Hildesheim: Ein Hotspot in Niedersachsen

Hildesheim weist mit etwa 20 bekannt gewordenen Fällen von Ausreisen nach Syrien in Relation zur Einwohnerdichte die höchste Ausreiserate in Niedersachsen auf. Das Phänomen bildet aber nur einen Teil der Realität ab: Seit Jahren bauen sich dort Strukturen auf, die gegen ein friedliches Zusammenleben gerichtet sind.

Manche dieser Aktivitäten sind offen sichtbar, während andere mehr im Verborgenen blühen. Vor einigen Wochen beklagte der LKA-Präsident Uwe Kolmey anlässlich einer Podiumsdiskussion in Hildesheim“

„Wer sich gegenüber den Behörden derart verschlossen zeige und jeden Dialog verweigere wie die Verantwortlichen dieser Moschee, müsse sich nicht wundern, wenn er besonders beobachtet werde und öffentlich in ein schlechtes Licht gerate.“

http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Razzia-gegen-Salafisten-in-Hildesheim

Die Einlassung bezog sich auf den „Deutschsprachigen Islamkreis“ in der Nordstadt.

In der Fußgängerzone konnte man schon 2013 eine lokale Eigeninitiative beobachten, die die jungen Männer verschiedener fundamentalistischer Strömungen gemeinsam in Aktion brachte:

 

Jenseits von Sammlungen in den Moscheen wurde 2014 in einigen niedersächsischen Städten von Salafisten öffentlich Geld gesammelt, von dem Polizei und Verfassungsschutz annahmen, es werde nicht für humanitäre Zwecke wie angegeben, verwendet:

http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/salafisten-verkaufen-kuchen-in-niedersachsen_a_18,0,1257958427.html

Der „Deutschsprachige Islamkreis e.V.“ (DIK) ist in mehreren Städten vertreten. Formal sind das getrennte Vereine. Wie mittlerweile allgemein üblich bei solchen Vereinen, werden die Aktiven in den meisten Quellen gar nicht mehr benannt, bestenfalls werden Strassen, nur der Verein selber oder gar nur Postfächer bekannt gemacht.

In der Hildesheimer Dependance des „Deutschsprachigen Islamkreises“ waren neben Muhamed Ciftci alias Abu Anas auch andere Szenegrößen von Abu Adam (Sven Lau) über Abu Dujana (Said El Emrani) bis hin zu Abu Walaa (Ahmad Abdulazi Abdullah).

Dem Umfeld wahrscheinlich zuzuordnen ist ein „Abu Gharib“ (die „68“ in dem Namen eines youtube-Kanals gibt möglicherweise das Geburtsjahr an). Über den seit 7 Jahren bestehenden youtube-Kanal werden Botschaften an die Anhänger gebracht:

https://www.youtube.com/channel/UCQavbSnuv3bONO5QQWyqt7A

Einen kurzen Einblick zur Zahl der Anhänger dieses speziellen Vereins gab 2012 die Aufnahme eines Gebets:

 

In aktuellen Einlassungen, die anders aufgemacht sind als die bisherigen Einträge auf diesem Kanal und die auf Eigenaktivität statt Weitergabe hinzudeuten scheinen, wird massiv gegen die Mehrheitsgesellschaft agiert. Neben dem unten verlinkten Bittgebet, in das wohl auch die jugendlichen Täter (Hannover, Essen kann man spekulieren) und Rückkehrer eingeschlossen scheinen, werden verschiedene kleine Vorträge gehalten.

 

Besonders angetan scheint dem Vortragenden es das Verhältnis zu den „Ungläubigen“ zu haben. Die Überschriften sprechen zwar in gewisser Weise schon für sich. Das Anhören ist aber durchaus interessant, weil man die völlige Abkehr von und die strikte Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft selten so klar und verächtlich auf deutsch hört.

„Bosheit der Kuffar“:

 

„Kuffar zu Verbündete nehmen“:

 

Das ist nicht nur Abschottung, sondern klare Gegenhaltung, die nicht nur als Organisation, sondern auch persönlich gelebt werden soll.

Aus einer relativ aktuellen (Mitte April 16) erfolgten Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums, s. u., ergibt sich, dass Hilfsprojekte mit einem Anteil von gut einem Sechstel wohl direkt Ausreisen ermöglichten:

„Unter den Ausgereisten befinden sich zwölf Personen, die an Hilfskonvois in Richtung Syrien
teilgenommen haben.“

Da der vom Verfassungsschutz seit Jahren beobachtete Verein „Helfen in Not“ auch eine Hildesheimer „Filiale“ hat und sowohl „Helfen in Not“ als auch der DIK unter den gleichen Mobilnummern erreichbar sind:

Helfen in Not Hildesheim 160508

liegt es nahe, dass diese Sammelstelle sich wahrscheinlich in der Steuerwalderstraße (Telefonnummern) in Hildesheim befindet. Es ist möglich, dass auch von dort Hilfsgüter versandt wurden. „Helfen in Not“ macht aktuell wieder eine große Krankenwagen-Aktion:

Helfen in Not krankenwagen-Projekt 2016 160508

Das Interessante an diesen Transporten ist ja, dass jedes Fahrzeug mindestens einen Fahrer benötigt und es dann wenig auffällt, wenn manche nicht zurückfliegen.

Die Szene ist vernetzt. V.a. die Prediger können Informationen weitergeben, die man weder per mail noch telefonisch weitergeben will. Wenn es zutrifft, dass einer der Verdächtigen von Essen (Anschlag auf das Sikh-Gebäude vor drei Wochen) auch in Hildesheim Kontakte hatte, dann ist der DIK sicher eine der ersten Adressen, die einem einfallen können. Unter der Annahme, dass Ausgereiste und Reservoir an Salafisten in Hildesheim sich ungefähr verhalten wie Gesamtzahl der Salafisten zur Gesamtzahl der Ausgereisten in Niedersachsen , kann man in Hildesheim alleine von etwa 150 Personen ausgehen. Das ist eine hübsche Gruppe an „Brüdern“, die eine kleine Gegengesellschaft bilden (zuzüglich ihrer Familien). Man wird sehen, inwieweit auch diese möglichen Bezüge eine Rolle gespielt haben.

 

 

 

Weiterer Lesestoff:

Für einen Überblick über die Szene in Niedersachsen lese man die Große Anfrage der CDU vom Dezember 2015:

17/4808 – Niedersächsischer Landtag

und die Antwort der Regierung, die vor etwa 3 Wochen verfügbar wurde:

17/5492 – Niedersächsischer Landtag

Eine knappen und übersichtlichen Einstieg in die salafistische Szene in Niedersachsen bietet die Broschüre „Salafismus kompakt“ des Niedersächsischen Ministeriums des Inneren und Sport vom Dezember 2015.

Durchsuchungen in Hildesheim Anfang April:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Durchsuchungen-bei-Salafisten-in-Hildesheim,salafisten290.html

Wachsende Szene:

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Salafisten-Szene-in-Niedersachsen-waechst,salafisten284.html

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