Al Kaida in Sontra

Über einen Provinzprediger, der den Umsturz preist

Auch in der beschaulichen hessischen Provinz weht mittlerweile über manchem Haus die schwarze Flagge. Nein, da gibt nicht jemand friedlich und lustig den Johnny Depp, sondern hat sich ganz humorlos dem extremistischen Islam verschrieben.

 

Furkan bin Abdullah 160312

Furkan Karacar aus Sontra bei Kassel alias Furkan bin Abdullah, Bild: Kalifat TV, yt

 

In Sontra kann es ziemlich langweilig sein, wenn man keine Ahle Wurscht mag und sich auch sonst von üblichen Betätigungen der anderen im Umkreis fernhält. Der Herr Karacar rät explizit hierzu. Langeweile kann nun seltsame Blüten treiben, wenn verschärfend hinzu tritt, dass man nach eigener Angabe nur im Auftrag des Islam arbeitet. Oberhessen ist für seine hohe Arbeitslosigkeit bekannt. Dafür kann der Herr Karacar nichts, wohl aber dafür, wie er die möglicherweise freie Zeit nutzt (und natürlich ggf. der zuständige Betreuer).

Man kann vermuten, dass er sich zwar wie im Video unten empfohlen, sehr weit von den „Kuffar“, den „Ungläubigen“, fernhält, wenn es um reguläre Arbeit geht*. In dem Video ruft er nämlich dazu auf, nichts für die Kuffar zu tun, nicht mal höflich zu sein. Nicht mit ihnen zu leben, sie zu meiden. Da er also explizit dazu auffordert, nur keine Kompromisse einzugehen, wird es vermutlich in der dortigen Umgebung besonders schwierig. Da gründet man entweder seine eigene Firma oder ist ohne eigenen Broterwerb. Man kann also mit einer gewissen Berechtigung vermuten, dass der spezielle islamistische Stolz nicht so weit geht, nichts von den abgelehnten „Kuffar“, dem angeblich bösen Feind, anzunehmen. Zum Beispiel Geld für Wohnung, Essen oder ab und zu mal ein neues Piraten-Kopftuch. Der Salafist von Welt hat ja mindestens ein Wechseltuch. Pirat sein kann man dort jedoch nicht und vor irgendetwas muss auch ein Salafist leben, der Vermieter gibt keine Wohnung um des Glaubens Willen.

 

Da ist also möglicherweise sehr viel freie Zeit, die vertrieben werden will. Womit? Natürlich mit Glaubensarbeit, denn nur die ist hinreichend kompromisslos und damit „erlaubt“. Diese ganzen Zeitvertreibe der islamistischen Art werden (neben Metin Kaplan-Videos) dann als Predigten unter dem denkwürdigen Label „Kalifat TV“ veröffentlicht. Oder „Hakk TV“. Oder gleich „Im Auftrag des Islams“. Da weiß man doch, was man hat.

Im obigen Video nun wärmt er sich denn auch, um sich etwas über die gegenwärtige als „feindlich“ empfundene Sontraer Umgebung hinwegzutrösten, an der vergangenen Größe, denn ohne den Islam fühlt er sich als nichts (ab 49:20; er vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass das einzige, was ihnen auch morgen „Wert geben wird“, der Islam sei). Die Muslime hätten „als Sieger nach Cordoba die Zivilisation gebracht, Medizin, Mathematik usw.“.
Nun ist das – lässt man die geschichtliche Ungenauigkeit weg, dass die Sieger vielleicht auch ein wenig Medizin und Mathematik von den Griechen und Ägyptern, den Indern und Persern mitbrachten, aber vor allem auch Schädelminarette erbauten – nicht sein persönliches Verdienst gewesen. Das schmückt also nur bedingt, aber da ist der Herr Karacar nicht kleinlich. Ebenso großzügig ist er in der Abwertung. Er weißt explizit darauf hin, man solle „diese Menschen nicht zu Beschützern nehmen“. Essen und Obdach zählen mithin nicht als Schutz. Die FDGO wohl auch nicht, auch nicht das AGG. Als Schutz gilt nur der gemeinsame Glaube (s.u.). Man sieht, der Herr Karacar ist im Grunde seines Herzens ein Idealist, er verachtet einfach das schnöde Materielle (so lange er es hat). Man nimmt also wahrscheinlich und verachtet gleichzeitig. Die Achtung für das von der hiesigen Gesellschaft Gebotene führte, so lässt er sich sinngemäß ein, in die Hölle; Dankbarkeit wäre eine Form von Freundlichkeit und die geht ja mal gar nicht.

Das gibt also eine wunderbare Freiheit zum Denken, Forschen und Predigen. Und ein schlechtes Gewissen braucht es da auch nicht, denn Verachtung macht frei. Er folgt da nach eigenen Einlassungen im Prinzip den Spuren von Abū Muhammad al-Maqdisī und Aiman az-Zawahiri. Die große weite Welt ist in diesem Sontraer Kopf also in Form zweier Al Kaida Vordenker präsent.

Insofern hat der Herr Karacar auch einen großen Fan, den Herrn Falk:

 

 

Im Video stellt der Herr Karacar die rhetorische Frage, was man denn hier unter den „Kuffar“ wolle, man (gemeint sind wohl die Vorfahren) „habe doch so schöne Länder, in denen die Kuffar Urlaub machen“ würden. Nun, die Frage ist einfach beantwortet: Im Gegensatz zum mutmasslichen „Dauerurlaub“ hierzulande, der als „Auftrag des Islams“ getarnt wird, würde das in der Türkei oder sogar im gelobten Kalifat nicht ausreichen. Da reichen imaginäre Aufträge nicht. Da müssen es echte sein. Die echten Freunde seiner Definition, also die Nicht-Kuffar, wären wohl kaum so freundlich, seinen persönlichen Auftrag zu finanzieren.

Auch aus Sontra kam übrigens im Jahr 2012 der Messerstecher Murat K., der in Bonn zwei Polizisten schwer verletzte. Auch er trägt, wie die FAZ seinerzeit anmerkte, seine Kopfbedeckung im Piratenlook.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/salafist-murat-k-ein-messerstecher-vor-gericht-11924657.html

Und dort findet sich auch der Hinweis, dass eine Gruppe Salafisten damals bereits seit Jahren in Sontra bestand:

Vor knapp vier Jahren fand der junge Mann Halt, in einem kleinen Kreis von Muslimen in Sontra, die waren Salafisten, Anhänger einer ultrakonservativen islamischen Strömung.

Aus der Sonderrolle – die dort auf dem Land durchaus möglich ist, man ist dort ein wenig rustikal und konservativ in den meisten Lebensumständen* – wurde vielleicht Pose und dann bewußte Absonderung. Vielleicht hat sich dort dann die Ideologie draufgesetzt.

https://ojihad.wordpress.com/tag/murat-k/

Die Szene ist dort in Sontra also verfestigt und seit etlichen Jahren präsent.
Gemein ist beiden jungen Männern, dass man sich in Feindesland wähnt, sich über die Religion Größe, Bedeutung und Zukunft imaginiert. Die böse Nebenwirkung dieser Sinngabe und des Größenwahns sind, dass diese Form der Imagination jederzeit in die Tat umschlagen kann, sobald der abstrakte „Auftrag des Islams“ einen konkreten Anlass erhält.

Al Kaida in Sontra ist somit kein harmloser Zeitvertreib auf dem Land, sondern man plant durchaus miteinander. Örtliche Beteiligte könnten auch aktuell an den berichteten salafistischen Kontaktversuchen an der dortigen Flüchtlingsunterkunft beteiligt gewesen sein:

August 2015: „An der Unterkunft haben sich Personen aufgehalten, die aufgrund ihrer Kleidung sowie polizeilichen Ermittlungen der örtlichen salafistischen Szene zuzuordnen sind.“

September 2015: „Eine der Personen, die bereits am 14.08.2015 die vorgenannte Unterkunft aufgesucht hat und der salafistischen Szene zugeordnet wird, hat mit anwesenden Flüchtlingen Fladenbrot gebacken. “

http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/3/02493.pdf

Und es kommen weitere:

http://www.werra-rundschau.de/lokales/sontra/feriendorf-will-noch-dieses-jahr-belegen-5946582.html?cmp=defrss

Wegen der Größe – Sontra hat unter 8000 Einwohner – ist es recht wahrscheinlich, dass das diese Gruppierung war. Die Absonderung wird gepredigt, die Integration in die örtliche islamistische Szene, nicht in die Mehrheitsgesellschaft, ist dort Programm. Psychologisch bietet man neben dem Zeitvertreib den Flüchtlingen auch die Umdeutung an: Dankbarkeit ist nicht notwendig. Man bringe mit dem Islam die Zivilisation, sei per se überlegen. Insbesondere für Personen in einer Neuanfangs- und Entwurzelungssituation, die alleine darüber evtl. Selbstwert-Probleme haben, eine brandgefährliche Offerte. Man ist also auf Zuwachs aus, will neue Soldaten für das Kalifat. Das bringt auch die Spaltung in die Flüchtlingsunterkunft: Die, die vor Assad flohen, sind als Gruppe nicht homogen in ihrer eigenen Grundausrichtung. Die, die die vor diversen islamistischen Gruppen flohen, sehen sich hier plötzlich evtl. mit einem ähnlichen Problem konfrontiert, sich anzuschließen oder Repressalien zu erdulden.

Hat man das von behördlicher Seite nicht scharf im Auge, wird es auch gelingen, Flüchtlinge anzuwerben.

Dann gibt es mehr Al Kaida in Sontra.

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Eine Übersicht über die dortigen Aktivitäten:

* Insbesondere in Oberhessen, aber auch allgemein, ist an sich nicht zu beanstanden, wenn jemand aus Mangel an passender Arbeit arbeitslos ist. Das kommt in der heutigen Zeit u.a. auch durch erhebliche Produktivitätssteigerung und Auslagerung zustande. Dadurch ist es mit dem Arbeitsangebot schon bei manchen Qualifikationen schwierig. Es ist jedoch fragwürdig, wenn jemand, der jung und gesund erscheint, sich so explizit von der Gesellschaft abwendet und sie sogar verachtet und gegen sie arbeitet. Diese Gesellschaft trägt auch ihn mit und wenn da schon keine Dankbarkeit da ist, so sollte doch wenigstens Anerkennung da sein in dem Sinne, dass unser Gemeinwesen im Rahmen des sozialstaatlichen Aspekts auch ihm zu Gute kommt. Manche halten es jedoch für selbstverständlich, dass sie versorgt werden, eine Haltung, die bei Jihadisten so selten nicht ist.

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8 Gedanken zu “Al Kaida in Sontra

  1. Achja, der Scheik Bärchi… Schon wieder so einer, der sein Gehirn unentgeltlich an Furkan b. Abdullah vermietet hat. Übrigens, das Bild oben wurde von Yasin Balas Bruder Abdullah Bala erstellt. Diese Turtle-Bande hat so einige Mitglieder die weder Verstand noch Logik besitzen und dieses bissel wie du unentgeltlich an F. b. A. vermietet haben. Und der Abu Hurayra(bürgerlich: Ferhat K.) der sich so vielen Repressionen ausgesetzt fühlt ist auch von dieser Turtle-Bande. Ich frage mich doch wieso die anderen Banden-Mitglieder ihren kleinen wehleidigen Turtlechen nicht zur Hilfe ereilt sind?

    Dies ist eine Strafe für euch Kinder die mit dem Islam herumspielen als würdet ihr mit Förmchen im Sandkasten spielen. Ich hoffe das die anderen Banden-Mitglieder auch solchen Repressionen ausgesetzt wird wie dieser ****-**** Ferhat….

    [bearbeitet von Admin]

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  2. Ein guter Beitrag der Bloggerin aus Hessen (ebenso wie seine Fortsetzung), den ich mit Freude gelesen habe, schon bevor es hier mit Kommentaren abging.
    Anscheinend habe ich die jungen Herren aus Sontra in Bezug auf ihre Selbstdarstellung (Turtles) inspiriert.
    Wenn ja, dann mögen sie mir erlauben, sie darauf hinzuweisen, dass Fiktion und Realität unterschieden werden müssen. Gehandelt wird in der Realität, Fiktion kann höchstens Impulse, keine Handlungsanleitungen, geben.
    Sich an Fiktionen auszurichten, ist Weltflucht. Gewirkt wird in der Wirklichkeit.

    Nina Turner alias NinjaT,
    unermüdlich im Kampf für ein gutes Miteinander,
    beständig gegen Salafismus und andere Extremismen

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  3. Schön geschrieben, wobei ich nicht nachvollziehen kann, wieso mensch Dankbarkeit oder Anerkennung dafür haben müsse, von der Gemeinschaft versorgt zu werden. Ausreichend versorgt zu sein gehört einfach zur menschlichen Würde.

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  4. Danke.
    Mag sein.
    Von anderen mitversorgt zu werden, ist aber etwas, worauf es keinen grundlegenden Anspruch gibt. Es ist ein freundlicher und altruistischer Akt, von anderen Menschen mitversorgt zu werden. Man mag das als einen der zivilisatorischen Mindeststandards sehen, dass eine Gemeinschaft diejenigen mitversorgt, die dies nicht selber können. Einen Anspruch herzuleiten, versorgt zu werden, obwohl man dies selber könnte, ist im Grunde nicht angemessen. Denn eine Gemeinschaft braucht Personen, die die Leistung erbringen, mehr Leistung als für den Selbsterhalt notwendig ist. Wird von der Gemeinschaft nicht mehr das aufgebracht, was für den Selbsterhalt notwendig ist, kann sie nicht mehr funktionieren. Es müssen also genügend Personen diese Gemeinschaftsleistung erbringen. Personen, die sich dem bewußt verweigern, sind nur zu einer bestimmten Anzahl in einer solchen Gemeinschaft möglich, nämlich bis die Summe der Leistungen für die mitversorgten Personen gleich der Summe der Mehrleistung der Personen ist, die sich der Gemeinschaftsleistung nicht verweigern, also genug abgeben von ihrer Mehrleistung an die Gemeinschaft. Durch die Benutzung von Geld werden diese einfachen Sachverhalte verdeckt, weil das Schulden machen ermöglicht ( = Mehrleistung eines anderen oder v.a. auch der nächsten Generation). Geld wächst ja nicht auf dem Baum, sondern muss als Tauschmittel auch erwirtschaftet werden. Mal so grob.

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