Mahnwache vom 06.06.2015

Von 16-18 Uhr vor dem Brockhausbrunnen. Einen besonderen Dank an die Frankfurter Polizei, die in ihren Uniformen auch in der prallen Sonne ausharrte. Das war sicher schweißtreibend.

Herzlichen Dank auch für die Unterstützung durch den Kurdisch-Israelischen Freundschaftsverein (KIFA).

Zur Vorgeschichte:
Letzten Samstag mussten mehrere Strafanzeigen gestellt werden, u.a. wegen Sachbeschädigung und Diebstahl. Mehrere Sympathisanten schrieben mich im Zwischenraum an und beschimpften mich. Bilal Gümüs, der Verantwortliche für diese fb-Seite:

https://www.facebook.com/pages/Lies-Frankfurt-Quran-Verteilung/348659275257514?fref=ts

hatte zwei Handy-Videos von Unterstützern eingestellt, auf denen Mitstreiter angegangen werden. Auf die Aufforderung hin mit Fristsetzung auf Entfernung reagierte er nur, indem er die Nachricht, mit der ich ihn auf den begründeten Wunsch der beiden gefilmten Männer hinwies, nicht auf seiner Seite abgebildet zu werden, öffentlich machte:

Herr Gümüs hat natürlich Recht, wenn er meint, das stünde nicht im Grundgesetz, aus dem er immer gerne den „Paragraphen 4“ (O-Ton) zitiert. Wenn er nur für verboten hält, was dort explizit aufgeführt ist, erklärt das natürlich einiges aus seiner persönlichen Vorgeschichte. Die einschlägigen Paragraphen, gegen die er weiterhin verstößt, stehen im StGB und im KunstUrhG. Alleine Letzteres ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bewehrt.

Die Veröffentlichung der fraglichen Videos und der Aufforderung, diese zu löschen, darf man getrost als Versuch sehen, einzuschüchtern. Man sollte allerdings zur Kenntnis nehmen, dass dies zwecklos ist.

Trotz der großen Hitze war es deshalb gestern besonders wichtig, Flagge zu zeigen, einfach da zu sein.
Nicht verschwiegen werden soll, dass die Diskussion darüber. wie eine angemessene Reaktion auf die Vorkommnisse des letzten Samstages aussehen muss, in der Gruppe noch im Gang ist. Eine Vorbeugung gegen Manöver wie „Schwalben“ kann es kaum geben, es sei denn man hält mehr Abstand, als dies für Gespräche noch sinnvoll erscheint. Manch ein Teilnehmer möchte da weniger das Gespräch führen, wenn solche Manöver drohen. Manch einer möchte auch, bis da Gruppenkonsens erzielt ist, dies nicht nach aussen geben. Ich persönlich halte es jedoch für wenig zweckmäßig, nicht darüber offen zu sprechen bei Nachfrage. Die Debatte ist insofern noch nicht abgeschlossen.

Da mir gestern die Frage gestellt wurde, wie ich zu Pegida stehe und auch zur Frau Mund, noch ein weiteres Mal explizit: Unsere Mahnwache hat mit Pegida nichts zu tun und will dies auch gar nicht. Private Frömmigkeit ist uns egal. Und Muslime werden von uns nicht unter Generalverdacht gestellt. Bei uns machen Menschen einiger demokratischen Parteien mit (wenn auch nicht gestern, es war einfach zu heiß; wir waren in kleiner Besetzung vor Ort). Bei uns machen Menschen verschiedener Weltanschauung mit. Auch Muslime. Wir haben nichts gegen Migranten und gegen bedrohte Flüchtlinge. Bei uns machen Personen verschiedener Herkunft bzw. Nationalität mit. All das ist bei Pegida anders oder höchst fraglich. Frau Mund (ich kannte sie damals nicht und sie hatte sich dazu gestellt) war einmal bei uns vor Ort vor Monaten. Nach kurzer Zeit (es war einiges los an an dem Tag) habe ich sie der Veranstaltung verwiesen, da sie sich nicht angemessen äußerte bzw. reagierte. Ihre weitreichenden Vorstellungen zum Islam und ihren öffentlichen Umgang lehne ich ab. Mir scheint, sie möchte den Staat auch nicht neutral. Insofern gibt es da keine Schnittmengen.

In der Hitze und bei praller Sonne waren die Passanten weniger diskussionsfreudig als üblicherweise.

Mehrere junge Männer liefen vorbei und riefen nur „Allahu akbar“.

Eine Gruppe Menschen hatte sich um einen Mitstreiter geschart. Der Wortführer, ein junger, sehr großer und stabiler Mann, forderte die Erläuterung verschiedener Begriffe. Da ich immer versuche, sofern ich selber die Lage überblicke, bei aggressiveren Diskutanden das Gespräch von einem männlichen Mitstreiter zu „übernehmen“ (das nimmt etwas Spannung heraus, alleine weil ich eine Frau bin), ging ich hinüber. Der junge Mann war sehr davon überzeugt, voll informiert zu sein, während ich keine Ahnung hätte, lies jedoch kaum ausreden. Flankiert wurde er von einigen aufgeregten Frauen. Er fragte, was ich unter „Jihad“ verstünde. Ich hob an mit der Erklärung, dass manche Muslime das als Überwindung der eigenen Schwächen deuteten. Er platzte hinein und fragte, welche Gelehrten das so sähen. Ich wollte eine Aufzählung beginnen und startete mit Mouhanad Khorchide. Er kannte ihn nicht, lies ihn also nicht gelten. Gut, Rückfrage, welche er denn kennt. Er nannte Vogel, Pierre Vogel. Wir kamen dann nicht einmal überein, uns wenigstens auf diesen Begriff und die Eigenschaften eines Gelehrten, der diesen Namen verdient, einigen zu können.

Einige Jungen, die schon mehrfach vorbeigekommen waren und dem weiteren Unterstützerfeld zuzuordnen sind, suchten uns wieder auf. Mit dem einen konnte ich – obwohl sein Kamerad sich ständig lustig machte – ein halbwegs anständiges Gespräch führen. Vielleicht hilft es ja, die von LIES! propagierten Sichten zu relativieren.

Die organisierte Akhi*-Szene fehlte gestern.
LIES! war in kleiner Besetzung (ohne Gümüs) vor dem Mcdonalds. Wenige neue, einer in Kaftan. Der Herr Gümüs war nicht da.

Vor „My Zeil“ soll gestern die Gruppierung „Jesus im Islam“ angemeldet haben. Da ich nicht vom Veranstaltungsort weg konnte, konnte ich dies nicht überprüfen, hole dies aber noch nach. Möglicherweise handelt es sich um eine Fehleinschätzung der zuständigen Stellen: Das ist keine christliche Sekte, wie man annehmen könnte als Unkundiger. Das sind die Extremisten, die der Herr Marcel Krass organisiert, s. z.B. Beiträge „Krasse neue Welt“ und „Krasse neue Welt II“.

Man darf sich also nicht nur auf LIES als „Freiluftsprechstunde“ und Kristallisationspunkt der Szene konzentrieren. Es gibt andere Materialien bei „Jesus im Islam“, ja. Die vorgeschobene Zielgruppe sind auch eher Christen. Aber: Das Unterstützerumfeld ist identisch. Ds Radikalisierungspotential ist identisch. Die Kontakte sind identisch.

Für „Jesus im Islam“ ist also von städtischer Seite mindestens eine gleichartige Behandlung wie bei der LIES!-GmbH sinnvoll. Ich werde das einmal anregen.

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