Einmal desintegrieren, bitte!

Nein, es erfolgt heute kein Ausflug in die Science Fiction*.

Integration – darunter können sich die meisten in Bezug auf Menschengruppen etwas vorstellen: Einbindung und Teilhabe. Desintegration bedeutet nun, dass jemand sich aus einer Gruppe oder der Gesellschaft herauslöst. Also nicht mehr teilhat oder -haben will, in bestimmten Merkmalen, die vorher ähnlich waren, unähnlich(er) wird.

Sven Lau bewirbt aktuell sein Buch „Fremd im eigenen Land“. In einem Video stellt er dar, wie er fremd im eigenen Land wurde:

 

 

Er liest daraus**:

Der Islam befiehlt dem Muslim, seinen Verstand zu nutzen, und sich vor niemandem zu beugen außer vor Allah und deshalb machen sich Muslime unbeliebt bei Menschen, die anderen gerne vorsetzen, was gut und schlecht ist, die Macht haben und behaupten, alle Rechte zu besitzen.

 

Jeder so, wie er kann. Das ist eine sehr pikante Projektion von jemandem, der mit der „Scharia-Polizei“ durch die Wuppertaler Innenstadt marschiert ist. Er behauptet im Gegenzug, alle Rechte seien bei seinem und nur seinem Herrgott. Aber das ist nach seiner Sicht wohl etwas anderes, da das ja „die Wahrheit“ ist. Fehlt ihm nur noch die Macht.

Warum stößt ein Satz des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff „Der Islam gehört zu Deutschland“ auf so scharfe Kritik, während Sätze von einem Spitzenpolitiker wie „Ich bin schwul und das ist auch gut so!“ zu tobenden Applaus, gar zu standing ovations führte, und der Ex-Nationalspieler Hitzlsberger nur Lob in der Presse erntete, als hätten sie Menschenleben gerettet?“

Man muss dankbar sein für dieses Buch, nein, schon für diese Sätze.

Zeigen sie doch auf, dass Lau nicht zwischen Kritik an einer generellen Einordnung und Lob für den Mut zu persönlichen Bekenntnissen unterscheiden kann. Und überhaupt wenig versteht außer schwarz-weiß.

Dem Herrn Keuner legte Brecht dazu wohl in den Mund: Der Herr Lau braucht ein einfaches Buch, das er wörtlich nehmen kann.

Dabei wird immer vom Fortschritt der Zeit und Toleranz gesprochen. Wo ist die denn gegenüber den Muslimen geblieben? Kameltreiber, Steinzeitmenschen, Hassprediger, Terroristen, Analphabeten, unter anderem und viele andere Wortbegriffe sind manifestierte Begriffe im 21. Jahrhundert. Ich weiß, dass nicht alle Deutsche bzw. Westler so sind, meistens lösen sich durch Gespräche Knoten der Vorurteile oder Ängste, wobei ich selten mitbekam, dass jemand wirklich Angst hatte. Die Menschen werden gezielt manipuliert und bekommen ein Feindbild aufgezwungen. Jeden Tag wird etwas Negatives über den Islam und Muslime in Form von Terror oder extrem negativen Verhalten verbreitet. Es ist genau so, als ob man die jeden Tag von klein auf eintrichtern würde, den Islam und seine Anhänger zu hassen, da sie böse sind. Den selben Effekt haben die Medien auf das Volk.

Wie kann man in einer solchen Parallelwelt leben? Nicht wahrnehmen, dass nicht negativ berichtet wird, weil man das nun will oder ein Feindbild aufbauen möchte, sondern, weil es der Realität entspricht? Die Realität, die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung scheint das große Problem zu sein für ihn, das er nicht lösen kann.

Man kann sich vorstellen, dass Lau mit seinen warum auch immer übersichtlichen Kenntnissen der Muttersprache wohl schon immer ein wenig „fremd im eigenen Land“ war. Man kann sich ebenfalls vorstellen, dass die Rolle des Sonderlings nicht erst durch den Übertritt zustande kam, sondern schon vorher bestand, dass also ein Rahmen gesucht wurde, in dem diese persönlichen Eigenschaften positiv umgedeutet werden konnten: Man sucht sich die Gruppe, zu der man passt oder in der mangelnde Deutschkenntnisse und ein sehr schlichtes Weltbild sowie die Neigung zu Verschwörungstheorien nicht auffallen. Da ist er bei den radikalen Islamisten schon nicht schlecht zugeordnet. Das hätten bei ihm aber sicher auch Scientology oder die Mun-Sekte sein können. Die aber sind meist nicht mehr so präsent und dadurch erschließen sich auch unterschiedliche Gefährlichkeit und Wachstumspotential: Personen, die ein schlichtes und autoritäres Weltbild wollen, gibt es ja nun nicht wenige. Alleine die Präsenz und die Ansprechbarkeit erhöht die Gefahr des Zulaufs. Die Freiluftsprechstunden sind insofern eine erhebliche Gefahr.

 

 

* Für alle, die keine SF-Kenner sind: Das ist etwas, das beim „Beamen“ stattfindet, einer fiktiven Transportweise. Der zu transportierende Körper löst sich quasi auf. [Und auch hier an alle Fans: Bitte, das ist eigentlich etwas anders, aber wie soll man das einem Nicht-Trekker erklären in zwei Sätzen?]

** Grammatikalische Fehler im gesprochenen Original.

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