Kulturelle Sensibilität

Mangelnde Sensibilität im Hessischen Kultusministerium

Die Medien waren in den letzten Monaten voll davon: Der sogenannte Islamische Staat ist in den Nachrichten omnipräsent, weil er die vielfältigsten Gräueltaten vollbringt und sein Vordringen erhebliche Auswirkungen hat. Häufig waren schreckliche Videos und Bilder zu sehen wie dieses, das einen Mörder in Siegerpose zeigt vor seinen „Trophäen“. Auch virtuell wird gekämpft: Im Internet ist eine Propagandaschlacht großen Ausmaßes im Gange.

 

IS Mann Köpfe Finger 160209

 

Immer wieder sieht man dabei auch, dass die Männer den Zeigefinger ausstrecken. Der Zeigefinger ist allerorten, von dem Mördervideo bis hin zur Pose hiesiger Koranverteiler. Das war einmal eine leidlich neutrale Geste. Vor dem IS. Bei „n-tv“ wird von der Einschätzung von Nathaniel Zelinsky, einem renommierten Autor, berichtet, der dieses Symbol so einstuft:

Aber der Autor geht noch weiter: Für IS-Anhänger sei der Fingerzeig noch wesentlich mehr – als salafistische Gotteskrieger verwiesen sie damit auf die fundamentalistische Interpretation des Tauhīd, die alle nicht-fundamentalistische Regime ablehne: „Wenn IS-Milizionäre das Zeichen machen, (…) verweisen sie auf eine Ideologie, zu deren Prinzipien die Zerstörung der westlichen Welt gehört.“ Jeder IS-Kämpfer, der sich dessen bewusst sei, demonstriere damit seine tiefliegende Ablehnung jeglicher Art von Pluralismus.

http://www.n-tv.de/politik/Das-bedeutet-der-Hitlergruss-des-IS-article13762256.html

Im Original-Artikel führt er sogar aus:

For followers of ISIS, a single raised index finger has become a sign of their cause, and it is increasingly common in photographs of militants. Some have even gone so far as to call the symbol “the jihadi equivalent of a gang sign.

https://www.foreignaffairs.com/articles/middle-east/2014-09-03/isis-sends-message

Diese Geste ist gewissermaßen zu einem Symbol der Haltung geworden, dass der Islam keine Weltanschauungen neben sich duldet und dies auch mit Gewalt durchsetzt.

Sogar in die „Bild“ hat es der Hinweis auf die Geste gebracht:

http://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen/salafisten-zeigen-den-isis-finger-43488790.bild.html

Von breiten Kreisen der Bevölkerung dürfte mithin diese Geste nicht mehr als harmlos betrachtet werden. Nicht in den gegenwärtigen Zeiten. Nicht im Zusammenhang mit dem Islam. Dafür ist zu viel Blut gespritzt. Dafür sind einfach zu viele Menschen geschlachtet worden mit erhobenem Zeigefinger und unter „allahu akbar“-Rufen. Auch bei einem Kind ist das nichts mehr, was man mit einem Lächeln abtun könnte, denn es steht für die Früh-Indoktrination.

 

 

Auch dieses Bild weckt daher ganz ungute Assoziationen, wenn es um Erziehung und Islam geht:

KM Isl Religionsunterricht Kind Hessen 160209

 

Man könnte somit meinen, dass dieses Bild sicherlich nicht benutzt wird, wenn es um friedliche Auslegung gehen soll. Nicht, wenn man die letzten Jahre nicht auf einer einsamen Insel verbrachte, wohin nur alle 2 Jahre einmal die Alt-Ausgaben der „Bäckerblume“ per Flugzeug abgeworfen wurden. Der Islam steht nicht nur für Frieden, wie gerne pauschal verkündet wird, sondern hat leider auch vielerorts den Islamismus im Gepäck.

Sensibel sollte man nämlich sein wegen der Opfer dieser Geste, dieser Haltung. Diese Art der Opfer-Sensibilität scheint man im Hessischen Kultusministerium nicht ganz aufzubringen. Daher nämlich stammt das Bild:

https://kultusministerium.hessen.de/schule/weitere-themen/bekenntnisorientierter-islamischer-religionsunterricht

KM Hessen Unterricht Finger Kind 160209

Ob sich die verantwortliche Person, auch Internetangebote von Ministerien werden ja von Menschen, von Mitarbeitern erstellt, bewußt war, welchen Eindruck sie erweckt, ist nicht bekannt. Man kann nur hoffen, dass im Ministerium die gelehrten Inhalte sorgfältiger als die Bild-Botschaften daraufhin geprüft werden, was noch so alles mittransportiert wird, während man gutgläubig bereitstellt und möglich macht.

Die Wirkung ist auf jeden Fall eine verheerende. Darüber kann man ruhig einmal nachdenken.

4 Gedanken zu „Kulturelle Sensibilität

  1. Das sehe ich anders.
    Das Swastika war auch einmal ein harmloses Glückssymbol:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Swastika

    Genau so wie das Zeichen der Grauen Wölfen auch dem harmlosen Schattenspiel dienen kann. Das könnte man bei diesen Symbolen *auch* machen. Tut man aber nicht.

    Entscheidend ist der heutige Gebrauch, die aktuelle Symbolik oder konkreter: Das, was eine Mehrheit der Befragten derzeit damit verbindet. Die Bilder des IS haben da ihre Wirkung nicht verfehlt und haben dieser Geste ihre Unschuld geraubt. Die Geste sollte sicher nicht verboten werden. Aber sie hat deutlich auch unter Bezügen der Gegenwart nichts zu suchen bei allem, was von offizieller Seite mit dem Islam zu tun hat und mit dem Unterricht von Kindern.

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  2. Dieses Zeichen ist unter Muslimen üblich, um zu bestätigen, dass sie Muslime sind. Es soll zum Beispiel vor dem Sterben gemacht werden.
    Die Art, wie das Zeichen von radikalislamistischen Gruppen vereinahmt wird, ist schrecklich, aber das geschieht eben erst „in den letzten Jahren“.
    Die Antwort darauf kann nach meiner Ansicht nicht das Verbot des -seit vielen Jahrhunderten praktizierten- traditionellen Zeichens sein, sondern Aufklärung über seine Vereinahmung und den Missbrauch durch Fanatiker –
    also: Auseinandersetzung mit den radikal-islamistischen Auswüchsen des Islam.

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  3. Traurig, dass sogar öffentliche Instiutionen nicht so weit denken können. Und welche Kreise das ziehen könnte: Der IS könnte sich sogar in seinem Tun bestärkt fühlen, wenn solche Bilder in öffentlich zugänglichen Medien der westlichen Welt im Umlauf sind.
    Danke für diesen klugen und wichtigen Text!

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