Die Angst im Klassenzimmer

Das Verhältnis Lehrer-Schüler soll von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein. Nur so entsteht eine Atmosphäre, in der Lernen und Lehren möglich ist. Für Kinder und Jugendliche, die aus autoritären Familien kommen, ist es oftmals die erste Gelegenheit, einen anderen Umgang mit Menschen zu erlernen und zu üben: Umgang älteren Personen anderen Bildungsgrades, mit Erfolg und Misserfolg, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit nicht verwandten Personen.

Die Angst von Schülern vor autoritären Lehrern konnte durch andere pädagogische Ansätze vermindert werden. Es wird auf ein mehr kameradschaftliches Verhältnis gesetzt. Dieser Umgang ist für Kinder, die autoritär erzogen wurden, manchmal irritierend: Er bietet zu wenig Orientierung hinsichtlich der als verboten oder erlaubt bewerteten Handlungen. Dieser Umgang baut darauf, dass die Kinder mit einer europäischen Sozialisation, in der viele Dinge auf Vorbild beruhen und viele Verhaltensweisen Verhandlungssache sind, vorgeprägt wurden. Anders vorstrukturierte Kindern, v.a. Jungen, können auf die Idee kommen, dass sie im weiblich dominierten Grundschulbereich dominant auftreten können. Da das bei manchem religiös-patriarchalisch legitimiert wird, ist das wenig verhandelbar. Diese Sozialisation kann zu deutlichen Autoritätsproblemen mit diesen Kindern führen. Auch das belastet das Verhältnis, kann aber kaum angesprochen werden, da Lehrer mit diesen Problemen meist alleine gelassen werden, selbst wenn sie es ansprechen. Die Schulleitung mag das oft nicht angehen, denn zwischen Angst um den Ruf der Schule und der Angst, lautstark wegen Diskriminierung angegangen zu werden, bleibt manche Einsicht auf halbem Wege stecken.

 

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Wenn jedoch die Angst konkreter wird, wenn Pädagogen Angst vor ihren eigenen halbwüchsigen Schülern haben, hört jede Berechtigung für solche Befindlichkeitsstörungen auf. Pädagogen, die fürchten müssen, dass sich Schüler zusammentun, dürfen nicht alleine gelassen werden. Aus einigen Schulen im Raum hört man, dass normaler Unterricht wegen abgesprochener Störung, wegen gezielter Missachtung bestimmter Lehrer oder strukturierter Zurückweisung kritischer Inhalte manchmal kaum noch möglich ist.
Die Störung bzw. Nichteinhaltung einer Schweigeminute nach „Charlie Hebdo“ ist da symptomatisch. Etwas Ähnliches wurde dem Anschein nach nach den jüngsten Pariser Attentaten gar nicht mehr versucht.

Ist nun endgültig die Angst vor den eigenen Schülern in manche Klassenzimmer eingekehrt?

„Die IS-Dschihadisten hatten erst im November zu Angriffen auf Lehrer in Frankreich aufgerufen. Sie seien „Feinde Allahs“, die sich in einem „offenen Krieg gegen die muslimische Familie“ befänden.“

http://www.focus.de/politik/ausland/feinde-allahs-messerangriff-auf-kita-erzieherin-nahe-paris-taeter-erwaehnt-is_id_5152256.html

[Nachtrag 19:25: Der Angriff war wohl erfunden, unglaublich. Hier die Einordnung:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/frankreich-lehrer-erfindet-islamistische-messerattacke-13966291.html

Das Zitat ist aber authentisch. SHM]

Wenn das so wäre, dann wären wir nicht mehr bei „wehret den Anfängen“. Dann wären wir schon mittendrin im Kampf im Klassenzimmer, der auch psychologisch geführt wird.

Diesen Kampf um die Köpfe dürfen wir jedoch nicht verloren geben.

Die Pädagogen brauchen da mehr, jede sinnvolle Unterstützung, die man ihnen geben kann. Sie kämpfen da für uns alle um die jungen Menschen. Wir müssen dafür sorgen, dass dies kein einsamer Kampf auf verlorenem Posten ist.

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