Außer Kontrolle

Fortsetzung des Prozesses gegen Aria L.

Teil 1, von gestern:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/03/schoene-landschaft-mit-viel-blut/#more-4379

Der Publikumsandrang am zweiten Tag ist geringer: Weniger Zuschauer, keine Kameras, kein Bernhard Falk. Aria L. trägt heute ein graues Kurzarm-Shirt und eine Lederjacke. So könnte er auch weggehen mit „den Jungs“.

Die Mekka-Reise vom Dezember 2013 ist noch mal Thema. Wie er sich das habe leisten können, will das Gericht wissen. Nach zähem Nachfragen, wie er ohne Job etwas habe ansparen können, erzählt er, er habe das Kindergeld zurückgelegt. Auf die Frage, von wem er denn die 5000 Euro für die Syrien-Reise zusammenbekommen habe, antwortet Aria L. nicht Er will keine Namen nennen. Er kennt seine Rechte und lässt dies die Staatsanwaltschaft und das Gericht auch spüren. Er lächelt, als er sagt, dass er darüber keine Auskunft geben muss.

Obwohl er keinen richtigen Job hatte und noch bei der Mutter wohnte, war eine junge Frau etwa 1,5 Jahre bei ihm. So genau wisse er das nicht mehr. Er wirkt nur mühsam beherrscht, wenn er über sie spricht, wertet sie vollständig ab. Sie habe sich „eingenistet“ bei ihm, es habe häufig Streit gegeben, weil sie psychisch krank sei, etwas mit Borderline. Ob er dieses Fachwort tatsächlich im Zusammenhang mit der Freundin hörte, erscheint fraglich. Mit der Freundin habe er gestritten, weil sie ihn gehasst habe. Mit dem Tragen eines Kopftuchs habe das nichts zu tun gehabt. Als die Fotos von der verprügelten Freundin am Richtertisch in Augenschein genommen werden sollen, läuft er breitbeinig hin und steht dann locker wie am Tresen neben den Bildern. Er habe sich geschämt, mit einer „so freizügigen Frau“ gesehen zu werden. Er habe gerne die Kontrolle. Sie sei kurz vor seiner Ausreise wieder zu ihren Eltern gezogen.

 

Bei Vorhalten oder Einlassungen des Gerichts fällt Aria L. immer wieder ins Wort. Er ist nicht zu bremsen und sein Verteidiger wirkt das eine oder andere mal unglücklich. Er weiß, dass es bei Weiterlesen