Islamistische Heiler – viel Glaube, wenig Hoffnung

Medizinische Rituale gewinnen Terrain bei Gläubigen

Die Ausübung der Heilkunde ist in Deutschland an eine Zulassung oder Bestallung geknüpft: Nicht jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf anderen Menschen heilende Einwirkung versprechen. Ärzte dürfen das – nach Approbation. Heilpraktiker dürfen dies auch – sofern sie eine diesbezügliche Genehmigung haben. Wird klar gemacht, dass es sich nicht um eine medizinische Handlung, sondern ein Glaubensritual handelt, darf leider sogar der „Heiler“ suggestiblen oder verzweifelten Menschen seine Dienste als Gewerbe anbieten. Es muss aber zu jeder Zeit klar sein und der Heiler muss im Streitfall darauf hinweisen, dass z.B. sein Internetangebot und ein Praxisaushang auf den Umstand aufmerksam machen, dass es sich NICHT um eine medizinische Vorgehensweise handelt. Eingriffe darf er nicht vornehmen und auch nichts zur Einnahme verordnen, allenfalls frei bleibend empfehlen. Heilpraktiker dürfen erstaunlich viel, insbesondere wenn man weiß, dass sie keine Ausbildung nachweisen müssen, sondern nur den Vorgaben der Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz genügen:

https://www.gesetze-im-internet.de/heilprgdv_1/BJNR002590939.html

Die vielen Personen, die im Zuge einer erstarkenden islamischen Rückbesinnung nun alte Heilrituale wiederbeleben, unterliegen also hierzulande ganz normal diesen Vorschriften zur Ausübung der Heilkunde. Das ist nicht unter  Religionsfreiheit zu fassen und wird auch nicht so behandelt, weil ein Heileingriff die Sphäre religiöser Betätigung deutlich verlässt.

Islamische Geistliche dürfen also als solche keine Heilrituale anbieten jenseits des allgemeinen Gebets zur Gesundung. Sie dürften explizite Heilrituale nur im gesonderten Raum, in dem auf den nichtmedizinischen Charakter aufmerksam gemacht wird, ausführen. Andere Personen muslimischen Glaubens können sich auch nicht per se darauf berufen, dass diese Handlungen religiös abgedeckt sind. Das sind sie nicht beim „Schamanen“, der Moxibustion anbietet, das sind sie nicht beim christlich motivierten Heiler, der Krebs durch Handauflegen heilen zu können vorgibt und das sind auch nicht beim Arzt, der fest daran glaubt, frisch gepresster Zitronensaft in der Bauchhöhle verhindere die Infektion. Therapie, Ausübung sind an Regeln geknüpft, die für alle gleichermaßen gelten. Man darf im gesetzlichen Rahmen nur das, wozu man Berechtigung und Befähigung hat und darf nicht, weil man diese Regeln nicht beachtet, anderen Menschen schaden. Unkenntnis schützt auch dort vor Strafe nicht.

Beim sog. Hijama, dem blutigen Schröpfen, ist die rechtliche Sicht völlig klar: Personen ohne Heilpraktikerschein mindestens dürfen das generell nicht anbieten. Wer von solchen Vorgängen Kenntnis erhält: Bitte dem zuständigen Gesundheitsamt (oder mir) zur Kenntnis gegebn. Wegen des völlig anderen Verständnisses von Gesundheits- und Krankheitsursachen bestehen zudem erhebliche Zweifel an der Durchdringung moderner Hygieneregeln.

Trotzdem findet diese Herangehensweise, wohl häufig in eben dieser Unkenntnis der gesetzlichen Regeln, immer weitere Verbreitung. Beispielhaft:

 

Diesen beiden mit Mobilfunknummern identifizierbaren Personen, ein „Bruder“ und eine „Schwester“, scheint in keiner Weise klar zu sein, dass sie dies alles nicht dürfen. Das sind erkennbar völlig verschrobene Zuschreibungen. Man tut nur so, als bieten man Medizin an – es ist jedoch Quacksalberei reinsten Wassers.

Bei anderen Akteuren kann man sich direkt einen Eindruck von der Betätigung verschaffen:

Oder hier sogar an einem muslimischen Frauentreff:

Es fällt auf: Alles völlig ungeregelt sogar unter dem Gesichtspunkt, dass nicht einmal der Name der ausführenden Person genannt wird. Es ist aber das Mindeste, dass eine Person, die an anderen Heilrituale, die medizinische Handlungen sein sollen, vornimmt, sich mit ihrem richtigen Namen zu erkennen gibt. Nur so kann man ggf. eine Ausbildung nachvollziehen, kann im Zweifelsfall geklagt werden. Diese Heilrituale und -angebote sollen an muslimischen Einrichtungen nicht selten offeriert werden. Medizinisch geschulte Besucher sollten auf diese Dinge dringend die zuständigen Behörden aufmerksam machen bzw. dies kritisch beobachten. Die Nichtanerkennung gesetzlicher Beschränkungen, der religiöse Rollback und die bewußte Abkehr hin zu einer islamistischen Weltanschauung sind dabei fließend in ihren Grenzen.

Ganz gefährlich wird es einerseits bei ernsthaften körperlichen Erkrankungen oder bei relevanten psychiatrischen Diagnosen. Bei ersteren kann wertvolle Zeit mit Heilritualen vertan werden. Zeit, die verrinnt, die ggf. nicht mehr einzuholen ist. Betroffene haben durch die Fixierung auf Heilrituale evtl. keine Hoffnung mehr, eine Hoffnung, die die wissenschaftliche Medizin vielleicht noch begründet hätte bieten können.

Bei Erkrankungen der Psyche kann eine religiöse Umdeutung zu schwerstwiegender Eigen- und Fremdgefährdung führen. Psychisch Kranken muss von Psychiatern oder Psychologen geholfen werden, nicht vom Imam oder einem bestimmten Geistlichen.

Auch die Nutzung von Ritualen zur mentalen Beeinflussung kann diese Wirkung haben: Psychotische Sichtweisen können unter bestimmten Umständen induziert werden. Die Dinslakener Gruppe kann man als Beispiel nennen: Sie wurden erst „behandelt“ mit einer teufelsaustreibung (siehe BR-Bericht) und dann, psychisch beeinträchtigt, für den Jihad gewonnen. Der Preis für diese Art Rituale ist spätestens dann zu hoch.

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