Vogel – Mazyek 1:0

Über Zielgruppen und Zielerfüllung islamistischer Marketing-Experten

Pierre Vogel und Aiman Mazyek stehen beide im Licht der Öffentlichkeit. Beide scheinen das zu genießen, man könnte sie beide also etwas salopp und nicht beleidigend gemeint als „Rampensäue“ bezeichnen, also Personen, bei denen der öffentliche Auftritt gewollt Teil der persönlichen Wirkung ist. Beide produzieren sich dem Anschein nach gerne vor Publikum. Das ist an sich, einmal losgelöst von den problematischen Inhalten, die beide vertreten, nichts Ehrenrühriges und ist vielfach vorzufinden, von den Medien über Show-Geschäft bis hin zur Politik. Das kann einem liegen, da ist Vieles aber auch erlernbar und übungsabhängig. Es ist bei beiden aber auch Teil des persönlichen Geschäftsmodells. Beide scheinen von ihren Auftritten und den Medien zu leben.

Doch wie wirken beide in die Gesellschaft hinein?

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Vogel zieht über die Wahl der Medien, die nicht ganz freiwillig ist – er ist seit Jahren nicht mehr in den Talkshows – ein jüngeres Publikum an und will das auch. Er veröffentlich viel über You-Tube, mithin selbstproduzierte Videos, macht live-Mitschritte auf Facebook und in anderen sozialen Medien. In den Medien wird über ihn berichtet, weniger mit ihm noch gesprochen (im Gegensatz zu Bernhard Falk). Das behindert ihn allerdings kaum. Auch die Art der Auftritte macht die junge Zielgruppe deutlich: Er zieht umher. nennt das „Dawa“, also Missionierung, und tritt in Moscheen ebenso auf wie in der Fußgängerzone. Er erfüllt und gibt den Dress-Code vor der Personen, die er ansprechen will: Angeblich islamisch konfome Kleidung, äußeres Erscheinen und Auftreten. Er benutzt in seiner Sprache sehr häufig islamische Floskeln. Er bemüht sich um ein Auftreten, das ebenso jovial wie humorvoll wirken soll: Seht her, man kann strenggläubig UND lustig sein. Das verfängt bei Jüngeren, um die strengen Regeln und Entsagungen locker zu verkaufen. Pierre Vogel wäre in einer besseren, anderen Welt wohl Gebrauchtwagenverkäufer*. Er verkaufte den Trabbi als schicken Sportwagen.

640px-Aiman_MazyekMazyek hingegen ist Dauergast in diversen Fernseh-Formaten. Das hat seinen Grund in der Bequemlichkeit der Talkshow-Redakteure, in der hartnäckigen Eigenwerbung und der durch Mazyek beförderten Fehleinschätzung vieler Journalisten, er vertrete nennenswerte Teile der muslimischen Community. Doch nicht nur die TV-Kollegen folgen da ihren Gewohnheiten. Mazyek wird sehr häufig von Print- und auch Hörfunk-Journalisten nachgefragt.  Er bemüht sich seriös zu wirken. Sein Dress-Code ist deutscher Klein-Unternehmer. Er bemüht sich um seriöse Sprache, versucht, die Sprache des jeweiligen Gesprächspartners zu spiegeln: Politiker-Deutsch für Politiker, Medien-Slang für Journalisten, Soziologen-Deutsch für wieder andere (und manchmal auch zur Abgrenzung absichtlich anders) und für Bürger gibt er den Mitbürger von nebenan, der bei der Verleihung des „Ordens wieder den tierischen Ernst“ auch schon mal den Karnevalisten mimt. Alles für den Verkauf erzreaktioner Werte, die hinter der Schunkel-Fassade verhandelt werden. In den Gesprächskreisen, wo es dann weniger lustig zugeht. Da wo der Herr Mazyek dann für die ATIB einsteht oder andere problematische Vereine.

Aktuell nennt er sich in seinem Lebenslauf auf der Seite des Zentralrats der Muslime „Medienberater“ und freier Publizist: Es ist also so, dass er nicht nur als Verbandsfunktionär agiert, sondern in dieser Beratungstätigkeit in ganz eigener Sache handelt. Das ist statthaft, aber Medien-Leute müssten das eigentlich trennen: Wann spricht er als Verbandsfunktionär, wann macht er Beiträge um ihrer selbst Willen als Werbung für sich? Spricht man viel mit Muslimen, so stellt sich das nämlich durchaus anders dar, wenige fühlen sich explizit durch ihn vertreten. Die Politik wiederum kommuniziert mit ihm, weil er so bekannt ist und weil Mazyek die vielleicht 20.000 Mitglieder seines Verbandes so verkauft, als spreche er damit für relevante Teile eben dieser muslimischen Community. „Zenralrat “ klingt wichtig. Das ist der Schein; man belese sich zu den Realitäten auf seiner Verbandsseite. Er selber schweigt sich zu der Anzahl der von ihm vertretenen Personen hartnäckig aus. Vielleicht weiß er es selber nicht. Mazyek ist vor allem erst einmal Mazyek. Dass er mit dem gegenwärtig von ihm vertretenen Verband auch einen Tarn-Verein der Grauen Wölfe vertritt, dass mehrere Vereine dabei sind, die wohl vom Verfassungschutz beobachtet werden – das nehmen anscheinend zu wenige Journalisten und noch weniger politisch Aktive wahr. Sie schunkeln munter vor und für die Kamera mit jemandem, dessen reale Existenz als Verbandsvertreter erheblich vom Image abweicht. Das funktioniert nur, weil die schöne Ignoranz für alle Beteiligten dieses Trauerspiels so überaus bequem ist. In einer besseren anderen Welt wäre auch Aiman Mazyek Gebrauchtwagenverkäufer*. Er verkaufte den Trabbi als gediegenen Oberklasse-Wagen, gemütlich, repräsentativ und haltbar.

Beide sind in den sozialen Medien aktiv, um ihre Sichten zu verbreiten.

Soziale Medien bilden jedoch auch Hinweise auf die wahren Verhältnisse ab. Vogel hat ca. 160.000 Personen auf Facebook, die seinen Einträgen folgen. Mazyek ca. 4900 fb-Freunde. Von letzteren gehören viele zur sogenannten Mehrheitsgesellschaft oder haben beruflich mit ihm oder seinem Verband zu tun. Was der Herr Mazyek schreibt oder verkündet, darauf reagieren selten mehr als 200 andere Nutzer, wiederum sehr viele aus der sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Eine solche Reaktion schafft Vogel mit seinen Ansprachen schon mal in wenigen Minuten. Sicher ist das Publikum, das Mazyek anspricht weniger internetaffin, da es älter ist. Und es werden viele von denen, die er erreicht über die klassischen Medien, auch nicht bei Facebook zum Beispiel angemeldet sein. Der klassiche Pierre Vogel-Anhänger wiederum liest seltener das Feuilleton der FAZ, oft lehnt er die „Mainstream-Medien“ gänzlich ab (man müsste wirklich einmal eine repräsentative Umfrage unter Muslimen zur Medien-Nutzung machen!)

Mazyeks Wirkung ist also vor allem eine in die Mehrheitsgesellschaft hinein. Das ist das, was man von einem klassischen Lobbyisten auch erwarten könnte: Zielgruppe als Verbandsvertreter sind andere Verbandsfunktionäre, weniger die Menge, zwecks noch weiterer Kooperation. Zielgruppe für ihn als Lobbyisten sind die Entscheider. Zielgruppe in eigener Sache sind die Medien. Vogel hingegen wirkt mehr in die eigene Communty hinein, vor allem auf die jungen Menschen. In gewisser Weise ergänzen sie sich. Vogel formt viele der Jüngeren, Mazyek klopft die Vertreter der Mehrheitsgesellschaft so mürbe, dass sie sogar konservativste Verbände und vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierungen bzw. deren Vertreter neuerdings als wertvolle und voranbringende Gesprächspartner sehen. Heilige Einfalt! Mazyek wäre also, um bei den Metaphern zu bleiben, auch sehr talentiert, um im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ eine Schneider-Rolle glaubhaft auszufüllen: „Nie war das Gewand so prächtig wie heute, Euer Majestät!“

Natürlich wollen beide das Wort „Islamismus“ nicht so gerne hören und als Zuordnung in der Gesellschaft haben. Beide wollen nur die Unterscheidung Muslime und Terroristen gelten lassen. Mit letzteren hat man nichts direkt nachweisbares zu tun, ja. Und natürlich sind beide keine Terroristen, die Mehrheit der jeweiligen Anhänger bzw. Vertretenen selbstredend auch nicht. Sie agieren gekonnt legalistisch. Aber beide wollen nicht nur selber in der Menge der Muslime mitschwimmen und untertauchen, wollen nur separieren zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen oder Ungläubigen. Beide wollen – als Salafist, als Muslimbruder – Deckung nehmen hinter den säkularen Muslimen. Das machen sie nicht nur für sich, sondern Vogel auch für „seine“ „jungen Wilden“ und Mazyek für seine Grauen Wölfe, seine Muslimbrüder und was da noch so alles im ZDM mitmischt (und selbst wenn man selber demokratisch gesonnen ist, die anderen, die nicht so eingestellt sind, mitträgt!). Ziel ist, dass man Salafisten und Islamisten im allgemeinen nicht separieren kann, damit man auch über die Inhalte nicht gesondert reden kann. Das müssten sich mehr der vernünftigen, liberalen Muslime laut verbitten. So laut, dass die Medien sie einladen. So laut, dass die 160.000 mehrheitlich jungen Anhänger von Pierre Vogel merken, dass nicht ihre Interpretation des Islams die ist, die in eine (hoffentlich friedliche) Zukunft führt.

Bei den jungen Muslimen – und auf die kommt es an – wird es relevant sein, wer da die Meinungsführerschaft übernimmt. Außer den Salafisten ist da (zu) wenig selbstorganisisert zu sehen und auch bei denen, die gegenwärtig wollen und sogar politisch und medial hofiert werden, steht mittelfristig nicht die Demokratie auf der Agenda. Die Politik sucht sich schon wieder die falschen Gesprächspartner und angeblicjhe Kombattanden aus, die doch nur ein wenig Trittbrett fahren wollen. Da besteht eine Menge Beratungsbedarf in der Politik, denn es kann nicht sein, dass man lediglich die salafistische Agenda durch die der Muslimbrüder oder der DITIB ersetzt. Das ist maximal schädlich, nicht nachhaltig und vergeudet jede Menge Steuergelder.

 

* nichts gegen Gebrauchtwagenverkäufer, das ist mehrheitlich ein ehrenwerter Beruf; schwarze Schafe gibt es aber überall. Leider prägen sie häufiger einmal das öffentliche Bild des Berufsstandes. Insofern bitte ich für die Metapher bei den Gebrauchtwagenverkäufern um Pardon. 🙂

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