DIV e.V. erklärt sein Präventionskonzept

… denkt man, wenn man die Überschrift liest. Es folgt ein Forderungskatalog

Der Deutsch-islamische Vereinsverband (DIV) e.V. war wegen seiner Mitgliederstruktur die letzten Tage medial bundesweit beachtet worden. Eine Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“, das beim Bundesfamilienministerium angesiedelt ist, wurde im Benehmen mit dem Bundesinnenminister de Maziere auf Eis gelegt. Mehrere Mitgliedsvereine werden vom Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz den Muslimbrüdern zugeordnet, andere sollen nach der gleichen Quelle „islamistisch beeinflusst“ sein. Anfängliche Presseanfragen waren nach Angaben von hr-info vom DIV, EIHW und dem I.I.S. (zwei Mitgliedsvereinen) ignoriert worden. Anstelle dessen wurde Gegenöffentlichkeit durch unhinterfragbare Positionierungen des Pressesprechers Dr. Khallouk u.a. auf islamiq.de, in der Islamischen Zeitung, islam.de oder „Der Freitag“ geschaffen.

Junge Ausflug 1604166

Aktuell hat der DIV seine Vorstellung zur Präventionsarbeit auf seiner Seite konkretisiert. Zumindest sagt das die Überschrift. Wesentlich konkreter wird es jedoch nicht:

„8 Punkteplan für eine erfolgreiche Prävention gegen Radikalisierung“

http://www.div-rm.de/8-punkteplan-fuer-eine-erfolgreiche-praevention -gegen-radikalisierung/

Auch dieses Papier stammt aus der Feder von Herrn Dr. Khallouk, der zugleich Stellvertreter von Herrn Mazyek ist im ZMD und der „wissenschaftliche Beauftragte“ dieses Verbandes. In der Einlassung gibt es einige irritierende Sichten:

Um Fördermittel hierfür zu erlangen, sind die Verbände zur Kooperation mit teilweise umstrittenen staatlichen Behörden verpflichtet, was sie einer deutlichen internen Kritik aussetzt.

Ja, die „umstrittenen staatlichen Behörden“. Keine Fragen, keine Kritik, am besten gar kein Kontakt, sondern nur Geld? Welche „staatlichen Behörden“ könnten wohl aus Sicht des Herrn Khallouk und seiner Vereinskameraden „umstritten“ sein? Da sollte man vielleicht doch einmal konkret werden. Das Familienministerium? Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA)? Das Hessische Kompetenznetzwerk Extremismus (HKE)?

Vielleicht sollte der Vorstand des DIV e.V. erst mal daran arbeiten, dass die Menschen, die staatliche Stellen für umstritten halten und schon leichte Kooperation um des Geldes Willen kritisch finden, zu integrieren und sie dazu bringen, dass sie den Staat und diese Gesellschaft nicht für feindlich halten. Da offenbart sich doch das ganze Elend schon in diesem einem Satz.

Von Seiten islamfeindlicher Agitatoren dient ihr Engagement im Bereich Prävention zugleich deren gegen die Verbände gerichteter Propaganda, die ihnen unterstellt, hiermit von der „eigenen Radikalität“ abzulenken oder gar einen Weg gefunden zu haben, mit staatlichen Finanzmitteln Radikalität zu fördern.

Interessant. Immer noch keine eigene Positionierung zu den Mitgliedern, die als verfassungsfeindlich gelten.

Damit die muslimischen Präventionsträger in die Lage versetzt werden, sich gegen diese Angriffe von zwei Seiten angemessen zur Wehr zu setzen und ihre Präventionsarbeit langfristige Erfolge hervorbringen kann, gilt es von Seiten der Politik ein geeignetes Umfeld zu schaffen. Die zentralen Forderungen an die Politik für eine erfolgreiche Präventionsarbeit sind hier in acht Punkten zusammengefasst.

Es ist interessant, dass anscheinend die Forderungen nach Verfassungstreue und schlichte und völlig übliche journalistische Nachfragen als „Angriffe“ bezeichnet werden.

Die unbefriedigenden Ergebnisse anderer in der Prävention engagierter Institutionen sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Präventionsarbeit dort nur von einer Ebene (gewöhnlich nur der sozialpädagogischen) aus durchgeführt wird.

Nachweislich unwahr. Dr. Khallouk ist offenkundig über Präventionsarbeit in der Praxis nicht informiert.

Prävention darf sich nicht auf geförderte Pilotprojekte beschränken, sondern ist von der Politik als gesellschaftliche Daueraufgabe zu begreifen.

Der eine Satz, dem uneingeschränkt zuzustimmen ist.

Wenn die Jugendlichen in der Mitwirkung an wohlfahrtspflegerisch gestalteter muslimischer Gemeindearbeit gesellschaftliche Anerkennung erfahren, sinkt ihre Motivation, sich Ersatzidentität in der radikalen Ideologie der Neosalafisten zu suchen.

Nein. Identität besteht aus so vielen Aspekten. Einer von vielen Aspekten ist die Zugehörigkeit zum muslimischen Glauben. Ist es sehr viel mehr, ist es schon Lebensgestaltungs- und Weltsicht vor allen anderen Einflüssen und Aspekten, werden Menschen nur nach diesem Aspekt hierarchisiert, dann ist es schon Islamismus.

Es besteht die Notwendigkeit zur Einrichtung einer „Clearingsstelle“ der muslimischen Träger von Präventionsmaßnahmen, um die von der Politik angestrebte nationale Präventionsstrategie zu unterstützen und bewährte Präventionskonzepte zu transferieren.

HKE? Kennt Herr Dr. Khallouk die Strukturen denn gar nicht?

Die Politik sollte sich zu ihrer Unterstützung der Präventionsarbeit von Islamverbänden öffentlich und medienwirksam bekennen.

Ambitioniert, wenn man Mitglieder im Verband hat, die sich nicht zur FDGO bekennen mögen oder „staatliche Institutionen“ für „umstritten“ halten.

Sie erreicht auch schwerer die Zielgruppe, deren Misstrauen in staatliche Sicherheitsorgane nicht zuletzt eine Ursache für ihre Radikalisierungstendenz darstellt.

Das ist eine spannende Interpretation: Ist im Grunde der Verfassungsschutz schuld daran, dass es Islamisten gibt?

Eine sachliche und sachdienliche Medienberichterstattung ist vonnöten.

Unter sachdienlichem Journalismus scheint Dr. Khallouk zu verstehen, dass dieser Journalismus IHM zu dienen habe. Wahrscheinlich wie bei den oben genannten Portalen, sollen sich andere Menschen, Journalisten nicht frei ein Bild machen dürfen. Das sind jedoch keine Erzeugnisse freier Berichterstattung, sondern seine eigenen Stellungnahmen. Dass er das genau so meint, zeigt ein kleiner Fund von fb:

Muslime plädieren dafür, dass die Politik uns von islamophoben Journalisten schützt, die den Sozialfrieden unseres Landes gefährden und die Pressefreiheit für Agitation missbrauchen.

DIV Khallouk Maulkorb 160714

Screenshot 14.07.2016 Zitat von der fb-Seite Herrn Dr. Khallouks

Freie Presse gefährdet also den sozialen Frieden? Wenn das Zitieren des Verfassungsschutzes schon Agitation ist, möchte man kaum wissen, was dann die Einschätzung selber ist. Der Verfassungsschutz ist dann wohl einfach „islamophob“. Am besten schützt die Politik dann wohl vor Presse und Verfassungsschutz. Da wünscht man sich wirklich viele, viele kritische Nachfragen bei diesen Positionen.

Rundfunkräte und andere Medien-Kontrollinstanzen sind aufgefordert, entschiedener gegen islamfeindliche Berichterstattung und Kolportage vorzugehen.

Dr. Khallouk müsste erst einmal definieren, was bei ihm unter „islamfeindliche Berichterstattung“ fällt. Da er anderorts schon die schlichte Nachfrage boykottiert ist zu spekulieren, dass er darunter schlicht jede meinung fasst, die ihm nicht gefällt oder gefallen könnte. Freie Presse gibt es nach seinen Vorstellungen dann wohl nicht mehr.

Die Partizipationsrechte muslimischer Zivilgesellschaft müssen hier stärker berücksichtigt werden. Erfolgreiche Präventionsarbeit muslimischer Verbände ist nur zu erwarten, wenn ihr die entsprechende Resonanz in der Öffentlichkeit zuteil wird.

Ergo, wie es scheint, keine Kritik, nicht einmal Nachfragen. Nach dem Verfassungsschutz sind also unbotmäßige Medien schuld, wenn nicht kooperiert wird und dann Präventionsarbeit keinen Erfolg hat.

„Die Aufnahme in staatliche Förderprogramme stellt für Islamverbände zudem ein Zeichen der öffentlichen Anerkennung ihrer Bildungsarbeit dar, die bereits seit Jahren einen entscheidenden – wenn auch nicht als solchen deklarierten – Beitrag zur Radikalisierungsprävention leistet.“

In der Rhein-Main-Region gelang das sicher nicht perfekt. In etlichen Moscheegemeinden, auch solche, die dem DIV e.V. angehören, gelang es bei manchen Personen gar nicht. Sonst hätten wir nicht diese hohe Raten an ausgereisten Personen. Es wurde schlicht nicht wahrgenommen oder sogar unterstützt. Zum beispiel dadurch, dass bekannte Hassprediger eingeladen wurden. Vor großem Publikum.

Es gilt, sich von den öffentlichen Widerständen von der Fortsetzung dieser zentralen Aufgabe im Sinne des gesellschaftlichen Friedens nicht abhalten zu lassen. Dauerhaft erfolgreiche Präventionsarbeit gelingt nur, wenn Staat und muslimische Verbände dabei miteinander kooperieren, sich gegenseitig ergänzen und beidseitig voneinander profitieren.

Nicht um den Preis, Herr Dr. Khallouk, dass Journalisten einen Maulkorb kriegen und der DIV e.V. definiert, was ein Islamist sei. Der DIV e.V. hat, wenn man den Pressesprecher so weiter agieren lässt, sein Problem mit der freien Presse, freien Gedanken und einer demokratischen Linie in unserer Gesellschaft mehr als deutlich gemacht.

Der DIV e.V. erscheint nach den Einlassungen seines Pressesprechers weder demokratisch noch tolerant. Ganz sicher nicht in preiswürdiger Weise.

Der von Dr. Khallouk offerierte gesellschaftliche Frieden ist ein Scheinfrieden, einer, in dem freie Presse unter Machtvorbehalt steht, bis man genügend Macht hat, sich ihr nicht mehr stellen zu müssen oder seine eigene Wahrheit, die hier eine totalitäre scheint, als einzige Wahrheit voranzubringen. Nein, Jugendarbeit, die dazu bringt, den Verfassungsschutz pauschal für umstritten zu halten, die einen Opferdiskurs fördert und die dorthin führt, nur noch Medien mit der „guten, einzigen wahren Glaubenswahrheit“ ernst zu nehmen, wie das Dr. Khallouk selber vorführt, die ist gesellschaftlich schädlich. Die ist schon schlimm, wenn sie gemacht wird. Gesellschaftlich befördern und bezahlen sollte man sie nicht auch noch.

Dann lieber attraktive Angebote in Stadtteil-Projekten für Jugendliche, die dann halt aus den Moscheen herausgehen, weil die städtische Jugendarbeit schöner, interessanter und freundlicher ist. Wo Mädchen und Jungen sich selbst entdecken können und nicht vornehmlich ein altes Regelwerk. Dann macht man gemeinsame Demokratie-Erziehung und -Projekte, die allen gemeinsam etwas bringen und den Zusammenhalt stärken als die Absonderung. Menschlich wird das nicht ihr Schaden sein, denn diese Gesellschaft bietet Menschen, die es ernst meinen mit der Partizipation, recht viel. Man kann Teil sein dieser Gemeinschaft, aber man muss es auch sein wollen. Auch der Dr. Khallouk hat das genutzt, trotzdem schätzt er diese Gesellschaft nicht. Für mangelnde Wertschätzung gibt es aber noch kein Projekt.

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