Mahnwache vom 28.11.2015

Von 14-16 Uhr vor dem Brockhaus-Brunnen auf der Zeil. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei für die Betreuung.

Mit einzelnen muslimischen Passanten waren gestern ganz passable Aufklärungsgespräche möglich. Mehrere junge Frauen konnten zu Nachdenken bewegt werden, nachdem sie zunächst den Begriff Islamismus erläutert haben wollten. Passanten diskutierten intensiv miteinander, wobei viele auch nur von der Ferne zusahen oder die Plakate nur mit der Begleitung besprachen. Die Resonanz war gemischt. Paris war nur insoweit Thema, als dass das Paris-Plakat einigen muslimischen Passanten Anlass bot, über die mangelnde Berücksichtigung der als eigen empfundenen Opfer Klage zu führen. Zumindest ich habe gestern auch wieder kein Wort des Bedauerns gehört. Also nicht: Paris – das ist traurig und furchtbar und dann vielleicht, dass man an die anderen denken müsse, sondern gleich: Paris – warum wird für xy kein Schild aufgestellt oder gar xy ist schlimmer. Ein Mitstreiter regte ein Schild an. Statt „Wir müssen über Paris reden“ „Wir sollten über Paris reden, bevor wir über Frankfurt reden müssen.“

Mehrere Passanten verstanden das Anliegen nicht und warfen nur böse Worte hin, ohne sich erklären lassen zu wollen. Gestriges Highlight: „Hurentochter“. Es ist teilweise erschütternd, wie sehr die Lesefähigkeit bei manchen zurückgegangen scheint. Das Plakat wird gesehen, „irgendwas mit Islam“ wahrgenommen und dann wird gar nicht mehr überlegt, sondern in die eine oder andere Richtung geflucht, polemisiert und teilweise beleidigt im Vorbeigehen. Bedenklich auch die Protagonisten, die plötzlich einen Ort sehen, undifferenziert auf Flüchtlinge zu schimpfen. Aber die schicke ich mit einer deutlichen Ermahnung weiter, sich zu belesen und nachzudenken, wie sich das mit Pauschalisierungen so verhielte. Meist sind sie dann einsichtig.

Zwei wohl nichtmuslimische Autochthone beschwerten sich – obwohl sie erkennbar den Sinn der Veranstaltung nicht erkannten, aber auch weder von mir noch einer Mitstreiterin erklärt haben wollten – zunächst einzeln lautstark und ziemlich aggressiv. Sie fanden dann in der Menge zueinander und beschwerten sich dann gemeinsam bei der Polizei. Der geduldige Beamte erläuterte es ihnen bestimmt eine Viertelstunde lang. Sie schienen nicht zufrieden. So einfach ist es denn doch nicht, sich durch einfache Beschimpfung mal als aufrechter Bürger zu fühlen.

Eine junge Frau baute sich vor einer Mitstreiterin und mir auf und wollte uns fotografieren, damit „meine Kumpels heute abend was zu lachen haben“. Wir fragten nach, ob sie denn die Strassenradikalisierung lustig fände, ob sie überhaupt verstünde, worum es geht? Sie verstünde völlig, meinte sie. Genau daran hatte ich erhebliche Zweifel. Ich empfahl wie so häufig die Bundeszentrale politische Bildung. Oh, meinte die junge Frau, sie studiere Politik und wisse daher sehr wohl Bescheid… Die Mitstreiterin konnte sie dann doch ins Gespräch ziehen. Nach 10 Minuten entschuldigte sie sich für ihre Fehleinschätzung. Das ist ok.

In einer der Passanten-Diskussionsgruppen outete sich eine junge Frau als Religionswissenschaftlerin, die die Aktion interessant und ausbaufähig fand. Sie diskutierte mit einigen weiteren Frauen, ich stieg dann ins Gespräch ein, erläuterte ein wenig. Wir vereinbarten weiteren Austausch, denn diese Erhebung der Reaktionen auf der Strasse sind auch eine Art teilnehmende Beobachtung, im Prinzip auch als Feldforschung zu betrachten.

Die Akhi-Szene war wiederholt nicht vor Ort, auch die weiblichen Unterstützer fehlten.

Vor dem „My Zeil“ hatte sich eine Gruppe „Kultur verstehen“ angemeldet. Ein Mitstreiter meldete, dass dort nach seiner Meinung auf der Strasse sehr üble Anti-Israel-Propaganda betrieben werde. Er ging zur weiteren Informationssammlung noch mal hin und brachte einen Flyer und die Beobachtung mit, dass großflächig Ständer mit großformatigen Plakaten aufgebaut würden, die die Passanten behinderten. In der Mitte sei auf etwa 15 m kein Durchkommen mehr. Einige „Anti-Imps“ (linksextreme Gruppierung) seien wohl auch dabei. Ich sah mir den Flyer an: Ja, genug Anhaltspunkte für eine staatsanwaltliche Prüfung auf den Paragraphen 130 StGB. Von mir als hetzerisch eingestufte, bluttriefende  Darstellungen, Schmähungen von Netanjahu, Obama, Merkel und sogar Peter Feldmann (dem ich wegen der Tatsachenbehauptung: „Peter Feldmann … unterstützt die israelischen Kriegsverbrechen.“ zu einer eigenen Anzeige raten werde):

 

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Als Namensangabe ein „Mostafa Elhady (Politikwissenschaftler)“ mit Mobilnummer.
Selbstbeschreibung: „Wer wir sind: Wir sind Menschen arabischer, deutscher und anderer Herkunft, die die Sachen mutig beim Namen nennen möchten und sich für Gerechtigkeit einsetzen.“

Nachdem ich Anzeige zwecks einer juristischen Prüfung erstattete und den Mitstreiter auch zur Polizei schickte, um auf die nicht statthaften bzw. so sicher nicht angemeldeten Bauten hinzuweisen, fand dort eine Überprüfung statt. Die Bauten waren natürlich – gemäß der Voreinschätzung – nicht angemeldet und mussten entfernt werden.

Man wird sehen, welches rechtliche Nachspiel der verteilte Flyer bzw. die getätigten Darstellungen noch werden haben.

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Nachtrag: Auch am 21.11. gab es eine Mahnwache, wenn auch unter sehr erschwerten Bedingungen: die erste Stunde fast durchgehend Nieselregen, auch danach kam nur schleppend etwas in Gang. Ein „freundlicher“ muslimischer Mitbürger wünschte mir im Vorbeigehen, dass ich „noch heute abend sterben“ solle. Besonders interessant war das Gespräch mit einem Ahmadi, der sich vor einer Menge Passanten sehr laut gerierte und die Menge offensichtlich gegen mich aufzuwiegeln trachtete. Das war u.a. daran zu erkennen, dass er, als ich laut meinte, dass seine Haltungen wenig freundlich seien und er als Person recht aggressiv, dass das so gar nicht zur gewünschten bzw. als verbindlich gesehen Aussendarstellung der Ahmadiyya passt, er meinte, ich würde wohl die Menge gegen ihn aufbringen wollte. Projektionen sind manchmal so primitiv. Nein. ich wollte nur den Gegensatz zwischen dem Motto „Liebe für alle und Hass für keinen“ und seinen Ausführungen verdeutlichen. Also den Passanten klar machen, dass das Marketing und die realen Haltungen mitnichten kongruent sein müssten.

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