Peer groups und Moscheen wichtigste Radikalisierungsfaktoren

Untersuchung des BKA, BfV und HKA zur Radikalisierung

Aktuell ist eine Betrachtung zu den Behörden bekannt gewordenen Ausreisefällen veröffentlicht worden. BKA, BfV und HKA haben 677 Fälle ausgewertet. Grundlage sind Erhebungsbögen, die von den befassten Beamten ausgefüllt wurden. Teilauswertungen beziehen sich auf Gruppen mit unterschiedlichen Radikalisierungszeiten, Geschlecht, nach Ereignissen etc.

Untersuchung des BKA

 

Pulk um 1 Polizisten

Salafistische Szene, Offenbach 2012

In dem Papier finden sich einige interessante Aspekte insbesondere zur Radikalisierungsdauer, -zugängen und auch der Geschlechterverteilung.

Zunächst ist festzustellen, dass es weiterhin trotz Häufungen keine Blaupause gibt, die einen einfachen Zugang, eine einzelne Ursache erkennen lässt. Nur bei etwa der Hälfte sind überhaupt äußere Veränderungen vor der Ausreise aufgefallen. Die Radikalisierung bleibt ein komplexer Vorgang, zudem es verschiedene Zugänge gibt, aber nicht einen einzelnen, den man einzeln angehen könnte. Weder Bildung noch familiäre Bindungen wirken im konkreten Einzelfall immunisierend. Unter denen mit bekannter Bildungslaufbahn (232) befinden sich immerhin 36 % Abiturienten, 27 % mit Hauptschulabschluß und 24 % mit Mittlerer Reife. Nur 5 % haben einen sonstigen, 8 % gar keinen Abschluß. 25 % sind regulär, 32 % islamisch verheiratet.
Auffällig ist die Anzahl der Frauen unter den Personen, die nach Ausrufung des Kalifats ausreisten. In dieser Gruppe sind zu 38 % weibliche Islamisten.

Die salafistischen Szeneaktivitäten spielen eine erhebliche Rolle. Altersabhängig ist das Internet wichtig, insbesondere bei den schneller (< 12 Monate) radikalisierten Personen war dies relevanter Faktor. Freundeskreise und Moscheen sind die wichtigsten Einflüsse.

Wichtiges Ergebnis ist auch, dass Kontakte in JVA nur bei 2 % der betrachteten Personen relevant waren. Hinsichtlich der Präventionsbemühungen ist dies zu berücksichtigen.

Rückkehrer sind häufiger wegen humanitärer Aspekte ausgereist. Unter den Ausgereisten sind sie jedoch die Minderheit, denn 70 % der Ausgereisten tun dies aus islamistischer/jihadistischer Motivation. Die meisten der Rückkehrer ( ~ 80 %) kooperieren nicht mit den Behörden und verbleiben in der Szene.

Frauen sind auffallend häufig wegen familiärer Zugänge ausgereist. Die Heirat mit einem jihadistisch motivierten Mann scheint oft hinter diesen Zahlen zu stehen.

Der Bericht ist sehr lesenswert für all diejenigen, die sich näher mit dem Phänomen beschäftigen möchten. Er bietet eine grobe Vorstellung über die Abläufe in der Szene, denn nur ein Teil der ausgereisten Personen ist bislang erfasst und auch nur ein Teil der radikalisierten Personen wird ausreisen. Die anderen radikalisierten Personen sind hier vor Ort und werben weitere.

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In Reaktion auf diese Zahlen ergeben sich einige konkret und zeitnah umsetzbare Handlungsoptionen:

1. Schließung von seit Jahren als Problem-Moscheen bekannten Einrichtungen. Schaffung/Ergänzung des rechtlichen Rahmens

2. Stärkere Bekanntmachung der Hilfsangebote, insbesondere auch unter Jugendlichen

3. Rückkehr zur vorherigen Regelung des Eheschließungsrechts: Religiöse Heirat erst nach der staatlichen Hochzeit. Darüberhinaus Bindung der Eheschließungsrechte von Imamen an ein Zertifikat.

Von Kamelen und anderen Kamelen

Kamelurin ist nach alter islamischer Lehre ein Heilmittel. Von Krebs bis hin zu schwacher Potenz ist im Sammelsurium der in Aussicht gestellten Wirkungen sehr vieles dabei. Eigentlich fast alles. Wer nun meint, das würde doch heute nicht mehr… der irrt. Im Rahmen einer Rückbesinnung auf den ursprünglichen Islam, den des 7. Jahrhunderts also, kommen auch alte Bräuche wieder hoch, werden wahrgenommen und die Ratschläge aus dem Mittelalter umgesetzt. Schließlich irrte nach Binnenkonsens die Gründerperson nicht und da der Hadith als gesichert gilt (sahih nach Muslim und Bukhari, den beiden großen, allgemein akzeptierten Hadith-Sammlungen, also Niederschriften der mündlichen Überlieferungen zu den Handlungen und Sichten des Gründers), ist das für den fundamentalistisch Gläubigen die reine Wahrheit. Es gibt dazu auch „wissenschaftliche Auskünfte“:

http://islamqa.info/en/83423

Ganze Konferenzen werden dazu abgehalten:

Fatin Khorshid, of the King Fahd Medical Research Center sees it as the ultimate solution to “all sorts of ailments” like “cancer,” “digestive tract,” “diarrhea,” “sexual dysfunction,” “liver disease,” “skin ulcers,” “cosmetics,” etc.

und sogar ein Patent (ein Patent sagt nichts über eine medizinische Wirkung aus, sondern hier nur, dass vorher noch keiner auf die Idee kam, Kamelurin so aufzubereiten…) wurde angemeldet:

In an effort to further promote its medicinal value in the fight against cancer worldwide, professor Khorshid has also applied for a swath of international patents. The US application, which covers “an absolutely novel use of camel urine,” focuses on PM701 (the “PM” stands for “Prophet Medicine”), obtained from the adult single-humped Arabian camel (Camelus dromedarius) found roaming natural pastures near Jeddah. ‘Separation and formulation of bioactive fraction and sub-fraction from camel urine work as anticancer agent.’ (US patent app. 2009/0297622 A1)

Das ist also nicht irgendwer, sondern die islamisch korrekte Speerspitze wahabitischer „medizinischer“ Forschung, bestens finanziell ausgestattet*. Der Herr Professor kann also nicht mal die vielen, vielen unterschiedlichen Krebsformen, die z.T. recht unterschiedliche Ursachen haben, auseinanderhalten. Alles eins, wie früher in der schlechten alten Zeit.

http://shoebat.com/2014/05/10/muslim-tradition-drinking-camel-urine-will-spread-mers-disease-globally/

Einer der Gründe, warum die Lebenserwartung dort so erschütternd war, bevor die „Medizin der Ungläubigen“ dort eine Alternativ-Medizin wurde. Viele reiche Saudis lassen sich übrigens extra zur Behandlung an westliche Kliniken fliegen, man traut dem selber nicht, aber fürs Volk erzählt man halt anderes.

Aktuell wurde ein geschäftstüchtiger Saudi erwischt, der die Urin-Käufer doppelt foppte: Sie wollten Kamelurin, bekamen aber nur seinen eigenen.

 

 

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3370464/Saudi-authorities-close-shop-selling-traditional-camel-urine-drinks-discovering-owner-filling-bottles-bodily-waste.html

Hier interessante Einsichten in den ursprünglichen Gebrauch:

http://www.inquisitr.com/1248259/mers-virus-symptoms-being-spread-by-muslims-drinking-camel-urine/

Wer nun meint, in Europa werde doch sicher nicht… der irrt auch hier.

Wegen des Alternativmedizin-Unfugs mit dem Eigenurin seit etlichen Jahren ist das keine Sache mehr, die allgemein sonderlich aufregt. Zumindest nicht den „Naturheilmittel“-Freak, der ohne Sinn, Verstand und belastbare Kenntnisse dies als anekdotischen Tipp wahrnimmt. Die entsprechenden Bücher verkauften sich ja seinerzeit überraschend wie geschnitten Brot (forciert auch durch Talk-Show-Auftritte des Sanges-Sternchens Katja Ebstein, die ihre ekelerregende Praxis glorifizierte und zu rationalisieren suchte. Sie verkaufte dieses Buch viele Male)**.

Da fügen sich also die Ratschläge aus der angeblich göttlichen Botschaft nahtlos ein. So wird auch in Deutschland Kamelurin propagiert, hier von Hassan Dabbagh, sogar im Mediziner-Präp-Kittel

Hier auf einer Seite mit Quacksalber-Inhalten:

http://www.koerper-entgiften.de/kamelurin-getraenk-kapseln-krebs.html

Obwohl die WHO nicht nur davor warnt, dass ein spezieller Virus (MERS) übertragen werden könnte (auch durch Milch), gibt es Anbieter, die den Urin wohl bis vor einiger Zeit im Programm hatten und auch aktuell noch Milch und Milchprodukte anbieten:

http://webshop.kamelenmelk.nl/default/catalogsearch/result/?q=camel+urine&x=13&y=12

Es gibt weitere Anbieter von Kamelmilchprodukten, bei denen man auf die Produktsicherheit hoffentlich vertrauen kann.

Rezepte aus dem Mittelalter bieten nicht nur nicht die Vorteile moderner Medizin, sondern haben auch all die Nachteile, die man früher noch nicht erkennen konnte. Fiel früher jemand abends vom Hocker, dann hatte ihn halt Gott gerufen. Heute kann man wissen, dass er sich dieses selbst zuzuschreiben hat, wenn er altertümlichen Vorgaben blindlings folgt, von wem auch immer sie stammen mögen. Man kann dann immer nur hoffen, dass wie hier im Falle von Infektionskrankheiten, nicht noch Unbeteiligte vom Fluch der Dummheit getroffen werden.

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* Der Fairness halber muss man erwähnen, dass übliche Studieninhalte „westlicher“ Lesart von den Studenten auch dort gefordert werden, auf einfacherem Niveau, aber immerhin, beispielhaft:

http://medicine.kau.edu.sa/Files/140/Files/136673_Phase%20-1-%20course%20Description.pdf

** Der BS findet dann sogar in das öffentlich finanzierte Fernsehen seinen Weg:
http://www.arte.tv/guide/de/048171-000/die-besondere-wissenschaft-vom-urin

Generalmobilisierung in Syrien

Bei den aktuellen Kämpfen in Syrien stehen die verschiedenen salafistischen Gruppen stark unter Druck. In Ramadi erlitt der IS eine schwere Niederlage:

Die USA, die eine internationale Anti-IS-Koalition anführen, sind nach Rückeroberung Ramadis voll des Lobes für die irakische Armee. Die Truppen hätten mit gewaltigem Mut und Tapferkeit gekämpft, sagte US-Außenminister John Kerry in Washington. „Das irakische Militär bekämpft den Feind mit Ausdauer, Geschick und Entschlossenheit.“ Die Vertreibung des IS aus besetzten Gebieten sei zentraler Teil der Sicherheitsstrategie für den Irak. Ramadi sei kein isoliertes Ereignis, sondern stehe in einer Reihe mit großen Verlusten des IS im Irak und im nördlichen Syrien, sagte Kerry. Auch der Sprecher des internationalen Bündnisses, Steve Warren, lobte die irakischen Truppen für ihren Erfolg.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Rückeroberung Ramadis zeige einmal mehr, dass der „IS nicht unbesiegbar ist, weder im Irak noch in Syrien“. Der französische Präsident François Hollande sprach vom bisher „wichtigsten Sieg“ im Kampf gegen die IS-Extremisten.

http://www.n-tv.de/politik/Iraks-Regierung-kuendigt-finalen-Sieg-an-article16656436.html

Der IS-Führer Al-Baghdadi hatte sich vor drei Tagen in einem Audio nach einem halben Jahr erstmals wieder per Audio-Botschaft an seine imaginierten und echten Anhänger weltweit gewandt:

https://pietervanostaeyen.wordpress.com/2015/12/26/new-audio-message-by-abu-bakr-al-baghdadi-and-wait-for-we-are-also-waiting/

Es wurde allgemein zum Kampf gegen die Ungläubigen aufgerufen und in den USA, Europa, Russland und Israel Anschläge angedroht.

Nachfolgend rufen jetzt andere Gruppen, die eher Al Qaida-nah sind, zur Generalmobilisierung auf, wollen alle jungen wehrfähigen Männer zu den Waffen rufen, hier von der Jaish al Fath, die wohl Gelder aus Saudi-Arabien erhält:

http://ummahislam.com/aufruf-zur-generalmobilisierung-der-ummah

Der saudische Anführer der Jaish al Fath, Abdullah al-Muhaysini, verdeutlicht den Anhängern, dass es nunmehr Pflicht sei, den bewaffneten Kampf zu unterstützen:

 

 

Al-Muhaysini soll über erhebliche Unterstützeranzahlen alleine über die sozialen Medien verfügen. Das sollte also zu einer Ausreisewelle führen, sofern die Anhänger hinreichend fanatisiert sind.

Noch vor einem halben Jahr führte man aber auch Scharmützel gegeneinander:

https://alminara.wordpress.com/2015/06/01/shaykh-abdullah-al-muhaysini-for-allah-the-islamic-ummah-and-the-people-of-shaam/

Generell ist er jedoch ein Verfechter der Linie, dass sich alle mit den Al Qaida-Flügeln vereinigen sollten bzw. alle miteinander gegen den gemeinsamen Feind kämpfen sollten.

Wegen eines Interviews mit Abdullah al-Muhaysini war der schweizerische Zentralrat vor einigen Wochen unter deutlichere Kritik geraten:

http://www.izrs.ch/nicolas-blancho-uber-das-interview-mit-dr-al-muhaysini-syrien-und-den-is.html

Daraus:

Al-Muhaysini ist sehr auf seine Sicherheit bedacht. Nicht nur der IS hat schon mehrmals versucht, ihn mittels Selbstmordattentäter zur Strecke zu bringen, sondern auch Asad und die Russen dürften hinter ihm her sein.

Al-Muhaysini ist eine zentrale Brückenbauerfigur unter den Rebellen. Man sagt: Wenn es zwischen zwei Rebellengruppen brennt, dann ruft al-Muhaysini. Dieser saudische Gelehrte hat einen unglaublich wichtigen Einfluss auf die koordinierte Zusammenarbeit der Rebellen. Der IS möchte ihn unbedingt beseitigen, weil es ihm gelungen ist, ein fragiles aber dennoch funktionsfähiges Mantra der Einheit zu erzeugen.

Dass er nun – nach dieser Vorgeschichte – zu einer Vereinigung der Kräfte aufruft, sollte bedeuten, dass nicht nur der IS, sondern auch seine Gruppe unter schwerem Druck steht. In dieser Lage könnte eine Vereinigung dieser Kräfte gelingen.

Für Deutschland könnte dies heißen, dass diejenigen, die nicht ausreisen wollen, nunmehr konkreter zur Tat schreiten werden.

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Update 01.01.2016, 21:28:

Es wurden nun 40 Wortführer benannt, die diese Generalmobilisierung unterstützen und für jeden Muslim zu Pflicht erklärt haben:

http://ummahislam.com/erklaerung-zum-aufruf-der-gesamten-islamischen-nation-auszumarschieren

Weitere:

US: Charme-Offensive der Muslimbrüder 2016

Die Muslimbrüder agieren auch in vielen westlichen Ländern, in denen sie eine deutliche Minderheit stellen, oftmals sogar unter den Muslimen. Ungeachtet dessen ist ihr Anspruch politisch, sie wollen Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umgestalten. Das ist – sofern es gewaltfrei geschieht – durchaus legitim. Weniger legitim ist es jedoch, die Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft nicht offen zuzugeben, was eine politische Gegenhaltung zu den politischen Ansprüchen erschwert und erschweren soll: Man gibt sich im Marketing gerne moderat. Unter dem Mäntelchen des Liberalen, von Dialogbemühungen etc. steht jedoch die knallharte Ideologie, der Fundamentalismus. Diese Masche ist in Deutschland höchst erfolgreich, mit einem Schutzschild aus heißer Luft dringt man mit den Muslimbrüdern im Gepäck bis in höchste Kreise vor, die oftmals nur zu gerne glauben wollen, was man ihnen vorgeblich liebedienerisch darbietet. Der Mummenschanz ist erforderlich, da die Muslimbrüder vom Verfassungsschutz beobachtet werden. So ist man bei den Namensgebungen kreativ und schiebt die persönliche Ebene vor: Seht her, können DIESE Augen lügen? Nicht doch.

In den USA z.B. agiert man offener, die Zugehörigkeit wird nicht verschleiert, man hält offen Kongresse ab.

 

 

Ein Blick in so andere Länder wäre für die politisch Tätigen sehr notwendig. Man erkennt, was ähnlich verläuft. Man erkennt übliche Handlungs- und Argumentationsmuster. Man denkt langfristig, was dem oft nur noch auf Sicht fahrenden westlichen Politiker fremd geworden ist und in der Beharrlichkeit und Langfristigkeit auch zu mühsam: Dieser eine kleine Baustein, was schadet da das Nachgeben? Die Summe macht es und das Gewirr aus persönlichen Beziehungen, die *auch* von politisch Tätigen manchmal für Freundschaft gehalten werden, tut da sein Übriges. So werden Claims abgesteckt mit Zuckerbrot und Peitsche.

In den USA steht schon einmal die Planung der Muslim Brüder für 2016, ganz frisch vom 21.12.2015:

1) Register one million new voters prior to the 2016 election cycle,

2) Build a bridge between the Muslim Brotherhood and non-Muslim Americans to enhance their understanding of American Muslims and Islam through a “One American Campaign”,

3) Establish a “National Open Mosque Day”,

4) Form new and strengthen existing alliances with interfaith partners, social justice groups, and other minority communities, and

5) Address the rising number of [alleged] hate crimes by increasing emergency preparedness for Islamic institutions and individuals in the community.

https://www.centerforsecuritypolicy.org/2015/12/22/muslim-brotherhoods-uscmo-launches-2016-political-campaign/

Wem jetzt das eine oder andere bekannt vorkommt, liegt richtig.
Damit soll den Kandidaten eine Karotte gereicht werden. Das Programm ist im Allgemeinen eher auf die Mehrheitsgesellschaft gerichtet, gute Stimmung von den und für die Fundamentalisten.

Gleichzeitig wird man deutlich:

If you as a political candidate choose to spew hatred, bigotry, and to vilify Muslim Americans, you do so at your own political risk. We will use every democratic, small d, democratic means and political strategies to ensure you, your candidacy never succeeds.

Es ist zu bezweifeln, dass sie dies können, aber der eine oder andere politisch Aktive zumindest hierzulande ist alleine schon durch eine solche Drohung zu erschrecken, anstatt in Ruhe Politik für alle zu machen. Anhören ja, aber solche Stellungnahmen zeigen dann doch eher auf, dass man dem Gesprächspartner nicht zutraut, dass er das von alleine einhält.

Man wird sehen, ob und welche Zugeständnisse von den Kandidaten kommen (nicht von allem mag man da öffentlich erfahren).

Natürlich sind pauschale Verunglimpfungen inakzeptabel. Was allerdings alles als Beleidigung gewertet wird – nun, da gehen die Meinungen auseinander.

Beim deutschen Arm der Muslimbrüder fühlt man sich, nimmt man prominente Vertreter her, durchaus schon bei der Frage nach Demokratiekompatibilität beleidigt. Geht gar nicht, dass man da mal nachfragt, eine Frage, die jedoch durchaus berechtigt ist, wenn es zwischen „die Scharia ist demokratie-konform“ und Beobachtung durch den Verfassungsschutz ganz viele offene Fragen gibt. Das ist dann meist das Ende des Charmes, da wird es erst ärgerlich, dann verbal aggressiv.

Man darf also auf des deutsche Programm gespannt sein, denn einige der Punkte haben wir hier bereits. Wir werden es lesen, hören und sehen, denn der Medienmann u.a. der Muslimbrüder ist ja immer vorne dran, wenn er mit seinem kleinen Verband, dessen reale Mitgliederzahl er nicht nennen mag, vorgibt, für die Muslime Deutschlands zu sprechen. Glücklicherweise tut er das nicht.

Bilal Gümüs und das alles erklärende Fliwatüt

„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.
Bertrand Russell, englischer Mathematiker und Logiker, 1872-1970

Die Evolutionslehre ist für Personen, die einem fundamentalistischen Glauben anhängen, meist ein Stein des Anstoßes. Hinsichtlich der Ablehnung dieser Lehre sind sich die Argumentationsmuster außerordentlich ähnlich. Am liebsten würden sie sie ganz verbieten. Wissenschaft ist des Teufels und die Evolutionslehre die Mutter aller Teufel.

Russel hatte auf der persönlichen Ebene schon recht hinsichtlich der subjektiven Wirkung, die auch Eigenreflexion hat. Aber natürlich kann man Abläufe in der Natur, sofern sie der Beobachtung zugänglich sind, so gehaltvoll abklären, dass man von Sicherheit sprechen kann. Der einzelne Mensch ist vielleicht unsicher, Wissenschaft aber als Gemeinschaftsprojekt in der ständigen selbstgewählten Verbesserung baut auf und aus. Treten bahnbrechende neue Erkenntnisse oder Schlüsse hinzu, werden sie inkorporiert. Es geht vom Speziellen zum Allgemeinen.

Die Evolutionslehre zählt zu den Erkenntnissen, die so gut abgesichert und mit so vielen Beispielen untermauert sind, dass andere Vorstellungen recht abwegig sind. Man findet immer wieder Aspekte, die Nuancen beleuchten. Wer jedoch etwas gegen den Kern der Evolutionslehre vorbringen will und ernst genommen werden möchte, muss unserer Tage mit sehr, sehr guten Belegen kommen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird es ein kleiner Trugschluss sein, Bedingungen, die nicht beachtet wurden etc.

Personen, die die Lehre jedoch nicht verstanden haben und auch sonst in der Schule wohl entweder nicht gut aufpassten oder schon dort „doppelte Buchführung“ vollzogen, haben nach wie vor Probleme mit den Aussagen. Zu schwierig, zu kompliziert, da gefallen einfache Metaphern und Bildchen besser. Die Vorstellungskraft, die bei Imaginiertem ganz ordentlich ist, versagt bei der Vorstellung langer Zeiträume oder chemischer Abläufe. Auch der narzisstische Verlust ist hoch: Von der Krone der göttlichen Schöpfung, von Gottes Ebenbild degradiert zu einem Wesen, das Ergebnis von Zufällen ist. Das gefällt ganz und gar nicht.

Der Frankfurter Lies-Protagonist Bilal Gümüs meint aktuell, einen Beitrag zur Debatte liefern zu müssen.

 

Da freut sich die Zielgruppe: Doch so einfach? Ja, wenns der Herr Gümüs sagt…

Dieselbe Verkennung und Unwissenheit über naturwissenschaftliche Grundfakten und Fehldeutungen sowie Trugschlüsse, aber schon in der Version für die „Intellektuellen“ von Marcel Krass, der das gläubige Klientel immer wieder mit seinem in diesem Zusammenhang völlig belanglosen Dipl. Ing. zu beeindrucken sucht. Er fordert Beweise für Nichtexistenz gleichermaßen wie für Existenz. Schon da hapert es, denn Beweise für Nichtexistenz sind weder Usus noch erbringbar. Das ist zumindest theoretisch so; in der Praxis arbeitet man da mit Wahrscheinlichkeiten.

 

 

Auch die anderen Prediger fühlen sich immer wieder berufen, über diese Dinge zu schwadronieren. Immer irgendwo zwischen direkter Textauslegung und Intelligent Design* Plagiat. Der türkische Kreationist Harun Yahya ist da sozusagen höchste Instanz. Er hat sein Archtekturstudium abgebrochen (was keine Schande ist) und macht seit vielen Jahren auf Biologie-Guru (was eine Schande ist bei dem Kenntnisstand).

Gümüs befindet sich also in illustrer Gesellschaft.
So wird es also weitergegeben. Warum sich mit Chemie quälen, wenn es doch sowieso nur Trugbilder sind? Warum Biologie begreifen wollen, wenn es nur Gottes prüfungen sind, die den wahren Gläubigen verwirren sollen?

Bilal Gümüs auf jeden Fall ist den einfachen Weg gegangen. Den ohne Chemie und Biochemie, aber dafür mit einer Selbstgewißheit, die aus allen Poren quietscht.

 

 

* „Intelligent Design“ ist die US-amerikanische, fundamentalchristliche Variante, die nur dezent anders daherkommt. Es werden meist immerhin Beispiele genannt, die aber dann so falsch benutzt werden, dass aus einer statthaften Frage eine bizarre Antwort erfolgt. q.e.d.

Best of Häkelmütze 2015

Ideologisches, Idiotisches und Irritierendes

Eine kleine, eher erheiternde Jahresschau der Szene. Humor ist, wenn man (trotzdem) manchmal lacht.

 

Saudischer Gelehrter noch im geozentrischen Weltbild befangen:

Pierre Vogel mal seht unentspannt und fanatisch, Ermunterung zu Zorn und Eifer:

Abu Abdullah (Brahim Belkaid) über ein Problem, das angeblich viele Muslime haben: der böse Blick.

Aber nicht nur der der Menschen. Nein, auch der Jinns…
Das sei die Haupt-Todesursache in der Ummah*.
[Jenseits des Lustigen werden in dem Video auch psychische Störungen fehlgedeutet, was zur Nichtbehandlung durch den Psychiater oder Psychologen führen kann.]

Bericht über die von Abou Nagie als Schauprozess angekündigte Verhandlung wegen Erschleichung von Sozialleistungen. Schrödingers Scharia:

[Das im April ausgesetzte Strafverfahren wurde bislang übrigens nicht neu terminiert.]

Hassan Dabbagh zu dem als wichtig erachteten Thema, ob eine Erektion die Gebetswaschung ungültig macht:

Neben dem vielen Bösartigen und Menschenverachtenden darf man immer wieder auch bizarren und tragik-komischen Blödsinn erwarten. Wie es halt so an die Oberfläche dringt, wenn man den Erkenntnishorizont aus dem 7. Jahrhundert absolut setzt und versucht, aus alten, teilweise nicht mehr korrekt übersetzbaren oder falsch aufnotierten Passagen auch noch die binnenkonsensual vorhandene letzte Wahrheit herauszusaugen.

 

* Man sollte eine extra Sparte beim Bundesamt für Statistik fordern:

Todesursachen salafistischer Muslime

Vorherbestimmung > 50 %

Böser Blick              < 50 %

Todernste Al Quaida Jünger

Humor ist gefährlich, wusste schon Umberto Eco. Er befreit, er schafft Abstand zwischen der üblichen Sicht auf die Wirklichkeit und dem Selbst und ist nur bei freiem Geist und in Abwesenheit von Furcht möglich. Religiöse Fanatiker sind deshalb meist humorlos bis aufs Blut. Der Fundamentalist wähnt sich unter steter göttlicher Beobachtung und Humor ist da Mangel an Gottesfurcht, der Witz als teuflische Handlung sozusagen. Wie auch alles andere, was Menschen Spaß bereitet, was sie frei genießen wollen. Sex, Essen, Humor, überall lauert der imaginierte Teufel. Freude ist sich selbst genug und das stört maximal. Wer Freude hat, glücklich und zufrieden ist, sich an allem ohne Furcht erfreut und Restriktionen, ist weniger gläubig im Schnitt, denn die beschriebenen jenseitigen Belohnungsszenarien sind oft geprägt von eben dieser Bedürfnisbefriedigung (als asketische Variante: Bedürfnislosigkeit). Wer sich in diese elementaren Bedürfnisse und weltlichen Freuden hineinreden läßt, wer Verbote der Tradition akzeptiert, ist auch sonst ein guter Untertan, frei flottierende Manipulationsmasse.

Da moderne Gesellschaften dazu neigen, Menschen viele dieser Dinge selber zu überlassen, ihnen die selbstgewählte Freude zu gönnen, ist bei fundamentalistischen Gläubigen meist ein relevanter Anti-Modernismus neben dem Anhedonismus zu verzeichnen. Die moderne westliche Welt, Freiheit, die Freiheit des anderen vor allem, wird als Bedrohung empfunden. Freiheit des anderen ohne Strafe zeigt auf, dass die eigene Kasteiung möglicherweise unnötig ist. Humor erst, der Witz über den Glauben vor allem, wird als Frontalangriff verstanden. Das ist auch bei nicht gewalttätigen Personen so, die ihre Emotionen noch zügeln. Wer den Gründer seiner Religion mehr liebt als Mutter und Vater, mehr als den Intimpartner (die Zerstörung menschlicher Bindungen durch fanatische Religion wird an anderer Stelle Thema sein), wird Witze über ihn als persönlichen Angriff empfinden, denn dieses ist das ihm nächste. Das ist sein Wesenskern. Das wird genau so von stark religiösen Personen geschildert, das wurde auch genau so bei den weltweiten Protesten gegen die Mohamed-Karikaturen deutlich.

Die Charlie Hebdo Morde und auch die jüngsten Pariser Attentate zeigten dies ebenso auf eindrückliche wie traurige Art und Weise. Über den fanatischen Glauben zu spotten, die Sache nicht ernst zu nehmen, die der Fanatiker mit heiligem Ernst verfolgt, zieht unweigerlich dessen starke Emotionen an: Er lacht nicht mit, sondern will von dem Spötter eben die Unterwerfung, die er selbst lebt. Dieses Muster zieht sich durch alle irrationalen Glaubenssysteme. Je weniger Argumente da sind, desto aggressiver wird es im Zweifelsfall. Wenn die Worte fehlen, spricht die Faust.

 

Auf der Al Quaida-Info-Seite „Ummah Islam“ gibt es deshalb aktuell einen gesonderten Vortrag eines Shaykh  Dr. Eyad Qunaybi*,  der vor Spiel und Witz warnt:

http://ummahislam.com/die-spielerisch-witzige-persoenlichkeit

„Der Komiker kann nichts schätzen und auch nichts verehren. Er verspottet nur alles. Das Problem der Komiker ist ihre Persönlichkeit, welche auch dazu führt, sich über die Verse des Quran, über die Ahadith vom Nabi (Sallallahu aleyhi wa sallam), über die Malaiks und Sahaba (Alayhimus Salam) lustig zu machen. Diese Komiker könnten mindestens die gerade aufgezählten Sachen verehren und verwürdigen, stattdessen machen sie sich darüber lustig…Und Sie sind in eine Ebene geraten, wo Sie all die Menschen, die diese Sachen verehren, als extrem verurteilen.“

Es geht in dem Beitrag um die Bekämpfung des Humors in den eigenen Reihen, den inneren Feind sozusagen. Es geht um die Moral der Truppe, die durch Humor aufgeweicht werden könnte. [Qunaybi wird auf deutschsprachigen Extremisten-Seiten übrigens als politischer Gefangener geführt. Er ist Pharmazeut. Seit einigen Tagen ist er im Hungerstreik.]

Auch Pierre Vogel hält Humor für gefährlich, ein einzelner Scherz über die Religion kann schon ewige Verdammnis bedeuten (auch bei sonst untadeligen Personen):

Der Fanatiker kann nicht zwischen sich und seiner Ideologie trennen. Humor und Kritik sind ihm persönlicher Angriff, weil er sich über diese Ideologie definiert: Ich glaube, also bin ich.

Das ist nun eine Sorte Mensch, die Macht, sehr, sehr schlecht verträgt. Er wird dazu tendieren – da Götter aktuell nachweislich eher weniger ins Tagesgeschäft eingreifen – den anderen Menschen unter den angeblichen Willen seines Gottes zu beugen.

Das ist sein persönlicher Gottesbeweis. Hat er selber die Macht dazu, imaginiert er sich als Werkzeug Gottes, als Handlanger göttlichen Willens. Das ist der maximale narzisstische Gewinn: Da er gleichzeitig Richter und Henker ist, wird er wie Gott. Gott tötet jeden Menschen irgendwann und so ist dem Fanatiker Leben (vor allem das der anderen) nichts wert. Was ist schon das kurze Leben im Vergleich zur verheißenen Ewigkeit? Er entscheidet also, wenn er kann, über Leben und Tod und empfindet dann nicht mal Reue: Hat er nicht nur Befehle befolgt? Was er macht ist nur die Umsetzung. Selbst größte Greuel werden so völlig ich-synton und der Täter fühlt sich sogar noch besonders gut, da die eigene Wertung auch schon Zweifel und mangelnde Unterwerfung unter den imaginierten göttlichen Willen bedeutete: Gottes Wille ist angeblich mit dem Stärkeren. Es ist das Gottes-Urteil. Kann er den anderen unter seinen Willen beugen, kann er ihn sogar töten, beweist er sich selbst die Macht seines Gottes. So lange es noch einen Ungläubigen gibt oder einen nicht Unterworfenen, so lange ist somit auch das fanatisch gläubige Selbst fragil.

Humor zeigt auf, dass diese Rechnung in einer freien Gesellschaft nicht aufgeht und er auch den Fanatismus in den eigenen Reihen aufweichen könnte. Täglich wird dem Fanatiker vor Augen geführt, dass es völlig straflos bleibt, seinen Gott zu spotten. Das ist ihm ein Greuel, weil es täglich zeigt, dass sein Gott eben nicht größer ist als Freiheit und Demokratie, es gibt also sichtbare Hinweise darauf, dass der eigene Gott eben nicht allmächtig ist. Das wird deshalb als „Prüfung“ umgedeutet, damit der Gläubige nicht in Zweifel verfällt. Insofern ist Nachgeben für Fanatiker genau die falsche Medizin. Das Einknicken vor Empfindlichkeiten ganz fatal. Jeder abgesteckte Claim zeigt dem Fanatiker und auch dem stark Konservativen einen Sieg (seines) Gottes an, ist ihm Beweis, dass (sein) Gott größer ist, groß ist ja nicht groß genug.

Langfristig hilft da nur Desensibilisierung: Mehr Humor, mehr Spott. Achtung vor dem Menschen, ja, aber die Immunisierungsstrategie durch „spottest du über die Religion, beleidigst du mich“ eben nicht aufgehen lassen. Erst wenn der Wesenskern „Mensch“ ist und nicht „Untertan eines Gottes“ werden wir da weiter sein, kommen wir dahin, dass der fanatische Glaube den Menschen in den vielen Formen nicht mehr derart schadet.

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* Sein fb-Profil:
https://www.facebook.com/iyadkunaybi