Hajjar, Ibn Hajjar

Neue Gesichter der aktiven Predigerszene wirken zunächst eher im Verborgenen. Mal in einer Moschee, mal bei einer Wohnungs-Dawa (Missionierung). Wie überall müssen sie sich Ruf und Breitenwirkung erst erarbeiten. Einer, der für „Die wahre Religion“ vor einiger Zeit Videos erstellte, ist ein junger Mann, der sich als Prediger „Ibn Hajjar“ nennt.

„Ibn Hajjar“ ist im Frankfurter Raum aktiv. Das sieht man an den Hintergründen und Orten, die er für seine Videos wählt. Etliche Videos wurden in der schönen Kulisse des Frankfurter Palmengartens gedreht. Im Palmengarten sind Filmaufnahmen eigentlich genehmigungspflichtig. Auf Hinweis hin erfolgte zwar keine Antwort des Palmengartens, aber soweit bekannt wurden dort keine weiteren Videos erstellt. Andere Videos wurden im Offenbach im Büsingpark gedreht.

Die Videos sind meist kürzer und an eine verringerte Aufmerksamkeitsspanne angepasst. Die Filme an sich sind nicht arg spektakulär; sie zeigen aber in der Gesamtschau (Inhalt, Orte, Verbreitung, Benennung) Strukturen und Vernetzungen auf. Zwei Beispiele:

 

 

 

Bei seinem Besuch Mitte Juni letzten Jahres in Frankfurt traf Sven Lau auch auf Ibn Hajjar:

 

 

Aber auch mit den Brüdern Belkaid bzw. „Medizin mit Herz e.V.“, früher als „Medizin ohne Grenzen e.V.“ firmierend, ist man nicht nur bekannt, sondern kommt auch zu Gast, hier bei einem Fußballturnier Mitte Juni 2014 in Frankfurt Fechenheim:

 

 

[Bei 1:08 wird Ibn Hajjar angekündigt. Ab 1:40 ist ein wichtiger LIES- und „Wacht Auf!“-Aktivist aus Frankfurt zu sehen, der aber seit Monaten nicht mehr öffentlich auftritt. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit macht er gerade Urlaub im blutigen Süden.]

Eine bei einem Besuch in NRW gehaltene Predigt aus diesen Tagen findet sich wiederum bei LIES NRW. So ähnlich mag er sie zwei Tagen danach auch im Grünen in Frankfurt vorgetragen haben:

 

 

„Ibn Hajjar“ ist also bestens vernetzt in der hiesigen Szene und darüber hinaus. Sicher ein Gesicht, das man sich merken muss, auch wenn er zur Zeit keine Videos macht.

Lies Frankfurt – gestern, heute, morgen

Die auf der Strasse sichtbaren Aktivisten von LIES! dienen nicht nur der Koran-Verteilung und der direkten Mission. Sie stellen auch den repräsentierten Teil der Gruppierung gegenüber Spendern und der eigenen Community im Netz dar.

Insofern werden Fotos von den Infoständen gemacht, um die Aktivität gegenüber diesen Spendern zu dokumentieren und neue Mitstreiter zu gewinnen.

Die Frankfurter Gruppierung leidet seit einiger Zeit unter optischem Schwund, der einen realen Schwund bei dieser Form der Missionierung darstellen kann, aber nicht muss. Bei unverändert wachsender Gemeinde und steigender Anzahl sich von der Gesellschaft abkehrender junger Menschen, mag sich nicht jeder dort präsentieren und will auch nicht jeder seine radikalen Sichten derart dokumentiert wissen. Die Jungen und Männer am rande und im Hintergrund sah man kaum auf den Fotos und nur selten in Videos.

Bilal Gümüs, Frankfurter Abteilungsleiter der LIES!-GmbH, stellt in letzter Zeit vermehr Alt-Bilder ein. So postet er zum 4. Jahrestag der Frankfurter Aktion dieses alte Bild:

 

 

Zum Vergleich ein durchaus derzeit typisches Bild der letzten Aktion:

 

 

[Man beachte die exakt gleiche Zahl likes bei den Bildern.]

 

Das mag an der überregionalen Einbindung und Beschäftigung von Herrn Gümüs, der ein sehr aktiver Vernetzer in die Sossenheimer Szene war, liegen. Es kann auch am bürgerschaftlichen Gegenwind durch die Mahnwache liegen und an den vermehrten Personenstandkontrollen. Der Schwund ist relevant auch durch die Abreise vor einigen Monaten von Aktivisten nach Syrien bedingt, dem nicht mehr Aktivisten in gleicher Zahl als Ersatz folgten.

Natürlich gibt es immer Schwankungen und noch letztes Jahr waren LIES!-Aktionen zu beobachten, an denen sehr viele junge Menschen teilnahmen, v.a. wenn sich Personen wie Sven Lau ankündigten.

Andere Aktivitäten wie Grillfeste gab es dieses Jahr wohl nicht. Zu diesen Grillfesten wie hier in 2014 waren Szenegrößen wie Abdellatif Rouali und Bernhard Falk geladen:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/polizei-kontrolliert-salafisten-treffen-sich-in-frankfurter-waeldchen-12992377.html

Das zog natürlich eine Menge Personen.

LIES! Frankfurt scheint also bei unverändertem Zulauf zu der Szene auf einem absteigenden Ast. Die Frankfurter Szene verlagert sich, diversifiziert sich, trifft sich woanders und in anderen Formen. Das wird man genau beobachten müssen, auch wenn es der Beobachtung weniger leicht zugänglich ist.

Denn die Personen mit faschistoidem bzw. totalitärem Gedankengut werden weiterhin da sein und aktiv sein, auch wenn die LIES!-GmbH dereinst verboten wird. Es wird andere Formen geben. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und gegenzuwirken.