Mahnwache vom 16.01.2016

Von 14-16 Uhr vor dem „Brockhausbrunnen“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für umsichtigen Schutz.

Eine Mädchengruppe, bestehend aus mehreren westlich gekleideten Muslima und einer angeblich atheistischen Freundin, regte sich über mein Plakat auf. Es stand drauf u.a.: „Mahnwache gegen die Strassenradikalisierung, 80 % der geworbenen Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien“. Auch der Hinweis, dass ich dort stünde, weil die muslimischen Gemeinden Frankfurts es seit über 4 Jahren nicht schaffen, etwas zu organisieren, half nicht. Alleine die Benennung dieses Problems wird von nicht wenigen muslimischen Passanten als „rassistisch“ bezeichnet. Dass junge Männer angeworben werden, wird immer als „deren Problem“ bezeichnet. Man sieht also für sich selber keine Handlungsnotwendigkeit dieser Gruppierung gegenüber. Nur wenn ein „Aussenstehender“ das anmahnt und kritisiert, sogar IM Interesse dieser betroffenen muslimischen Familien, geht was. Nämlich die Zurückweisung dieses Ansatzes. Es soll nicht kritisiert werden. Diesen muslimischen Passanten sind also die Jugendlichen herzlich egal, sie fühlen sich aber handlungsgefordert, wenn es angeblich gegen ihre Glauben geht. Deutlicher kann man wohl kaum aufzeigen, dass die Ideologie um jeden Preis beschützt werden muss. Menschen sind da nicht wenigen egal. Die Spaltung: Alles Gute kommt vom Islam, alles Schlechte vom Menschen oder dem Shaytan, bewirkt bei einigen eine tief sitzende und wortwörtliche Asozialität, die kaum aufzubrechen ist. Schlechte Handlungen werden individualisiert, gute sozialisiert (das ist bei anderen Ideologien aber nicht anders). Das kann man daran sehen, dass, sofern eine muslimische Gruppe etwas Gutes tut, keine Diskussionen kommen, dass es den Islam nicht gebe. Das Kollektiv erzieht Mitläufer.

Die bei weitem dümmste – man muss es leider so klar sagen – o.g. junger Frauen war die Atheistin. In Ihrem vermeintlich antirassistischen Furor schleuderte sie mir entgegen „die machen wenigstens noch Kinder!“. Ob diese junge Frau jemals auf das besorgniserregende Wachstum der Weltbevölkerung geschaut hat oder überhaupt irgendetwas im Kontext betrachten kann, blieb offen, denn ich war sprachlos ob des Klischees. Der Schuldienst wäre in Hessen dann wohl nichts für sie.

Ein älterer Bürger keifte mich an, ich solle das Plakat herunternehmen. Er verstand offenkundig nicht das Mindeste, wollte sich aber auch nicht erklären lassen und fiel ständig völlig aufgebracht und böse ins Wort. Er sagte sinngemäß, er wünsche sich, dass ich Kinder haben möge, die nicht so werden wie ich, nämlich eine Rassistin. Er meinte, mein Plakat verstanden zu haben (er hatte deutlich anderes assoziiert, verstand die Sache mit dem Islamismus nicht), und wolle nun kontrollieren, wie die anderen Passanten das verstünden. Er stand noch eine zeitlang böse blickend neben der Aktion.

Mehrere Passanten machten Mut oder bedankten sich. Eine Geschäftsfrau, ansässig in einer der direkten Seitenstrassen der Zeil kam vorbei. Sie erzählte, sie kenne meine fb-Seite, unterstütze auch die Inhalte, traue sich aber nicht, die Beiträge zu liken – wegen der muslimischen Kunden. Etwas in der Art kommt häufiger von Personen, die Kundenkontakt haben. Sie laufen an der Mahnwache vorbei, erzählen, dass sie das EIGENTLICH unterstützen würden, aber sie leider nicht stehen bleiben könnten, weil sie befürchten, von Kollegen oder Kunden gesehen zu werden. Von Kollegen befürchten sie den Rassismusvorwurf, von Kunden die Ablehnung. Wenn schon etwas so Harmloses wie meine fb-Seite solche Ängste weckt und so etwas Demokratisches wie die Mahnwache – dann ist das keine diffuse Angst mehr, sondern vorauseilender Gehorsam. Das Dauerfeuer aus angemahnten Befindlichkeitsstörungen hat Spuren hinterlassen (zu Recht benannter Rassismus, den es natürlich in erheblichem Ausmaß gibt, außen vor gelassen. Der ist natürlich abzulehnen, aber die Abgrenzung trauen die Menschen weder den anderen Personen ihres Umfeldes noch Muslimen zu). Mazyek wirkt.

Eine ältere Frau ereiferte sich, verstand offenkundig gar nicht und wollte nur, dass ich mein Plakat runternehme. Sie lamentierte laut aus der dritten Reihe vor mir, wollte sich auch nichts erklären lassen bzw. hatte gar keine Lust zu diskutieren, sondern beklagte lauthals das Misssverstandene. Sie sei Jüdin sagte sie und dass sie „so etwas noch mal erleben müsse“. Sie ging dann unter weiteren Verwünschungen wie „da fehle nur noch das Hakenkreuz“ etc. Es ist bizarr, welche Emotionen geweckt werden, die dann das Weiterlesen oder Zuhören anscheinend unmöglich machen bzw. blockieren. Ich kam gar nicht so weit, zu erklären, dass man sich in der jüdischen Gemeinde erhebliche Sorgen wegen des wachsenden Antisemitismus mache gerade von Islamistenseite. Die alte Dame hätte – wie einige andere jüd. Mitstreiter, die gelegentlich vorbei schauen – sicher dann die „richtige“ Seite gewählt, nämlich die, die klar Antisemitismus anmahnt, egal von wem. Schade, dass diese jüd. Mitstreiter gestern nicht da waren, ich hätte gerne an sie verwiesen.

Ein junger Ahmadi aus Baden-Würtemberg, neu in Frankfurt, fand die Aktion gut und wichtig.

Bei einer Mitstreiterin entspann sich eine Diskussion über den Begriff Salafismus. Vor einer Gruppe Passanten versuchte ein junger Mann – selber Muslim – zu argumentieren und räumte ein, dass die Salafisten Probleme verursachten. Das blieb einem wohl marokkanischstämmigen Aktivisten aus der Unterstützergruppe von LIES nicht verborgen. Er versuchte lautstark, den jungen Mann seinerseits anzugehen: Wie er denn dazu käme, einer Ungläubigen beizupflichten? Den Begriff Salafist gäbe es, so wie er üblicherweise benutzt wird, nicht (was an sich korrekt ist, bzw.der Begriff hat sich so eingebürgert) und er sei selber Salafist. Als ich zu ihm rüberrief, das sein ja nun wirklich bekannt, hielt er einen Moment inne, fuhr dann aber fort, den jungen Mann vor den zuhörenden Passanten zu „bearbeiten“.

Bis auf wenige Einzelne waren die Akhis gestern wieder nicht vor Ort. Auch die weibliche Unterstützerriege fehlte.

Die letzte Aktion war wohl am 2. Januar:

 

Einige bizarre Vorstellungen zum Korantext waren gestern zu vernehmen:

Ein Passant meinte, der von LIES verteilte Koran sei verfälscht, verändert. Obwohl das durch manche Medien verbreitet wird, stimmt das nicht. Der von LIES verteilte Koran ist eine ganz übliche und durchaus passable Übersetzung Es ist die von ibn Rassoul, die einen guten Ruf genießt. Weitere Passanten (mehrere westlich“ gekleidete junge Frauen), waren fest davon überzeugt, als Muslime per se im Besitz von Wissen zu sein. Sie konnten nichts zum Korantext selber sagen, wußten nicht mal die Anzahl der Suren und wollten einfach die Meinungsäußerung unterbinden. Eine Gruppe halbwüchsiger Jungen versuchte die gleiche Masche und fragte nach, ob ich den Koran denn schon mal gelesen hätte. Auf meine Frage, über welche meiner Übersetzungen wir denn reden wollten, fragte ein junger Mann nach der Farbe des Buches. Ich sagte mal „mein Koran von Ünal ist gelb“ (ich hab das englischsprachige Paperback). Ich hatte die Frage nicht verstanden bzw. konnte mir auf diese Frage nach der Farbe des Buches keinen Reim machen. Dies klärte sich jedoch umgehend. Triumphierend meinte der junge Mann: „Dann kann es kein Koran sein, den gibt es nur in rot oder grün!“ Zwei der Auflagen von Nagie haben diese Farben, das stimmt (und in blau und weiß). Ich habe ihm dann mal zum Drittbuch geraten, es müsse auch nicht unbedingt ein Koran sein, es gäbe da sicher weiteren Bedarf.