Laudämmerung

Der vorgestern verhaftete Sven Lau hat u.a. eine durchaus frequentierte fb-Seite. Immerhin über 54.000 Personen haben diese Seite markiert und können daher auf dem Laufenden gehalten werden. Dort werden Nachrichten, Botschaften und Videos von ihm gepostet. Aktuell wird auf seiner Seite von demjenigen, der in Laus Abwesenheit diese Seite betreut, eine Videobotschaft verbreitet, die nicht nur bizarr ist, sondern auch Anlass zu der Überlegung geben kann, was man all den Anhängern in dieser Lage damit sagen will.

Bei einigen Islamisten sind derzeit Endzeit-Phantasien hoch im Kurs. Das zieht sich durch verschiedene Gruppen und ähnlicher Weise. Laus Version besteht in einer Aufzählung der diesbezüglichen Hadithen und Verdeutlichung der Inhalte, wie er diese Volksmythen versteht. Im Beitrag erwähnt er, dass eine spezifische Endzeiterzählung, die Gog & Magog-Geschichte, älter sei als der Koran und schon biblisch:

 

 

[Nachtrag: Am Folgetag wurde das Video von der fb-Seite entfernt.

Es ist aber auf yt verfügbar, daher Neueinstellung.]

Er nennt Könige, die vielleicht zur Zeit des Religionsbegründers als „Weltherrscher“ gelten konnten (z.B. Nebukadnezar), als die „einzigen echten Weltherrscher“. Offenkundig nimmt er das für bare Münze. Er erzählt von Bergen, Sperrmauern und Höhlen.

Er liest die bevorstehende Endschlacht zwischen Gog und Magog (biblische Namen) aus diesen Überlieferungen vor. Es wird deutlich, dass er das für präzise Vorhersagen hält. Er weiß zwar nicht, wo – gemäß der Vorhersage – sich diese Wesen aktuell aufhalten. Irgendwo hinter zwei Bergen. Wo diese Berge sind, weiß er auch nicht. Dass es aber wie beschrieben sein muss, dass diese speziellen Berge existent sind, hält er für erwiesen, denn es handelt sich um authentische Hadithe, also Überlieferungen mit nach muslimischer Sicht mehr oder weniger gesicherter Überlieferungskette. Auf den Um- oder Ausweg, es könne sich um Gleichnisse handeln kommt er nicht.

Lau legt im Beitrag darauf Wert, dass die Endzeit nahe bevor stehe. Seine Vorstellung ist, dass die Lebewesen, die diese mythische Endzeit erleben bzw. herbeiführen werden, bereits existieren. Es scheint, als ob er tatsächlich von seiner Lebenszeit ausgeht, von der nahen Zukunft. Er stellt völlig auf diese Überlieferungen ab und erzählt sie, als ob sie nicht nur wahr seien, sondern auch der getreue Ablauf vorhergesagt würde. Ein Abgleich dieser alten Volksmythen aus dem Orient mit anderen Quellen bzw. Überlegungen, die ihm aus seinem „früheren Leben“, z.B. aus dem Biologie- oder Geschichtsunterricht präsent sein müssten, findet nicht statt.

Eine solche Befangenheit in dieser geistigen Parallelwelt macht fast sprachlos. Stellenweise rätselt er selbst vernehmlich, was die überlieferten Worte heißen könnten. Zum Zweifel reichen diese Rätsel jedoch nicht.

Er selber wird da kaum noch herausfinden. Es stellt sich die Frage, wie viele seiner Anhänger er in diese Phantasie mit einbeziehen kann und was das für deren Leben und Handlungen heißen mag.

 

 

 

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