Mahnwache vom 22.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche Betreuung.

Von einer älteren Dame, die häufig bei uns vorbeischaut und uns unterstützt, wurde uns gemeldet, dass die LIES-Aktivisten in kleiner Besetzung am Freitag aktiv waren. Seit unseren Mahnwachen wurde – mit Schwankungen – die samstägliche Präsenz weniger, weil wir auch immer Polizei dabei haben. Die Aktion des Ordnungsamtes vor drei Wochen wirkte da synergistisch. Bei dieser Gelegenheit hatten Polizei und Ordnungsamt die Verteiler kontrolliert, was, wie mir Passanten berichteten, in einer Personenstandsfeststellung aller anwesenden Verteiler mündete. Das macht schon mal Eindruck.

 

Mahnwache 150822

 

Die Unterstützer-Szene war gestern nicht breit vertreten, da auch die LIES-Protagonisten nicht auf der Zeil gesichtet wurden. Man spricht sich ab, das fiel schon häufiger auf. Ein einzelner junger Mann, der sich als Lies-Aktivist outete, erzählte, dass er erst vor 3 Monaten zum Projekt gefunden habe. Er habe einen anderen sehr Aktiven über Facebook kontaktiert und sei so dazu gekommen. Im weiteren Gespräch meinte er, ich sei von Dämonen besessen und er wolle mit mir lieber nicht weiter reden. Auch wenn die Meinungen darüber sicher andernorts auseinandergehen dürften (kleiner Scherz), handelt es sich hier jedoch um eine klare Verkennung. Die Installation eines solchen Glaubens erinnert an die Dinslakener Gruppe, in der solches auch zentriert wurde. Es gab dazu einen Bericht des BR im Frühjahr, in dem sogar Teufelsaustreibungen durch einen „Quranheiler“ in Dinslaken eine Rolle spielten.

Als ich darauf fragte, welchen Bildungsweg er beschreite, es sei ja ganz unglaublich, dass ein hier geborener, etwa 16 jähriger Junge an Dämonen glaube, behauptete er, sehr gebildet zu sein; es gäbe gute und schlechte Dämonen. Meiner sei wohl ein schlechter. Ich musste trotz des eigentlich ernsten Themas lachen. der junge Mann wandte sich dann einem Mitstreiter zu. Er blieb die ganzen zwei Stunden und mischte sich vor allem ein, wenn ich mit Jüngeren sprach. Dann versuchte er, mich lächerlich zu machen und dieses jüngere Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Eine Gruppe junger Frauen, stark geschminkt, fühlte sich – obwohl sie die Aufschriften der Plakate missverstanden – angegriffen. Erläuterungen wollten sie auber auch nicht hören, sondern bezeichneten mich einfach wiederholt als „Schwein“. Als es mir zu bunt wurde, machte ich ein paar Schritte zur Polizei hin und wollte die Personalien der der besonders gehässigen jungen Frau feststellen lassen. In den wenigen Sekunden war die junge Frau weggelaufen, während ihre Begleiterinnen behaupteten gegenüber der Polizei, dass sie die Weggelaufene nicht kennen würden und überhaupt hätte sie zu mir nur „Schweinefleisch“ gesagt. Das sei ja wohl nicht verboten. Eine etwa gleichaltrige Frau, die mit der Gruppe unterwegs war, aber dem Anschein nach keine Muslima, assistierte bei dieser Strategie. Sie schaute sehr böse.

Ein Mitstreiter berichete, ein junger Muslim sei mit ihm ins Gespräch gekommen. Er wirkte locker und entspannt und legte Wert darauf, keineswegs nur für sich zu sprechen, sondern auch für alle, die hinter ihm standen. Es sei ihm zunächst wichtig gewesen, dass der Mitstreiter sich umdrehte und feststellen sollte, dass hinter ihm niemand stehe. Als sich ein älterer Mann in das Gespräch einmischte und erzählte, daß er in Afghanistan sechs Jahre als Taliban gegen die Russen gekämpft habe, wurde der junge Mann relativ schnell laut und drängte den älteren Mann zügig aus dem Gespräch. Die Unterhaltung hat im Wesentlichen der junge Mann bestritten. Es sei gut, dass der Mitstreiter den Koran gelesen habe, jetzt müsse er ihn nur noch annehmen und beten. Der junge mann bekundete, er habe erst durch schlechte Erfahrungen zur Religion gefunden. Die Welt werde von einem Menschen namens Rothschild beherrscht. Dieser habe das Zentralbanksystem erfunden, um die Menschheit zu versklaven. Auch habe er Afrika AIDS gebracht, in Nordamerika die Indianer ausgerottet und noch einige Schandtaten mehr begangen. Rothschild sei eigentlich nur ein anderer Name für den Satan. Den Einwand des Mitstreiters, mit diesem Weltbild hätten wir in Deutschland so durchaus unsere Erfahrungen, wollte er nicht gelten lassen. Der Islam werde auf jeden Fall gewinnen, meinte er. Die Welt werde untergehen und wenn der letzte echte Muslim gestorben sei, käme das jüngste Gericht. Wehe dann allen, die keine wahren Muslime gewesen seien. Er sei friedlich und werde aber alles tun, was der Koran von ihm verlange. Die Darstellung des Islams als gewalttätig läge allein an den Medien. Dann erklärte er noch, er habe keine Angst zu sterben, aber die hinter ihm, die hätten Angst zu sterben, worüber er sich in dem Moment wunderte.

An der Stelle mischte sich dann ein anderer junger Mann in das Gespräch ein und erkläre, er habe zweimal den Koran gelesen und sei heute kein Moslem mehr. Der erste Gesprächspartner schaute ihn an und sagte:“Warum zitterst Du, Bruder?“.Darauf entspann sich eine Diskussion zwischen den beiden. Der Mitstreiter zog sich zurück. Der Mitstreiter bereute dies jedoch späterhin als echten Fehler, da er den zweiten jungen Mann, der offenbar für sein Statement tatsächlich Mut aufbringen musste, im Stich ließ, was ihm aber in dem Moment leider nicht klar war. In der Rückschau geht er davon aus, daß das Interesse dieses Gesprächspartners zu keinem Zeitpunkt ihm, sondern immer nur seinen Begleitern galt. Anders konnte er sich die ständigen abrupten Themenwechsel und den deklamatorischen Tonfall nicht erklären.

An unserer Reihe lief ein Mann vorbei, der abrupt stehen blieb. Er las die Schilder, griff in die Tasche und zog Kleingeld heraus. Da ich nur seitlich stand, sah ich das Folgende nur aus den Augenwinkeln. Er warf uns das Geld vor die Füße und schimpfte wutentbrannt. Ein Mitstreiter meinte, ich solle wegen dieser Beleidigung gegen ihn vorgehen. Ich machte zwei Schritte auf ihn zu, überlegte dann aber, dass das vor Gericht keinen Bestand haben werde. So verzichtete ich darauf, seine Personalien feststellen zu lassen. Nicht jede Form von Beleidigung ist auch strafrechtlich fassbar.

Solche Herabwürdigungen muss man leider in Kauf nehmen für die Sache.