Pokern mit Namen

Die Gülen-Bewegung wirbt mit großen Namen – NRW Arbeitsminister übernimmt Schirmherrschaft

Morgen findet im ISS Dome Düsseldorf ein „Internationales Sprach- und Kulturfestival“ statt.

http://intflc.de/startseite/

Veranstalter ist der Frankfurter Academy Verein für Bildungsberatung e.V. in der Voltastr. 81. Der Verein steht der Gülen-Bewegung nahe:

http://www.fr-online.de/frankfurt/guelen-bewegung-kritik-an-organisatoren-der-deutsch-tuerkischen-olympiade,1472798,14995746.html

Die Schirmherrschaft für das Spektakel hat der NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer – trotz Information über den Hintergrund der Veranstaltung – übernommen.

Gülen Schmeltzer NRW 160526

 

Das ist nicht nur problematisch wegen des ungeklärten Verhältnisses der Gülen-Bewegung zur FDGO, sondern auch, weil die Gülen-Bewegung eine fragwürdige Haltung zu Frauenrechten hat (Hess. Verfassungsschutz). Das kann man als Genosse wissen – als NRW-Integrationsminister muss man das sogar wissen. Auf die Information dieses blogs hin gab es keinerlei Reaktion trotz 14 Tagen Vorlauf. Der Tagesschau antwortete man (anscheinend notgedrungen):

Auf Nachfrage von hr-iNFO verweist das Ministerium darauf, dass es sich um „eine etablierte Veranstaltung zur Kinder-, Jugend- und Kulturarbeit“ handele und die Gülen-Bewegung in Deutschland nicht Objekt der Beobachtung durch den Verfassungsschutz sei. Außerdem hätten auch Politiker anderer Parteien in früheren Jahren die Schirmherrschaft für vergleichbare Gülen-nahe Veranstaltungen übernommen.

https://www.tagesschau.de/ausland/guelen-105.html

Schmeltzer scheint nicht Willens, eine eigene Entscheidung und Bewertung zu treffen. Weder das eine noch das andere ist ein stichhaltiges und tragendes Argument. Ein politischer Offenbarungseid.

Aktuell wird in bisher nicht bekanntem Maß mit Testimonials gearbeitet. Bei einigen der als Unterstützer aufgeführten Personen darf angenommen werden, dass sie nicht so recht wissen, in welchem Zusammenhang sie zitiert werden. Einige Beispiele:

Gülen Obama NRW 160526 PNGGülen NRW Banki Moon 160526

Gülen Schulz NRW 160526Gülen NRW Schulze 160526

Gülen Maziere NRW 160526Gülen müntefehring NRW 160526

Da fehlen eigentlich nur noch der Papst und Mutter Teresa. Das Bundesinnenministerium wurde ebenfalls informiert. Auch von dort keine Reaktion. Die Nichtreaktion scheint System zu haben. Kritische Nachfragen werden dem Anschein nach als „schwierig“ empfunden, während es ganz leicht ist, dem Ansinnen umstrittener Vereine einfach nachzugeben. Allenfalls wird mit dem Rücken zur Wand geantwortet. Das ist unwürdig und das ist unangemessen.

Auch das „Gremium“ ist klangvoll besetzt:

Gülen NRW Kaschuba beierlein NRW 160526

Ates Boos-Nünning NRW 160526

Beierlein wird wohl nicht informiert sein. Karakoyoun ist Vorsitzender der „Stiftung Dialog und Bildung“, die zwar für die Gülen-Bewegung zu sprechen vorgibt, aber nur von 75 von Karakoyoun selbst ausgewählten Personen legitimiert wurde bzw. deren Stiftungskapital (160.000 €) er verwaltet. Eine übergeordnete Legitimation durch Gülen wird in Abrede gestellt. Prof. Kaschuba sitzt seit Jahren im Beirat des Berliner FID e.V., der ein Gülen-naher Verein ist. Seyran Ates ist – nach jahrelanger wechselseitiger und heftiger Gegnerschaft – Anfang 2014 äußerst überraschend in befremdliche Nähe der Gülen-Bewegung gewechselt und ist seither auf einigen Veranstaltungen Aushängeschild gewesen. Die Gründe sind nach wie vor dunkel. Prof. Boos-Nünning tritt immer wieder auf Veranstaltungen der Gülen-Bewegung als Zugpferd auf. Auch dort liegen die Gründe im Dunklen.

Als Unterstützer werden geführt:

Gülen Spaenle NRW 160526

 

Etliche der aufgeführten Personen werden vor der Veranstaltung nicht gewußt haben, wofür sie die Unterstützung leisten. Sie haben wahrscheinlich irgendetwas mit „Kultur“ gelesen oder wahrgenommen und werden sich nicht genauer informiert haben. Andere wie Jörg-Uwe Hahn wollen sich zu der damaligen Schirmherrschaft nicht mehr äußern. Sie haben jedoch nicht nachdrücklich genug darauf hingewirkt, nicht mehr als Testimonial benutzt werden zu dürfen. Und so werden sie weiter benutzt, um anderen politischen Entscheidern das Argument zu liefern, die Bewegung sei unproblematisch, schließlich sei ja der Kollege xy auch… Der Entscheider als Lemming.

All diese Personen werden instrumentalisiert, um kritische Nachfragen durch Medien erst gar nicht aufkommen zu lassen. Bei Kritik werden diese Personen vorgeschoben. Bei oberflächlich arbeitenden Journalisten funktioniert das leider auch. Sie hinterfragen die Marketing-Methode nicht mehr, fragen nicht nach Lichthäusern und Frauenrechten. Das kommt vor, sollte aber nicht sein. Das Mindeste, was man als Journalist tun sollte ist, auch kritische Stimmen zu hören.

In diesen Zusammenhängen sei noch einmal auf die nachgewiesenen Vorgänge in den USA aufmerksam gemacht:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/01/02/us-its-a-long-way-from-pennsylvania/

Dort wurden Abgeordnete mit Reisen und Wohltaten geködert und gewonnen. Der Bewegung nahestehende Vereine hatten dort wenig Skrupel, Politiker, als nützlich eingeordnete Personen und Journalisten unangemessen beeinflussen zu wollen. Ähnliche Vorgänge sind in Deutschland bislang nicht aufgedeckt, aber vorstellbar.

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