Der Feind in meinem Bett

COVENTRY, UNITED KINGDOM - 4 DECEMBER, 2012: Kian's bed just after the phone had exploded.  See NTI story NTIBB. An 11-year-old boy suffered burns to his legs from a mobile phone that exploded and set fire to his bed. Kian McCreath from Coventry, woke up screaming when his brother's Blackberry erupted into flames setting his duvet and mattress alight in the bedroom they share. The schoolboy had melted plastic stuck to his legs and was taken to hospital.     (Photo by Newsteam)

 

Zu den gestrigen Anschlägen schreibt Mouhanad Khorchide auf seiner Facebook-Seite:

„Heute war ein schwarzer Tag im Namen des Islams: eine schiitische Moschee in Kuwait wurde in die Luft gejagt (viele Tote), in Frankreich ein grausames Attentat auf eine Gasfabrik, in Kobane ein Überfall von IS, der viele Menschenleben gekostet hat und ein Anschlag auf ein Hotel in Tunesien mit vielen Toten. […] Die Verbrecher sind nicht nur die unmittelbaren Attentäter selbst, sondern auch diejenigen, die jegliche Reformversuche im Islam bekämpfen.“

https://www.facebook.com/Prof.Mouhanad.Khorchide?fref=ts

Man muss noch hinzufügen: Nicht nur diese. Die klammheimlichen Unterstützer, die Mitläufer, die ganzen Personen, die das als Problem sehen wollen, das nichts mit dem Islam zu tun hat, sind auch verantwortlich. Die, die es völlig externalisieren wollen. Die diese Struktur verschleiern, weil sie sich persönlich nicht zuordnen und denen schon das Benennen nicht schmeckt, selbst wenn sie die Konsequenzen dieser Haltung nicht verantworten wollen.

Die totalitären Regimes in Europa kosteten im 20. Jahrhundert viele Mio. Menschenleben. Soldaten, eigene Zivilbevölkerung und die des jeweiligen Gegners, und Menschen, die rein der Ideologie geopfert wurden. In erklärten Kriegen und wenn in Lagern Menschen anderen Menschen das Leben nahmen.

Diese bösartigen und menschenverachtenden Taten konnten Regierungen zugeordnet werden, sie waren weniger Einzelentscheidungen der Ausführenden. Man gehorchte Befehlen. Nach jedem Krieg wurde in Genf die Genfer Konvention erweitert, die selbst die Kriegshandlungen in gewisser Weise humanisieren sollte, die menschliche Bösartigkeit in Bahnen lenken sollte.

Der Islamische Staat hat keine anerkannte Regierung. Und auch die Anführer der verschiedenen anderen Gruppen sind zwar bekannt, aber nicht anerkannt. Das hindert nicht, dass sie als solche agieren können. Die zeitliche Koordination zwischen den einzelnen Gruppen ist kaum erforderlich, denn es gibt offenkundig Zeiten, in denen die Anhänger auch von sich heraus wahrscheinlicher agieren. Das ist mehr als bloßer Terrorismus, denn das zeitliche Zusammentreffen ist keine einfache Korrelation, Zufall. Das ist nicht wie bei der Menge an Störchen und Kindern. Das ist ein Guerilla-Krieg, weil da die radikalisierte Ummah agiert. Und die Soldaten sind perfekte Soldaten, denn sie gehorchen, haben keine eigene Wertung mehr und geben nichts auf ihr Leben. Letzteres ist etwas, worauf man bei allem Säbelrasseln im Kalten Krieg immer noch vertrauen konnte: Am anderen Ende der roten Leitung sitzt ein Mensch, der Angst um sein Leben hat. Das hat die Situationen gerettet, viele Male. Man konnte oft ebenso darauf zählen, dass man sich die Mühe gab, die Genfer Konvention einzuhalten. Schon deshalb, weil man nicht wollte, dass bei den eigenen Soldaten diese auch nicht eingehalten wird. Auch dieses, die Einhaltung zivilisatorischer Grundregeln, tritt da zurück: Durch die Entmenschlichung ist der Gegner, der Gefangene nichts wert und den Glaubensbruder wähnt man in den Händen Gottes. Man muss die Regeln nicht einhalten, weil man zum einen nichts auf die Einhaltung gegenüber den eigenen Leuten gibt und zum anderen, weil man sicher darauf vertrauen kann – sofern man noch nicht so glaubensstark ist – dass der Gegner sich an die Regeln hält.

Es sind also in vielerlei Hinsicht ungleiche Bedingungen.

Die einzelnen und konkreten Hintergründe der gestrigen Taten wird man teilweise aufklären können. Im Hintergrund steht jedoch ganz sicher schon allgemein die totalitäre Haltung, die Menschenverachtung, die Verachtung auch für das eigene Leben. Mitläufer, Unterstützer und die Täter von morgen sind schon unter uns. Paranoia führt zwar nicht weiter, aber eine klare Haltung zu Mitläufern und Unterstützern muss sein und ist auch der einzige Weg. Diesen Personen muss man Verantwortung zuordnen, auch wenn sie sie nicht tragen wollen. Um ihr persönliches Wohlbefinden und ihre Verdrängungsstrategien kann es nicht mehr gehen, denn es geht um Menschenleben. Das müssen auch die politischen Entscheider erkennen und Personen, die die Struktur verschleiern wollen, eine klare Absage erteilen. Wir müssen darüber reden. Wer als muslimischer Funktionär das Wort Islamismus schon bekämpft (alte Soziologen-Regel: „Wer definiert, gewinnt.“), damit wir nicht über die Struktur reden KÖNNEN, muss dieses Wort lernen und akzeptieren. Denn wir müssen Worte haben zur Differenzierung und die kann nicht nur die betroffene Gruppe selber definieren. Das ist ein Angebot an beide Seiten. Man muss den „Feind im Bett“ als Feind benennen können und nicht als manchmal ein bisschen schlecht gelaunten Ehemann beschönigen müssen.

Der organisierte Totalitarismus nach Europa zurückgekehrt. Das muss so erkannt und benannt werden.

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