Opfer-Regeln für Köln

Die Stuttgarter, Hamburger und Kölner Vorgänge in der Silvesternacht, Raub und sexuelle Übergriffe in größeren Männergruppen, haben es denn doch breiter in die Medien und die internationale Presse geschafft. Sogar die New York Times berichtete nachfolgend. Die Politik greift es auch auf und spricht von ungeheuerlichen Vorfällen. Hinsichtlich der Einordnung ist man sich jedoch noch nicht so sicher. Was heißt das nun?

In Köln gab es heute eine „Krisensitzung“, in der Vorgänge und evtl. Versäumnisse beleuchtet werden sollten. Die Polizei hatte in ihrem Bericht von der Silvesternacht zwar von einer Gruppe von etwa 1000 Personen berichtet. Sexuelle Übergriffe kamen darin jedoch nicht vor. Heute wurde nun ergänzt, dass die Lageeinschätzung wohl falsch war:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/henriette-reker-sieht-keine-hinweise-auf-fluechtlinge-als-taeter-13998784.html

Man muss sich fragen, wenn die Lageeinschätzung so falsch war und es wohl zu etlichen Übergriffen kam, wie dann von einer ausreichenden Präsenz gesprochen werden kann. Wenn Übergriffe nicht einmal bemerkt wurden, ist „ausreichende Präsenz“ schon die nächste falsche Einschätzung. Polizisten werden nicht wie Tannenbäume nach Fläche berechnet, sondern ob die Aufgaben erfüllt werden konnten, was hier offenkundig nicht der Fall war. Man sollte aufhören, das zu beschönigen.

Sicher muss bei den nun vorliegenden 90 Strafanzeigen geschaut werden, was eine Relevanzschwelle überschreitet. Unter dem Aspekt, dass eine solche Strafanzeige von weiblichen Personen, die meist wissen, dass vor Gericht im Zweifelsfall penibel und peinlich nachgefragt wird, eher nicht erstattet wird bzw. große Hemmungen bestehen, kann man jedoch eine gewisse weitere Anzahl im Hintergrund vermuten. Solche Strafanzeigen werden, zumal sie nicht in einem Beziehungszusammenhang stehen, in dem Falschanzeigen schon mal vorkommen, meist nicht leichtfertig gestellt.

Es wird eine Aufarbeitung geben, die sicher einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Da mit dem Kölner Karneval bereits das nächste Großereignis absehbar ist, haben die Kölner Verantwortlichen auch bereits dieses in ihre Überlegungen einbezogen. Ab diesem Punkt wird es jedoch ebenso weltfremd wie bizarr..

So soll es etwa „Verhaltensregeln“ für junge Frauen und Mädchen geben, „damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren“, sagt Reker mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht. Es gebe bereits einen Verhaltenskatalog, der nun aktualisiert würde und bald online abrufbar sein wird.

Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits:

Frauen sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Distanz halten

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/koeln-krisenstab-will-verhaltensregeln-fuer-karneval-aufstellen-aid-1.5669639

http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Verhalten-der-Taeter-war-absolut-intolerabel-article16695326.html

 

atoms

Kölner Modell gegen Vergewaltigung im Bild rechts Bild: http://www.chemguide.co.uk/atoms/properties/atradius.html

 

Das wird sicher ein Exportschlager.

Reker und der Kölner Polizeipräsident scheinen die eigenen Berichte nicht gelesen zu haben und auch nicht die aus Hamburg. Da war von Jagden auf Frauen die Rede und Umzingelungen. Reker und Albers scheinen sich so etwas gar nicht vorstellen zu können: Personen, die einen feuchten Kehrricht auf die eigenen Distanzbemühungen geben, sondern trotz Aufforderung und eigenem Abrücken so nah kommen, dass man ihren Atem im Nacken spürt. Eine Armlänge Distanz ist irrelevant, wenn man gejagt wird. Ist man umzingelt auch. Rekers und Albers Tipps hätten – eingehalten – den Opfern ungefähr so geholfen wie der Knoblauch auf der Fensterbank.

Es ist aber mehr als Hilflosigkeit, wenn solche Statements erfolgen: Es ist der alte Minirock im neuen Schnitt: Mädchen, passe dein Verhalten an, dann passiert weniger. Regeln für die Frauen zu machen, heißt Regeln für die Opfer zu machen, weil man die Regeln bei potentiellen Tätern nicht durchsetzen kann. Man macht weitere Regeln für diejenigen, die Regeln einhalten, weil man bei denen, die Regeln nicht einhalten, nicht oder nicht spürbar genug durchgreifen kann. Und natürlich ist das im Vorfeld schwierig. Diese Bankrotterklärung nebst mehr Regeln für die Regelgetreuen hätte man sich aber sparen sollen. Dann lieber ehrlich gesagt: Wir denken noch mal in Ruhe drüber nach, was man zweckmäßig machen kann.

Ich gebe zu, dass das Sicherheitskonzept für den Karneval herausfordernd ist. Was aber Reker und auch Albers dringend begreifen müssen, ist, dass Regeln für den sind, der sie bricht. Bei den Männern, nicht bei den Frauen.

Sonst ist das erste wirklich abschließend Geschaffte der Kölner Karneval.

4 Gedanken zu „Opfer-Regeln für Köln

  1. „So soll es etwa “Verhaltensregeln” für junge Frauen und Mädchen geben, “damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren”, sagt Reker mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht. Es gebe bereits einen Verhaltenskatalog, der nun aktualisiert würde und bald online abrufbar sein wird.”“

    Das ist absolut rational aber geht nicht weit genug. Was wäre „weit genug“, damit dieses Problem eingedämmt werden könnte? Fragen Sie Pierre Vogel, er wird es ihnen erklären können.

    „Aber die westliche Freiheit“. Nun, diese Freiheit ist eben eine Wunschvorstellung, die biologischen Gegebenheiten von einem Menschen männlichen Geschlechts nicht gerecht wird. Er wird diese Freiheit nutzen, um seinen Trieben freien Lauf zu lassen. Das macht er vielleicht auch gar nicht aus reiner Böswilligkeit, sondern einfach, weil er gar nicht anders kann. Und das liegt gar nicht einmal daran, ob er Muslim, Christ oder Buddhist ist sondern schlicht an seinem Geschlecht.

    Darum ist der Islam bei weitem rationaler als der Pseudo-Feminismus (wo die Frauen zwar anprangern, dass sie in der hiesigen Gesellschaft Sexobjekte darstellen, aber keine Lösungen anbieten können). Im Islam wird dieses Problem erkannt und mit entsprechenden Pflichten etc. erfolgreich gelöst.

    Dass der Islam die Natur nicht verleugnet, sondern versteht und mit ihr auf die adaquäte Weise umgeht, ist wieder etwas, das die Beweiskraft dieser Lebensordnung hervorstechen lässt.

    Die Saudis sind im Übrigen spätrömisch dekandent und präsentieren sich nur islamisch, also sollte man diese nicht zum Maßstab erheben. Die Ägypter erst recht nicht!

    Wenn Frauen sich den Vorschlägen am Kölner Karneval nicht halten wollen, dann müssen sie eben mit den Konsequenzen klar kommen – selbst Schuld, da sich die Realität nun einmal nicht aufgrund von feministischen Wunschvorstellung nicht verändert.

    „Es ist der alte Minirock im neuen Schnitt: Mädchen, passe dein Verhalten an, dann passiert weniger.“

    Das ist eben so! Will man die Realität verleugnen, nur weil sie einem nicht passt?

    Ist eine Frau Schuld, wenn Sie belästigt wird? Nein! Aber wenn sie bspw. in einer dunklen Gasse früh morgens in einem Viertel unterwegs ist, in dem das kriminelle Milieu vorherrscht – und dabei dann auch noch äußerst leicht bekleidet ist, erhöht sie sicherlich die Wahrscheinlichkeit – ganz objektiv geäußert – dass etwas Negatives geschieht. Darum ist sie zwar immer noch nicht Schuld, trägt aber eine Teil- oder Mitverantwortung.

    Aber sehen Sie doch, es gibt auch Muslime, die Ihnen vielleicht mehr Recht geben würden als andere:

    „ist, dass Regeln für den sind, der sie bricht. “

    Selbst wenn solche Männer härtere Strafen bekämen, was ich ja durchaus befürworte, sollten sich die Frauen an Spielregeln halten. Denn Strafen alleine bringen nichts. Täter denken oft gar nicht vor einer Tat daran, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Also Regeln allein für den Täter ist nicht des Rätsels Lösung allein!

    Die Lösung ist wie bei allen Problemen der Islam, der hier die besten Lösungen anbietet, die wahrlich wirkungsvoll sind (wie Geschlechtertrennung). Wer kennt uns denn besser als unser Schöpfer?

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    • Menschenrecht und -würde ist kein Spiel! Es bedarf also keiner „Spielregeln“ – dafür gibt es Gesetze (die es auch nur geben muss, weil so viele Menschen keinen Anstand haben). Es heißt übrigens tatsächlich „Gesetzt“ und nicht „Regel für Täter“! Nicht Frauen müssen sich an „Spielregeln“ halten, sondern ALLE an das Gesetz. Ist das so schwer?

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  2. „Nun, diese Freiheit ist eben eine Wunschvorstellung, die biologischen Gegebenheiten von einem Menschen männlichen Geschlechts nicht gerecht wird. Er wird diese Freiheit nutzen, um seinen Trieben freien Lauf zu lassen. Das macht er vielleicht auch gar nicht aus reiner Böswilligkeit, sondern einfach, weil er gar nicht anders kann. “

    Sie haben ein ziemlich widerwärtiges Männer- und Menschenbild und damit Selbstbild. SIE suchen Begründungen, um Ihre Disziplinlosigkeit auch noch religiös zu legitimieren. Sie machen sich selbst zu einem Tier, das nur seinen Trieben gehorcht. Vor normalen Männern muss man Frauen nicht beschützen. Vor Ihnen wahrscheinlich schon, denn Sie werden selbstempfunden nie schuld sein, nie reuig sein, sondern das auf ihre Natur schieben und die Frau, die Sie reizte.

    Ich bevorzuge ein besseres Menschen- bzw. Männerbild: Es ist ein Männerbild, dass von der Freundlichkeit des physisch Stärkeren geprägt ist, von Ritterlichkeit und von der Möglichkeit zu partnerschaftlichem Gleichklang, der erst durch Freiheit und Freiwilligkeit seinen schönen Ton entfaltet. Mein Männerbild ist Poesie, Ihres nicht mal Prosa. In Gesellschaften, in denen Frauen vereinbarungsgemäß übergeben werden, oft nicht frei gewählt wird, sondern aus wirtschaftlichen oder verwandtschaftlichen Gründen geheiratet wird, ist diese so wunderbar menschliche Möglichkeit meist versperrt. Sie wissen gar nicht, was Ihnen an menschlichen Möglichkeiten entgeht. Sie tun mir leid.

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  3. Es ist erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie die Täter in Schutz nehmen und die Opfer sanktionieren möchten.
    Sie verkennen aber einiges in Ihrer Sicht Ihrer durch die Religion gebastelte „Realität“, vorallem indem Sie den Islam als „Lösung“ des Problemes sehen.
    Die ganzen Sanktionsmaßnahmen gegen Frauen in islamischen Gesellschaften (Verhüllen, Wegsperren, Entmündigen, Schlagen [aber nur ohne blaue Flecken zu hinterlassen, wie edelmütig….], alle diese Sanktionen gegen potentielle Opfer schützen diese jedoch nicht gegen die Männer im Allgemeinen, sondern gegen muslimische Männer im Speziellen. Gegen Männer aus westlichen Gesellschaften muss die Frau im Allgemeinen nämlich nicht geschützt werden, weil dieses Problem nicht ein Problem aller Männer auf der Welt ist, sondern ein selbstgemachtes Problem rückständiger Lebensordnung, wie z.B. dem Islam.
    In westlichen Gesellschaften ist die Vergewaltigung ein Ausnahme. In der z.B. muslimischen Lebensordnungen ist die Vergewaltigung scheinbar aber die Regel, denn so lässt sich die Sanktion gegen ausgerechnet das Opfer interpretieren (oder warum werden im Fall einer vollzogenen Vergewaltigung die Opfer auch härter bestraft, als die Täter?).
    Eines Zeigt sich ganz gewiss, Die islamische Lebensordnung ist nicht die Lösung für das Problem. Sie ist die Ursache.

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