Das Schweigen der Muslime II

Fortsetzung zu

https://vunv1863.wordpress.com/2015/11/29/das-schweigen-der-muslime/

Verbände und Organisationen sind nach wie vor nicht in der Lage oder Willens, etwas öffentlich Sichtbares, Nachhaltiges oder auch nur in der Breite Symbolisches gegen die Strassenradikalisierung zu unternehmen. Erstaunlicherweise fragen auch Journalisten nicht oder nicht mehr nach. Verbände und Vereine müssen sich gar nicht erst wegducken, wenn sie nicht mit dem gesellschaftlichen Problem konfrontiert werden. Die Medien lassen sie durchkommen mit dem Schweigen. Die Medien als Erfüllungsgehilfen der kollektiven Verdrängung.

Und doch sind die Anwerber auf der Strasse nach wie vor präsent.
In Frankfurt, Hamburg oder Bielefeld. Und vielen weiteren Städten.
Überall dort wird für die Ideologie geworben, werden junge Menschen aus der Bahn geworfen, werden vornehmlich muslimische Familien zerstört, werden Klassen durch Missionierung aufgemischt, werden junge Menschen angefüllt mit einer überschiessend fundamentalistischen und dann faschistoiden Ideologie. Ältere werden ermahnt, ein sittenstrengeres Leben zu führen oder zu spenden für das Projekt. Das findet statt und niemand stellt sich konsequent dagegen.

Wie sieht es nun mit mit der Absage an schon eigenes Engagement aus? Wie wird eigene Untätigkeit hinsichtlich der Gefahr für Jugendliche, Labile und Gesellschaft begründet?

Oft wird auf den Staat verwiesen. Wenn das so schlimm wäre, so wird entgegengehalten, dann wäre das doch sicherlich verboten. Kein Verbot – also kann es ja so schlimm nicht sein. Sicher werde also in den Medien übertrieben. Eine bequeme Ausrede, sich erst gar nicht damit zu beschäftigen. Eine besonders bequeme Haltung, wenn man andernorts bei eigenem Interesse den toughen Staatsbürger mimt, der seine Rechte beherzt einfordert, weil – ja – der Staat doch nicht alles sofort und automatisch regelt nach Angemessenheit.

In Einzelgesprächen findet sich immer wieder das Motiv, man solle die Fanatiker am besten ignorieren. Dieses Argument hört man seit etlichen Jahren. Nicht nur von Muslimen, sondern auch von Dialogpartnern etc. Fakt ist, dass das Ignorieren bereits breit praktiziert wird. Das Vorgeschlagene ist also das, was man seit Jahren bereits macht. Durch eben die genannten Protagonisten.

 

Bei den drei weisen Affen heißt es, man solle nichts Böses sehen, nichts Böses hören und nichts Böses sagen.
Wenn man das Böse jedoch sehen kann oder sogar muss, und es auch hören kann, dann kann es böse werden, nichts zu sagen.

Wenn Muslime nicht nur auf das rein Eigene konzentriert sind, müssen sie die Debatte mitbekommen haben. Sie müssen eigentlich auch wahrgenommen haben, dass die öffentlcihen Koranverteilungen Probleme mit der Mehrheitsgesellschaft ergeben. Die Alternative ist, nur Medien zu konsumieren, in denen diese Umtriebe gar nicht vorkommen. Nur dann kann man die Koranverteiler in den Innenstädten für gute, nur besonders fromme Brüder halten, die mit ihrer Dawa, ihrer Mission, nur Gutes wollen.

Natürlich kann es anstrengend, wenn man dauernd darauf angesprochen wird. Das allerdings ist ein eher seltenes Phänomen, das wahrscheinlich auf Funktionäre beschränkt ist.

Von Muslimen werden – je nach ideologischer Grundlinie – verschiedene Begründungen genannt. Der Bequeme möchte mit dem Problem einfach nur in Ruhe gelassen werden. Er meint, dass ihn andere Menschen und die Gesellschaft nichts angehen. Er sei dafür nicht verantwortlich, also ist er auch nicht für eine Gegenposition zu haben, etwas, dass im Grunde nur bei klar Säkularen oder Atheisten mit dieser Herkunft statthaft ist. Der Individualist meint, auch nichts unternehmen zu müssen. Schließlich sei die Gesellschaft voller schlechter Einflüsse. Es sei Aufgabe der Eltern, dagegen zu immunisieren. Betroffene hätten einfach nur schlechte Eltern gehabt. Problem individualisiert, Problem aufgelöst. Der verdeckte Sympathisant redet sich heraus und erzählt auch etwas von „eigener Verantwortung“ derer, die diese Stände machten. Man müsse gar nichts machen, schließlich sei ja auch nicht zweifelsfrei belegt, dass die Stände ursächlich seien. Ob man selbst dabei gewesen sei? Und wenn ja, so gelte das sicher nicht für alle Aktionen, denn das seien ja verschiedene Menschen, deren Verantwortlichkeit man individuell feststellen müsse. Die Mehrheit habe mit dem IS doch gar nichts am Hut und betreibe friedliche Dawa. Man wisse das, weil man sich mit den Brüdern unterhalten habe, Das sei doch wohl noch erlaubt, oder? Die Auflösung des Waldes in einzelne Bäume bewirkt also, dass die Struktur gar nicht mehr angegangen werden muss. Bemühte hingegen sehen ihre eigene Handlungsoption oft nicht. Manchmal ist auch schlicht Angst da, wie auch nicht selten vorgebracht wird. Man teile ja durchaus die Sicht, dass die Gruppe gefährlich sei, aber man selber? Nein, das sei doch zu gewagt, sich dagegen zu stellen. Das spreche sich ganz schnell herum. Man befürchtet, das Umfeld könnte annehmen, man sei vom Glauben abgefallen.

Bei christlichen vertretern, die im Dialog mit Organisationsvertretern etc. sind, bietet sich oftmals ein ähnliches Bild. Auch wenn man in allen anderen Kontexten den mündigen und aufrechten Bürger gibt, so wird genau da dies eben nicht übertragen. Man macht sich breit obige Argumentationsmuster zu Eigen. Erwähnung finden diese Personen unter dieser Überschrift hier allerdings nur, weil diese Übertragung so perfekt funktioniert hat: Die Deutungsmuster für die Untätigkeit der Verbände wurde gleichsam transplantiert. Da findet kaum Hinterfragung statt.

Zwischen dem Aussitzen durch Ignoranz, die als aktives Ignorieren verkauft wird, und dem Hoffen auf den Staat bleibt also viel Raum für ein persönliches Schweigen. Dieses Schweigen allerdings lässt Vogel, Nagie & Co erst so laut erscheinen. Vogel hat mit heutigem Stand 153.669 Anhänger auf Facebook, Nagie 170.313. Nur diese beiden (es gibt eine erhebliche Schnittmenge). Es gibt ca. 4 Mio. Muslime in Deutschland. Viele noch zu jung, etliche schon alt. Es ist aber immer noch die Mehrheit und diese schweigt ganz überwiegend auch individuell. Man hat Vogel und Nagie also ganz schön groß ignoriert.

Ein Gedanke zu „Das Schweigen der Muslime II

  1. Meine Ansicht:
    Der Grund für das Schweigen liegt in der vom Islam geforderten -sakralisierten- „Ehre“ der islamischen Gemeinschaft, der Ummah.
    Dieses Schweigen der Muslime zu islamistischen Machenschaften herrscht vor allem nach außen. Im Inneren der „Ummah“ wird das schon thematisiert, und in islamischen Ländern werden Salafisten eng überwacht oder auch bekämpft.
    Daher wohl die (auch von mir so wahrgenommene) Hilflosigkeit eingewanderter Muslime, die keinen gesetzgeberischen (islamischen) Überbau für sich beanspruchen können.

    Auf der anderen Seite schweigen ja nicht alle Muslime.
    Was ist mit Lamya Kaddor?, um nur eine bekannte Vertreterin zu nennen.
    Zusammenarbeit muss da, wo es geht, aufgebaut werden.
    Mit Muslimen, die im Tabu gefangen sind, geht es nicht.

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