiftung bezeichnet. Stiftungen können privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich organisiert sein. Ist eine Stiftung öffentlich-rechtlich und soll sie rechtsfähig sein, so muss sie der zuständigen Stiftungsbehörde gemeldet werden. Die Stiftungsbehörde führt dann Aufsicht und sie sorgt dafür, dass der Stiftungszweck erfüllt wird und andere Rahmenbedingungen erfüllt sind und bleiben. Eine solche Rechtsform hatte die Stiftung des Herrn Nagie natürlich nicht. Jenseits dieser Form der rechtsfähigen Stiftung ist dieser Begriff ziemlich frei. Man kann im Prinzip jede Personenvereinigung so titulieren.

Ob Abou Nagie Treuhänder dieser Stiftung war, ist nur schwer zu überprüfen und Sache des zuständigen Finanzamtes. Bei einem Treuhänder fällt – sofern er in Insolvenz gerät – das von ihm verwaltete Vermögen in die Insolvenzmasse. Zu fragen wäre also, ob Abou Nagie während seiner Insolvenz Treuhänder wurde und ob dann Teile des Stiftungsvermögens bei Kenntnisnahme der Behörden nicht nachträglich hätten eingezogen werden können (es gibt Dinge, die man in der Insolvenz einfach nicht tun sollte bzw. sich sehr genau informieren muss, welche rechtlichen Folgen dies hat). Dies alles unabhängig davon, dass er sich stets in dieser Zeit als mittellos ausgab und nach aktueller Anklage in Köln nicht mittellos war, s. Beitrag vom 09.04.

Da das alles rechtlich nicht ganz einfach ist, wird die aktuelle Suchmeldung verständlich:

Da jedoch auch der beste Steuerberater aus einem X kein U machen kann und darf, darf man da gespannt sein. Zumal Abou Nagie für die Stiftung reklamiert, Umsatzsteuer zurück erhalten zu müssen.

Seit dem 24.09.2014 hat der Herr Abou Nagie nun auch wieder eine Firma, die LIES!-GmbH, diesmal im Sintherer Holzweg 1 50259 Pulheim. Das, was er nun als europaweite Mildtätigkeit verkauft, ist also wieder eine Betätigung, die – eine GmbH! – nun auch offiziell wieder eine Gewinnerzielungsabsicht hat. Die verschiedenen rechtlichen Implikationen dieses Umstandes, eine Besonderheit des deutschen Kaufrechts ist da wegweisend, führen hier zu weit, nur so viel: Die LIES!-Stände sind mindestens mittelbar die einer GmbH. Auch Bilal Gümüs, der leitende Frankfurter Protagonist der LIES! GmbH stellt das LIES! Projekt als gewerbliche Betätigung heraus:

Abou Nagie stellt sicher, dass die Verteilungsströme dieser Bücher nur über ihn laufen. Europaweit, auch in Ägypten, der Türkei und Indien, ab 5:30:

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Da  beißt man aufkeimende Konkurrenz wie „Siegel der Propheten“ schon mal weg. Der Herr, der dieses Projekt leitet, Erol Selmani, ist inhaltlich sehr ähnlich aufgestellt und die von ihm verteilte Übersetzung ist eine von Bubenheim. Also wenig Unterschiede. Das wäre entbehrlich, ginge es nur um die Belohnung im Jenseits, das Hasanat.

Lange Zeit war von der LIES-fb-Seite der shop der LIES!-Stiftung aufzurufen. Das hat mal aktuell geändert:

https://www.facebook.com/diewahrereligion/app_156393791048177

Der DWR online shop war auch lange Zeit in Herford angesiedelt.
Nun lässt man alles über Pulheim laufen. Die Stiftung ist ebenfalls nun shopfreie Zone, in der man nur noch zu Spenden aufruft:

http://diewahrereligion.eu/hausdesqurans/

Die Stiftung (wer ist Treuhänder?) kauft dann wohl bei der GmbH des Herrn Abou Nagie die Bücher und das Equipment. Die Stände werden immer prächtiger an vielen Orten: T-Shirts, Trolleys und Segel, Tonnen, Ständer und farblich passende Teppiche (!). Dawa Ton in Ton. Da geht was. Die Anhänger ordern anscheinend wie 4 jährige Mädchen Barbies rosa Ausstattung für das Puppenheim:

Die wohl gewünschte Trennung von LIES! Stiftung und LIES! Verlags GmbH ist durchaus interessant. Meiner Meinung nach möchte man die Mildtätigkeit, sei es die ehrenamtliche Arbeit oder die Spende, bei der Stiftung ansiedeln, den Gewinn aber bei der GmbH. Hätte man eine Gemeinnützigkeit, genösse man sogar noch Steuervorteile. Auf der fb Seite „Die wahre Religion“ steht ja bereits, man sei eine „Gemeinnützige Organisation“. Ein spannendes Modell der Ausgliederung von Arbeit. Die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen. Hasanat in diesseitige Gewinne ummünzen. Nicht ungeschickt.

Das Paradies des Abou Nagie

Die Wünsche eines Menschen sagen viel aus über ihn. Hätte einer drei Wünsche frei, würden sich manche persönliche Gesundheit, ein dickes Auto, nur eigenes wünschen und andere den Weltfrieden, ein Ende der Not, kurz, etwas für alle Menschen. Man könnte also den einen Typus als materialistischen Egozentriker bezeichnen und den anderen als idealistischen Altruisten.

Das ist bei den Vorstellungen vom Paradies, also einem imaginären Ort, an den man nach den Vorstellungen vieler glaubender Menschen nach einer göttlichen Bewertung des irdischen Lebens die restliche Ewigkeit verbringt, nicht anders. Es soll ein Ort sein, an dem alle Wünsche in Erfüllung gehen.
Manche der vielen gläubigen Menschen weltweit haben auch noch eine Hölle im Sinn. Während dies bei den anderen abrahamitischen Religionen (mittlerweile) in den Hintergrund tritt, ist diese Vorstellung beim Islam noch recht lebendig. Vielen sehr konservativ und traditionell Gläubigen ist das gängiges Konzept, an dem sie selbst sich orientieren und vor dem sie auch andere warnen, wenn nicht ihren Vorstellungen vom Leben im Diesseits gefolgt wird. Man fürchtet sich und will, dass auch andere sich fürchten, zumindest aber die Furcht ernst nehmen, auch wenn sie auf persönlichen Imaginationen, Behauptungen und Tradition (und mehr ist nicht haltbar) beruht.
Das recht häufige Stoßgebet „Möge ihn Allah rechtleiten oder vernichten“, also im Grunde eine Verfluchung, ist da wegweisend, auch wenn dieser „fromme“ Wunsch sich durchaus auch aufs Diesseits bezieht. Ein Teil wird sich die Strafe dann weiterhin fürs Jenseits der Person wünschen und die Wunscherfüllung aufschieben, ein anderer Teil wird aus Ohnmacht ebenfalls aufs Jenseits warten, ein dritter Teil wird bei Gelegenheit dem angeblichen Willen Gottes schon im Diesseits Geltung verschaffen. Dies führt im Exzess dann zu solchen Taten wie bei IS, aber auch zu den Strafen, wie sie in einigen Ländern für nicht „Rechtgeleitete“ vorgesehen sind..

Die Hölle als Ort einer angeblich göttlichen Gerechtigkeit ist also Teil eines Wunschdenkens. Man wünscht sich das Paradies, während man anderen die Hölle wünscht (vor der man selber Furcht hat).

In einem interessanten Gespräch mit einem jungen Christen legt nun der Herr Abou Nagie seine Wunschvorstellungen bloß:

Ehrlichkeit und Verstand führen nach Abou Nagie ohne Zweifel zu seinem Glauben hin. Alle, die nicht gläubig sind, sind also entweder unehrlich oder dumm, denn sein ist die absolute Wahrheit. Sie verdienen die Hölle.

Abou Nagies Paradies beinhaltet Genuss für die Gläubigen. Einer diese „Genüsse“ ist – erstaunlicherweise erwähnt er z.B. Essen, Sex aber nicht – auch, die Ungläubigen mitleidlos brennen zu sehen. Man habe auch deshalb kein Mitleid, weil Gott gerecht sei. Bei Unterwerfung unter diesen ist Mitleid entbehrlich, ja geradezu Zweifel an göttlicher Gerechtigkeit, und so ergötzt man sich im Paradies des Herrn Abou Nagie denn auch am höllischen Feuer und am Leid. Das hat etwas Sadistisches, Brot und Spiele, ein himmlicher Circus Maximus mit einem auf ewig absenkten Daumen.

Das ist auch deshalb interessant, weil nach einem anderen Gedankengang dieser extremen Gläubigen nichts ohne Allahs Willen geschehe. Ob jemand gläubig oder ungläubig sei, ist demnach von ihm bestimmt (man lasse einmal die fehlende Binnenkonsistenz außer Acht, denn dann müsste man keine Bücher verteilen, man müsste überhaupt nichts lesen oder tun, denn das ist alles vorherbestimmt). Denkt man das in dieser Logik zu Ende, sind Ungläubige geborene Shaytane, Teufel, die als Person eigentlich gar nicht relevant sind. Sie sind schlicht keine Personen wie man selbst, sondern Kreaturen rein zur Prüfung der Gläubigen.

Abou Nagie bezeichet Atheisten im Video mehrfach konkret als „schlimmer als das Vieh“. Jeder hat seinen Platz in seiner Welt und da rangiert der Atheist unter Ochs und Esel*. Er ist sich sehr sicher, dass diese sowie Christen und Juden in die Hölle kommen. Bei den IS-Anhängern ist er sich nicht sicher. Da will er es „dem Schöpfer“ überlassen. Wenn er sich da nicht sicher ist, heißt dies, dass er deren Taten nicht bewertet, weil er sie als andere Muslime sieht. Sein Islam ist also der des IS. Das ist kompatibel. Bei all dem ist er sich völlig sicher, dass dies nicht sein eigenes Urteil ist, sondern der Wille und der Befehl Gottes. Da Gott aber per definitionem gerecht ist, ist kein Platz für Mitleid. Es ist so bestimmt. Folgt man dieser Bestimmung, ist somit kein Raum für Reue. Man ist ja nur Befehlsempfänger.

Das ist natürlich nur die Ebene von Abou Nagies Eigensicht. In der Fremdbetrachtung sind das die Wünsche des Herrn Abou Nagie. Man wünscht anderen Leid, wenn sie sich dem eigenen Willen nicht unterwerfen, ganz banale Macht- und Größenphantasien. Man könnte es als Sonderform eines pathologischen Narzissmus sehen, der den anderen, sofern er ein bestimmtes Kriterium erfüllt, gar nicht mehr als andere Person wahrnimmt. In dieser Wunschwelt ist kein Platz für Mitleid, denn der Umweg über den Glauben verdeckt nur die eigenen Machtphantasien und tatsächlich einen Hass auf Menschen, die sich ihm nicht unterwerfen. Dieser Hass wird über die genannten Umwege in der Selbstsicht sozial kompatibel umbenannt und dann projiziert. Zumindest in seinen Kreisen sozial kompatibel. Bei aller Psychologisierung sind das Botschaften, die er so auch an seine Anhänger transportiert. Da wird aus der Psychologie dann Politik und das ist ein Problem unserer Gesellschaft, denn mit dieser Ideologie instruierte Jugendliche sind mittlerweile weitläufig zu finden.

Mehrheitsgesellschaft, Medien, andere Menschen, alles teuflische Versuchungen. Diese Wahnwelt hat die Eigenschaft, alle Kommunikation, die Brücke sein könnte, zu entwerten und abzubrechen. Aus dieser mentalen Wagenburg dringt nur noch nach außen, hinein kommt nichts mehr. Deshalb muss man mehr machen, bevor der Kreis geschlossen ist. Denn im Gegensatz zu anderen totalitären Ideologien winken nicht nur der narzisstische Gewinn durch realen Bedeutungszuwachs und elitäre Eigensicht, sondern auch noch Belohnung im Jenseits. Zumindest die Abwesenheit der Strafe. So schrecklich schon das Paradies des Abou Nagie wirken mag, die Hölle, die er anderen wünscht, ist schlimmer.

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Es muss schlimm sein in der aufgeblasenen Sicht des Herrn, dass mindestens 20% in dieser Gesellschaft diese Weltanschauung haben, nicht nur nicht bestraft werden, wie er es sich wünscht, sondern das Wahlrecht innehaben und auch über seine Handlungen mitbestimmen (indem sie ihm nämlich die Grenzen der hiesigen Gesetze aufzeigen ggf.). Und natürlich, dass diese „schlimmen Personen“ ihn „nur“ als gleichberechtigten Menschen sehen.

Der Teufel in Mainz-Kostheim

Das Wiedererstarken des Aberglaubens im Gefolge islamistischer Bestrebungen bzw. einer Fokussierung auf Glaubensinhalte, war schon verschiedentlich hier Thema. Fanatische Gläubige lassen an sich Hijama, das blutige Schröpfen, durchführen, allerlei Zauberei wird versucht (Ruqia), man wehrt Jinns ab und lässt – die Königsdisziplin – bei sich oder anderen den Teufel, den Shaytan, austreiben.

Glaubte man letzteres spätestens bei der „Dokumentation“ mit Erbsensuppe* in den 70ern nur noch im Kino vorzufinden, sind die Dienstleister der Ummah heute in Dinslaken, Mainz oder Frankfurt zu finden. Flächendeckend ist da wohl noch kein exorzistisches Versorgungsnetz aufgebaut, aber anscheinend arbeitet man daran (unten auf der Seite):

http://www.quranheilung.de/index.php/faq-s-begebenheiten-krankheiten/55-faqs

In Mainz-Kostheim z.B. wird über die Internetseite

http://roqiaonline.de/index.php/en/

neben „Teufelsaustreibung“ auch blutiges Schröpfen, Hijama, angeboten. Spätestens für blutiges Schröpfen ist eine Genehmigung nach Heilpraktikergesetz zwingend erforderlich. Selbst bei einer Betätigung als „Geistheiler“ wäre ein entsprechender Hinweis nach gängiger Rechtsprechung (s. dazu u.a. Grundsatzurteil des BVerfG aus 2006) notwendig. Nach Denic ist der Domaininhaber Mustafa Suliman, Roemerfeld 5, 55246 Mainz-Kostheim.

Diese Seite und die Betätigung wird dem Anschein nach auch per Mundpropaganda in der entsprechenden Community verbreitet, ein Beispiel:

„Das ist die Tel.-Nr von sudanischen Bruder(mustafa suliman) aus Mainz 01796094655. Der soll sehr gut sein in sowas.“

http://www.maroczone.de/forum/archive/index.php/t-72039.html

Dass der Teufel nun ausgerechnet in Mainz Kostheim vorzufinden sei, ist sicher eine Mindermeinung. Trotzdem wird diese Dienstleistung dort angeboten. Als Dienstleistung aber ist das rechtlich fassbar. Solche Betätigungen laufen derzeit nach meiner Einschätzung völlig an den zuständigen Stellen vorbei.

Welche Folgen eine Fehldiagnose psychischer Erkrankungen als „Besessenheit“ für den Betroffenen und sein Umfeld haben kann, muss man sicher nicht ausführen. Auch hinsichtlich der genügenden Hygienevorkehrungen bestehen erhebliche Zweifel, da ein völlig anderes „Verständnis“ von Krankheitsursachen vorliegt. Auch ein Abszeß muss nach diesem Verständnis von Allah gewollt sein als Prüfung für den Betroffenen. Desinfektion? Das ist was für Ungläubige.

Wie kann man sich nun die Personen vorstellen, die solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen?

Beispielhaft kann man in dem folgenden Video eine solche Person, die den Leibhaftigen fürchtet, an einem LIES!-Stand begutachten. Man achte einmal weniger auf die sehr lautstarke ältere blonde Frau, die sehr aufgeregt diskutiert, sondern die muslimische Aktivistin, wohl eine Konvertitin, mit der grünen Kopfbedeckung:

Die Dame gibt von sich selber an, sie sei Therapeutin. Den Vorwurf der blonden Frau bezeichnet sie als Angriff, den sie mit einem Abwehrgebet gegen den Teufel zu stoppen versucht. Später verfallen die anwesenden Muslime, Abou Nagie, Lies-Aktivisten und Passanten, in die Wiederholung, wohl zur Selbstberuhigung. Auch sie sprechen vom Teufel. Ein befremdliches Ritual.

Wenn selbst Personen, die selber Therapeuten zu sein vorgeben, dieser fixen Idee verfallen, ist das mehr als bizarr. Es ist gefährlich. Zum Beispiel für Patienten, denen diese Dame ganz selbstverständlich – sie glaubt ja daran – Besessenheit als Ursache anbietet. Es ist aber auch deshalb gefährlich, weil sie und andere Personen dazu verleiten, in ihre Wahnwelt zu kommen. Wer in anderen Menschen den Teufel wähnt, erkennt ihm sein Menschsein leicht ab. Der Teufel braucht keine Menschenrechte. Der Teufel muss gesteinigt werden. Es ist ein Wahn, der in Steinigung, Kopfabschneiden und Verbrennung führen kann. Mal langsamer, mal schneller.

Wenn man den Zuspruch sieht, den der „Koranheiler“ Mustafa Topal, der die Dinslakener Gruppe wohl mit instruierte, alleine auf seiner fb-Seite erfährt, kann man erkennen, dass dafür eine Nachfrage da ist:

https://www.facebook.com/QuranHeilung?fref=ts

Die Seite hat immerhin 2710 likes.

Eine fb-Gruppe Ruquiaheilung hat fast 10.000 Mitglieder:

https://www.facebook.com/groups/162788603816444/?fref=ts

Nicht alle, die da drin sind, werden das ernst nehmen. Manche werden das sicher als das islamische Gegenstück zu manch bizarrer „westlicher“ Alternativmedizin sehen. Andere aber verfangen sich in dieser Gegenrealität.

Man darf sich also darauf einstellen, dass Personen wie die Dame in grün unter uns sind, die in einem Nichtmuslim entweder Missionierungsobjekt oder den Leibhaftigen sehen.

 

 

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Im „Der Exorzist“ gibt es einen interessanten Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1974, in dem neben der Filmkritik auch Bemerkenswertes zu den damals zumindest noch gelegentlich vorkommenden Handlungen katholischer Priester steht:

„Zuzutrauen wäre ihm das. Exorzismus ist eine Realität von heute — keine Reprise mittelalterlicher Praktiken, auch nicht ein bloßes Kuriosum kirchlicher Subkultur. Was die beiden Jesuitenpatres Lancester Merrin und Damien Karras im Film zelebrieren, ist durchaus kein Phantasieprodukt cleverer Horror-Filmer, sondern ist immer noch Glaube und auch jetzt noch geübte Praxis christlicher Kirchen.

Beweise dafür sind die Aussagen von Theologen und die gefilmten Fälle von Exorzismen, die der Münchner Jesuitenpater Reinhold Iblacker für seine Fernsehdokumentation zusammengetragen hat. Sie wurde am vergangenen Samstag im Dritten Programm von NDR, SFB und Radio Bremen gezeigt.“

Mehr dazu und Hinweise:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41674117.html

 

Mahnwache vom 16.05.2015

Von 16-18 Uhr vor dem Brockhausbrunnen. Besonderen Dank an die Frankfurter Polizei, die uns umsichtig betreute und auch mal Ansprachen hielt, wenn nötig.

Mit dabei war wieder die Kurdisch-Israelische Freundschaft (KIFA).
Vielen Dank an die Passanten, die sich zu uns stellten, und an ein Brautpaar, dessen Braut sich 2 Minuten nahm für unsere Aktion. Noch mal alles Gute für die Zukunft!

Einige Jungen versuchten, über die Frage „Was ist Salafismus?“ zu irritieren. Die Auskunft, dass das ein gängiger Begriff sei, der Missverständnisse hervorrufen könne, aber nun mal als eben allen geläufiger Begriff akzeptiert werden solle, stellte sie nicht zufrieden. Die Alternative, den Oberbegriff „Islamismus“, wollten sie gleich gar nicht akzeptieren. Sie warfen vor, man habe den Koran nicht gelesen. Auf die Frage, welche der Übersetzungen denn genehm sei, wussten sie keine Antwort. Ihnen war nicht klar, dass es verschiedene Übersetzungen gibt. Schon als ich anfing, meine Übersetzungen aufzuzählen, damit sie mir die „richtige“ nennen könnten (ich bin da ja gerne behilflich), stieß auf Ablehnung, als ich mit A wie Ahmadiyya anfing. Es folgte höhnisches Lachen. Diese Gruppe junger Muslime lehnte also die Ahmadiyya prinzipiell ab, weswegen auch ihr Text, „ihr Koran“ ganz zweifellos eine Fälschung sein müsse in ihrem Denken. All dies natürlich ohne diesen Text und die Abweichungen zu kennen, rein aus einem Vorurteil heraus. Der von den Ahmadiyya verbreitete Text ist nämlich nahezu identisch mit dem von den LIES!-Aktivisten verteilten, der Übersetzung von ibn Rassoul.

Mindestens zweimal wurde ich gestern als Rassistin beschimpft. Und dass, obwohl ich mein T-Shirt trug mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit. Das Grundgesetz ist größer“ auf der Rückseite und auf der Vorderseite: „Die Menschenrechte sind stärker“. Als Schild: „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“. Völlig klar, dass jemand, der von Gleichheit, Mitmenschlichkeit und Menschenrechten spricht, nur ein Rassist sein kann.

Ein in einiger Hinsicht erkennbar beeinträchtigter Mitstreiter, der sich schon mehrfach dazugesellt hatte, hielt sich trotz gesundheitlicher Probleme tapfer bis zum Ende. Mehrere Akhis, gruppiert um einen Wortführer, der schon seit Beginn fast immer und immer wieder aggressiv auftritt, hatten sich diesen als „Opfer“ auserkoren, wohl weil er ihnen das leichteste schien. Als ich versuchte, dieses eigentlich recht miese Manöver zu konterkarieren und zu unterbinden, wurde mir von eben diesem Wortführer vorgeworfen, ich sei „respektlos“. Ihm gegenüber. Anscheinend hält er das für das Zauberwort, mit dem man Gegenüber ins Unrecht setzt, auch wenn sie Recht haben.

Eine Gruppe Jungs fragte nach „Islamismus“. Sie betonten nach jedem Halbsatz, dass sie das schon wüßten. Meine Gegenfrage, warum sie dann fragten, blieb unbeantwortet. Stattdessen wurde behauptet, wenn sie „so etwas“ machten, würden sie verhaftet. Ich versuchte zu vermitteln, dass das ganz falsch sei und sie natürlich jederzeit eine Demo anmelden könnten, sofern es sich im Rahmen der Gesetze halte. Während meiner Erläuterungen verhöhnte mich ständig einer der Jungen, ich sei so hübsch, er sei ganz verliebt. Das war nicht weniger abschätzig gemeint als die sonstige Herabsetzung, man sei häßlich usw., denn er lachte sich halbtot dabei.

Zwei junge Frauen, wohl Muslimas, „westlich“ in geschmackvoller Weise auftretend, fragten mich, ob ich Deutsche sei. Ich hörte das akzentfreie Deutsch und entgegnete „ja, bin ich und sie auch“. Sie betonten: „aber mit Migrationshintergrund“ (was ICH nicht gesagt hatte). Ich erwiderte, ich hätte einen pommerschen Migrationshintergrund, wollte das also leicht scherzhaft ins Gespräch umlenken. Sie winkten dann ab. Nichtmuslime sollten sich überhaupt nicht zum Islam äußern, meinten sie abfällig und gingen.

 

Mehrere kleine Jungen postierten sich neben einer Mitstreiterin, die das Schild „Salafisten werben – Kinder sterben“ trug. Einer von den dreien sagte halblaut „Scheiss-Juden“. Als er das zum dritten Mal rief, lauter werdend, meinte die Mitstreiterin, sie sollten mal mitkommen. Erstaunlicherweise gingen sie mit zur Polizei am Rand, wo ihnen – sie waren deutlich nicht strafmündig – ein Polizist eine ernste Ansprache hielt. Vielen Dank, das war gut und notwendig.

Ein junger Kopte gesellte sich hinzu. Neben anderem berichtete er, er habe gerade Abou-Nagie gesichtet, habe ihn aber jetzt aus den Augen verloren. Ich hielt dies zunächst für eine Verwechslung.

Eine Mädchengruppe, vielleicht 15 jährige, regten sich über die Schilder allgemein auf. Sie warfen mir nach der Eingangsfrage, was das solle, was wir da veranstalteten, schrill vor, ich solle erst einmal den Koran lesen. Auf meine Gegenfrage, welche meiner Übersetzungen, die Ahmadiyya-Version (abfälliges Abwinken), die von LIES!, die von Ali Ünal usw. ich denn noch mal lesen solle, führte zum aggressiven Vorwurf, es gäbe NUR EINEN Koran. Es war ihnen schlicht unbekannt, dass es mehrere Übersetzungen gibt. Sie wiederholten das mehrfach und meinten dann, man müsse ihn auf arabisch lesen. Sie behaupteten alle, arabisch zu können (was ich bezweifelte). Ich fragte dann nach, ob ihnen bekannt sei, dass das, was heute als DER Koran bezeichnet wird, erst von Uthman* zusammengestellt wurde, und anschließend andere Versionen vernichtet wurden. Uthman war der dritte Kalif und initiierte die Sammlung erst viele Jahre nach Mohammeds Tod. Er wurde aus mündlichen Überlieferungen und Erinnerungen von wenigen Personen zusammengeschrieben. Das verwirrte sie völlig, was aber nicht zur Reflexion führte, sie konnten mit dieser Erklärung nichts anfangen und behaupteten weiter, es gäbe nur DEN Koran. Auch der Hinweis, dass die Al Azhar Universität die heute verwendete Lesart bzw. die heute verwendete Verschriftlichung erst festgelegt hatte, führte nur zu weiterer Wiederholung ihrerseits. Sie waren es offenkundig nicht gewohnt, über den oder einen Text nachzudenken. Ich empfahl ihnen in das, man muss schon sagen, Gezeter hinein, sie sollten sich mal zur Textgeschichte belesen, schon die Wikipedia helfe. Sie gingen dann wohl zu einer Mitstreiterin. Diese trug eine Mütze, auf der auf der einen Seite „Shalom“ in hebräisch und auf der anderen Seite „Salam“ in arabisch zu lesen war. Sie berichtete später, dass einige Mädchen das Wort „Salam“ nicht hätten entziffern können. Das allerdings ist eines der ersten Worte, das man kann, wenn man arabisch lernt. An ein Lesen des Korans im Original ist also nicht entfernt zu denken.

Ein Mann mittleren Alters, er wirkte irgend wie „links“, fragte, was wir denn da machten.Nach der Erläuterung der Strassenradikalisierung entgegnete er, aber er habe dort mal einen Koran bekommen. Die Männer am Stand seien ganz freundlich gewesen. Ich erklärte ein weiteres Mal, dass der Stand als Werbeinstrument und Anlaufstelle diene, dass die Ansprache jedoch mehrheitlich im Umfeld ablaufe. Er verstand es wieder nicht. Diese Leute stünden doch da. Da sie dastünden, sei das erlaubt. Man müsse doch also gar nichts tun. Der Staat werde von alleine tätig. Ich fragte ihn, ob er jemals – er wirke auf mich links (was er bejahte) – überhaupt etwas z.B. gegen Faschos auf der Strasse gemacht habe. Z.B. so etwas kleines und ungefährliches wie ein Teelichtchen anzünden oder bei einer Demo mitlaufen. Ja, meinte er, aber das sei lang her. Und, fragte ich, warum haben sie das damals gemacht? Damals habe er gemeint, man müsse was in der Gesellschaft ändern. Sehen sie, das meine ich auch, erwiderte ich. Wir als Gesellschaft müssen über unser Zusammenleben sprechen und hier konkret über Islamismus. Noch nie habe ich einen derart unpolitischen Linken erlebt, der sich völlig darauf verliess, dass der Staat alle Probleme sofort sieht und lösen kann. Das grenzte schon an Gottvertrauen.

Ein Mann Mitte Dreissig, vielleicht Zentralafrikaner im Matrix-Morpheus-Look mit großem Rucksack, lief langsam an uns vorbei und beschimpfte uns wüst. Er war ganz außer sich, brüllte und schäumte förmlich vor Wut. „Ich bin für Todesstrafe!“ „Ich bin für 800 Jahre Gefängnis!“ „Wollt Ihr Krieg?“ „Nehmt das sofort runter!“ Ich trat von der Brunnenumrandung herunter, weil ich die Mitstreiter im Auge behalten wollte. Auch mich schrie er an: „Nimm das runter!“. Ich meinte nur: „Vergiß es!“, weil lange Reden von hochaggressiven Menschen gar nicht mehr wahrgenommen werden. Er schrie darauf „Fotze, nimms runter!“ ich wiederholte mich und dann war auch schon die Polizei da, weil er ein, zwei Schritte auf mich zu gemacht hatte. Er brüllte noch „fick dich“, dann wurde er weggeführt. Strafantrag ist gestellt, der Herr braucht eine Lektion wie es scheint.

Gegen Ende postierte sich uns gegenüber eine größere Gruppe (~20) junger Männer. Ein Teil von ihnen trug T-Shirts, auf denen ein bunter Aufdruck war, der u.a. das Wort „Liebe“ enthielt. Unkundige verwechselten sie mit Ahmadiyya, was aber eine Fehleinschätzung war, denn sie verteilten Material von Bilal Philips. Ich erkannte mehrere der Männer sofort als Aktivisten aus Karlsruhe, einer ein Saif Uddin. Saif Uddin reist seit längerer Zeit häufig mit und für Abou Nagie, war für ihn schon in Indien und der Türkei. Sie fotografierten ausgiebig und machten sich über uns lustig, standen da wie beim gemeinsamen Zoo-Besuch. Wahrscheinlich suchte man die Frankfurter Aktivisten zur Motivation auf, nachdem man da in letzter Zeit geschwächelt hatte. Die Erheiterung hatte – das ist meine Spekulation – den Grund, dass sie es mit ihren islamistischen Inhalten und ihrer Vorgabe in die Community hinein, sie seien ganz normale Muslime, schaffen, dass aus dem Stand heraus sich viele Muslime mit ihnen und nicht mit der freiheitlichen Gesellschaft solidarisieren. Dass sie bewirken können, nicht wenige Muslime als Gruppe zu ihrer Verteidigung agieren zu lassen auch ohne Auftrag. Und dass diejenigen, die sie als Gegenseite definieren, offensichtlich nicht in der Breite begriffen haben, dass man ihre freiheitlichen Grundwerte gegen sie benutzt.

 

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http://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUthm%C4%81n_ibn_%CA%BFAff%C4%81n

Krasse neue Welt II

Wenn man viele Informationen aus verschiedenen islamistischen Lagern sichtet, fällt in jüngster Zeit auf, dass immer stärker auf die Gemeinsamkeiten abgezielt wird. Während immer bizarrer versucht wird aufzuzeigen, dass Muslime generell schlecht behandelt würden in dieser Gesellschaft, versucht man die „muslimische Identität“ zu zentrieren. Wie schon im Beitrag

https://vunv1863.wordpress.com/2015/02/14/der-narrativ-von-den-juden/

dargelegt, gehört ein ausgeprägter Opfermythos zu dieser neuen Legendenbildung. Schuld an dieser Misere seien die Medien. Wie in einem aktuellen Video von „Generation Islam“ erkennbar, wird über diesen Opfermythos versucht, Muslime aus der Gesellschaft zu desintegrieren. Sie sollen sich als Antipoden fühlen mitten unter uns.

Ziel ist tatsächlich eine „Generation Islam“. Eine junge, wilde, islamistische Generation, die sich zur „muslimischen Identität“ rückbesinnt. Also eine Gruppe junger Menschen, die sich zuerst als Muslime sieht und erst danach als Bürger dieses Landes. Im Umkehrschluß werden Menschen der Gesellschaft in Muslime und Nichtmuslime geschieden. Das ist die erste, die wichtigste Eigenschaft. An dieser Eigenschaft, so die Vorstellung dieser Aktivisten, muss man z.B. die Glaubwürdigkeit beurteilen. Die normalen Medien, die neutral berichten, sind also im Prinzip „Feindsender“. Als lebendiges Beispiel für die Propaganda: Der Brennpunkt nach den Pariser Attentaten wird als zumindest zweideutig als Anlass oder als Teil einer Hetzkampagne beschrieben. Auch wird eine Angst davor geweckt, es seien Pogrome zu befürchten. Dabei werden Bilder aus dem Dritten Reich gezeigt. Die Muslime seien „zum Abschuss freigegeben“.

In Scientology-Art werden auch Gegner im Video vorgeführt als Unpersonen: Bosbach und Sarrazin, Lucke und Abel-Samad. Und bei aller berechtigten Kritik an den Ermittlungspannen und -defiziten, ja sogar möglichen einzelnen höchst seltsamen Fehlleistungen: Dass die Haltung des NSU nun allgemein vom Verfassungsschutz und Ermittlungsbehörden geteilt oder gar unterstützt würde, ist eine unbelegte und propagandistische Behauptung.  Die Brandanschläge auf Moscheen, so verachtenswert die Taten sind, werden in maßloser Weise aufgeblasen. Es wird ein Bedrohungsszenario aufgebaut. Man sei unterdrückt, in“auswegloser Situation“. Eine defensive Haltung „bringe nichts“. Das ist die Aufforderung zur Aggression, zumindest aber zu einer offensiven Herangehensweise.

Pierre Vogel läßt nun auch die Maske fallen, macht nicht nur Werbung für Marcel Krass, sondern auch Bilal Philips*:

„1. Der erste Schritt ist, verbreitet über das Medium „Facebook“ all unsere Vorträge und Statements.
2. Der zweite Schritt ist, macht Eure Wohnungen zu Bildungseinrichtungen, indem Ihr euch dort einmal pro Woche trefft und lernt, z.B. die Sira-Vorträge von Pierre Vogel.
3. Der dritte Schritt ist, lernt mit dem „DEX-Institut“ (http://dex-institut.de/) wie ihr Menschen von der Wahrheit überzeugen könnt und geht damit auf die Straße.
4. Der vierte Schritt ist, macht Dawah-Info-Stände, wie z.B. das Lies-Projekt oder unterstützt solche Projekte finanziell.
5. Der fünfte Schritt ist, macht ein Online-Studium bei der „Islamic Online University“ (http://www.islamiconlineuniversity.com/), wenn ihr Englisch könnt. “
Quelle:

Anscheinend fühlt man sich jetzt stark genug. Die Frage ist: Wofür? Im Video von Generation Islam wird zitiert „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“. Dabei zeigt man ein Bild des Bundesverfassungsgerichts. Anscheinend möchte man die jungen Muslime zum Kampf gegen unser System sammeln. Die Ehre, die allein bei Allah liege, wird beschworen. Man soll alle seine Möglichkeiten und Positionen für die islamischen Belange einsetzen, die islamischen Verbände sollen kompromisslos sein. Das ist eine höchst unfriedliche Rhetorik, denn Demokratie lebt von Kompromissen und deren Aushandlung. Im Video hört sich das so an, als stehe die bedingungslose Kapitulation der gegnerischen Partei bevor.

Heute waren in der Frankfurter Innenstadt junge Männer unterwegs. Unkundige konnten und haben sie für Ahmadiyya gehalten. Sie waren jedoch als Personen LIES! zuzuordnen, die eigens aus Karlsruhe angereist waren. Eine Art Salafi-Mimikry. Das waren Männer, die zum engsten Abou-Nagie Umfeld gehören und Material von Bilal Philips, also dem Begründer der „Islamic online University“ auf deutsch verteilten. Sogar Volker Beck forderte seine Ausreise. Bilal Philips vertritt z.B. die Todesstrafe für Homosexuelle.

Logo:

Da geht einem doch das Herz auf bei so viel Menschenliebe.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Bilal_Philips

Best of Sonnenfinsternis

Natürliche Erscheinungen stürzten Menschen, die noch tief im antiken oder bestenfalls mittelalterlichen Denken verhaftet waren, in heillose Verwirrung und Angst. Narzisstisch und egozentrisch wurde aber das Ereignis nicht nur wahr- und hingenommen, sondern auch in Beziehung zu sich selbst gesetzt. Mein Nabel ist der der Welt! Das muss doch was zu bedeuten haben! Da will mir doch eine höhere Macht etwas sagen! Wegen mir Max Mustermann wackelt die Erde, wegen mir Lisa Mustermann verdunkelt sich die Sonne.

In moderner Zeit kennt man die astronomischen oder tektonischen Gründe und die allermeisten Menschen sind auch herabgestiegen von dem peinlich infantilen subjektiven Olymp, dass sich alles in dieser Welt nur wegen ihnen ereignet. Manche wollen da jedoch nicht herunter. Man ist der Meinung, Dinge mit physikalischer Ursache, die lange vor dem Erscheinen von uns Menschen genauso und genau so passierten, seien göttliche Fingerzeige. Das geht sogar mit dem Handy in der Hand und der heutigen Möglichkeit, eine Astronomie-App zu nutzen. Sie reden sich und ihren Anhängern ein, dass dies Zeichen ihres Gottes sind. Das ist bei Sonnenfinsternissen gute Tradition, aber auch bei Kometenvorbeiflügen, Erdbeben und Vulkanausbrüchen vorzufinden. Verwirrung über die Natur führt zu der menschlichen Neigung, besondere Ereignisse in Verbindung zu bringen, also aus einer reinen Korrelation eine Kausalität anzunehmen. Nachdem vor Jahren ein schiitischer Geistlicher die Welt erheiterte, indem er Erdbeben durch unzureichend bekleidete oder wippende Frauenrundungen verursacht sah, war dieses Jahr wieder das Sonnenfinsternis-Munkeln angesagt.

Bei den islamistischen Predigern herrscht aber durchaus Dissens, was das denn nun wirklich bedeute. Eine kleine Auswahl:

Abul Baraa: Warnung an die Kuffar, Allah macht dies, um Furcht zu erzeugen:

 

[Und nebenbei hetzt der Herr wie fast immer gegen die Ungläubigen: Wenn etwas Gutes an dem Menschen ist, dann leitet Allah ihn recht, meint er. Ergo ist der Nichtgläubige ein bis ins Mark schlechter und verdorbener Mensch. Belustigend die doppelte Buchführung des Herrn Baraa: Es hat physikalische Ursachen, ABER…]

Muhamed Ciftci hingegen sah in der Sonnenfinsternis ein Vorzeichen für den Absturz der Germanwings-Maschine. Nach dem Absturz natürlich:

 

Der Herr Lau bleibt vager:

Pierre Vogel vertritt eine Mindermeinung: Sonnen- oder Mondfinsternisse haben mit dem Leben oder Tod von Personen nichts zu tun (das Video wurde leider entfernt):

 

Für Hassan Dabbagh sind diese Ereignisse auch Zeichen Gottes. Aber bei ihm richtet sich das an die eigene Belegschaft: Der letzte Tag ist nah und man müsse Gott fürchten:

Bei diesen unterschiedlichen Deutungen bleiben im Grunde nur wenige Gemeinsamkeiten: Das Zeichen Gottes und die Furcht. Am besten von allen, denn dann ist man auf der sicheren Seite. Gegen die nun geweckte Furcht müssen natürlich auch eine Reihe ritueller Abwehrhandlungen vollzogen werden, um die Angst wieder loszuwerden. Man gibt sich also alle Mühe, das natürliche Ereignis für seine Zwecke zu nutzen. Angst ist ein schlechter Ratgeber, wie gut, dass man diese Prediger hat, die den Schäfchen ganz genau sagen, was sie zu denken haben und was sie zu machen haben gegen die von ihnen geweckte Furcht. Bei der Angst kann man Menschen damals wie heute packen. Deswegen ist sie bei Menschenmanipulatoren so überaus beliebt.

All dies also im 21. Jahrhundert und in Deutschland. Eigentlich fehlt da nur noch ein Experte:

Quelle: youtube

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