Der Stoff, aus dem die Übergriffe sind

In der Kölner Silvesternacht war der bislang schlimmste Exzess in Deutschland, in dem die Sicherheit und die Kontrolle des öffentlichen Raumes aufgegeben wurden. Viele weitere Vorfälle an anderen Orten erfolgten nach einem ähnlichen Schema. Es wurden nicht nur Frauen missachtet, sondern auch auf die Anweisungen der Ordnungshüter nicht das Mindeste gegeben. Die Polizei hätte die Ordnung wohl wiederherstellen können, auch in der Mannschaftsstärke vor Ort – hätte dann aber wahrscheinlich von der Dienstwaffe Gebrauch machen müssen. Das wollte man um jeden Preis vermeiden, auch um den Preis, den eigentlichen Auftrag nicht mehr ausüben zu können und Opfer ohne Hilfe zu lassen. Das ist nicht nur ein verheerendes Zeichen in die Zivilgesellschaft, sondern auch in die Polizei hinein.

Diese Entwicklung hat einen Boden, auf dem das gedeihen kann. Eine Politik, die häufig lieber die Blaupause poliert als sich den Realitäten zu stellen. Eine Verwaltung, die das hinnimmt und – man ist in Hierarchien eingebunden – Befehle befolgt, auch wenn sie dem eigentlichen Auftrag etwas zuwiderlaufen. Eine Presse, die teils falsch informiert wurde, teils auch ein wenig die Blaupause schöner und relevanter fand als die Wirklichkeit. Und auch Gruppen, die diese Gemengelage ausnutzten, weil man ihnen seit Jahren zu viele Spielräume lässt. Das fängt an bei den als „Nafri“ bezeichneten Tätergruppen und hört nicht auf bei den radikalen Moscheegemeinden, in denen Frauenbild und Gegengesellschaft vorgegeben und Abwertung und Verachtung für die Mehrheitsgesellschaft und ihre schwächsten, die Frauen, aber auch vermeintlich stärksten, die Ordnungshüter, Repräsentanten propagiert wird. Das hat weniger mit (syrischen) Flüchtlingen oder anderen, die aus akuter kriegsbedingter Not fliehen, zu tun als mit der unkontrollierten Einwanderung aus anderen Gründen als dem temporärem Unterschlupf. Personen, viele von ihnen sind schon länger hier, bilden Gegengesellschaften und die Zuwanderung erfolgt gegenwärtig besonders intensiv in diese Gegengesellschaften. Das hat verschiedene Gründe.

Eine Problemzone sind da auch manche Moscheen. Wenn noch kein Arbeitsplatz in Sicht ist oder zumindest kein legaler, wenn die Wohnsituation prekär ist und die Anbindung auch sonst schwach, trifft man sich auch in der Moschee. Oder auf der Strasse. In etlichen Moscheen wird dem Zuhörer ein einfacher Opferdiskurs angeboten: Der Westen ist schuld an allem. An Arbeitslosigkeit und mangelnden Aussichten in der arabischen Welt und einigen anderen Staaten für viele junge Menschen. Die Bevölkerungsexplosion kommt nicht einmal als Randnotiz vor. Der Westen bereichere sich am Herkunftsland oder gleich allen Muslimen. Unter den Tisch fällt auch geflissentlich, dass diejenigen, die mit dem Westen Geschäfte machten, es seit Jahrzehnten meist versäumten, in das zu investieren, was „den Westen“ so groß gemacht hat: Breitenbildung und zwar nicht nur religiöse, Rückführung der Geburtenraten, insbesondere auch Frauenbildung. Eine moderne Gesellschaft braucht Breitenbildung und eine Demokratie braucht Bürger. Man war aber in der Oberschicht breit eher an lenkbaren Untertanen interessiert und so wurde vor allem die Kunst der spirituell legitimierten Unterwerfung unter die Machtinteressen Einzelner oder von Clans gelehrt (s. Moscheen Projekt Saudi Arabiens).

Exemplarisch sei die Kölner Tauhid-Moschee aufgezeigt, weil sich der aktuelle Imam einem russischen Sender gegenüber einließ, wonach die Opfer selber schuld seien.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtete bereits 2004 über eine Razzia in der Einrichtung:

http://www.ksta.de/koeln/terrororganisation-in-kalk-,15187530,14037302.html

Im mittlerweile geschlossenen, aber jahrelang frequentierten Ahlu-Sunna-Forum, einem salafitischen Forum, diskutierte man im Jahr 2008 so über diese Moschee:

http://www.ahlu-sunnah.com/threads/19439-Tauhid-Moschee-in-K%C3%B6ln-Kalk.Ist-die-Mos.-gut-oder-schlecht

Die Einrichtung wurde von den dortigen Schreibern für akzeptabel gehalten, was aussagekräftig ist.

Das aktuelle Statement:

http://ren.tv/novosti/2016-01-17/imam-mecheti-v-kyolne-poyasnil-chto-bezhency-nasiluyut-nemok-iz-za-ih-priyatnogo

Männer, die sozial depraviert und von der Mehrheitsgesellschaft isoliert sind, werden sich gerne dieses Bild zu Eigen machen, selbst wenn sie es noch nicht haben. Spätestens, wenn sie auch hier im „goldenen Westen“ scheitern und nicht die erhofften Erfolgsmeldung (und Geldzahlung) an die zurückgebliebene Familie leisten können, auch wenn sie ihre oder eine Frau nicht nachholen können. Dass es vielen um die Unterstützung der Familie geht, sie also ausgesandt wurden, wird aus diesem Bericht deutlich:

http://www.welt.de/wirtschaft/article150851980/Fluechtlinge-ziehen-Hilfsarbeit-der-Ausbildung-vor.html

Die Aussichten eines Hilfsarbeiters selbst auf dem „freien Beziehungsmarkt“ sind – so sind Frauen häufig strukturiert – sehr eingeschränkt. Die Aussichten eines Taschendiebs dürften noch geringer sein und meist allenfalls durch Täuschung zu gestalten.

 

ASYLUM SEEKERS WALKING ALONG A RAILWAY LINE IN CALAIS. The mayor of Calais has admitted that another asylum centre is to be built.

Asylbewerber in Calais

Es wäre also ein fruchtbarer Boden, auf den solche Opferdiskurse und Schuldzuweisungen fielen. Man holt sich – wenn man kann und in der Gruppe kann man vieles – nur, was eigentlich zusteht. Sei es das fremde Eigentum, das man auf dem Rücken der „eigenen“ Gruppe erwirtschaftet imaginiert, sei es die zufällig „zur Verfügung stehende“ Frau. Wenn solche Frauenbilder breiter auch noch verfestigt werden, steht der öffentliche Raum für Frauen in einigen Bereichen in den Ballungsgebieten zur Disposition. Die der Mehrheitsgesellschaft wird es dann nicht mehr sein, deshalb muss jetzt mit aller Vehemenz gegengesteuert werden. Die Prognose ist da leider nicht sehr gut, denn die offerierte Alternative ist weder Erfolgsgarantie noch mit narzistischem Gewinn verknüpft. Aufwendig ist sie zudem. Ministerinnen denken jetzt schon laut über Gastfamilien nach. Ob das in der Breite möglich ist, gewollt wird und auch Erfolge zeitigt, ist fraglich. Man kann es versuchen, wird aber alleine an der schieren Masse Probleme haben.

Sollten diese Bilder in vielen Moscheen gelehrt werden und sollten diese Männer breiter den Weg dorthin finden, wird es sehr, sehr schwierig. Denn man hat kaum Aufstieg durch Leistung anzubieten, das wurde schon für die residierende Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr entkoppelt. Selbst Akademiker arbeiten heute häufig fachfremd, weil sie nicht zur rechten Zeit am rechten Ort waren oder den Arbeitgebern schlicht wegen Alters zu teuer wurden. Bildung erhöht die Wahrscheinlichkeit, sein Auskommen zu haben; eine Garantie ist das nicht mehr.

Das soziale Experiment, dessen Teil wir alle gegenwärtig sind, hat also keine all zu guten Aussichten. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern lediglich auch keine Schönfärbung. Leidtragende sind auch die jungen Männer, die mit falschen Hoffnungen kamen, sie sind auch Opfer ihrer jeweiligen Gesellschaften. Es ist zu hoffen, dass sich die Mehrheit einbindet oder selber erkennt, dass sie, wenn sie hiesige Werte nicht anerkennen oder Freiheit ihnen doch nicht gefällt, seltsam örtlich und zeitlich disloziert sind und sie besser ihre eigenen Gesellschaften ändern und aufbauen müssen. Dass sie vor Ort Bildung einfordern müssen und Arbeitsplätze. Fordern ist hierzulande zwar einfacher und – zugegeben ungefährlicher – als im Herkunftsland (und man kann jeden persönlich verstehen, der es einfacher haben möchte). Das hat man auch schon mitbekommen. Ein Hungerstreik interessiert in Marokko z.B. wahrscheinlich weniger:

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Hungerstreik-Fluechtlinge-wollen-nicht-umziehen;art675,1808047

Nichtsdestotrotz kann Deutschland nur begrenzt Hilfe leisten. Die eigene Pflicht gilt natürlich nicht für Kriegsgebiete, sondern in den Ländern, die zu sicheren erklärt werden sollen die Tage.

Was passiert, wenn dem nicht nachgegeben wird, wird man abwarten müssen. Der Weg der sachten Erpressung der Gastgeber ist nicht wirklich geeignet, die Lage zu beruhigen (auch wenn sich etliche Flüchtlinge durch Demos etc. wirklich Mühe geben). Es wird notwendig sein, im Herkunftsland Wege für die gesellschaftliche Umgestaltung zu finden und auch dort zu helfen.

Das alles vermindert nicht die persönliche Schuld, wenn sie angehäuft wurde. Das entschuldigt keinerlei Aggression. Aber es macht vielleicht verständlich, wie fragil das ist und wie sehr diese Männer nun Ziel von Einflüsterungen werden können. Die Zutaten für weitere öffentliche Eskalationen sind bereits vorhanden. Man kann nur hoffen, dass das so friedlich wie möglich bleibt und wir wenigstens das schaffen..

2 Gedanken zu „Der Stoff, aus dem die Übergriffe sind

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