Neue Allianzen, alte Sympathien

Vereinigung der Gruppierungen und Linien zu den Ultranationalisten in der Türkei

Das islamistische Nachrichtenportal „Ummah Islam“, das Al Qaida nahe steht, meldete vor einigen Tagen, dass sich verschiedene Gruppen im syrischen Krieg nun endgültig geeinigt hätten:

Alle Gruppen stimmten diesen Punkten zu und alle Gruppen stimmten einer Vereinigung zu bis auf eine: Ahrar ash Sham. Ahrar ash Sham setzten die Gespräche aus (man vermutet, dass man alles erst einmal intern besprechen möchte) und sie baten Jabhat un Nusra und Sheikh al Jolani, dass jegliche (äusserliche) Bindung ausgesetzt werden müsse, inklusive der zu At-Tandheem Al Qaidatul Jihad. Sheikh al Jolani erklärte daraufhin den Gelehrten und Führern die Beziehung zu Al Qaida und ihre Auswirkungen. Danach stimmten alle Gruppen einer Vereinigung zu bis auf Abu Yahya (dem Amir von Ahrar ash Sham). Ein führendes Mitglied der Shura Ahrar ash Shams Abu Baraa Maaer Shamreen akzeptierte Sheikh al Jolanis Angebot und drängte Sheikh Abu Yahya dazu dieser Einheit zuzustimmen. Alle Führer und Gelehrte dankten Sheikh al Jolani für seine Kompromissbereitschaft und Vorschläge und lobten die Tatsache, dass er bereit ist viel aufzugeben für die Sache der Einheit. Alles, was nun fehlt ist, dass Ahrar ash Sham einen Schritt geht und zustimmt. Dann wird die grösste Vereinigung in Sham eine Realität werden: Jabhat un Nusra,Ahrar ash Sham, Liwa al Haqq, Jaish al Sunna und andere. Eine Jamaa mit einem Amir.

Vereinigung der Mujahid-Gruppen

Diese Vereinigung der Kräfte wird maßgeblich durch den Druck von außen bewirkt. In der nachfolgenden Animation kann man die Gebietsgewinne und -verluste des IS in den letzten 3 Jahren verfolgen:

http://www.clarionproject.org/videos/isis-day-day-see-islamic-states-progress-2013

Der Druck ist erheblich und treibt sowohl die Zivilbevölkerung als auch versprengte Kämpfer vor sich her. Wer nun alles ankommt, ist schwer zu überschauen:

Türk syr Grenze 160206

http://www.liveleak.com/view?i=0ff_1454695258

Die EU scheint noch nicht so recht an einem Strang zu ziehen, ist doch unklar, mit wem z.B. der Herr Delattre verhandeln will und auf welches Ziel hin. Verhandeln kann man nur über vorliegende Forderungen:

„Frankreichs UN-Botschafter François Delattre verurteilte die Offensive des syrischen Regimes. „Man kann von der Opposition nicht erwarten, dass sie mit einer Pistole an der Schläfe verhandelt“, sagte er.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/krieg-gefechte-in-aleppo-humanitaere-katastrophe-an-syrisch-tuerkischer-grenze-befuerchtet-1.2852232

Türkei Syrien BBC Grenze 160206

Türkisch-syrische Grenze Bild: BBC http://www.bbc.com/news/uk-31903043

Derweil scheinen sich von der anderen Seite bislang eher verdeckte Kombattanden zu formieren, die türkischen Ultranationalisten, auch Idealisten oder „Graue Wölfe“ genannt:

http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/02/turkey-syria-grey-wolves-emerge-as-jihadists.html#

Man wird abwarten müssen, ob sich das in der Türkei breiter strukturiert darstellt. Sollte sich das so entwickeln, wird es nicht ohne Einfluß auf die hier lebenden Grauen Wölfe bleiben.

Auch aus Deutschland sind bereits einige Graue Wölfe nach Syrien gegangen:

„Längst sind sie nicht mehr nur in der Türkei organisiert, auch in Deutschland gibt es mindestens 20.000 türkische Ultranationalisten. Getarnt in harmlos klingenden Vereinsstrukturen, unterwandern sie seit Jahren die deutsche Parteipolitik – von der Öffentlichkeit fast unbeobachtet. Um den Nachwuchs kümmern sich Jugendeinrichtungen, die mit Koranunterricht und Kampfausbildung Perspektiven bieten. Sie fördern eine radikale Jugend, bei der Grenzen verschwimmen: So zogen jüngst einige Jungwölfe aus Dinslaken als „Gotteskrieger“ nach Syrien.“

http://webstory.zdf.de/graue-woelfe/

Interessant ist auch, dass die Schätzungen des ZDF und die des Verfassungsschutzes derart auseinander gehen. Die Zahl der Sympathisanten ist erheblich: Etwa 10 % der 480.000 Wahlberechtigten stimmten letztes Jahr für die MGP:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/054/1805466.pdf

Das ist ein relevantes Potenzial, das bei weiterer Rückbesinnung auf fundamentalistische Inhalte auch in der Hinsicht beachtet werden muss, dass IS-Unterstützer oder sogar potentielle Täter hinsichtlich ihrer extremen Ansichten in diesem Umfeld nicht auffallen. Das ist also schon gefährlich ohne dass sich in den Vereinen mehr Personen oder ganze Gruppen klarer radikalisieren. Wenn alle Wölfe grau sind, fällt ein dunkelgrauer wenig auf, sofern man nicht genau hinschaut.

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2 Gedanken zu “Neue Allianzen, alte Sympathien

  1. Interessante Recherche mit sehr interessanten Informationen –
    jedoch teilweise nicht schlüssig, nach meiner Meinung.

    „Diese Vereinigung der Kräfte wird maßgeblich durch den Druck von außen bewirkt.“
    da kann ich noch zustimmen, jedoch wird in der Folge suggeriert, dass der Druck von IS ausgeübt wird. Das ist, seit es die internationale Koaltion zur Bekämpfung des IS gibt, sicher nur zu einem sehr kleinen Teil richtig.
    Der Druck wird vor allem durch zwei Faktoren bewirkt:
    – Vormarsch der syrischen Regierungstruppen samt russischer und iranischer „Hilfs“-Truppen
    – die Aussicht auf Verhandlungen und auf eine politische Lösung.

    Ahrar Sham kann sich anscheinend nicht entscheiden.
    – Sie waren zum Vorbereitungstreffen der syrischen Opposition nach Riad eingeladen, sind aber dort vorzeitig wieder abgereist. Waren sie in Genf dabei? Es könnte sein, dass, um AS für Verhandlungen zu gewinnen, als Chef der Delegation (zeitweise) ein Islamist (M. Alloush) ernannt wurde.
    – Sie sind seit Anfang letzten Jahres mit Jabhat An-Nusra und anderen kleineren islamistischen Gruppen verbündet in der „Armee der Eroberung“, und hatten in dieser Allianz Erfolge erzielt.
    JAN ist der syrische Ableger von AlQaida, Ahrar Sham ist national-syrisch. AS wollen ein islamistisches Regime in Syrien, nicht das islamische Weltreich, wie AlQaida. Ahrar Sham hat, anders als JAN, keine ausländischen Kämpfer aufgenommen.
    Angeblich hat Ahrar Sham, um dem Bündnis beizutreten, von JAN gefordert, sich von AlQaida loszusagen.

    Die neue Allianz ist auf Initiative Jabhat Nusras (Konkurrenz von AS) entstanden.
    Die kleineren Gruppen, in denen es ausländische Kämpfer gibt, haben sich angeschlossen – kein Wunder, für sie bleibt nur der Kampf, in Verhandlungen haben sie keine Chance.
    Auch Ahrar Sham haben in Verhandlungen nur eine sehr geringe Chance –
    das syrische Regime und Russland würden diese Islamisten nur unter Druck akzeptieren –
    aber die Türkei, Saudi-Arabien und Qatar (die islamistische Gruppen wie Ahrar Sham unterstützen) sind wichtige Regionalmächte, die berücksichtigt werden müssen.

    Es zeichnet sich durch die harte Linie der syrischen Regierung und ihrer Verbündeten ein Kampf bis zum Letzten ab, was die Unterstützer der (national-syrisch) islamistischen Opposition, Türkei und Saudi-Arabien, wahrscheinlich nicht geschehen lassen können.
    Dann würde sich der Krieg ausweiten.
    Ein Krieg bis zum Letzten.

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