Rechenschaft vor den Kuffar

Vierter Tag der Verhandlung gegen Aria L. vor dem OLG Frankfurt am 17.05.2016

Teil 1: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/03/schoene-landschaft-mit-viel-blut/
Teil 2: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/04/ausser-kontrolle/
Teil 3: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/11/mucke-muckis-und-moschee/

 

Zur Verlesung kommen weitere Auszüge aus der Telekommunikationsüberwachung (TKÜ). Aria L. telefoniert viel und lange zu nächtlicher Stunde. Viel mit Hayat L., die er nach der Rückkehr kennen lernte. Ihr erzählte er auch von der Zeit vor der Ausreise.

Zeitweise bestand bei L. wohl der Plan, gemeinsam mit einem Kumpanen nach Marokko zu gehen, dort einen Laden zu eröffnen. Der Vater werde alles vorbereiten und organisieren. Er sei für das Leben hier nicht geeignet, meint er. Der Plan zerschlägt sich dann.

Es wird im Verlauf deutlich, dass L. viele marokkanische Freunde aus Nador hat. Er sei von den älteren Marokkanern der Moschee, in der er verkehrte, häufig eingeladen worden. Gegessen habe er bei ihnen, aber auch den Kindern Nachhilfe in Mathematik erteilt. Auch Glaube sei ein Thema gewesen. Viel Dawa habe er aber auch mit R. gemacht, habe viel mit den Brüdern von Lies unternommen. [gemeint ist wohl Tunay R. aus Dietzenbach; es wird nicht ganz klar, in welchem Zeitraum das erfolgte, SHM]

Er habe auch viele Vorträge gesehen auf seinem Tablet. Das sei jetzt noch in Syrien, das habe er vergessen. Es seien sehr viele Videos darauf. L. empfiehlt anderen die Vorträge von Abul Baraa und Marcel Krass. Letzterer halte jetzt „undercover“ Vorträge. Gemeint ist wohl die Wohnungsdawa wie sie auch Vogel durchführt, oder die „Seminare“, die er offiziell seinem „Dex-Institut“ zuordnet.

Von der Mekka-Reise im Dezember 2013 kehrt L. in einem desolaten psychischen Zustand zurück. Er selber beschreibt das mit den Worten, er habe damals einen starken Iman gehabt. Parallel gibt er aber auch an, dass er jeden Tag geweint habe. Er habe große Sehnsucht nach Jennah, dem Paradies, gehabt. Um in dieses Paradies zu kommen, wollte er sterben. Die wirklich sichere Fahrkarte aber, um in dieses Paradies zu kommen, ist, für den Glauben zu sterben, Shaheed, Märtyrer zu werden.* Andere Wege, das normale, selbst streng glaubenszentriert geführte, Leben, sind unsicher. Es gibt viele Dinge, die falsch gemacht werden können und dann in die Hölle führen nach salafistischer Lesart. Leider fragt das Gericht nicht nach, auf welchem Wege die Mekka-Reise stattfand. Die enge Verbindung zu Sven Lau, der immerhin zur Trauung anreiste und diese vornahm, sowie derzeit unter Anklage steht, nach Syrien sozusagen weitervermittelt zu haben, könnte auch auf einer Reise entstanden sein. Lau und Vogel haben zu dieser Zeit eine Mekka-Reise angeboten, von der Pierre Vogel vorher sagte, man solle nach ihr „durch Wände gehen können“:

 

 

Ob L. an dieser Reise teilnahm, wurde nicht benannt.

Das Gericht hält vor, diese Motivation passe sehr viel besser zu den Taten und seinen telefonischen Prahlereien als die vor Gericht erzählte. Kämpfen und sterben gehen als Shaheed, dieses Motiv passe zu Vorgeschichte, Bildern und Prahlerei. L. beteuert, die Wahrheit gesagt zu haben. Die Halbwertszeit seiner Wahrheiten ist kurz. Vielleicht ist er aber auch sehr durcheinander und die objektiv heftige Kollision zwischen Selbst- und vermutetem Fremdbild, zwischen seinen subjektiven Wahrheiten und dem objektiv vorliegenden Befund führt zu nebeneinander bestehenden subjektiven Realitätsblasen, die nicht in Kontakt stehen.

Sein Pass sei eingezogen worden. Die Mutter habe von den Reiseplänen gewußt, er habe ihr aber klar gemacht, dass sie ihn nicht aufhalten könne.  Vor der Abreise habe er mit ihr und dem jüngeren Bruder Bilder gemacht. Der jüngere Bruder sei stolz auf ihn gewesen, der, den er mit seiner Hinwendung zum Glauben etwas beeinflussen konnte. Vielleicht ist das der junge Mann heute im Saal, der mit dem Angeklagten über Mimik und Gestik kommuniziert. Noch nach Verhandlungsschluß macht er ihm Zeichen, die nur die beiden Austauschenden zu verstehen scheinen.

L. gibt an, in der Offenbacher Szene nach seiner Rückkehr der Held gewesen zu sein. Es habe einen Hype gegeben, man habe ihn regelrecht gestalkt, meint er. Nach seiner Rückkehr gab es immer wieder weitere Ausreisen.

Er prahlt viel seinerzeit am Telefon mit seinen Taten vor Hayat L. und anderen. Das Gericht will wissen, wie sich das mit seiner Darstellung vertrage, dass er gar nichts getan habe, niemanden getötet habe. Ach, meint Herr L., er rede halt viel und das sei gegenüber einer Frau gewesen, das müsse das Gericht doch verstehen.  Er scheint eine klammheimliche männliche Solidarisierung durch die mehrheitlich männlich besetzte Kammer zu erhoffen. Der vorsitzende Richter versteht jedoch nicht und fragt, ob er nur mit Lügengeschichten bei Frauen punkten könne. Das weist der Angeklagte von sich. Er komme sehr gut an beim anderen Geschlecht. Die Frauen im Zuschauerraum verdrehen mehrheitlich die Augen.

Einer weiteren jungen Frau gibt er gar Bildungsratschläge. Zuvor hatte das Gericht versucht zu klären, was er unter „Kuffar“ verstehe, wenn er diese hasse und „auch nur diesen etwas getan habe“. Der Angeklagte weicht aus. Mal erklärt er der Staatsanwaltschaft, was Mushrikun seien, mal will er nicht so genau wissen, ob Aleviten Kuffar seien. Nach einigem Hin und Her meint er, dass nur die *wirklich* Ungläubigen, also die ohne Gottglauben, Kuffar seien. Die beratene junge Frau hatte sich überlegt, Jura zu studieren, sie war damals noch Schülerin in der Oberstufe. Der Angeklagte machte ihr telefonisch klar, dass sie damit aus dem Glauben falle. Wer menschliche Gesetze anwenden lerne und sie für verbindlich halte, der sei kein Muslim mehr. Menschliche Gesetze seien haram.

Der Angeklagte steht also vor einem Gericht, das er nicht anerkennt. Auf wirkliche Einsicht, Reue und Bekenntnis ist da kaum zu hoffen.

 

 

 

 

 

* Das ist insbesondere für die jungen Männer verlockend, die einiges an Taten aufgehäuft haben, die nach salafistischem Glauben in die Hölle führen. Die Höllenschilderungen der Salafisten (es gibt Videos dazu in größerer Zahl) sind sehr explizit und geeignet, labilen Menschen erheblich Angst einzuflößen. Beispielhaft ein Ausschnitt, das gibt es über Stunden und Stunden von verschiedenen Predigern. Erwachsene Männer heulen Rotz und Wasser, weil sie sich so sehr in diese Imaginationen und überlieferten Beschreibungen hineindenken:

Menschen, die nach einer Art Gehirnwäsche wirklich glauben, dass dies unausweichlich und nahe ist, können in einen erheblichen psychischen Ausnahmezustand geraten. Man beachte auch den martialischen Vorspann.

Eine ähnliche Geschichte:

http://www.bild.de/politik/inland/ismail-issa/akte-issa-der-weg-zum-terror-38410460.bild.html

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