Mahnwache vom 29.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für den freundlichen und umsichtigen Schutz.

 

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In kleiner Besetzung mit etwas späterem Beginn.

Ein junger Mann wollte sich mein Schild erklären lassen und stieg mit der häufigen Frage „Was soll Islamismus sein?“ ein. Die übliche Definition verstand er zunächst nicht und als er sie verstanden hatte, lehnte er sie geradeheraus ab. Diese Definition sei nicht akzeptabel, es gäbe nur den Islam, Islamismus gäbe es hingegen nicht. Auf diese Logik einsteigend erläuterte ich, dass man – selbst wenn man annähme, es gäbe Islamismus nicht – man doch diesen Begriff bräuchte. Man braucht ihn, um Muslimen zu ermöglichen, sich in Auslebung ihrer privaten Frömmigkeit als Teil dieser demokratischen Gesellschaft zu definieren und von Personen abzugrenzen, die die demokratische Gesellschaft abschaffen wollen. Der junge Mann lehnte auch diese Erläuterung ab. Nach einigen Antworten wurde klar, dass es ihm weniger um Klärung und Diskussion ging, sondern er nur vor Publikum herabsetzen wollte, da er in Wiederholungen verfiel. Er forderte aggressiv weitere Antworten ein, woraufhin ich mehrfach versuchte, das Gespräch abzubrechen, was er nicht akzeptierte und höhnisch nachfragte. Ich ging dann ein paar Meter weiter.

Zwei junge Frauen, mit denen ich mich schon zweimal unterhalten hatte, stiegen an diesem Punkt ein und wollten sich ebenfalls das Wort Islamismus erklären lassen. Sie waren „westlich“ gekleidet und ich erinnerte mich, dass mit beiden kein Konsens erzielt worden war und sie wiederholt aggressiv wurden. Ich sagte ihnen das, sie wunderten sich. Sie zogen dann zu einem Mitstreiter ab.

Von einer Passantin und einem Passanten wurde jeweils das „Kreuzzugs-Argument“ gebracht. Diese Art Ablenkung ist nicht selten. Durch dieses Manöver soll vom aktuellen Bezug abgelenkt werden. In eine vertiefte historische Debatte kann man jedoch am Ort nicht einsteigen. meist wollen diejenigen auch gar nicht wirklich differenziert abwägen und fühlen sich durch historische fakten eher überfordert.

Eine Passantin machte nach Erläuterung spontan die ganze Mahnwache mit. Aus ihrer – einmaligen – Erfahrung wollte sie nach einer halben Stunde die Plakate ändern, was wiederum ich nicht so gut fand. Man kann sich sicher mit einem Plakat „Gegen IS“ dazustellen. Aber mit diesem Transparent alleine kommt keine Debatte auf, weil der Bezug zu Frankfurt fehlt und auch zu den Koranverteilungen. Bei so einem Schild nickt (fast) jeder und man kommt nicht ins Gespräch. Wir einigten uns so, dass sie ein eigenes Plakat macht, wir das vorab anschauen, ob es kompatibel ist und sie demnächst wieder mitmacht.

Ein Mann erklärte mir aggressiv, es werde schon noch jemand kommen, mir das Schild aus der Hand zu schlagen. Ich entgegnete, er solle sich mal über Meinungsfreiheit belesen.

Eine junge Frau, sehr feminin und freizügig (bauchfrei) gekleidet, teilte mit, ich beleidigte ihre Religion. Sie bezog sich auf das eine Plakat, auf dem u.a. steht, dass Islamismus frauenfeindlich sei. Ich versuchte, ihr den Unterschied zwischen privater Frömmigkeit und Islamismus zu erläutern, scheiterte jedoch, da sie den Islam einfach und wiederholt als nicht frauenfeindlich bezeichnete. Ich versuchte, ihr dies anhand der Bekleidungsvorschriften zu erläutern. Sie verstand einfach nicht, dass ihre Bekleidung nicht islamisch ist und Islamisten ihr vorschreiben würden, wie sie sich zu kleiden hat. Dass es diesen völlig egal sei, dass sie das allenfalls als persönliche Sünde betrachte, ansonsten aber ihr ihre Vorstellung von sittsamer Frauenkleidung aufnötigen würden.
Bei manchen erschwert das Verständnis, dass sie den Islam, ihre eigene Religion in ihren üblichen Ausprägungen in anderen Ländern nicht kennen und sie tatsächlich meinen, ihre Freizügigkeit werde durch den Islamismus nicht beeinträchtigt. Nicht jeden Bildungsmangel kann man in 5 Minuten auf der Strasse beheben.

 

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Ein Mann kam aggressiv näher und schrie mich an. Er sei Atheist und Kommunist, aber was ich hier mache, also eine ganze Religion herabzusetzen, sei das allerletzte. Ich sei ein Nazi. Ich versuchte, das zu entkräften, indem ich das Missverständnis erläutern wollte. Er wollte jedoch gar nicht zuhören, sondern schrie nur weiter. Die anwesende LIES-Unterstützer-Truppe nahm das begeistert auf. Als er im Weggehen endete und mich stehen lies mit seinen Flüchen und Verwünschungen, schrie ein Akhi „Takbir!. 20 junge Männer riefen „allahu akbar!“.

Eine ältere Frau drückte mir gegenüber Verachtung aus. Ich wollte erläutern, aber sie zog es vor, sich in ihren Vorurteilen selbst zu bestätigen und ging gleich weg nach meinem ersten Satz.

Mehrere Passanten äußerten sich anerkennend und drückten Dankbarkeit aus. Sie hielten das Thema auch für relevant und diskussionspflichtig.

Zwei junge Frauen mit Migrationshintergrund, die angaben, selber in der Integration aktiv zu sein, waren zunächst skeptisch. Sie meinten, in der aktuellen Lage sei das ganz kontraproduktiv. Ich versuchte zu erläutern, dass genau in Frankfurt auch in Flüchtlingsunterkünften geworben werde, die Straßenrekrutierung weitergehe und wir – bei aller Betroffenheit – uns in einer richtigen Handlung oder Aktivität nicht von den falschen Handlungen anderer beeinträchtigen lassen dürften. Gerade wir, als demokratische und menschenfreundliche Personen müssten den Mut aufbringen, weil diese ganze Lage ein Höchstmaß an Konzentration und Differenzierung erfordert. Sie wurden nachdenklich und wir verloren uns aus den Augen bzw. ich sprach mit anderen. Gegen Ende der Mahnwache kamen die jungen Frauen noch einmal zu mir. Sie berichteten, dass sie ihre Meinung geändert hätten. Sie hätten die letzten anderthalb Stunden ganz unglaubliche Gespräche mitangehört. Sie wären selten bei einer Veranstaltung gewesen, wo so hart und kritisch, aber gleichzeitig friedlich diskutiert wurde. Das fänden sie ganz außerordentlich und sehr wertvoll. Sie wollen vielleicht wiederkommen.

Da ich kurz zuvor einen Mann anzeigen musste, der mich wiederholt „du Stück Scheisse, ich hau dir eine rein“ gesagt hatte, mir sehr nahe gekommen war und eine bedrohliche Haltung einnahm, konnte ich nur bedingt hinsichtlich der Friedlichkeit zustimmen. Ich dachte bei der Schnelligkeit des Herangehens und der Bewegung mehrere Sekunden tatsächlich, er werde mich jetzt sofort schlagen, nahm daher eine Abwehrhaltung ein, obwohl ich das Plakat noch nicht heruntergenommen hatte. Sein mitlaufender Kumpel ergänzte „und von mir kriegste auch noch eine“. Diesen letzteren Mann hat die Polizei leider nicht erfasst. Bei dem Mann, der mich zuerst bedrohte, handelte sich wohl um einen Bosnier, dem Namen auf der Strafanzeige nach. Der Delinquent schaute sehr erstaunt, als seine Personalien aufgenommen wurden. Ihm war es wohl normal, Frauen so anzugehen. Nicht normal war es wohl für ihn, dass so etwas auch mal Folgen hat, weswegen er mich, als er von 5 Polizisten umringt wurde, wutentbrannt anfunkelte. Ja nu. Auch einem Mitstreiter wurde deutlich zugesetzt, etliche junge Männer kamen ihm sehr nahe und versuchten, ihn auch durch Videoaufnahmen einzuschüchtern. Der Umstand, dass wir gestern heil vom Platz kamen, war wohl ein weiteres Mal der sichtbaren Präsenz der Frankfurter Polizei geschuldet. Wenn man trotz mehrerer sichtbarer Polizei-Kleinbusse auf dem Platz so agiert, dann möchte man sich gar nicht vorstellen, wie das ohne wäre.

Ein Gedanke zu „Mahnwache vom 29.08.2015

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