Studentennetzwerke

Der gestern erwähnte Promotionsstudent aus Darmstadt wurde gestern abend festgesetzt und verhaftet. Der konkrete Vorhalt ist nach hr-info der Verstoß gegen das Vereinsgesetz, da der sogenannte Islamische Staat in Deutschland verboten ist. Beweismittel wie Festplatten wurden sichergestellt. Die Verhaftung lässt jedoch auf notwendige Eile bei der Festsetzung des Beschuldigten schließen bzw. auf die Möglichkeit, dass Beweismittel vernichtet werden:

http://metropolnews.info/mpn136146/darmstadt/wissen-trendssicherheit-praevention/mutmasslicher-islamist-an-der-tu-darmstadt

Er residierte seit 2007 an der Uni Darmstadt, seit 2011 trotz Wegfalls eines üppigen Stipendiums:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/syrische-studenten-fuer-jedes-lebenszeichen-dankbar-11878359.html

Malik Fandi ist ein Fall von vielen. Meist ist über die Jahre eine Vernetzung an der Uni mit Gleichgesinnten sichtbar und auch zu anderen Akademiker-Netzwerken in anderen deutschen Städten besteht Kontakt. Man muss klar sagen: Solche Zirkel stehen erst einmal nicht unter dem Generalverdacht terroristischer Vorplanung. Orte, an denen die „westlichen Werte“ abgelehnt werden, sind sie trotzdem und aus ihnen kann mehr werden, wenn sich die Mitglieder gegenseitig radikalisieren. Einige solcher Planungs-Netzwerke schienen schon in der Vergangenheit auf. Spätestens seit 2001 sind sie mit den Hamburger Tätern von 9/11 in Deutschland auch nachweisbar. Trotzdem wurde in der Betrachtung und Darstellung terroristischer Umtriebe bzw. der Prävention zu lange der Aspekt in den Vordergrund gestellt, Täter und radikalisierte Mitläufer entstammten vornehmlich der bildungsfernen Unterschicht. Das ist nachweislich falsch und unzureichend und beruht auf dem Mißverständnis, bei hinreichend Bildungschancen würden die Vorzüge der freien demokratischen Gesellschaft erkannt. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass alles, was verstanden wird, auch angenommen und unterstützt würde. Mit Aufklärung erreicht man nur einen Teil der Risikogruppe. Totalitarismus ist kein Verständnisproblem, sondern meist die aktive Abkehr und politische Gegenhaltung. Wer die politische Dimension des Islams verkennt, die radikale Version als Jugendkultur oder Protestbewegung sozial Unterdrückter verharmlost, übersieht die ideologische Speerspitze. Diese sieht und suggeriert, trägt das auch so in die Gesellschaft, dass der Islam und Muslime so lange unterdrückt seien, bis der Islam herrsche in einem Gebiet. Die Gegenwehr gegen angebliche Unterdrückung oder tatsächliche Diskriminierung wird also nicht so definiert, dass sie ende, wenn gleiche Rechte bestünden. Die selbstempfundene Unterdrückung wird erst dann für beendet erklärt, wenn die islamischen Regeln durchgesetzt sind. Das ist ein völlig anderes Ziel als allgemein und zu häufig noch angenommen und erklärt zwanglos die extreme Forderungshaltung fundamentalistischer Muslime.

 

 

Auch in Deutschland wurden schon Teile solcher ideologischen Verbindungen nicht nur aufgedeckt, sondern einige Mitglieder wegen konkreter Taten auch verurteilt.

Der aktuell vor dem OLG Frankfurt angeklagte Halil Ibrahim Durmus bildete mit einem weiteren Studenten, dem bereits 2012 verurteilten Adnan V., den Kern einer solchen Gruppe an der Uni Frankfurt unter naturwissenschaftlichen Studenten. V. hat die Strafe mittlerweile abgebüßt. Trotz erheblicher Zweifel an der Umkehr findet er ja vielleicht den Rückweg in das normale Leben. Er fällt aktuell nicht auf.

Dass dieser Rückweg gelingen kann, zeigt der Fall des hier blogbekannten Aussteigers Michael B. (geänderter Name):

„Alles begann Anfang des Jahrzehnts in einer Hochschule in Westfalen. Michael hatte sein Studium gerade begonnen und genoss die vielen neuen Eindrücke, die an der Uni auf ihn einwirkten. „Alles war spannend. Ich liebte mein Fach und genoss es, mit so vielenunterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen.“ Die Jahre, in denen er in schwierigen persönlichen Verhältnissen in einer Kleinstadt aufgewachsen war, lagen hinter ihm. Alles war wie ein großes spannendes, intellektuelles Abenteuer. Michael war neugierig, wollte mit seinen Kommilitonen ins Gespräch kommen. „Irgendwann lernte ich in der Cafeteria eine Gruppe Muslime kennen. Einige waren Deutsche, andere hatten einen türkischen oder arabischen Hintergrund. Ich war gespannt darauf, mich endlich einmal mit Muslimen über den Islam unterhalten zu können und nicht mehr auf Wissen aus dritter Hand angewiesen zu sein.“

Was Michael damals nicht ahnte: Die Gruppe, zu der er Kontakt aufnahm, waren nicht irgendwelche Kommilitonen muslimischen Glaubens, sondern radikale Salafisten mit dem Willen zur Missionierung.“

http://www.ruhrbarone.de/salafisten-aussteiger-nur-maertyrer-kommen-sicher-ins-paradies/112469

So beginnt es häufiger. Bekanntschafft, persönlicher Kontakt, Hineinziehen wie in eine Sekte. An der FH Frankfurt soll sich nach Informationen dieses blogs ebenfalls vor einiger Zeit eine Studentengruppe gebildet haben. Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Fälle, z.B. in Berlin.

Zu den Koranverteilern auf der Strasse bestehen oftmals keine nachweislichen Kontakte. Man trifft sich allenfalls auf höherer Ebene. Auch von Malik Fandi sind mir keine solchen Kontakte in die übliche Darmstädter Szene bekannt.

http://hessenschau.de/gesellschaft/islamistischer-doktorand-in-darmstadt-festgenommen-,islamist-102.html

Was im Gespräch mit radikalisierten Studenten deutlich auffällt: Es wird eine Art doppelter Buchführung betrieben. Inhalte werden nach guter oder schlechter Quelle hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit vorsortiert. Nichtmuslimische Quellen, womit die üblichen Medien und Fachbücher wegfallen, aber auch die wichtigen Aufklärungsmaterialien z.B. der bpb, werden pauschal abgelehnt, auch wenn man die Inhalte wahrnimmt oder sogar lernt. Auch Personen, die hier die Schule durchlaufen haben und studieren, können z.B. felsenfest der Meinung sein, von Adam und Eva abzustammen wie im Koran beschrieben. So behauptet von einem Architekturstudenten in Frankfurt im Jahre 2015. Wie bei Malik Fandy wird ab diesem Punkt der Ideologisierung keine eigene Wertung mehr vorgenommen, deutlich aufscheinend im gestrigen HR-Interview. Alle Regeln der Religion werden als gut definiert, weil die Religion gut ist. Und mögen sie noch so menschenverachtend sein, es ist dem eigenen Urteil entzogen, weil das angeblich göttliche Urteil schon gefallen ist. Keine Reflexion, keine Wertung, keine Reue. Nur mit Glück und der Rückführung zur Empathie kann die Rückholung in die Gesellschaft gelingen. Der Verstand alleine ist es nicht.

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4 Gedanken zu “Studentennetzwerke

  1. „lle Regeln der Religion werden als gut definiert, weil die Religion gut ist.“

    Nein, Liebes, du kapierst einfach nicht, dass Muslime 100% von Allah, dem Allererhabenen, überzeugt sind ! Und natürlich sind all Seine Regeln ohne jeden Zweifel nicht infrage zu stellen. Oder will man sich etwa anmaßen, man wüsste es besser als der allmächtige Gott? Der Erschaffer von Universum und Menschen? Die Regeln in der Lebensordnung des Islam sind nicht nur „gut“, sondern es gibt keine besseren.

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  2. Kann man nur von Glueck sagen, dass konkurrierende Fundamentalismus-Konfessionen ihre wahrheitssuchenden und Erbfeind-maessig verkrachten Ethno-Anhaenge in gigantischen Martyriumskarawanen gegeneinander ins Feld fuehren.

    Als Aussenstehender sollte man beiden Teams, den Wahabo-nawasibs ebenso wie der majus-rafida die Daumen druecken. Und Gott wird bestimmt kein Spielverderber sein und die Loesung einfach aus den Wolken heraus ausposaunen. Das ware ja auch un-eschatologisch.

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