Kleines Potpourri der Verfassungsfeinde

Eines muss man den Herren Salafisten ja lassen: Sie bekennen sich offen dazu, die Verfassung abzulehnen. Und sie geben ebenfalls offen zu, einen Ungläubigen für „den niedrigsten“ (Lau) Menschen zu halten. Das ist nicht wie bei manch anderen, deren Sicht sehr ähnlich ist, aber dies nicht ehrlich sagen oder der Frage ausweichen.

So klärt Lau denn auch die Frage mit der Befolgung der Gesetze für ihn abschließend:

 

 

Er klärt auch abschließend, dass Ismail Tipi und Mouhanad Khorchide Ungläubige sind:

 

 

Natürlich fühlt er selber sich ganz unschuldig an diesen Bewertungen und Haltungen, schließlich hat ja angeblich Allah entschieden, dass die Kafir die „niedrigsten Geschöpfe“ sind. Und dass Steinigen und Handabhacken unverrückbar zur „Religion gehören, so lange sie besteht“. Es gibt keine eigene Wertung mehr, nur Unterwerfung unter den angeblichen Willen Allahs. Dafür gibt es den festen Glauben an alle möglichen Imaginationen.

Er preist das Drohen mit dem Kopfabschlagen durch den „bescheidenen Khalid ibn Walid“, der „die frohe Botschaft schon zu Lebzeiten empfing“ und der „die Religion sicher nicht falsch verstanden“ habe. Nicht überliefert ist hingegen, wie „froh“ das „Überbringen der Botschaft“ diejenigen machte, die mit dem Säbel bedroht wurden. Der genannte, angeblich so vorbildliche Herr war übrigens ein so erfolgreicher Kriegsherr, dass er den Beinamen „Schwert Allahs“ erhielt. Solche Beinamen erhielt man seinerzeit nicht für humanitäre Bemühungen und Dialogtische. Bei Klier, einem Islamwissenschaftler, steht, dass er sogar Muslime hinrichten ließ (er „heiratete“ anschließend die Witwe eines Erschlagenen; auch hier ist wieder nicht bekannt, wie gut es die junge Witwe fand, mit dem Mörder des Gatten nun das Bett zu teilen). Das stört aber Lau nicht im mindesten, diese Figur, diesen Schlächter, als positives Beispiel der Jugend zu präsentieren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ch%C4%81lid_ibn_al-Wal%C4%ABd#cite_note-6

Solche wie Khalid ibn Walid, das waren nach Lau noch echte Männer*, die „offenkundige Feinde“ zu bekämpfen wussten. Wer Khalid ibn Walid preist, billigt im Grunde Gewalt gegen Personen, die sich der „frohen Botschaft“ nicht unterwerfen. Im Grunde selber schuld, das „Höllenfutter“, denn „Allah leitet recht, wen er will“. Das erklärt zwanglos die Empathiedefizite.**

Pierre Vogel hingegen hofft, dass „Aiman Mazyek betrunken war“, als er die Demokratie lobte. Die „Herrschaftsgewalt ist Allahs“ steht über allem. Nur die Dinge sind durch Menschen frei regelbar, zu denen es keine Regeln im Koran oder den Hadithen gibt:

 

Abou Nagie“ Die Demokratie ist das Gegenteil des Islams mit einem Satz.“ „Allah hat den Koran nicht für Beten und Fasten herab gesandt, sondern als Lebensordnung.“. Verschwörungstheorien aller Farben.

 

Ferid Heider zur Demokratie. Er möchte sie benutzen, um sie los zu werden. Beteiligung an demokratischen Wahlen, um der Scharia näherzukommen.

 

Weinerliches von Brahim Belkaid alias Abu Abdullah. Der Frankfurter, dessen Bruder den vom Verfassungsschutz beobachteten Verein „Medizin mit Herz e. V.“ betreibt, lebt derzeit in Großbritannien, wohl in London. Der Islam ist nach ihm eine „glasklare und eindeutige Weltordnung“. Der Islam habe mal die Weltherrschaft inne gehabt. Er geißelt die „Verblendung durch Liberalismus und Freiheit“. Er meint, die Medien täuschten die Menschen. Er führt eine sehr spezielle Geschichtssicht vor. Er versteht vieles einfach nicht. Wenn man vieles nicht versteht, neigt man zu Verschwörungstheorien.

 

Abgesehen von seinen Einlassungen zur Demokratie erscheint der Herr schwer beeinträchtigt durch das Hineinsteigern in seine Imaginationen.

All diesen Personen ist nicht nur gemein, dass sie erklärte politische Gegner der FDGO sind und auch Menschenverachter. Letzteres werden sie natürlich zurückweisen. Denn zum einen beginnt (und endet) der vollwertige Mensch beim Gläubigen, der auch noch männlich sein muss. Zum anderen schützen sie vor, seien das nicht ihre Urteile und Sichten, sondern die Gottes. Sie sind da ganz unschuldig. Ihnen ist mehrheitlich auch gemein, dass sie das Leben in der „westlichen Zivilisation“ offenkundig dem Leben in Ländern vorziehen, die weniger von „Ungläubigen“ und ihrem Denken „verseucht“ sind. Wo man weniger mit all den Übeln konfrontiert wäre, die sie sehen und anmahnen. Sie hätten die Wahl, dorthin zu gehen. Tun sie aber nicht. Warum? Weil alle anscheinend die hiesigen Errungenschaften, auch wenn sie von „Ungläubigen“ erzielt und aufgebaut wurden, mehrheitlich, doch so positiv sehen, dass sie lieber hier bleiben wollen. Die Dunya… Wissenschaftsfreiheit bringt halt nicht nur die verteufelte Evolutionstheorie hervor, sondern auch GPS, Gesundheitswesen der modernen Art oder Glühbirnen. Persönlich kann man den Eindruck gewinnen, dass die Herren hier einfach nur bequemer leben und wie der britische Islamist Anjem Chowdary auch möglicherweise öffentlich alimentiert werden. Das könnten sie in anderen Ländern, die einer Wunschzivilisation der islamischen Art näher stehen, nicht. Zusätzliche Prediger braucht man dort kaum, als deutsche Konvertiten oder „verwestlichte“ Rückkehrer nähme man sie dort wenig ernst und so müssten sie wohl dort einfache Arbeiten verrichten, anstatt hier Videos zu drehen. Da fällt die Wahl nicht schwer. Offen leben sie wohl im „Land des Gegners“, um zu missionieren, die „islamische Zivilisation“ vorzubereiten, und damit die Übernahme aller Annehmlichkeiten sicher zu stellen.

Eine Art politischer Neutronenbombe entspricht wohl deren Wunschvorstellungen: Man nimmt alles, was hier so besteht, und ersetzt die westliche Zivilisation durch eine islamische. Was passierte, täte man das so, kann man sich unter anderem auch am Beispiel des Iran anschauen, wo das probiert wurde. Dieses Beispiel wird ihnen aber wenig gefallen. Diese Utopia ist ihnen nicht utopisch genug. Sie versuchen daher ihre Anhänger nicht mit real existieren Gesellschaften als Vorbilder zu irritieren, sondern bauen ihren Traum auf den Trümmern, auf der Gegenhaltung zur westlichen Zivilisation auf. Koran und Hadithen befolgen ist für manche Schäfchen hinreichend abstrakt (da sie die Schriften nicht kennen), um ihren Wunsch nach Gerechtigkeit und Veränderung letztlich nicht nur gegen die Gesellschaft, sondern auch sie selbst zu wenden. Die Unterwerfung verändert sie. Das macht aus manchem Jugendlichen, der sich humanitär engagieren wollte, eine Person, die keine eigenen Wertungen mehr hat, aus der ein Befehlsempfänger gemacht wurde. Manch andere sind jedoch schon so strukturiert, dass sie die Abwesenheit von Befehlen als verstörendes Chaos empfinde (s. u.a. z.B. Belkaid, wo das deutlich wird).

Die meisten dieser Herren sind stets vorsichtig genug, nicht offen zu Gewalt aufzurufen, hauchzart unterhalb der Ahndungsschwelle zur Volksverhetzung zu bleiben und auch sonst alles zu vermeiden, was unnötig Sand in ihr Getriebe streute. Sie sind Verfassungsfeinde, ja. Das darf man sein innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit.

Bei der Lobpreisung von Walid kann man jedoch nicht sicher sein, ob das nicht für mehr Gewaltbereitschaft qualifiziert. Bei der generellen Abwertung der Ungläubigen muss man sich fragen, ob da der § 130 ausreichend formuliert ist. Denn bei Aufrufen gegen die Mehrheitsgesellschaft wird das oft so betrachtet, dass das keine juristisch hinreichend definierte Gruppe sei. Es erscheint wenig rechtlich fassbar. Man muss jedoch konstatieren, dass genau der durch solche Inhalte verhetzte Jugendliche einen Nachbarn hat oder andere Personen sieht, die er so zuordnet. Möglicherweise muss sich da die Rechtsprechung etwas den aktuellen Taten anpassen oder der Gesetzgeber sollte den Text entsprechend abändern, Wortlaut:

§ 130
Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

Dass Ermittlungen nicht aufgenommen werden, weil die mit den Herabsetzungen gemeinten Menschen nicht Teil einer kleineren Gruppe sind oder eben Hauptteil, sollte überdacht werden.

Auch die „Mehrheitsgesellschaft“ besteht aus schutzwürdigen Einzelpersonen. Das darf man nie vergessen.

.

.

* Vielleicht sieht man ihm diese Obsession mit „echten Männern“ nach, wenn man weiß, dass Lau ca. 1,70 groß ist und sicher nicht mehr als 55-60 kg auf die Waage bringt.

** In Bahrain wurde letztes Jahr ein Blogger verurteilt, weil er das „Schwert Gottes“ wohl per Twitter herabsetzte, wie ai mitteilte:

https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-240-2014-1/sechs-monate-haft-wegen-twitternachrichten

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