Frauentag(e)

Zum Weltfrauentag

Was sind die Themen hierzulande am heutigen Weltfrauentag? Gleicher Lohn, Kinderbetreuung, sprachliche Berücksichtigung, Quoten in Führungsgremien.

Wenn man die Lage der Frauen weltweit betrachtet, so sind das – bei aller Berechtigung* – relative Luxusprobleme. Das sind weltweit und auch deutschlandweit Probleme, die viele Frauen gerne haben würden, weil sie viel schwerere dann nicht (mehr) hätten. Man muss nicht, kann dafür aber dankbar sein, als Frau hier und heute zu leben, bei allem, was man noch verbessert sehen möchte. Erst der Vergleich jedoch macht dies deutlich:

Frauen haben in Afghanistan und vielen anderen Ländern kaum den Status von Vieh, Hausrat eben. Man kann Frauen wie Dinge kaufen, „vererben“, misshandeln. All das bleibt meist ohne Beachtung und Strafe. Diese Frauen haben niemanden, nicht einmal die eigene Familie hinter sich. Alleine, auf eine Art allein gelassen, wie man sie sich kaum vorstellen kann.

Heute werden wieder an vielen Orten Reden gehalten für die Frauenrechte. An Volkshochschulen, in Parteisälen und in Fernsehstudios. Das kann man machen. Diese Reden sind jedoch wohlfeil, sie sind reine Sonntagsreden, wenn sie nur auf die Vergangenheit gerichtet sind oder diese nachrangigen Probleme. Sie sind wohlfeil, wenn Frauenrechtler und solche, die es sein wollen, nicht den Blick dahin richten, wo es wehtut. Auf die Frauenhäuser. Auf Clans. Auf Gewalt auf der Strasse.

 

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Denn die Frauenverachtung findet heute nicht bei der fehlenden Benutzung des Binnen-Is statt, sondern wenn Frauen der Zutritt zu Räumen versagt wird, weil sie Frauen sind und damit unrein seien. Frauenverachtung findet statt bei Zwangsheirat und Genitalverstümmelung. Das findet auch in Europa und in Deutschland statt. Sie findet statt, wenn auf der Strasse ein salafistischer Aktivist erklärt, Frauen seien viel zu schade fürs Arbeiten, sie sollten zu Hause bleiben. Das wird nicht den Frauen selber überlassen, was sie tun oder lassen wollen, sondern dieser Aktivist möchte entscheiden, was den Frauen gemäß ist. Er will Frauen ihren Bereich zuordnen. Selbstempfundener Herrscher über alle Frauen, über andere Menschen durch Geschlecht. Eine klar faschistoide Haltung in ihrer gruppenbezogenen Minderberechtigung und damit Abwertung.

Andere Personen, die nicht gleichermaßen im Blick der Öffentlichkeit sind, denken wie er. Man ist sich vielleicht bei theologischen Petitessen uneins oder bei der Frage, wie denn ein idealer islamischer Staat begründet sein sollte und wie er aussieht. Aber in der Frauenfrage sind sich der fundamentalistische Islamist und der extremistische dann doch meist einig: Selbstbestimmte Frauen sind ihnen ein Gräuel, die Frauenrechte werden vielleicht nach  islamischer Tradition gewährt, aber kein Stück weiter. Zugleich mit diesen „Rechten“ gibt es viel mehr Pflichten. Und auch Gefahren, wenn diesen nicht nachgekommen wird: Von einem „Ehrenmord“ an einem jungen Mann, der sich nicht dem Familienwillen beugte, las ich bislang hierzulande nicht (das gibt es weltweit aber). Die angebliche Familienehre liegt bei den Frauen und dort vor allem in deren öffentlicher Unterwerfung und ihrer Sexualität.

Diese Haltung findet sich mittlerweile auch auf Schulhöfen wieder. Sie greift Raum in den Köpfen und auf den Plätzen. Nicht nur von den Jungen, die im Bewußtsein aufgezogen werden, die Krone der Schöpfung zu sein und deren aufgeblasenes Selbstbild dann schon in der Grundschule mit der Realität konfrontiert zu Schwierigkeiten führt, sondern auch von den Mädchen selber. Auch dort führt die zunehmende religiöse Homogenität in einer rückschrittlichen Auslegung in den Ballungsräumen und bei bestimmten Klassen dazu, dass eben diese religiösen Regeln Gruppenkonsens werden. Das immer verbreitetere Tragen eines Kopftuchs ist da Symptom. Plätze werden öffentlich männlich besetzt, auch das ist Symptom.

Insbesondere von den Frauen, die dies offen kritisieren können, wäre also Solidarität zu fordern. Dass sie diesen real existierenden Frauenverächtern entgegentreten und sagen: Nein!

Von den Frauenverbänden sieht man in dieser Hinsicht jedoch öffentlich zu wenig. Die EMMA hat sich dazu dankenswerterweise jedoch positioniert, indem sie Ahmad Mansur diesen Raum gab:

Müssen LehrerInnen nicht auch darauf bestehen, dass unsere demokratischen Werte akzeptiert werden, zum Beispiel die Gleichberechtigung der Geschlechter? 

Natürlich. Wir müssen eine klare Sprache sprechen. Wer nicht erlaubt, dass ein Mädchen am Schwimmunterricht teilnimmt, ist ein Rassist. Wer in Kauf nimmt, dass ein muslimisches Mädchen weniger lernt als ein nicht-muslimisches, ist ein Rassist. Auf keinen Fall dürfen wir unsere Werte relativieren.“

http://www.emma.de/artikel/islamisten-sind-rassisten-331083

Also, liebe Geschlechtsgenossinnen, ab auf die Strasse. Das zwangsverheiratete Mädchen, die eingesperrte Frau, die genitalverstümmelte Patientin, all diese brauchen viel mehr von unserer Solidarität als jene Geschlechtsgenossinnen, die in Parteien und Vorständen schon sehr gut selber ihre Frau stehen können. Die können das, traut ihnen mehr zu. Die verkraften es problemlos, wenn man etwas weniger für sie kämpft, weil sie in einem friedlichen Männerumfeld sehr gut für sich selber „kämpfen“ können – mit Leistung und Willen. Die anderen Frauen hingegen brauchen unsere Kraft und unsere Hilfe, unsere Solidarität, damit sie hier nicht so alleine gelassen sind wie in ihrem Heimatland. Für Frauenrechte darf es keine Enklaven geben!
Dafür ist 365 Tage im Jahr Frauentag.

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4 Gedanken zu “Frauentag(e)

  1. Mädchen werden in der islamischen Gemeinschaft wie Prinzessinnen und Frauen wie Königinnen behandelt. Frauen haben den Luxus nicht arbeiten zu müssen, sie haben den Anspruch auf eine vollständige Versorgung durch ihren Ehemann. Wenn sie möchten, können sie dennoch arbeiten, und haben das Recht dazu, genau wie Männer. Sie dürfen lediglich nicht mit fremden Männern zusammenarbeiten, aber das gleiche gilt auch für Männer – sie dürfen nicht mit fremden Frauen zusammenarbeiten. Natürlich haben Frauen auch die Pflicht die Kinder großzuziehen und sich um den Haushalt zu kommen, ist dies jedoch gewährleistet steht der Arbeit nichts mehr Weg – Dank moderner Hilfsmittel wie modernen technischen Geräten, Kindergärten, Home Office/Internet Working steht dem freiwilligen Arbeiten aber nichts mehr im Weg – die muslimische Frau und der muslimische Mann sind die modernen Menschen des 21. Jahrhunderts und der Zukunft bis zum Jüngsten Tag des Gerichtes. Frauen bekommen von ihrem Mann zur Hochzeit eine Brautgabe, deren Höhe sie selbst festlegen kann. Nur sie selbst haben Anspruch darauf, der Mann hat keinen Anspruch darauf. Genauso können Frauen ein eigenes Einkommen, wo nur die Frauen Anspruch darauf haben. Frauen können ein eigenes Einkommen haben worauf nur sie einen Anspruch haben, ein gleichzeitig haben sie Anspruch auf das Einkommen ihres Mannes, da er sie versorgen muss. Des weiteren werden Frauen im Gegensatz Islam im Gegensatz zum Westen nicht aufgrund ihres Aussehens diskriminiert und sind somit gleichberechtigt. In Deutschland stellt man bevorzugt die Sekretärin ein, die während der Bewerbung den größten Ausschnitt vorzuweisen hat. Im Islam gibt es eine solche Diskriminierung aufgrund des Aussehens nicht oder auf Grund eines geringes Vermögens (Kleidung) nicht. Selbstverständlich haben Frauen das Recht sich scheiden zu lassen, wenn der Mann seinen Pflichten nicht nachkommt. Dies ist jedoch selten der Fall, da islamische Ehen harmonisch und liebevoll sind und funktionieren. Zu dem Artikel: Aussagen wie „klar faschistoide Haltung“ sowie „ist ein Rassist“ sind eine klare Beleidigung und falsch. Pierre Vogel setzt sich seit Jahren gegen Ehrenmorde, Zwangsehen und für Frieden ein. Wir sollten ihn für sein Engagement mehr würdigen.

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  2. Was ist denn DIE Islamische Gemeinschaft? Von welchem Gebilde reden wir? So abstrakt ist das wertlos. Sie haben da Vorstellungen, die Sie persönlich vielleicht als Ideal empfinden. Faktisch ist das anders. Zu diesen faktischen, schweren Problemen äußern Sie sich nicht. Die „Prinzessinnen“ werden häufig genitalverstümmelt, die „Königinnen“ werden z.T. bestraft, wenn sie vergewaltigt wurden, manchmal auch von den eigenen Verwandten sogar getötet.

    „In Deutschland stellt man bevorzugt die Sekretärin ein, die während der Bewerbung den größten Ausschnitt vorzuweisen hat.“

    Sie sind so weit vom wirklichen Leben entfernt, wie man nur sein kann. Anscheinend nie selber beworben.

    „Rassist“ und „faschistoide Haltung“ sind keinen Personen zugeordnet, sondern Haltungen. So etwas ist keine Beleidigung.

    „die muslimische Frau und der muslimische Mann sind die modernen Menschen des 21. Jahrhunderts und der Zukunft bis zum Jüngsten Tag des Gerichtes“

    Das imaginieren Sie nur. Man ist – als Gruppe, obwohl ich das ungern tue – so „modern“, dass man hinsichtlich der wissenschaftlichen Nobelpreise trotz großer Zahl nur 2 oder 3 mal Preise erhalten hat. Ihre Art der Modernität heißt zurück in die Zukunft. Nein, das ist nicht das Modell, das die Menschheit weiterbringt, es ist vormodern, technikfeindlich, wissenschaftsfeindlich. Als privater Glaube ist es Ihnen überlassen. Als gesellschaftliches Modell ist es abzulehnen. Gut, dass es immer mehr wahrhaft moderne Muslime gibt, die diesem alten Modell eine Absage erteilen.

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    • Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Phänomen, dass es lediglich in wenigen afrikanischen in asiatischen Ländern gibt. Es ist ein Relikt aus vorislamischen Kulturen und hat nichts mit den Werten des Islam zu tun. Beispielsweise hat Gambia die weibliche Genitalverstümmelung verboten, weil ea unislamisch ist: http://m.dw.com/de/gambia-verbietet-genitalverst%C3%BCmmelung-als-unislamisch/a-18877390 Pierre Vogel spricht sich auch entschieden gegen weibliche Verstümmelung aus.

      Das Frauen verurteilt werden, wenn sie vergewaltigt werden ist natürlich falsch. Opfer sollten niemals verurteilt werden, lediglich Täter. Das ist übrigens auch nach islamischen Recht so.

      Das mit dem Nobelpreis ist so eine Sache. Er wurde eingeführt als die meisten islamischen Ländern Kolonien waren und unterdrückt wurden, und somit nicht forschen durften.

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