Mahnwache vom 23.01.2016

Von 14-16 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für die Betreuung.

Noch vor Beginn, ich hatte gerade die Ausrüstung abgestellt, trat ein etwa 15 jähriges Mädchen heran und fragte, ob ich sie wiedererkenne. Mir kam ihr Gesicht bekannt vor und so bejahte ich. Sie erzählte, sie sei die Woche zuvor da gewesen. Sie hätte sich doch sehr daneben benommen. Sie sei extra gekommen, um sich bei mir zu entschuldigen. Überrascht und erfreut – so etwas habe ich bislang nicht erlebt – nahm ich an. Sie wollte noch einmal darüber reden, warum wir das machen würden. Die Vorgänge u.a. vor dem „My Zeil“ nannte ich als Symptom eines politischen Islam und ganz konkret aus dem Umfeld heraus die Strassenradikalisierung als Anlass der Aktion. Ich erläuterte weiterhin, dass wir es als Gesellschaft besser bewerkstelligen müssten, über das Problem der zunehmenden Fanatisierung und Rückbesinnung auf Religion als weltanschauliche Norm offen, frei und so menschenfreundlich wie möglich zu reden. Dass der Anstoß dieses Gesprächs IN der Gesellschaft, das so anders ist als die meisten Dialogveranstaltungen, bei denen sich die verschiedenen Interessenvertreter treffen, wichtig ist, um der Spaltung, wie sie Islamisten so gerne für sich nutzen wollen, entgegenzuwirken. Sie verstand weitgehend und ging dann auch noch zu einer Mitstreiterin, um sich bei ihr ebenfalls zu entschuldigen. Sie blieb noch eine zeitlang nachdenklich am Rande stehen und verfolgte den diesmaligen Ablauf weiter.

DSC_0007

 

Eine Gruppe Jungen trat hinzu, vielleicht 7 bis 14 jährig. Der Kleinste, vielleicht 7-8, verkündete etwas in der Art, dass mein Plakat falsch und schlecht sei. Ich fragte nach, wo denn seine Eltern seien, er sei doch sicher erst 8 und dann alleine auf der Zeil? Ein anderer Junge, vielleicht 11 und vielleicht der ältere Bruder, flankierte, der Kleine sei schon 12. Das war deutlich gelogen. Ich meinte also, er selber sei ja doch für einen 12 jährigen recht klein, auch er sei noch nicht 12. Er verkündete dann 13 zu sein und der Kleinere 12. Ich hab dann mal gesagt, ok, dann lassen wir das mal von der Polizei feststellen, wie alt ihr seid, die wird das schon rauskriegen. Blitzschnell wieselten der Kleine und sein Kumpan weg, die etwa 14 jährigen restliche Jungen blieben und wollten weiter über diese Nebensächlichkeit debattieren. Flankiert wurden sie nun von zwei jungen Frauen, die ebenfalls monierten, ich könne es doch nicht wissen, wie alt er sei, wie ich so etwas behaupten könne… Meine Gegenfrage, ob sie es gut fänden, wenn derart kleine Jungs sich selbst überlassen herumstreunerten anstatt bei der Kälte zu Hause zu sitzen, zu lernen, zu lesen oder im Sportverein zu sein, anstatt Erwachsene bei Dingen, die sie noch gar nicht verstehen, dumm anzureden, blieb unbeantwortet. Ich wünschte dann noch einen schönen Tag. Man sieht, dass sich diese Gruppen, teils verabredet, teils lose beim Herumlaufen auch auf der Zeil einfach finden bei Anlass.

Eine junge Frau erkundigte sich. Sie wunderte sich. Eigentlich müssten doch viel mehr Menschen dabei stehen, meinte sie. Ich erläuterte, dass einige der mitmachenden Männer von Salafisten fotografiert und gefilmt worden seien und auf deren Internetseite „ausgestellt“ worden. Das sei ihnen zu offensiv geworden, sie seien fortan fern geblieben, da sie Übergriffe befürchteten. Deswegen seien wir meist mehrere Frauen und einige Männer, die sich aber nicht mit Plakaten exponieren, sondern im Umfeld agieren und Gesprächszirkel anstoßen.

Ein Vater mit Sohn, autochthon, der Sohn vielleicht 15, fragte nach der Prozentangabe auf einem der Plakate („80% der geworbenen Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien“). Optisch – er hatte auch eine Profi-Kamera wie mir schien dabei – dem Kunstsektor zuzuordnen, verstand er dies nicht und beharrte auch nach Erläuterung darauf, dass es schwer erfassbar sei. Dieses Plakat ist seit etlichen Wochen in Benutzung; ein solches Missverständnis war neu und ich sagte dies auch. Vater und Sohn verzogen etwas die Mienen. Wir konnten uns dann aber darauf einigen, dass sie da eine Mindermeinung vertreten.

Mehrere Passanten bedankten sich und machten Mut, wollten sich aber nicht hinzugesellen. Ein Passant raunte zu, ich solle nicht glauben, dass nicht recht viele hinter mir stünden; man traue sich nur nicht. Nun ja. Andere blieben da und diskutierten – wenn auch ohne ein Plakat zu nehmen (ich habe immer mehr Plakate dabei, Passanten können sich etwas, das ihnen gefällt und das sie vertreten können, nehmen). Einige nur des Englischen mächtige Passanten – einer davon aus Kanada – ließen sich die Aktion erklären. Sie teilten mehrheitlich den Ansatz und sahen ebenfalls die Notwendigkeit. Der Kanadier fragte sich, warum die Deutschen solche Probleme hätten, diese Schwierigkeiten gesellschaftlich zu diskutieren. Man habe doch Meinungsfreiheit… Eine begründete Meinung erfordere bei komplexen Themen aber Beschäftigung und Zeit, die sich die meisten nicht nehmen würden, erläuterte ich. Und so werde mit positiven und negativen Vorurteilen agiert. Personen, die unschlüssig seien, weil sie merkten, dass Teile der jeweiligen Vorurteile einer näheren Ansicht nicht standhielten, sagten eher gar nichts mehr, weil sie nicht wüßten, wie ihr Umfeld reagiere. Es gehe also nicht nur um Fakten, sondern auch um die Wahrnehmung der eigenen Person als gut oder schlecht im jeweiligen sozialen Umfeld. So ganz nüchtern seien da wenige, zumal auch die nüchterne und realitätsnahe Sicht schon von beiden Seiten attackiert werde: Es ist einfacher, die missliebige Gegenmeinung zu diskreditieren und die Person gleich mit, anstatt sich wirklich schlau zu machen. Er blieb etwas ratlos zurück. Mir schien, er hielt nun seinerseits die Deutschen für arg kompliziert und überspannt.

Eine Frau mit 4 Kindern, „westlich“ gekleidet, lief entschlossen auf mich zu. Sie rief „alles zu spät, alles zu spät“. Irritiert fragte ich nach, was sie meine. Mit Geste auf ihre 4 Kinder meinte sie, dass man „uns“ durch Bevölkerungsmehrheit überwältigen werde. Es ist immer wieder befremdlich, wenn man von muslimischen Migranten, die äußerlich integriert erscheinen, solche „Sarrazin-Argumente“ hört. Das macht wirklich sprachlos.

Ein Junge aus der Unterstützerszene – wir kennen uns – versuchte zu provozieren, indem er vor seinen mitgebrachten Kumpels ständig behauptete, er habe „mich schon x-mal fertig gemacht“. Er und seine Kumpels verloren den Spaß als ich meinte, nö, stimmt nicht und ansonsten ruhig blieb. Ein anderer Junge, vielleicht aus Eritrea stammend und so 13 Jahre alt, rempelte mich immer wieder sachte an. Noch nicht so, dass man die Polizei rufen musste, aber deutlich.

Ein älterer Mann ließ sich ebenfalls alles in Englisch erläutern. Anscheinend Muslim – er schien zu verstehen, was beabsichtigt war, schien es aber nicht zu teilen – fragte er mich vor einer Gruppe nach der Erläuterung plötzlich auf deutsch, ob ich verheiratet sei und Kinder hätte. Irritiert meinte ich, das täte ja hier nun gar nichts zur Sache. Ich sei hübsch und man könne ja mal fragen, meinte er. Ich nahm dann mal 3 Armlängen Abstand zur Gruppe. Schon irritierend, dass erstens auch so versucht wird, zu irritieren und zweitens Frauen, die sich politisch exponieren, so gesehen werden.

Die Unterstützerszene war nicht relevant vertreten, auch die weibliche. Am Tag zuvor war LIES mit 4 Mann inkl. Bilal Gümüs vor Ort gewesen.

Ein junger Mann, nach eigenen Angaben Student, fragte, woher ich die Zahlenangabe habe. Er schien autochthon und eher ideologisch der Antifa zuzuordnen, setzte auch auf seine Körperlänge von 1,95 m indem er nahe trat. Ich gab ihm die Quelle bekannt und führte etwas aus. Er zückte das Handy meinte, das nachprüfen zu wollen. Ich verwies darauf, dass die Untersuchung etwa 50 Seiten habe, er könne meine Angaben darin finden. Ach, meinte er, er sei Student, er könne das in den verbleibenden 10 Minuten schon lesen. Ich bezweifelte das. Er schien weniger an dem Thema interessiert sondern eher darin, mir oberflächlich einen Fehler nachweisen zu können, den er dann auszuschlachten gedachte. Als er den Titel der Untersuchung mehrfach nicht verstand, konnte ich mir nicht verkneifen anzumerken, dass er als Student das mit dem Zuhören aber noch üben müssen, wenn er vielleicht auch sehr schnell lesen könne. Schnell lesen hieße auch noch nicht, etwas zu durchdringen. Wir verblieben so, dass er das bis nächste Woche liest. Man wird sehen.

Ein Gedanke zu „Mahnwache vom 23.01.2016

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.