Mahnwache vom 08.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche und umsichtige Betreuung.

Mehrere Mitstreiter fielen aus verschiedenen Gründen aus, so dass wir in kleiner Besetzung aktiv wurden.

Eine Gruppe Jungen, nach Schätzung 13-14, nach eigener Angabe 16, befragte zum Begriff Islamismus. Die Erläuterung wollten sie nicht akzeptieren, wollten es wieder erklärt haben, reihum. Ein älterer Passant hielt die Aufdringlichkeit der Jungen nicht aus und meinte zu den Jungen, dass ich es denn nun doch genug erklärt hätte. Er stieg mit ihnen in die Debatte ein. Sie zogen dann, als der Passant weiterging, von einem Mitstreiter zum anderen, wiederholten das immer gleiche Spiel.

Ein Junge aus der Gruppe kaprizierte sich hartnäckig darauf, dass ich den Koran nicht gelesen haben könne. Meine Nachfrage, welche meiner vorliegenden Übersetzungen er denn meine, die von ibn Rassoul, die von Ali Ünal oder gar die der Ahmadiyya (die wesentlich textgleich ist mit der von ibn Rassoul) überforderte ihn völlig. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass es verschiedene Übersetzungen geben KÖNNE. Ab dem Punkt, an dem ich in dem Raum gestellt hatte, dass viele der hier Geborenen den Koran vielleicht auswendig könnten, aber ihn nicht sinnerfassend oder gar kritisch gelesen hätten, war es vorbei mit jeder auch nur ansatzweise sinnvollen Debatte. Er fragte ständig nach, warum ich gesagt hätte, er als arabischstämmiger könne nicht genug arabisch. Er wiederholte das völlig ungerührt, alles andere trat in den Hintergrund. Ich konnte ihm natürlich dort auf der Strasse nicht das Gegenteil beweisen und er genoß es sichtlich, durch ständige Wiederholung der Frage mich an einem Punkt zu haben, an dem die Debatte über IS und LIES gar keine Rolle mehr spielte, denn jeder Versuch, auf das Hauptthema zu kommen, führte wieder in die „ich kann arabisch“-Schleife.

Mehrere junge Männer aus Afghanistan erkundigten sich. Sie sprachen lediglich englisch und verstanden das Problem nur oberflächlich. Sie wolllten wissen, ob ich denn den auf meinem Plakat aufgelisteten Gruppen tatsächlich Radikalisierungen zuordnen könne. Ich versuchte zu vergleichen – scheiterte aber daran, keine radikale Gruppe in Afghanistan benennen zu können, die ähnliches macht wie LIES in Deutschland. Nun, vielleicht geht das dort auch gar nicht.

 

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Ein junger kurdischer türkischstämmiger Mann fragte zu den Schildern. Ich erläuterte unser Anliegen und verwies darauf, das 80 % der Kinder und Jugendlichen aus muslimischen Familien stammen. Nachdem wir über das Beispiel Hassan Masood (der „Fußfessel-Islamist“) zur Prävention gekommen waren, meinte er, dass alles viel früher beginnen müsse. Konsens. Der „brutale Druck“ innerhalb vieler muslimischen Familien, sich dem Vater zu beugen und diesen „stolz“ machen zu müssen, müsse aufhören. Auch Konsens. Denn die Art und Weise, WIE man den Vater stolz machen könne, werde nicht in HIER sozialverträglicher Weise mitvermittelt, sondern die Kinder, v.a. die Söhne alleine gelassen. Auf der Strasse, in der peer group ist es dann Glück oder Unglück, wem sie sich anschließen. Wir waren uns auch einig, dass in den muslimischen Familien eine Vorlesekultur erst geschaffen werden müsse. Das fortgesetzte Kümmern v.a. um die Söhne entspricht nicht der Tradition, die Söhne sind eigentlich ab dem Alter von 7-10 unter der Führung des Vaters, der aber oft fehlt, entweder physisch oder noch noch öfter emotional oder als Vorbild in einer Gesellschaft, die eben nicht alles der Koranschule und der Unterwerfung der Kinder dort überlässt. Kinder, Söhne werden häufig zur Erziehung und Bildung dorthin gesandt. Wenn das – wie mir neulich von einem Vater berichtet, dessen getrennt lebende Frau genau das gemacht hatte – dann z.B. die Frankfurter Bilal-Moschee ist, kann das in die Katastrophe führen. Der junge Mann selber war sehr froh, dass sich sein Vater gegen hämische Kommentare aus seiner Familie durchsetzt hatte und sie auf Integration hin erzogen hatte: Deutsch zu Hause, auch deutsche Freunde anderen Glaubens usw. Das war – so schätzte das der junge Mann im Rückblick ein – sicher nicht einfach gewesen, hätte sich für ihn aber dann doch sehr gelohnt. Der junge Mann hat studiert und fühlt sich wohl hier und angenommen als Mitglied dieser Gesellschaft.

Eine vollverschleierte junge Frau mit roten Schläppchen stolzierte nebst Gatten mehrfach durch unsere Reihen, suchte Augenkontakt bzw. beobachtete die Wirkung. Anscheinend wollte sie alleine durch das Flanieren gezielt durch unsere Reihe hindurch irgendeine Reaktion auslösen, was jedoch misslang.

Mehrere junge Männer aus Tunesien waren ebenfalls neugierig. Nach Erläuterung berichteten sie von anhaltend tiefen gesellschaftlichen Rissen in ihrem Land und schweren Problemen mit Radikalen. Auch in Tunesien ist mittlerweile LIES aktiv

Schon 2012 gab es da erste Bestrebungen.

Wir haben Austausch vereinbart.

 

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Im Gespräch, Mahnwache 8. August 2015

Eine vollverschleierte junge Frau hatte eine weibliche Begleitung in engem Kopftuch dabei. Sie sprach nur englisch und war als Touristin auf der Durchreise und beim Shoppen. Auch sie erkundigte sich eingehender. Sie schien so Anfang 20. Nach ernsthaftem Zuhören gab sie mir dann einen Rat. Sie hatte die Augen aufgerissen, als ich ihr von Eltern, muslimischen Eltern, die ihre Kinder verloren durch die Frankfuirter LIES-Aktivisten, erzählte. Sie meinte, ich solle die Erklärung zur Aktion in verschiedenen Sprachen hochhalten, damit auch Touristen wie sie die Chance hätten, zu begreifen, was da auf der Strasse passiere und dass es uns nicht um den privaten, frei ausgelebten Glauben ginge, sondern Islamismus und den politischen Islam. Es war ein recht bemerkenswertes Gespräch, denn sie persönlich wollte ihren Glauben niemandem aufdrängen. Das sagte sie zumindest. Zu ihren Gründen, sich so weitgehend unsichtbar zu machen, kamen wir nicht. Möglicherweise trug sie den Niqab nicht freiwillig oder sie spaltete intensiv ab. Auf jeden Fall war es eine freundliche junge Frau, die durchaus verstand, dass andere nicht ihre Wahl treffen wollen.

Auf dem Hinweg, gegen 16:45 Uhr waren am Brockhausbrunnen nur zwei einzelne LIES-Aktivisten aus der 3. Organisations-Reihe. Sie sollen zuvor am „My Zeil“ gewesen sein, wurden aber mit zeitlichem Abstand zu unserer Aktion des Platzes verwiesen. Die Akhi-Szene fehlte gestern völlig, so dass eine Menge ruhigerer Gespräche und Aufklärung möglich waren. Gegen 18:15 Uhr hörten wir dann von einem Passanten, dass aktuell wohl eine Feststellung der Personalien am Lies-Stand stattfinde, etliche Polizisten seien dort im Einsatz, um bei den etwa 10 Aktivisten die Maßnahme auch gefahrlos durchführen zu können. Das erklärte dann auch die Anwesenheit eines Hessenschau-Journalisten nebst Team. Diese hatten zuvor ein wenig auf der Zeil gefilmt*, und mit dem Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes ein Gespräch geführt. Insofern eine geplante Aktion. Das ist zwar passabel. Kleine Aktionen für die Presse befreien Frankfurt jedoch nicht aus der Not, etwas mehr und etwas mehr Zielführendes zu überlegen und auch umzusetzen. Das hätte, stringenter durchgeführt, auch eine andere Durchschlagskraft. Und ja, dafür darf man dann auch mal eine Klage vorm VG riskieren, denn bei Würschtel-Verkäufern oder einem Klavierspieler geht das ja auch.

Mir ist bekannt, dass weitere Vorschläge zur Vorgehensweise an geeigneter Stelle vorliegen.
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* Auch bei uns wurde gefilmt. Möglicherweise sprach man über uns, aber nicht mit uns. Es ist eigentlich guter Brauch, nicht nur über Leute zu sprechen, sondern auch mit ihnen. Das ist jetzt keine Eitelkeit von mir, sondern üblich, dass man Personen nicht wie Zootiere behandelt. Das hat bei diesem Journalisten aber persönliche Gründe mir gegenüber (das ist keine VT, sondern nachweislich so).

Man wird sehen, was daraus gemacht wird, wohl Montag.