Belgischer Hassprediger Tarik ibn Ali soll Bataclan-Attentäter radikalisiert haben

 

Die belgische Szene hat seit Jahren intensive und auch persönlich mehrfach im Jahr durch Besuche gepflegte Kontakte. Tarik Chadlioui oder besser bekannt als “Tarik ibn Ali” reist mehrfach im Jahr durch Europa. In Deutschland ist der Belgier nahezu unbekannt, obwohl er seit Jahren feste Stationen z.B. auch im Rhein-Main-Gebiet aufsucht. Der marokkanischstämmige Prediger, der in in Antwerpen residierte, hat beste Kontakte zu den islamistischen Szenen in verschiedenen europäischen Ländern. Paris war auch auf seiner Route. Doch im Rhein-Main-Gebiet sucht ibn Ali ungehindert und kaum beachtet von der Mehrheitsgesellschaft immer wieder Vereine auf:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/07/tarik-ibn-ali-dossier/

https://vunv1863.wordpress.com/category/tarik-ibn-ali/

Die Vernetzung erfolgt mehrheitlich über die marokkanische bzw. berberische Community. Die Predigtsprache ist tamazight, was Übersetzungen zusätzlich erschwert, da weniger Übersetzer zur Verfügung stehen.

 

Tarik-Iban-Ali Bild

Tarik ibn Ali Bild: Telegraaf

 

Auch in Mainz-Kostheim war er dieses Jahr zu Gast:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/07/05/tarik-ibn-ali-in-mainz-kostheim/

Es wird nicht nur Geld gesammelt, sondern – der Zweck dürfte den Spendern bekannt sein – ideologische Unterstützung geboten.

Aktuell, spekuliert die Daylimail, könne Tarik ibn Ali einen der Bataclan-Attentäter radikalisiert haben:

„A Muslim hate preacher suspected of radicalising one of the Bataclan theatre gunmen urged his followers to wage jihad against ‚infidels‘ and promised ‚martyrs‘ would go to paradise.

Tarik Chadlioui preached hate-filled sermons at a Paris mosque attended by terrorist Omar Mostefai, who blew himself up after the bloody Batacalan theatre siege which claimed 89 lives.“

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3320770/Preacher-terror-Revealed-hate-filled-Belgian-Muslim-cleric-radicalised-Bataclan-suicide-bomber-Omar-Mostefai.html#ixzz3rqv1gkog

In der aktuellen Lage, in der massiv in Frankreich und Belgien gegen Terrorunterstützer vorgegangen wird, kann man sich vorstellen, dass diese Kontakte, vermittelt durch Vernetzer wie ibn Ali, nun genutzt werden, um Unterschlupf zu suchen. Die aus Belgien in das Rhein-Main-Gebiet führenden Autobahnen werden vielleicht deshalb verstärkt kontrolliert. Solche Personen werden jedoch kaum die Autobahnen nehmen oder sich abholen lassen. Eine bessere Kontrolle wäre nur an den Grenzen möglich.

Was das nun konkret für die Sicherheitslage in Hessen bedeutet, ist schwer zu beurteilen, zumal man natürlich „unsere“ home grown terrorists“ in spe parallel betrachten muss. Leider wurden – sollten sich genau die letzten Hinweise verdichten – seit langem getätigte Warnungen hinsichtlich dieses „Wanderpredigers“ nicht ausreichend ernst genommen.

Molenbeek – eine Enklave?

In dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek gab es in den vergangenen Tagen erhöhte Aktivität. Razzien, Festnahmen, weil Spuren und Verbindungen der Pariser Täter dorthin führten. Molenbeek hat etwa 100.000 Einwohner. Seit Jahren gibt es dort eine verfestigte islamistische Szene.

Der belgische Innenminister gab zu, den Stadtteil nicht unter Kontrolle zu haben:

„Speaking to public broadcaster VRT Sunday, Interior Minister Jan Jambon said that the authorities had lost control over this area of the EU capital, which culprits in several recent terrorist attacks in Europe, including Friday’s carnage in Paris, have called home.“

http://www.politico.com/tipsheets/morning-money/2015/11/pro-morning-money-211281

 

Zwar gibt es auch andere Stimmen, die jedoch mehr mit persönlichen Eindrücken und weniger mit der konkreten Sicherheitslage zu tun haben. Immer wieder liest man, dass auch Terroristen im täglichen Umgang höflich gewesen seien. Sogar der eine Bruder von zwei Pariser Attentätern verkündete aktuell vor der Presse, seine zwei Brüder seien „ganz normale Brüder gewesen. Das mag bei ihm Schutzbehauptung sein oder sein wirkliches Empfinden, es könnte auch seine Definition von „Normalität“ fragwürdig machen. Aber manchmal wird es tatsächlich nicht bemerkt.

Normal nach deutschen Maßstäben ist der Stadtteil sicher nicht:

„Allerdings ist bekannt, dass aus Molenbeek rund 40 Menschen nach Syrien gereist sind, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. In Molenbeek leben 100.000 Menschen. Das muss man in Relation setzen. Außerdem gibt es in Belgien problematischere Orte. Vor allem in Flandern ist es viel schlimmer.“

http://www.tagesspiegel.de/politik/islamismus-in-belgien-molenbeek-ist-harmlos-im-vergleich-zu-anderen-orten/12598546.html

Übertragen auf hessische Verhältnisse mit 6 Mio. Einwohnern wären das 2400 Personen und nicht die 120, die letzten veröffentlichten Zahlen von Juli entsprechen. Diese sind sicher zu gering, aber auch bei der belgischen Angabe mag es eine Dunkelziffer geben. Das Verhältnis macht klar, wie sehr der Stadtteil betroffen ist. Andernorts ist man aber auch kaum geringere Probleme:

„In Antwerpen – und die Stadt ist viel kleiner als das sowieso kleine Brüssel – hat 100 Dschihadisten hervorgebracht.“

Antwerpen hat nicht nur diese Jihadisten hervorgebracht, sondern auch das Netzwerk shariah4belgium. In Belgien werden aktuell empfindliche Strafen verhängt. Der Haupttäter Mohammed Belcasem – angeklagt war Bildung einer kriminellen Vereinigung – wurde im Frühjahr zu 12 Jahren Haft verurteilt.

http://www.tijd.be/politiek_economie/belgie_algemeen/12_jaar_cel_voor_Sharia4Belgium_leider_Belkacem.9599209-4002.art?ckc=1&ts=1447854568

Bei Rückkehrern sind die Strafen ebenfalls hoch, angeklagt war Terrorismus:

http://brf.be/national/906011/

Auch bei Frauen sind die Strafen deutlich:

http://deredactie.be/cm/vrtnieuws.deutsch/nachrichten/1.2343261

Solche Enklaven gibt es in Deutschland auch, oft grob nach Ethnie bzw. Herkunftsland strukturiert. Nicht ganz so groß, nicht ganz so sichtbar. Man wird da in Zukunft sicher genauer hinschauen müssen, auch wenn einige Randbedingungen anders sind..

Mahnwache vom 14.11.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank der Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Frankfurt Zeil, der Tag danach. Es ist kalt, windig und es nieselt. Kein Wetter, um stehen zu bleiben und zu reden. Wir sind heute nur ganz wenige. Verschiedene Mitstreiter laufen ohne Plakate herum und versuchen, die Menschen ins Gespräch zu ziehen.

Zwei kleine Jungen, vielleicht 7,8 Jahre alt, kommen auf mich zu und erzählen mir, es sei nicht gut, was ich da mache. Offenkundig wurden sie ausgeschickt. Warum ich denn da stünde? Ich will es einfach machen und sage, weil in Paris was Schlimmes passiert sei. Nein, meinen sie, Paris wäre nicht schlimm, sondern gut. Das macht mich einen Moment sprachlos, in dem sie weglaufen.

Mehrere junge Frauen, die schon vergangene Samstage da waren, sind wieder zugegen. Sie fangen wieder von vorne an mit der Frage nach Islamismus. Auf die Entgegnung, das hätte ich nun doch schon erklärt, verneinten sie vehement. Offenkundig weiden sie sich darin, dass ich das natürlich nicht nachweisen kann. Mehrere fordern aggressiv eine Erklärung, rücken immer näher. Ich weise auf Paris hin. Das interessiere sie nicht, sie hätten was gefragt und ich hätte noch nicht geantwortet. Sie formierten sich und rückten ständig näher. Wollte man Platz schaffen, kreischten sie hysterisch, man solle ihnen nicht zu nahe kommen. Bizarr und theatralisch.

Einer Mitstreiterin, die doch mal auf das Thema Paris bringen konnte, wurde aggressiv vorgehalten, SIE sei schuld an Paris.

Besuch bekamen wir heute von einem jungen Mann, der für LIES aktiv ist:

 

Rechts im Standbild.

Der junge Mann schien bemüht, mit Unterstellungen so zu arbeiten, dass ich nachfolgend meinerseits falsche Behauptungen aufstellen sollte. Er schien ständig die Behauptung rausholen zu wollen, dass ich selber eine Anwerbung am LIES-Stand mitbekommen hätte. Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass vielleicht ein Tonmitschnitt lief. Nun denn.

Zwei junge armenische Christen erkundigten sich. Sie hatten die Szenen eine Zeit lang beobachtet und waren bestürzt. Zwei Mal wurde zwischendrin „allahu akbar“ gerufen. Dabei blieb es glücklicherweise. Es war gespenstisch genug.

Mehrere junge Männer versammelten sich hinter meinem Rücken und sprachen bestimmt 20 Minuten halblaut Abfälliges über mich als Person. Sie besprachen nicht mal die Inhalte der Plakate, sondern äußerten rein persönlich Herabsetzendes. Jede Äußerlichkeit von mir wurde durchgehechelt. Die Masche sollte mich offenkundig reizen und aus der Fassung bringen. Kurz danach machten sich mehrere 13 Jährige den „Spaß“, so zu tun, als brächten sie einen Sprenggürtel zur Explosion. Die Gesten sollten leider genau das heißen.*bumm* machten sie, lachten und liefen weg.

Zwischendrin stürmte eine junge Frau an mir vorbei und es gab einen kleinen Schlag gegen mein Plakat. Als ich nachsah, bemerkte ich einen Aufkleber der „Antifaschistischen Aktion“. Aufkleben ist natürlich einfacher als Diskutieren und verstehen, wobei man das auch wollen muss. Es gab schon verschiedene ähnlich kenntnislose Antifa-Aktionen, bei denen auch die Erläuterung nichts brachte, da man nicht zuhörte oder verstand.

Als ich einmal zu einer stark umdrängten Mitstreiterin wollte, die in 4er Reihe umringt war und mein Plakat – es ist unhandlich – versehentlich die Schulter einer LIES-Unterstützerin streifte, machte sie keifend eine Riesengeschichte daraus. Das Plakat hatte ihr sicher nicht weh getan, aber sie beschwerte sich die ganze Zeit danach, lief mir nach. Auch dieses Verhalten ist aus anderen Ländern bekannt. Es ist bitter, dass man einige Stereotype aus Israel-Videos auch auf der Zeil erleben kann.

Mehrere junge Frauen, alle „westlich“ gekleidet, wollten mich „nach Hause schicken, damit ich dort was Sinnvolles tue“. Da lernt man doch gleich, dass „westliche“ Kleidung nichts über die Sichten aussagen muss.

Ein Mann Mitte 40, der sich später als Mitglied einer marokkanischen Gemeinde outete, stand mit seiner Frau und Tochter nahe und machte sehr abfällige Bemerkungen über mich als Frau. Was ich denn gegen den Märtyrertod hätte? Männer würden dann viele Jungfrauen bekommen. Ich solle doch auch übertreten, dann würde ich wenigstens nach dem Tod einen Mann kriegen, das wäre doch gut. Oder ob er mich heiraten solle? In diesem Tenor setzte er vor einer Runde feixender muslimischer Passanten verschiedenen Alters fort. Nachdem ich mit meinem eigentlichen Gesprächspartner geendet hatte, drängte er sich vor. Seine sehr unverschämte Art war auf diese Weise neu: Er kam sehr nah und lächelte dabei auf eine böse Art. Es wurde offenkundig, dass er beschäftigen wollte. Immer wenn ich mich abwandte, versuchte er – vor der Gruppe – erneut zu provozieren: Er hätte gewonnen. Er sei gut und ich nichts. Der marokkanischstämmige Mann versuchte somit etliche Minuten lang, in Nonsense-Gespräche zu ziehen. Der Umstand, dass man trotz seiner unverschämten Gesprächsführung ruhig blieb, schien ihn zu ermutigen. Er machte dann das selbe bei einem Mitstreiter. Seine Frau schob sich dann vor und hielt mir ein Bild eines Fötus unter die Nase. Der Fötus war am Kopf beschädigt, sie meinte, die Mutter sei erschossen worden. Auf den ersten Blick schien mir das Bild eher eine Darstellung eines Präparats einer Spätabtreibung (die Wunden waren für Schussverletzungen zu glatt). Aber um das sicher sagen zu können, hätter es mehr bedurft als eines wackeligen Handy-Bilds, das man kurz unter die Nase gehalten bekommt. Warum ich nicht gegen dieses „Opfer Israels“ protestiere?

In letzter Zeit auf der Strasse zunehmend schiebt man sich sehr übergriffig dazwischen. Es ist kaum mit einzelnen Passanten zu sprechen, was Absicht zu sein scheint. Man versucht durch reindrängen und aggressives Gespräch-Übernehmen zu verhindern, dass man mit normalen Passanten spricht oder überhaupt zu einem vernünftigen Satz kommt.

Eine jüngere Muslima – verschleiert – lies sich den Anlass der Demo erläutern. Sie verstand das Anliegen und teilte die Sicht, dass den Straßenverteilungen etwas entgegengesetzt werden sollte.

Eine größere Frauengruppe mit Kindern blieb bis zuletzt, rückte dicht auf, keifte auf enervierende Art. Alle waren „westlich“ gekleidet, teilweise sehr stark geschminkt. Auch mit ihnen war eine Sachdebatte nicht möglich, alles endete immer in aggressiven Zuschreibungen und rabulistischen Versuchen. Eine Kindergruppe, vielleicht 8-9 jährige, die ihnen zuzuordnen war, ging zuletzt auf uns und eine Polizeigruppe zu und versuchte, auch dort aufmüpfig zu sein. Dort blieb es allerdings beim Versuch.

Man sah mir heute sicher meine Betroffenheit an. Da man mir dies ansah, wurde es häufiger thematisiert, es diente mehrfach der Erheiterung bzw. wurde höhnisch kommentiert.

Das war klassisches Bullbaiting als Sport in der Fußgängerzone.

Die muslimischen Passanten, die heute bei uns waren, schienen irgendwie, es ist schrecklich diese Empfindung zu schreiben, aggressiv und mehrheitlich – voller Genugtuung. Gewalt muss nicht immer physisch ausgeübt werden – sie kann auch psychischer Natur sein. Männer, Frauen, Kinder – ein Reizwort, das sie nicht verstehen oder missverstehen wollen und schon tritt diese spontane Affektentladung auf. Es ist erschreckend, dass auch Attentate wie in Paris nichts an der Art des Herangehens ändern. Ich hätte mir heute wenigstens bei einigen ein anderes Verhalten gewünscht als das gezeigte.

Die Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Heute ist bei mir ein Stückchen zu Grabe getragen worden.

Paternalistischer Rassismus

Aktuell soll „der Bundesfreiwilligendienst 10.000 zusätzliche Stellen erhalten, die vor allem für die Flüchtlingsarbeit genutzt werden sollen. Ein Teil davon soll mit Mitgliedern aus Moscheegemeinden besetzt werden, damit sie sozusagen als „Kulturdolmetscher“ fungieren können, wie Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sich ausdrückt: „Wir brauchen die Muslime, um die Integration voranzubringen.“

http://m.welt.de/politik/deutschland/article148699727/Integration-in-die-Parallelgesellschaft.html

Warum braucht man Muslime, um Muslime zu integrieren? Sollte da nicht die Sprachkenntnis genügen? Wäre darüber hinaus nicht sinnvoll, dass die beauftragten Kulturdolmetscher und Integrationslotsen selber nicht nur „integriert“ sind im Sinne von irgendwie wohnhaft, sondern auch deutlich auf dem Boden der FDGO stehend?

Die Not politischer Akteure, Ansprechpartner zu finden aus den Regionen, aus denen die Flüchtlinge stammen, ist bekannt. Aber schon die nicht ergebnisoffene Herangehensweise – müssen Muslime tatsächlich durch MUSLIME angesprochen werden, wenn es um Integration geht – zeigt grundlegende Logikdefizite. Nicht in das Freitagsgebet soll eingeführt werden, sondern in die Gesellschaft soll integriert werden und in der bundesdeutschen Gesellschaft spielt die Religion nun mal im Alltag eine geringe Rolle. Beim Ansehen eines anderen Menschen darf sie GAR KEINE Rolle spielen. Diese Herangehensweise zeigt deutlich die Wirkung und die Handschrift von Lobbyisten. Das sind – das muss man leider sagen – die Lobbyisten nicht säkularer Kräfte, sondern solche, die selber noch erhebliche, aber eher heimliche Integrationsdefizite haben. Nämlich dann, wenn es um das Primat der FDGO über religiöse Regeln geht. Nämlich dann, wenn es um gleiche Rechte von Mann und Frau geht.

 

Selber solches Personal suchen ist erst mal teurer, aber verhindert deutlich Schlimmeres, nämlich die Möglichkeit, dass mit höherer Wahrscheinlichkeit die Integration in eine Parallel- schlimmstenfalls sogar in eine Gegengesellschaft erfolgt.

Dass diese Befürchtung nicht unbegründet ist, zeigen die Namen, die kursieren, auf. Nämlich z.B. die DITIB, der Zentralrat der Muslime, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren. Da sind also Akteure dabei, die z.B. eine Tarnorganisation der „Grauen Wölfe“ in der Mitgliederliste haben oder die Muslimbrüder. Beides sind Organisationen, die vom Verfassungsschutz zu Recht beobachtet werden. Oder die türkische Religionsbehörde, Filiale Deutschland. Ob so gelotste Flüchtlinge auf Sicht Pressefreiheit akzeptieren lernen oder gleiche Frauenrechte, die von den genannten Organisationen, erst recht aber von nicht wenigen Mitgliedern selber kritisch bis ungern gesehen werden? Das darf bezweifelt werden.

Das wird so viel eher, sollte es so ablaufen, staatlich unterstützte Segregation. Segregation mit INTEGRATIONSmitteln. An den entsprechenden Strukturen, um Gegengesellschaft aufzubauen, wird unter dem Deckmantel der Partizipation schon fleißig gearbeitet, so dass nicht nur soziale, sondern wirtschaftliche Gegengesellschaft aus- und aufgebaut wird. Da kommt die aktuelle Not gerade recht. In diese Gegengesellschaften fließen zunehmend (auch öffentliche!) Mittel ein – und bleiben da in gewisser Weise (ein Teil geht ins Ausland). Es wird soziale und wirtschaftliche Gegenmacht aufgebaut, die sich bald auch in noch weitergehender politischer Macht (schon die „Drohung“ genügt aktuell bei einigen politischen Akteuren, dabei wird es NICHT bleiben!) spiegeln und erhebliche und bleibende Probleme verursachen wird. Es lebe die segregierte Ummah-Wirtschaft, -Bildungssystem usw. Doppelte Buchführung überall da, wo Differenzen bestehen, aber nicht ausgetragen werden können. Bis sie ausgetragen werden können. Manche dieser Probleme werden wir vielleicht auf lange Sicht gar nicht mehr beheben können, ohne unsere Gesellschaft *auch* zu beschädigen. Unsere Entscheider unterschätzen fatal die Macht und die Konsequenz des Totalitarismus, denn die Grenzen zwischen stark konservativ, fundamentalistisch und totalitär sind fließender, als man es sich wünschen könnte. Die Protagonisten vermeiden es auch meist peinlich, Grenzen zu ziehen. Lieber wird Sprachkosmetik betrieben („es gibt keinen Islamismus, nur Terrorismus und Islam, der damit nichts zu tun hat“, sinngemäß A. Mazyek). Vielleicht sogar, weil sie unsere Demokratie so überzeugend finden, übersehen das die aktuellen Entscheider, sie projizieren das und meinen, dass das Modell schon von alleine trage. Welche Hybris! Sie verkennen erheblich den narzistischen Gewinn, der von einem subjektiven Elite-Gedanken ausgeht.

In diese Formen von Gegengesellschaften und Parallelgesellschaften brauchen wir als Gesellschaft also mitnichten einen Zulauf. Das „lernt nur von Muslimen“ wäre im Grunde kaum weniger rassistisch als das „kauft nicht bei Juden“, denn es hieße ja: „Lernt nicht von Nicht-Muslimen!“. Wer meint, zuwandernden Muslimen vornehmlich nur Muslime als Lotsen vorsetzen zu können, spielt entweder das Zuwachs-Spiel der Lobby-Gruppen mit oder er denkt von Muslimen schon so, als ob sie nur von Muslimen zu lernen bereit seien. Er verkennt den Anteil Muslime, die sich in muslimischen Gesellschaften nur so nennen, weil sie Repressionen fürchteten. Er verkennt den Anteil derer, die – wüssten sie es – ganz sicher nichts mit Muslimbrüdern oder ultra-orthodoxen türkischen Nationalisten zu tun haben wollten. Er hat ein Bild von Muslimen als Gruppe – stereotyp.

Ahmad Mansur nennt dies im obigen Artikel einen „Jahrhundertfehler“. Wenn das mal reicht.

.

Nachtrag: Eigentlich halte ich den Rassismus-Begriff für religiöse Zuordnungen für nicht anwendbar. In Ermangelung eines besseren Begriffs sei dieser noch einmal gewählt.

Die Wiederkehr der „Schwarzen Pädagogik“

Kindheit und Kindsein verbinden die meisten mit Frische, Naivität und Unschuld. Der Ausruf „Kinder an die Macht!“ ist die Erhebung dieser Vorstellungen zum Ideal einer gerechteren Welt, in der jeder Mensch so gesehen wird wie er ist ohne schlechte Absicht, Vorurteil oder Täuschung. Dahinter steht der Gedanke, dass Menschen von Natur aus gut, sanft und gerecht seien, dass Erziehung diesen im Grunde perfekten Menschen verderbe: Der kleine Adam wird aus dem Paradies freundlicher Naivität vertrieben.

Nun wird jeder, der mit real existierenden Kindern zu tun hat, wissen, dass Erziehung eine harte Arbeit sein kann. So manchem Kind hilft nicht alleine das Vorbild, sondern es sind Regeln nötig, damit das Zusammenleben funktionieren kann. Jetzt und später, wenn er aus dem elterlichen Haus unter andere Menschen kommt. Wer mit einem Ideal des perfekten Urzustandes an Erziehung geht, wird manchmal verzweifeln, wenn der kleine Einstein partout nicht lernen oder der kleine Gandhi den Nachbarsjungen hauen will.

Die meisten Kinder machen Phasen durch, in denen scheinbar wenig bis gar nichts voran geht in der Erziehung – Abgrenzung vs. Annäherung, Austesten von Grenzen etc. Erziehung heißt da auch Geduld haben und mit Vorbild, aber auch Grenzen die Weichen zu stellen. Das ist individuell recht verschieden und doch ähnlich: Die Art, wie sich Sozialverhalten entwickelt ist biologisch und entwicklungspsychologsich begründet, aber auch Spiegel der familiären Erlebnisse und anderer Einflüsse.

Familien können nun unterschiedlich hinsichtlich der Binnenkonstellation und dem Binnenverhalten sein: Sind Vater und Mutter intellektuell und von der sozialen und finanziellen „Macht“ her auf Augenhöhe oder unterschiedlich, wie gehen die Eltern miteinander um, wie wird Dissens in der Familie geregelt oder ertragen, wird das Kind in seiner Person geachtet?

Neben dem Einfluss der Grundkonstellationen gibt es auch Erziehungsstile. Autoritär – antiautoritär, repressiv – auf Überzeugung bauend, egalitär – antiegalitär z.B. um nur einige Sichten zu nennen. Autoritäre und repressive Erziehungsstile zeichnen sich auch durch eine starke Polarisierung aus erlaubt vs. verboten. Das hat erhebliche Folgen auch für das Diskussionsverhalten: Wer nur erlaubt und verboten kennt und Liebe oder Hass, neigt nicht zum Aushandeln und Diskutieren, sondern denkt schon in polarisierenden Regeln, die Zwischentöne fehlen. Das schafft oftmals Probleme schon bei der affektiven Kontrolle, erzeugt auf jeden Fall eine erhebliche kognitive Dissonanz, sofern „verbotene“ Inhalte gedacht, diskutiert oder umgesetzt werden sollen, die in einem anderen Kotext als erlaubt gelten. Sind widersprüchliche Regeln gleichzeitig vorhanden, so ist üblicherweise eine Abwägung möglich und nötig, die jedoch nicht immer geleistet werden kann. Eine kognitive Dissonanz führt nicht selten in Aggressivität. In der deutschen Pädagogik und auch der Elternerziehung ist der annehmende, diskursive Erziehungsstil durch Vorbild und positive Verstärkung positiv besetzt und wird gesellschaftlich propagiert. Das Kind ist nicht mehr Untertan und Objekt, sondern oftmals jüngerer Freund und seine Eigenständigkeit soll geachtet werden. Schlichte Unterordnung alleine (sie ist nötig bei Handlungen, die für das Kind wirklich gefährlich werden können) ist meist nicht mehr Ablauf und Ziel der Erziehung.

Grundkonstellationen

In Familien, die aus patriarchalen, traditionell orientierten Herkunftsgesellschaften kommen, wird häufiger als hier mittlerweile in der Mehrheitsgesellschaft üblich ein anderes Verständnis von Familie vorgelebt. Die Geschlechteraufgaben sind meist nicht frei ausgehandelt zwischen Mann und Frau, es gibt oftmals eine deutliche Hierarchie zugunsten der Männer und Gewalt spielt auch häufiger eine Rolle – zwischen den Geschlechtern aber auch in der Erziehung.

Beispielhaft – bei anderen patriarchalen Herkünften mag das zahlenmäßig ähnlich sein – sind 62 % der türkischen Männer der Meinung, Frauen zu züchtigen wäre statthaft:

http://www.welt.de/vermischtes/article115427763/Mehrheit-der-Tuerken-ist-fuer-Gewalt-gegen-Frauen.html

Zum Vergleich einmal China mit ebenfalls patriarchaler Struktur/Denkweise „52 Prozent würden Gewalt anwenden, um ihre Ehre zu verteidigen“:

http://german.china.org.cn/china/2013-12/18/content_30932542.htm

Zum deutschen Vergleich ist Gewalt quer durch alle Schichten und Herkünfte in D ein familiäres Problem, hier geht aber auch – erstaunlicherweise – in relevanter Zahl von Frauen Gewalt gegen Männer aus. Wie sich das in anderen Ländern verhält, bleibt Spekulationen überlassen.

Kinder werden in etwa 40 % der Familien in Deutschland allgemein gezüchtigt, wenn auch gelegentlich und mit schlechtem Gewissen:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/umfrage-in-deutschland-fast-die-haelfte-der-eltern-schlaegt-ihre-kinder-a-820836.html

Das schlechte Gewissen muss man bei Personen, die schon Frauenschlagen für statthaft halten, bei Kindern noch weniger annehmen.

Bei Eltern aus patriarchalen Herkünften – seien diese nun geographisch Pakistan, der Türkei, Marokko oder anderen Staaten zuzordnen, finden sich wesentlich häufiger autoritäre Erziehungsstile:

http://www.kas.de/upload/Publikationen/2011/Muslimische_Kinder/3_lebenswelt-familie.pdf

Kinder im Alter von 8-10 Jahren sind noch weniger durch peer groups beeinflust denn durch die Vorprägungen aus dem Elternhaus. In der Vorpubertät findet eine Loslösung von diesen elterlichen Erziehungsmaßnahmen noch nicht im späteren Ausmaß statt, auch wenn diese Loslösung nicht immer mit einer kompletten Abkehr von den elterlich tradierten Haltungen verbunden sein muss. In manchen traditionellen Kontexten lösen sich Kinder kaum jemals völlig von der Familie; auch europäisch definiert persönliche Entscheidungen werden oft familiär entweder gebilligt oder verworfen. Erhebliche Anteile werden sowieso als Gewohnheiten behalten, lebenslang weniger hinterfragt und stellen einen relevanten Teil der gewachsenen Identität. Trotzdem nimmt der elterliche Einfluss ab, genauso wie die Schule versucht, auf Kinder Einfluss zu nehmen.

In Gesprächen mit Kindern werden diese verschiedenen Faktoren sichtbar: Kinder geben die anerzogenen Haltungen oftmals wieder, ohne die sozialen oder gar rechtlichen Konsequenzen abschätzen zu können. Sind sie in einer Gruppe gleichartig erzogener Kinder, erfolgt eine oft eine Bestätigung; auch problematische Inhalte können so als Gruppenkonsens ausgehandelt werden. Je autoritärer das gelernte Verhalten ist, um so eher wird das betreffende Kind auch seine Umgebung in autoritärer Weise zu beeinflussen suchen: Reflexion auch des eigenen Verhaltens ist weniger relevant als Unterwerfung. Wenn Gehorsam und Unterwerfung, notfalls durch physische Gewalt, gelernt wurden, wird versucht werden, Unterwerfung und nicht den egalitären Ansatz als Mittel der sozialen Kommunikation auszuüben. Kommen zu dieser Grundhaltung auch noch elitäre Selbstsichten und Aggressivität, wird dieses Verhalten oftmals schon in der Schule auffällig. In konservativen islamischen Kreisen wird den Kindern meist ein hierarchisches Weltbild vermittelt. Das ist manchmal primitiv dualistisch, manchmal differenzierter.

Wie problembehaftet manche tradierte Sicht ist, zeigt sich jedoch oft erst bei Konfrontation mit einer abweichenden Meinung. Interessant dazu ist der Film „Kampf im Klassenzimmer“ von u.a. Güner Balci.

Ersatz der Eltern durch das Kollektiv: Das Ummah-Prinzip

Bei dem männlichen Teil der Kinder tritt hinzu, dass oftmals die Beschneidung bewußt erlebt bzw. durchlitten wird. Da subjektiv (und objektiv) dem Kind erhebliche Schmerzen, oftmals ohne Betäubung, zugefügt werden, ist der erste und völlig natürliche Antrieb, dass das Kind sich dem entziehen möchte. Es muss jedoch auf traumatische Weise erfahren, dass selbst die Eltern nicht helfen, dieses vielmehr meist fordern und seine Schmerzen sogar feiern. Es erlebt, dass sein individueller Wille nichts ist und der Wille dieses feiernden Kollektivs (die Familie wird oft größer eingeladen) alles, dass selbst seine körperliche Unversehrtheit wenig zählt neben dem Willen dieses Kollektivs. Das kann als maximale Unterwerfung, als Zerstörungstrauma des Urvertrauens in den Schutz durch die Eltern gesehen werden. Das Kind muss sich – wie die Eltern – dem kollektiven Willen unterwerfen. Diese psychische Grenzerfahrung wird häufig verdrängt oder umgedeutet, ist jedoch für das Selbstverständnis und die Identitätsbildung nicht zu unterschätzen. Wer erlebt hat, dass sich alle Menschen, sogar die nächsten, denen man vertraute, unterwarfen, wird auch eher annehmen, dass auch alle anderen Menschen sich einem kollektiven Willen unterwerfen müssten, sei es aus Spiegelung oder autoritärer Haltung.

In der Identitätsfindung spielt auch Identifikation eine erhebliche Rolle. Tritt der Vater strafend auf und autoritär, kann auch diese Grundkonstellation abstrahiert werden.

Ist eine Gruppe wenig individualistisch, sondern mehr kollektivistisch orientiert, kann somit die Elternfunktion teilweise übertragen werden: Die Gruppe und ein potentielles Gruppenkonzept treten an die Stelle der Eltern, das Individuum verbleibt bei unbearbeitetem Trauma und mangelnder Loslösung in einer abhängigen eigenen Geisteshaltung. Das Selbstkonzept bleibt fragil und vom Kollektiv abhängig, etwas, das gerne mit „Ehre“ umschrieben wird (im Balci-Film gut sichtbar wie der befragte junge Mann gar nicht wusste, was damit eigentlich gemeint ist). Im Falle islamistischer Erziehung könnte man die völlige Ersetzung der Eltern annehmen. Der strafende Vater wird durch das Konzept eines strafenden Gottes ersetzt, die kontrollierende aber zugleich nährende Mutter durch das diffuse Kollektiv, die Ummah. Es bleibt in gewisser Weise also eine Individualisierung europäischen Zuschnitts aus, das Individuum bleibt im Grunde abhängig.

Diese Prägung ist schwer zu durchbrechen, da die Emanzipation von dieser Elternersatzfunktion nicht nur angstbesetzt, sonder auch real gefährlich ist. Die soziale Totalnichtung droht und der „strafende Vater“ kann ganz real werden, indem sich einige darüber vereinbaren, dass der Abweichler sterben muss. In nicht wenigen islamistischen Gesellschaften ist so etwas häufig vorzufinden.

All dies erinnert nicht nur an die „schwarze Pädagogik“, es ist nahezu in Handlungen und psychischen Auswirkungen identisch mit diesem Konzept bzw. der Zusammenschau der Merkmale dieses Erziehungsstils.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_P%C3%A4dagogik

Zusätzliche Brisanz erhält dies durch die spirituelle Überhöhung, die Legitimation durch einen fundamentalen Glauben (der den Erziehungsstil auch bei den anderen Religionen virulent macht). Das immunisiert das Konzept gegen die Diskussion.

Mit kommenden Elterngenerationen wird man über diese Konzepte jedoch sprechen müssen, sofern man die Chance dazu erhält. Diese Diskussion ist vor allem durch Menschen aussichtsreich, denen die Emanzipation gelang, ohne dass sie sich vom spirituellen Hintergrund lösten: Es bleibt der gemeinsame Ansatz, die Identifikationsmöglichkeit trotz individueller Wertung und Gewichtung, die Selbstbestimmung gegen das Kollektiv setzte.

 

Islamismus – Substrat und „Frucht“

Auch für breitere Kreise wird Islamismus mittlerweile als Extremismusform sichtbar und deshalb in der Öffentlichkeit häufiger diskutiert. In vielen deutschen Fußgängerzonen stehen Jungen, Jugendliche und Männer und betreiben Dawa, die islamische Mission, für LIES und andere, ähnliche Gruppierungen. Doch wie verhält sich dieser sichtbare Aspekt zu den anderen Teilen der muslimischen Community?

Geht man von den Zahlen aus, die von Rückkehrern bekannt wurden, dann haben sich etwa ein Viertel der Personen durch eine Gemeinde, oft bekannte salafistische Problem-Moscheen, radikalisiert, weitere 10 % durch die Familie.

VfS Analyse Ausgereiste 20140930

Das sind jedoch Bereiche, die weniger stark gesellschaftlich diskutiert werden. Über Problem-Einrichtungen wird gelegentlich berichtet. Über die Rolle familiärer Tradition ist mir kein Bericht bekannt.

Dr. Marwan Abou Taam meinte vor einiger Zeit, dass die vertretenen Inhalte in konservativen Kreisen zu etwa 90 % mit denen der Ideologie des Islamischen Staates übereinstimmten. Aiman Mazyek widersprach im Interview, in dem diese Zahl genannt wurde, heftig. Leider wurde bei dieser Gelegenheit die Realität, nun, etwas gedehnt. Es handelt sich um die allgemeinen Glaubensgrundlagen, die in beiden Richtungen vermittelt werden. Dass der Koran-Text heilig sei beispielsweise, unabänderlich, allgültig und das direkte, wenn auch offenbarte Wort Gottes. De facto sind es sehr viel mehr als 90 %, denn Koran und Sunna werden von beiden Richtungen (und den meisten anderen auch; eine Ausnahme sind z.B. die „Nur-Koraner“) als verbindliche Quellen herangezogen und diese Quellen sind recht umfangreich. Es sind jedoch nur wenige Verse, die einmal wörtlich genommen werden und als persönlicher Auftrag verstanden und einmal als zeit- und situationsbedingt und nicht vorbildhaft eingeordnet werden. Durch die Strenge im Glauben und der Bindung an eine literalistische Lesart unterscheidet man sich, also im Maß an persönlicher Unterordnung und in welchem Maß die Religion das Leben beherrscht. Je weniger die fundamentalistisch ausgelegte Religion das Leben und die persönlichen Normen beeinflusst, desto besser läuft es in der Regel mit der demokratischen Gesellschaft, ihren Einrichtungen bzw. Angeboten und mit den Andersgläubigen.

Eine Studie aus 2013, einer Auswertung, „in sechs europäischen Ländern – Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Schweden – stellt erstmals eine solide empirische Basis zur Beantwortung dieser Fragen bereit. 2008 wurden 9.000 Personen mit türkischem oder marokkanischem Migrationshintergrund und eine einheimische Vergleichsgruppe befragt“ :

Fast 60 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Muslime zu den Wurzeln des Islam zurückkehren sollten; 75 Prozent meinen, dass nur eine Auslegung des Korans möglich ist, an die sich alle Muslime halten sollten; und 65 Prozent sagen, dass ihnen religiöse Regeln wichtiger sind als die Gesetze des Landes, in dem sie leben. Durchgängig fundamentalistische Überzeugungen mit der Zustimmung zu allen drei Aussagen finden sich bei 44 Prozent der befragten Muslime.

Und konkret in Deutschland:

30 Prozent der Befragten stimmen allen drei Aussagen zu. Vergleiche mit anderen deutschen Studien zeigen bemerkenswert ähnliche Ergebnisse auf. So stimmten 2007 in der Studie „Muslime in Deutschland“ 47 Prozent der befragten deutschen Muslime der Aussage zu, das Befolgen der Regeln der eigenen Religion sei wichtiger als die Demokratie, genauso viele, wie der Anteil jener in unserer Studie, die meinten, dass die Regeln des Koran wichtiger sind als die deutschen Gesetze.

https://www.wzb.eu/sites/default/files/u252/s21-25_koopmans.pdf

 

 

Mycel

Wachstum von Mycel des Austernpilzes mit Fruchtkörper Bild: Engl. WP, Tobi Kellner

 

Das heißt auch, dass nur ein Viertel der in Europa lebenden Muslime im Grunde anerkennt, dass es überhaupt verschiedene Lesarten geben kann (ein Problem zum Beispiel für die Ahmadiyya, deren Anerkennung aber wegen noch anderer theologischer Differenzen noch geringer sein dürfte; anerkannt sein dürften sie nur bei klar säkularen Muslimen). Die Personen, die diese 75 % (in Europa) ausmachen, gehören auch verschiedenen Strömungen an; erkennt man nur eine, die eigene, an, ist dies auch Quelle innerreligiöser Konflikte, sofern es sich zuspitzt in der Zukunft. Importierte religiöse Konflikte könnten bei entsprechender Grundhaltung hier aufflackern, wie schon zwischen Tschetschenen und anderen bereits geschehen. Bei dem genannten Viertel wird relevant sein, wie tolerant auch diese Teilgruppe ist und wo sie im Zweifelsfall ihre Loyalität und nicht nur die Bequemlichkeit sieht. Immerhin meinen fast 60 % der befragten Personen (in Europa), man müsse zu den Wurzeln des Islams zurückkehren. Das allerdings heißt Orientierung an den ersten 3 Generationen zur Zeit Mohammeds. Das heißt im Prinzip Rückbesinnung auf die Salafiyya.

Man mag sich somit zwar nicht Salafist nennen (den Begriff auch ablehnen bzw. für problematisch halten) und auch die ganz strenge Ausübung nicht für die persönliche Lebensgestaltung wählen, steht aber hinter wesentlichen Inhalten, wie dem Vorrang von menschlichen Gesetzen vor den religiösen, im Zweifelsfall nicht. Das ist das Fundament, der Boden, das Substrat.

Benutzt man einmal eine biologische Metapher, so wird dieses Substrat von verschiedenen Pilzen durchzogen, die auf dieser Grundhaltung wachsen: Die islamistischen Strömungen, die u.a. vom Verfassungsschutz beobachtet werden. In den Fußgängerzonen sehen wir dann sozusagen die Fruchtkörper, das was wir als „Pilz“ erst sehen. Alles andere ist unter dem Boden und kaum sichtbar (nur mit dem Mikroskop).

Das mag teilweise erklären, warum es die muslimischen Gemeinden und Kulturvereine – alleine Frankfurt hat 46 (!) – es seit 4 Jahren nicht schaffen, etwas der Strassen-Missionierung der LIES-Gruppierung entgegenzusetzen. Mir ist aus den 4 Jahren keine einzige muslimische Aktion bekannt (die Ahmadiyya, die selber und andere Strassen-Dawa machen und die bereits von dem Umfeld der LIES-Aktivisten mehrfach schwer angegangen wurde, einmal ausgenommen). Einzelne Verteilungen des Grundgesetzes mag ich da nicht mitrechnen; diese Aktionen richteten sich mehr an die Mehrheitsgesellschaft, weniger an Jugendliche aus der angesprochenen Klientel. Die Aktionen von 12.Memorize, so öffentlichkeitswirksam die zwei Aktionen waren, mag ich auch nicht zählen. Die waren gegen den IS – das ist im Grunde trivial, denn dessen Bilder sprechen für sich. Aber gegen die Strassenradikalisierung – Fehlanzeige. Nicht wenige Muslime meinen, damit nichts zu tun zu haben. Andere unterstützen wesentliche Inhalte und sehen den Gang in den Jihad als persönliche Entscheidung, die man ablehnen kann, gegen die man aber strukturell nichts machen könne (sehr häufig genannt auf der Strasse!). Das wäre doch deren Privatsache, wird verbreitet gemeint.

Etwa 80 % der Menschen, die dann in Syrien landen, sind Personen aus einem muslimischen Kontext, familiär mal mehr, mal weniger religiös. Mir erscheint es erschütternd, dass man sich um die Jugend da auf der Strasse nicht kümmern mag.

Ganz klar: Die Bereitschaft zur persönlichen Gewaltausübung ist davon zu trennen und auch, wie sehr man bereit ist, diese Normen tatsächlich umzusetzen. Konservativ heißt noch nicht fundamentalistisch und fundamentalisch noch nicht gewaltbereit. Die Übergänge sind jedoch fließender, als man sich das wünschen würde und die Trennschärfe werden wir als Gesellschaft erst noch breit einfordern müssen und zwar über Lippenbekenntnisse hinaus. Wenn Jugendliche mit einer faschistoiden Ideologie angefüttert werden, geht uns das alle an. [Man beachte auch die Zahlen in der Studie zur Judenfeindlichkeit.] Ein Teil geht nach Syrien, ja. Ein anderer Teil verbreitet diese Haltungen in der Schule und im Beruf. Auch da kann solche Menschenfeindlichkeit nicht hingenommen werden.

Beruhigen können diese Zahlen also nicht insbesondere im Kontext bekenntnisorientierten Islamunterrichts trotz der staatlichen Eingrenzungen. Nicht immer wird das Spannungsfeld zur FDGO dort mit bearbeitet. Familiäre Haltungen bleiben meist unhinterfragt, auch repressive Erziehung, „schwarze“ Pädagogik, totalitäre oder menschenfeindliche Ansichten. Da kommt es dann dazu, dass einem selbst Kinder auf der Strasse den Tod androhen, weil man „ungläubig“ sei. Die „Jugend- oder Popkultur“ ist also nur der aktuell gesellschaftlich und medial sichtbarste Teil.

Auf der Strasse zeigt sich dieses nämlich unmittelbar und ganz unverblümt. Sehr häufig werden die Aktivisten von LIES nur als besonders fromme Brüder gesehen, deren starke Religiosität man zwar nicht teile, aber respektiere. Im Zweifel wird da zu oft eine ganz, ganz falsche Trennlinie dort gezogen, wo wir als Gesellschaft sie nicht haben wollen können. Viele Jahre lang wurde die Bindung an Tradition und Religion deutlich unterschätzt bzw. die Macht der „kritischen Masse“ falsch eingeschätzt. Es ist zu hoffen, dass das korrigiert wird. Verkannt wird allerdings noch immer die Wucht des totalitären narzisstischen Gewinns. Gleicher unter Gleichen mag mancher nicht sein; er will lieber selbstempfunden Elite sein.

Mit diesen 75 Prozent derer in Europa, die meinen, es gäbe nur eine verbindliche Lesart, nur einen Islam, die daher notwendigerweise das Differenzierungsangebot der z.B. deutschen Gesellschaft über die Trennung Islam – Islamismus ablehnen, wird man wesentlich klarer als früher reden müssen. Auch vor der aktuellen Lage, in der alles im Integrationsbereich überfordert ist und überläuft, muss man besonders wachsam sein, in welche Gesellschaft sich die Zuwandernden begeben.  Die Familie spielt eine Rolle, Tradition auch und die Moscheen.

All diese Bereiche sind relevant und über alle werden wir sprechen müssen.

 

 

https://vunv1863.wordpress.com/2015/08/21/kleine-literatur-und-mediensammlung/

Seltene Einsichten in die Ahmadiyya-Gruppierung

Die Ahmadiyya sind eine ursprünglich aus Pakistan, der Provinz Punjab, stammende missionarische islamische Gruppierung. Mitglieder sind nahezu weltweit vorzufinden. Es gibt eine „Zukunftssicht“ vom Gründer, der von den Anhängern als Erneuerer des Glaubens, als Messias verehrt wird. Das Oberhaupt ist ein Khalif, der zwar „gewählt“ wird; die Wahl kann man jedoch schwerlich demokratisch nennen, auch wenn die Mitglieder der Gruppierung das gerne verkünden. Seit sie 1974 quasi aus der Gemeinschaft der Sunniten ausgeschlossen wurden, wird diese religiöse und machtpolitische Differenz in einigen Ländern auch mit Repressionen und Gewalt von Seiten der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft ausgetragen.

Weitere Erst-Infos zur Gruppierung:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya

Zur Lehre allgemein:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya-Lehre

Wegen der nach Ländern durchaus unterschiedlich intensiven Benachteiligung und Verfolgung wird i.A. den Mitgliedern in der EU, insbesondere aber in Deutschland politisches Asyl gewährt. In diesem Zusammenhang gab es einige kritische Medienberichte und Insider-Aussagen. In Hessen wurde auf Grundlage einer modifizierten Vereinssatzung aus 2012 im Jahr 2013 der Körperschaftsstatus gewährt. Diese Satzung kann man hier einsehen:

Ahmadiyya Satzung 2012

Wohl aktueller Vorstand (abgerufen vor ca. einem Jahr):

Ahmadiyya Vorstand 150417

Man kann einige Passagen der Satzung für ungewöhnlich und befremdlich halten und liegt damit nicht ganz falsch: Es ist nicht sehr üblich, dass in einem deutschen Verein die Mitgliederversammlung nicht das höchste Organ darstellt bzw. ihre Entscheidungen unter Genehmigungsvorbehalt stehen. Das ist zwar wegen einer Ausnahmeregelung im BGB noch statthaft, wird aber meist nicht thematisiert. Die deutsche Sektion kann weder ihren Vorsitzenden selber verbindlich bestimmen noch absetzen, sondern ist abhängig vom Hauptsitz der Gruppierung, mag man den nun in Pakistan oder London (dort residiert wohl der gegenwärtige Khalif) verorten. Auch muss man sich fragen, was so wichtig ist am Transfer dieses deutschen Vereins von Geld ins Ausland, das dies sogar Niederschlag in der Vereinssatzung fand.

In der Außendarstellung agiert man überaus geschlossen und man kann sagen, dass allermeist nur das nach außen dringt, was einer positiven Selbstdarstellung dient. Für diese Art Religions-Marketing ist u.a. Khola Maryam Hübsch verantwortlich, die quasi bundesweit als Pressesprecherin bzw. Mediengesicht fungiert.

Als im Januar eine junge pakistanischstämmige Frau in Darmstadt tot aufgefunden wurde, geriet sehr bald das familiäre Umfeld in den Fokus. Es stellte sich heraus, dass die Familie den Ahmadiyya angehört und der Dissens, der letztendlich wohl in den gewaltsamen Tod der jungen Frau führte, durchaus auch der Gemeinde bekannt war. Sogar der Khalif war eingebunden worden. Bei dem familiären Zwist handelte es sich schlicht darum, ob die junge Frau einer persönlichen Zuneigung zu einem jungen Mann nachgeben und diesen heiraten (!) dürfe. Der junge Mann ist ebenfalls Ahmadi. Schon das mag schockieren: Eine höchstpersönliche Frage nach unseren Wertmaßstäben wird zu einem internen, aber durchaus internationalen Politikum.

Die Eltern, die das Mädchen schließlich töteten, haben dies wohl getan, da sie zumindest Vorbereitungshandlungen für vorehelichen Sex traf (sie wurde wohl beim Diebstahl von Kondomen erwischt) und nicht von ihrem Wunsch abliess.

 

Ahmadiyya

Its a mans world… Ahmadiyya Treffen in Alton 2011 Bild: http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-hampshire-14273476

 

Das Verfahren gegen die Eltern läuft noch und während der Verhandlung sind nun Einblicke in eine Gesellschaft zu gewinnen, in der entgegen der Außendarstellung völlig andere Normen gelten. Dankenswerterweise hat der Verein peri e.V. es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Prozeß intensiv meist durch eine juristisch geschulte Person begleiten zu lassen. Aus diesen Protokollen wird nachfolgend zitiert.

Zu den Weisungen innerhalb der Gruppierung, auch bei persönlichen Fragen wie die Eheschließung, sagte der Darmstädter Imam aus:

Auf die entsprechende Frage der Staatsanwältin erklärte der Zeuge, dass der Rat des Kalifen bindend, also eine Anweisung sei,

Nochmals wurde nach den Strafen gefragt: Wer bestimmt die Strafen? 
Antwort: der Kalif in England. 
Die Staatsanwältin zeigte sich erstaunt: Der Kalif in England bestimmt weltweit die Strafen? 
Antwort: „Wir schicken den Bericht, der Kalif entscheidet.

http://www.peri-ev.de/news-presse/fall-lareeb-khan/3-bericht-lareeb/

Da die Gemeinde weltweit geschätzt mindestens 10 Mio. Anhänger hat, ist davon auszugehen, dass solche Streitigkeiten selten vorkommen, sich also die Kinder in der Regel dem Elternwillen beugen. Der Treueid wird also todernst genommen.

Der Zeuge Abdulla Wagishauser ist der Deutschland-Emir der Gruppierung. Er ist Konvertit und leitet die deutsche Sektion seit vielen Jahren. Vor Gericht nahm er seine Kappe nicht ab. Er gab – nach dem Bericht von peri e.V. – an, dass er dies aus „religiösen Gründen“ tue. Da eine Kopfbedeckung für Männer nicht vorgeschrieben ist und nur Sunna, der bedeckte Bereich auch nicht der Aura zugehört, also dem Bereich bei einem Mann, der verpflichtend auch vor anderen Männern bedeckt bleiben muss, bleibt da nur wenig Interpretationsspielraum. Die „religiösen Gründe“ liegen n.m.M. wohl in einer grundsätzlichen Nichtanerkennung der gerichtlichen Autorität. Wagishauser weiß im Gegensatz zum manchem pakistanischstämmigen Zeugen, dass die Abnahme der Kopfbedeckung hier üblich ist und Respekt vor dem Gericht bezeugt. Den verweigert er und der vorsitzende Richter Wagner nimmt das hin, da er die Hintergründe nicht kennt.

Auch Wagishauser spricht von einer Anordnung

und der Kalif hätte dann angeordnet, dass die beiden verheiratet werden sollten.

und stellt klar, dass es völlig normal für ihn ist, sich um die sexuellen Betätigungen seiner Gemeindemitglieder zu kümmern und auch Sanktionen zu verdeutlichen:

bestätigt dann, dass in dem Fall, in dem außerehelicher Verkehr bekannt wird, die Gemeinde aktiv wird und das Paar ausgeschlossen wird. Ob die Eltern auch betroffen seien? Der Zeuge: „Nicht immer, nur wenn sie die Beziehung gutheißen. Sie müssen ihre Tochter dann verstoßen, als Tochter musst Du wählen zwischen der Beziehung oder der Familie“.“

Befragt zur Konfrontation der unterschiedlichen Normensysteme meinte er:

Der Zeuge meinte daraufhin, man müsse ja nicht deshalb die religiösen Gesetze an die Welt anpassen. Die Regeln sind im Koran festgelegt und bindend;…

http://www.peri-ev.de/news-presse/fall-lareeb-khan/4-bericht-lareeb/

[Man beachte auch die stark unterschiedlichen Verhaltensweisen der Mutter des Opfers hinsichtlich der von ihr beabsichtigten Wirkung.]

Am 5. Prozesstag sind die beiden psychiatrischen Gutachten besonders interessant. Sie zeigen Personen auf, die Form über Inhalt stellen und deren Emotionaltät wohl nur über eine religiöse Bindung abrufbar ist. Sogar die nächsten Menschen erscheinen in dieses formale Gerüst eingeordnet.

http://www.peri-ev.de/news-presse/fall-lareeb-khan/5-bericht-lareeb/

Frau Hübsch, die im Frühjahr bei den Römerberg-Gesprächen schon durch die Darstellung auffiel, die Scharia sei am weitestgehenden in Neuseeland durchgesetzt, da dort ein Maximum an Transparenz und Menschenrechtsumsetzung herrsche, preist immer wieder die arrangierte Ehe.

http://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/buxtehude/panorama/diskussion-ueber-liebe-und-partnerschaft-im-islam-d36997.html

Eine arrangierte Ehe habe nichts, aber auch gar nichts mit Zwangsheirat zu tun.

Nun ist eine Ehe, die auf Wunsch der Eltern oder sogar des Khalifen geschlossen wird, bei der Sanktionen drohen bei mangelndem Gehorsam und bei der eine Frau (!) sich entscheiden muss zwischen Gehorsam und sozialem Tod und Eltern zwischen dem Kind, Subordination und sozialem Tod (die Außenkontakte sind ja oft – wie auch hier – überschaubar) sicherlich so frei wie in Neuseeland die Scharia maximal umgesetzt ist. Der Khalif noch im Bett des geringsten seiner Untertanen sozusagen dabei. Der Umstand, dass man den Lebenspartner erst BEI der Eheschließung sieht, also nach Vertragsschluss sozusagen, was Herr Wagishauser völlig normal findet:

Im Islam ist das anders, da ist das gleich.“ Im Islam sei es nicht erlaubt, dass sich Mann und Frau vor der Ehe treffen.

trägt dazu bei, dass eine menschliche Bindung/Beziehung von Sex und Unterordnung abgetrennt wird. Die innigste Intimität, die Menschen aufbauen können, der Kontakt von Körper und Geist in Selbstbestimmung und freiem Willen, wird so sehr erschwert. Liebe zwischen Mann und Frau soll keine Rolle spielen und soll keine Geborgenheit spenden. Das kontrolliert das Individuum maximal und wenn sich zwei Eheleute physisch abstoßend finden, so haben sie nach Binnensicht nicht einmal den Trost, dass wenigstens der Tod scheiden mag. Eine beständige Quelle persönlichen Unglücks, die das Begehren minimiert, im Grunde nur die reine physische Ausübung ohne psychische Beteiligung zulässt. Und selbst wenn man sich – was dem Zufall überlassen bleibt – mögen oder doch wenigstens ertragen lernt, so ist dies fragil, denn es gibt weitere Erschwernis.

Der Treueid zerrüttet eigentlich jegliche menschliche Beziehung, sofern man sie so aufgewachsen überhaupt in der Lage ist aufzubauen, denn die menschliche Beziehung bleibt immer unter Vorbehalt: Du darfst dein Kind lieben – wenn der Khalif es nicht verstösst. Du darfst deinen Mann lieben – wenn der Khalif ihn auch liebt. Ausgenommen von diesen Vorbehalten sind nur der Khalif und Gott. Mit Liebe können aber wohl beide nicht so arg viel anfangen (nimmt man mal das Imaginäre weg), sondern sie wollen vor allem eines: Unterwerfung unter den Willen, der sich im artikulierten Willen des Khalifen sublimiert

Man kann das berechtigt totalitär finden.

Einen schlanken Fuss macht so etwas natürlich nicht – trotz Körperschaftsanerkennung, die wohl auf formal korrekte Weise, aber doch kenntnislos zustande kam. Die Ahmadiyya versuchen insofern schlicht eine Umdefinition von Begriffen. Zwang ist keiner, sondern Wunscherfüllung (den der Eltern oder des Khalifen, wer wird denn da an eigene Wünsche denken…), Unterwerfung ist in Wirklichkeit Liebe und überhaupt:

„Liebe für alle und Hass für keinen“

Wer allerdings Liebe so definiert, braucht gar keinen Hass mehr, er wurde wegdefiniert. Ein geschicktes Marketing.

Danke fürs Gespräch.