Fatwas – made in Germany

Fatwa Ausschuss Deutschland hat sich konstituiert

Islamische Rechtsgutachten – Fatawa oder als der eingedeutsche Plural Fatwas – dienen in der islamischen Welt dazu, bei strittigen oder interessanten Fragen eine begründete Aussage darüber zu treffen, wie die betrachtete Frage unter Glaubensgesichtspunkten zu sehen ist. In Ermangelung allerdings einer von allen Muslimen anerkannten Autorität besteht hinsichtlich der Gültigkeit und darüber, wer Fatwas aussprechen kann, durchaus Dissens. So hat die jeweilige Fatwa denn auch nur Gültigkeit für jene Muslime, die die jeweilige aussprechende Institution oder Person als Autorität anerkennen. Im Prinzip kann somit jeder Fatwas aussprechen, solange er genügend Anhänger findet. Dieser Umstand hat zu einem gewissen Wildwuchs geführt, obwohl zumindest z.B. die Fatwas der Al Azhar Universität weithin Beachtung finden oder die Urteile mancher saudischer Gelehrter.

Da es häufig so ist, dass in einem bestimmten muslimischen Land eine vorherrschende Strömung sich durchgesetzt hat, dies aber mitnichten auch im Nachbarland dieselbe sein muss, gibt es in der Diaspora, sofern in ein Land Muslime aus verschiedenen Regionen einwandern, auch verschiedene Sichten auf Dinge schon des alltäglichen Lebens.

Diesen Umstand will man nun ändern und möglichst viele Muslime Deutschlands unter einheitliches islamisches Recht bringen. Ein theologischer Grund ist dafür kaum ersichtlich, denn solche Bestrebungen, nämlich z.B. die Ummah generell zu einen, finden international nur in überschaubarem Maße statt. Man hat sich zwar z.B. auf die Abfassung eigener Menschenrechte („Kairoer Erklärung“) verständigt, aber mehr, so scheint es, um der als zu frei, gleich und brüderlich empfundenen Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte etwas entgegenzusetzen. Man darf das durchaus so verstehen, dass da die Hand zu gleichen Rechten zurückgewiesen wurde um der eigenen, selbstempfundenen und religiös fundamentalistisch untermauerten Höherberechtigung Willen. Gleiche Rechte wie Frauen? Da sei die Scharia vor!

Man hat also diese Menschenrechtskonvention unter den Vorbehalt der Scharia gestellt und verlässt diese Linie international nicht freiwillig.

Finden nun hier in Deutschland oder in Europa Verabredungen statt, welches Recht für „die Muslime“ in Besonderheit zu gelten habe, kann man vermuten, dass man eben dies für die Muslime verbindlich gegen die üblichen, allgemeinen Rechte hierzulande formulieren möchte. Denn im Grunde müsste man sich ja dem hiesigen Recht unterwerfen (die allermeisten Muslime verhalten sich denn auch rechtstreu zu den hiesigen, weltlichen Gesetzen). Theoretisch.

 

 

Aufschluss bzw. Hinweis dazu geben kann die personelle Zusammensetzung und die Herkunft der für Deutschland benannten Ausschussmitglieder (Wirkort/Herkunft in eckigen Klammern]:

Mit Beteiligung von Gelehrten und Imame aus dem Inn- und Ausland wurde der Fatwa Ausschuss Deutschland am 12.03. 2016 ins Leben gerufen!

Thema der ersten Veranstaltung war „Die Gründe für Unterschiede beim berechnen der Gebetzeiten und die Möglichkeit sie zu vereinheitlichen“, mit Beiträgen von Herr Ilhan Belgu (IGMG), Dr. Mustafa Dadas (DITIB)*, Dr. Khaled Hanafi (Vorsitzender des FAD), Dr. Ali Al-Korradaghi [bekannter unter der Schriftform Al Qaradaghi, SHM] (Generalsekretär des internationalen Verbandes der Muslim. Gelehrten) [Katar**], Dr. Abdullah Al-Godeia (Europ. Fatwa Ausschuss), Dr. Omar Abdel-Kafi [Ägypten], Scheikh Nehat Abdul Quddus (IGMG) u. Dr. Hussein Halawa (Europ. Fatwa Ausschuss) [Irland, Ägypten]!

 

 

An dieser Zusammenstellung ist einiges bemerkenswert, nicht nur die Beteiligung der DITIB*. Vielmehr finden sich dort Vertreter einiger Gruppierungen wieder, die entweder vom Verfassungsschutz beobachtet wurden oder werden. Im Verbund mit der DITIB können sie auf diese verweisen und umgekehrt. So destilliert sich der nun in eine Organisation gefasste Wille heraus, dass der in Deutschland lebende Muslim sich dieser fundamentalistischeren Linie unterwerfen soll. Von den Muslimbrüdern bis hin zur DITIB, von der IGMG bis hin zu Wahabiten.

Die zunächst harmlos erscheinende Vereinheitlichung der Gebetszeiten bei der ersten Zusammenkunft in Berlin darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Zusammenschluss alles andere als unbedenklich erscheint. Die Vereinbarung über die Gebetszeiten ist wahrscheinlich am wenigsten strittig und darf dann – als erster Beschluß und Verkündigung – schon einmal dem Gruppengefühl dienen: Alle Muslime Deutschlands sollen zur gleichen Zeit beten.

Mittelfristig darf man von diesem Zusammenschluß – sollte sich das so bewahrheiten, wie es von diesem neuen Ausschuss angegeben wird – Weisungen für durchaus erhebliche Teile der muslimischen Community erwarten. Liberale Ansätze werden das nicht sein. Es wird eher dazu dienen, genau den liberalen Islam in Deutschland und Europa mit vereinter Kraft zurückzudrängen, gemeinsame Forderungen zu stellen. Auch z.B. den DITIB-Mitgliedern, die sich als noch eher liberal auffassten, klar zu machen, was sie in ihrem Umfeld nun stärker auf den Glauben ausrichten sollten: Von der stärkeren Befassung mit Moral und schulischen Inhalten bis hin zur Kleidung der eigenen Frau kann man sich da einige Baustellen vorstellen. Islamisches Erb- oder Familienrecht vielleicht als erstes. Da ist es nämlich am einfachsten, den „eigenen“ Glauben auszuleben, am Körper der eigenen Frau(en). Oder zu versuchen, dass die islamischen Regeln zivilrechtlich gespiegelt werden bzw. das deutsche recht sozusagen unter Scharia-Vorbehalt kommt. Dahin ist noch ein weiter Weg, aber der eine oder andere und Verbände gar denken sehr langfristig.

A propos Frauen: Vereinzelt waren vielleicht welche auf der Empore, das ist nicht so gut erkennbar:

 

 

Die Frage, wo denn die Frauen im Ausschuss sind, stellt sich daher weniger, da es klare Sache ist nach dem Personal-Tableau: Sie spielen einfach keine Rolle. Kompetenz und Weisungsanspruch in Rechtsfragen können nicht von einer Frau verkörpert werden, weil sie – halt eine Frau ist. Sie wird nicht als Autorität anerkannt – weil sie eine Frau ist. Gewiesen an den gesellschaftlichen Katzentisch.

Oder anders ausgedrückt: All diejenigen, die sich vielleicht der Illusion hingaben, bei den fundamentalistisch eingestellten Vertretern sei die Geschlechtertrennung nicht auch mit einigen anderen, grundsätzlichen Fragen verbunden, werden sich jetzt die Augen reiben müssen. Kopftuch mag man für sich selber wählen, auch die Hand nicht jedem reichen. In einer freien Gesellschaft ist das vielleicht persönlich noch erträglich und mag als religiöse Spezialität durchgehen. Aber das kommt allermeist im Paket: Wer sich einer bestimmten fundamentalistischen Richtung bewußt (und das nicht nur aus persönlicher Frömmigkeit tut oder nach eigenem Geschmack) unterwirft, trägt das Kopftuch vielleicht noch freiwillig. Dann aber folgen Forderungen nach. Wenn die Gesellschaft unfreier wird und wenn zumindest binnenkonsensual die Regeln anders gesetzt werden, dann ist das, was nachfolgt, nach dieser Unterwerfung, nicht mehr freiwillig: Man wird gar nicht mehr gefragt, denn man ist nicht mehr auf Augenhöhe.

Insofern wird sich die Wirkung dieses neuen Ausschusses an zwei Sachen vielleicht zuerst zeigen: An den von diesem Ausschuss gegenüber der Mehrheitsgesellschaft artikulierten Forderungen und daran, wie sich die Frauenrechte in der Community gestalten und ggf. verändern.

Da ist Aufmerksamkeit angesagt.

 

 

* Bei Herrn Dadas ist noch fraglich, ob er in diesem Kreis die DITIB vertritt oder für sich selbst steht und nur bei der DITIB ist. Als Funktionär ist er in dieser Schreibweise nicht aufzufinden.
Nachtrag 02.04.2016:

Dr. Dadas ist nach Auskunft der DITIB ein Funktionär der Diyanet:

http://www.if-berlin.de/konferenz-zur-berechnung-der-gebetszeiten-in-deutschland-am-12-maerz-2016.html

Man beachte die verschiedenen Inhalte des Aufrufs.

** gemeint ist wohl

https://de.wikipedia.org/wiki/Ali_al-Qaradaghi

Der Herr ist auch auf dem Bild erkennbar:

https://www.google.de/search?q=dr+ali+al+qaradaghi&num=100&newwindow=1&rlz=1C1AVNG_enDE694DE694&espv=2&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwim2PKLx57TAhWFExoKHbzRCrcQ_AUICCgB&biw=819&bih=521#imgrc=03YRzqOSvkfebM:

Nachtrag 12.04.2016:

Es sind weitere Bilder von diesem „event“ aufgetaucht. Auf den Bildern sind neben Ibrahim El Zayat Abdul Adhim Kamous und Ferid Heider. Aber auch ein Dokumenten-Bild, das die Unterschrift der DITIB trägt.

Fatwa Ausschuss Zayat 160412Fatwa Ausschuss Kamouss 160412

Ibrahim El Zayat                                                        Heider                          Kamouss

Der Herr El Yazidi war auch dabei:

Das DITIB-Dokument:

Fatwa Ausschuss DITIB 160412

Quelle

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