Aktionstag der Muslime war auch keine Eigeninitiative

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Fassade des Hundertwasser-Krawinahauses in Wien Bild: NnScolae, Wikipedia, freie Nutzung

Aktuell ist die Mahnwache am Brandenburger Tor vom Januar dieses Jahres (Charlie-Hebdo-Gedenken) in den Medien. Problematisch ist nicht nur die Frage der Finanzierung, sondern auch, dass dies von Parteiseite, eigentlich sogar von Regierungsseite angestoßen wurde, es aber als muslimische Veranstaltung der Öffentlichkeit verkauft wurde.

http://www.ruhrbarone.de/duennes-eis-der-parteienbeteiligung-fuer-muslimische-mahnwache/110799/comment-page-1#comment-980886

Dass dem „Eigenantrieb“ der muslimischen Verbände etwas nachgeholfen werden musste, wenn es um die Positionierung zu Taten geht, die im Namen des Islam verübt werden, ist aber nicht neu. Ebenfalls des Anschubs bedurfte es beim „Aktionstag gegen Gewalt und Terrorismus“ vom letzten September. Ich schrieb seinerzeit dazu:

Mahnwachen in Moscheen sind allenfalls erstes Zeichen gegen Extremismus, 16.09.2014

Für diesen Freitag wurde von einigen muslimischen Verbänden ein Aktionstag angekündigt. Schaut man sich die geplanten Termine für diesen Aktionstag gegen Extremismus einmal genauer an, so finden mitnichten irgendwelche Aktionen auf der Strasse statt oder neben oder an den Orten der Radikalisierung. Auch wird nicht ein Bündnis ins Leben gerufen, das die Mitglieder verpflichtet, keine Hassprediger mehr einzuladen oder Moscheevereine auffordert, solches zu unterlassen.
Nein, es werden in die beteiligten Moscheen nur Vertreter der Politik eingeladen:
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Bitte, was soll das? Das ist ein Aktionstag für die Presse, mehr nicht. Das richtet sich ein wenig an die Mehrheitsgesellschaft, nicht jedoch gegen diejenigen, die den Extremismus im Islam vertreten und in die Köpfe junger Menschen implantieren.
Angeblich sollen 2000 Moscheen bundesweit an der Aktion teilnehmen. Was da wohl alles mitgezählt wurde? So viele richtige Moscheen gibt es in D gar nicht:
http://de.statista.com/…/muslimische-moscheen-und-gebetsra…/
Auch dieser Aktionstag wurde – so mein Eindruck – nur eilig geplant, weil es jetzt etwas Druck gibt. Von einer wirklichen Distanzierung zum Kalifat, zu dem „Islamischen Staat“ (IS) liest man ebenfalls wenig. Das wird so vermengt, dass nichts Klares und Klärendes mehr herauskommt. Das ist definitiv zu wenig angesichts dieser Probleme:
http://www.focus.de/…/aus-deutschland-in-den-dschihad-vier-…
Wenn manche muslimische Mitbürger der Meinung sind, der IS missbrauche ihre Religion, dann sollten sie das auf die Strasse tragen. Z.B. zu denjenigen, die das ganz ungeniert in ihrer Kommune vor aller Augen betreiben. Kaffee trinken mit Politikern ist unzureichend und nur ein wenig Schaumschlägerei.
Für Frankfurt ist die Abu Bakr Moschee angegeben. Das ist die Moschee, in die u.a. der mittlerweile tote Junge Enis aus der Doku „Sterben für Allah“ und auch Kreshnik B., gegen den derzeit wegen seiner Handlungen in Syrien verhandelt wird, gingen. Dort wird morgen Bouffier erwartet. Was es – jenseits der Eigendarstellung – gegen Extremisten bringen soll, wenn der Ministerpräsident zum Schnittchenessen kommt, erschließt sich mir nicht. Wenn das ein „starkes Zeichen“ sein soll wie manche Kommentatoren meinen, dann sind wir schon sehr entwöhnt, überhaupt Zeichen aus dieser Richtung wahrzunehmen.

Und am Tag danach die Presseschau:

Kleine Presseschau zum Aktionstag des KRM, 20.09.2014

Auf der Seite des KRM wurde zwar von „2000 teilnehmenden Moscheen“ gesprochen. Kaum ein Journalist scheint diese Zahl zu hinterfragen, denn schon die Statistikseite Statista gibt diese Gesamtzahl gar nicht her. Konkret benannt wurden 9 ausgewählte Orte. Betrachtet man, was an diesen Orten, die angeblich nur für viele andere standen, gemacht wurde, so fällt auf, dass in den vom KRM angegebenen Städten der angegebene Veranstaltungsort meist als der einzige, wenn überhaupt, benannt wird. Es handelt sich um bundesdeutsche Großstädte, jeweils mit zig Moscheen.
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Ausgewählte Orte nach KRM:
1. Berlin: (Programm Beginn: 13:30 Uhr)
Jenseits der Aktion in der Mevlana Moschee ist nichts zu finden.
http://www.berliner-zeitung.de/…/mevlana-moschee-in-berlin-…
Petitesse von dem Imam Sezan Cakan
„Allah mache keinen Unterschied zwischen Herkunft und Nationalität von Menschen.“
Interessant, worauf da abgestellt wird. Aber er macht einen Unterschied im Bekenntnis und im Geschlecht. Aber das sagt wieder keiner.
2. Oldenburg:
Wohl eine kleine Mahnwache nach dem Freitagsgebet.
http://www.nwzonline.de/…/muslime-setzen-ein-zeichen_a_18,0…
3. Mölln:
Da hat es wohl nur ein Pressestatement gegeben:
http://www.faz.net/…/deutsche-muslime-wer-angst-hat-kann-vo…
4. Hannover:
Hier wird nur die Veranstaltung mit Maizière benannt. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/De-Maiziere-besucht-Moschee-bei-Hannov…
5. Bielefeld:
Hier ist von einer „zentralen Aktion“ die Rede. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber wieder die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/Muslime-stellen-sich-gegen-Hass-und-Un…
6. Frankfurt:
s.u.
7. Stuttgart:
Jenseits der Veranstaltung mit Öney hat wohl nichts weiter stattgefunden.
http://www.welt.de/…/Muslime-im-Suedwesten-sprechen-sich-ge…
8. München:
„15 Imame unterstützen eine Erklärung auf Initiative des vielleicht bekanntesten Imams Deutschlands, Benjamin Idriz aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er will in München eine große Moschee errichten und hat derzeit mit manchem Rückschlag zu kämpfen. Das interessiert beim Aktionstag aber nur am Rande. Die 16 Imame aus München und Oberbayern setzen ein Zeichen. Sie haben eine gemeinsame Erklärung vorbereitet, die „Nicht im Namen Allahs und nicht in unserem Namen“ heißt.“
http://www.ovb-online.de/…/kein-terror-namen-islam-3882329.…
Klartext: Ohne diese Initiative dieses Imams, der aber aktuell ein Moscheebauprojekt vorantreibt, wäre wohl jenseits des Auftrittes von Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration in der
Türkisch islamischen Gemeinde zu München e. V. wenig bis nichts passiert.
9. Hamburg:
„Die Veranstalter schätzen, dass an dem Aktionstag in der Centrum Moschee als EINZIGEM Hamburger Veranstaltungsort rund 1500 Menschen teilgenommen haben.“
http://www.abendblatt.de/…/Protest-hunderter-Hamburger-Musl…

Vorläufiges Fazit:
Eine reine PR-Aktion, die auf Druck der Regierung (siehe hr-Bericht) zustande kam.
Überzeugung und Überzeugendes sieht anders aus. Leider.

In der Hessenschau vom 19.09.2014 wird über den Aktionstag in der Frankfurter Abu Bakr-Moschee berichtet. Die Politprominenz, der Herr Mazyek und der Herr Graumann, damals noch Vorsitzender des Zentralrats der Juden, waren zu Gast:

http://www.hr-online.de/website/archiv/hessenschau/hessenschau.jsp?t=20140919&type=v

Von 0:30 bis etwa 6:30

Die Abu Bakr Moschee hat in den vergangenen Jahren immer wieder den belgischen Hassprediger Tarik ibn Ali zu Gast gehabt. Der Herr Mazyek verkündete einen Monat später in einem HR-Interview, er habe sie „wegen der schönen Architektur“ gewählt.

Mittlerweile ist diese Gemeinde jedoch Neumitglied im Zentralrat der Muslime.

Anscheinend hatte außer dem Herrn Siefert vom HR bundesweit kein einziger Journalist mal das Zustandekommen dieses Aktionstages hinterfragt. Alle haben die Marketingstory von Herrn Mazyek gekauft und gefeiert. Die Politik war voll des Lobes. Ob die Lobenden immer um das Zustandekommen wußten? Die Finanzierung wird da nicht problematisch gewesen sein: Das konnte die Abu Bakr Moschee sicher mit Bordmitteln stemmen. Aber der mangelnde Eigenantrieb, dass die Politik die muslimischen Verbände zu Aktionen treibt, die sie dann selber abfeiert – ja, das ist schon bizarr. Das hat was von Kino.

Man kann sich anderes wünschen.
Wünsche alleine ändern die Realität jedoch nicht.

Ein Gedanke zu „Aktionstag der Muslime war auch keine Eigeninitiative

  1. Der Herr Mazyek hat eine Replik auf den Welt-Artikel geschrieben, die keine ist:

    Daraus:

    „Tatsache ist: Die Mahnwache war eine Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Türkischen Gemeinde zu Berlin. […]
    Die SPD ist jetzt dankenswerter Weise in Vorleistung getreten und die anderen Parteien stehen zu ihren Zusagen.“

    Da bleiben natürlich etliche Fragen unbeantwortet. Nämlich z.B. die, ob die Parteien Fremdveranstaltungen in dieser Art überhaupt tragen dürfen.

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