Zweifelhafte Kooperationen II

Der Deutsch-syrische Verein und seine Kooperationen – unterstützt von der Stadt Darmstadt und wie solche Dinge passieren

Fortsetzung zu:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/07/21/zweifelhafte-kooperationen-i/

Auch im Auswärtigen Amt schien man um die fragwürdigen Einbindungen von Islamic Relief nicht zu wissen und unterstützte das in Projekten:

http://ds-verein.org/aufrechterhaltung-medizinischer-versorgung/

Finanziell unterstützen werden die vier Krankenstationen vom Auswärtigen Amt und Islamic Relief Deutschland im Zeitraum September bis Ende Dezember 2013.

http://ds-verein.org/neue-krankenstationen-in-syrien-intensivstation-kann-weiter-arbeiten/

Das war zwar nach der Erstmeldung Israels in 2008, aber noch vor der Bestätigung 2014.

Auch der Dachverband, dem der DSV angehört, hat Problemzonen.

http://verband-dsh.de/ueber-uns/

So wurde mit dem Verein „Weiße Flügel e.V.“ in Hanau kooperiert, der wegen Akteuren aus dem salafistischen Spektrum (siehe PV-Video aus Hanau [@ Dr. MR]) in der Kritik war:

http://www.fr-online.de/zuwanderung-in-rhein-main/salafismus-helfer-unter-salafismus-verdacht,24933504,32220980.html

Ein Vortragsredner des Verbandes, Vorstandsmitglied, fiel in Darmstadt durch Antisemitismus auf:

http://www.echo-online.de/vermischtes/campus/darmstadt/asta-geht-auf-distanz-zu-vortragsredner_15255705.htm

Janus-dimon21

Bild: http://thetalkingshow.kchungradio.org /post/76267617450/the-talking-show-puts-on-its- janus-head-mask-and

Sowohl die Kooperationspartner als auch die ideologische Grundlinie im Verein scheinen zunächst nicht überprüft worden zu sein.

Da wird dem Anschein nach bei Projekten immer nur ganz, ganz eng an den Formalien geprüft: Für den Schritt zurück, für die Überlegung, wen man unterstützt, scheinen Zeit oder Arbeitsauftrag zu fehlen. Dafür scheint keiner zuständig. Schaut man sich das im Kontext an, so ist da Testimonial-Domino gespielt worden: Keiner prüfte anscheinend mehr ernsthaft, wenn schon der (als seriös eingestufte) Vordermann nur das Eigenmarketing sah. Zur Selbstberuhigung mag man da annehmen, dass der Vordermann doch als seriöse Behörde oder Einrichtung hätte prüfen müssen? Nein. Schon eine Schwachstelle, einer, der abhakte an dem Tag, weil er Kopfschmerzen hatte oder weil er dem Verein sehr, sehr gewogen ist, reicht aus und schon kann das Spiel losgehen. Gelöscht wird nämlich i.d.R. nicht mehr bei solchen Organisationen – die getäuschte Einrichtung bleibt bis zum jüngsten Tag öffentlich stehen und wird weiter als Testimonial benutzt, auch wenn sie nur ein Projekt finanzierte.

Dadurch, dass Islamic Relief Deutschland (IRD) nicht hinterfragt wird, wird auch der Darmstädter Verein nicht hinterfragt. Man könnte fast meinen, dass man nur schaut, ob eine schöne und präsentable Internetseite vorliegt und Gesprächspartner bei Dialogtreffen nicht gleich unangenehm auffallen. Anders ist es kaum zu erklären, dass Umstände, die ganz leicht und öffentlich verfügbar (!) vorliegen, von den entscheidenden Stellen nicht vorher in Erfahrung gebracht wurden. Bei dem Ausschütten von Mitteln und Preisen wird alles gegeben – beim Prüfen, wer das Geld oder den Preis bekommt, hingegen nicht. Dafür fühlt man sich wohl nicht zuständig, dafür gibt es dem Anschein nach keine Anweisung von der Behördenleitung. Diese Einbindungen waren wohl nicht bekannt, als das Hessische Sozialministerium 2015 den Integrationspreis vergab. Die örtliche Integrationsbehörde scheint ebenfalls nicht Willens oder in der Lage, diese problematischen Einbindungen wahrzunehmen. Da wurde anscheinend nur die überschaubare Hilfe, die im Rahmen der Flüchtlingsankünfte abgefragt wurde, gesehen und nicht die Vergangenheit und die Einbindungen geprüft.

Vielleicht weiß man auch einfach nicht, was z.B. Muslimbrüder sind, wie Unterwanderung funktioniert und wie man sie erkennt. Wahrscheinlich liest man eher nicht die Verfassungsschutzberichte. Natürlich kann es auch sein, dass man zwischen Scylla und Charybdis im Integrationsbereich meint wählen zu müssen: Vorhandene Ansprechpartner so nehmen, wie sie sind, oder zugeben, dass man keine passenden, aber sehnlichst gewünschten Ansprechpartner findet. Letzteres scheint politisch nicht (mehr) ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden: Lieber etwas Potemkin, denn der wirkt wenigstens noch so, als habe man das Heft des Handels in der Hand. In Darmstadt gibt es nur weiße und bunt karierte Schafe, und seien sie noch so mühsam bemalt.

Der Darmstädter Oberbürgermeister hatte eine Patenschaft für den Verein übernommen, diesbezüglich wurde Mitte Februar nachgefragt. Wahrscheinlich hat er es gut gemeint. Auch hier darf berechtigt bezweifelt werden, dass jenseits einer kleinen Befragung der örtlichen Integrationsbehörde vorher genau hingesehen wurde. Da nach Information gerade weitergemacht wird, kann man das nachfolgend sicher als Absicht verstehen. Aus gut gemeint wurde etwas, was nicht mehr gut ist. Man will anscheinend keine Fehler zugeben, so wird dem Anschein nach lieber versucht, den Fehler nicht sichtbar werden zu lassen, ja ihn bestmöglich zu tarnen, bis das gar nicht mehr als Fehler erscheint, sondern man nur noch ein kleines Steinchen in einem großen Puzzle ist. Schließlich haben die anderen ja mitgemacht, sind ähnlich verfahren. Das beruhigt, sofern einen doch einmal ein schlechtes Gewissen überkommen mag, schließlich positioniert man sich ja öffentlich gegen Antisemitismus. Und dann so etwas? Das schreit nach weiteren Ehrungen, weiteren Einbindungen und – weiterem Geld.

Natürlich könnte man für Projekte Personen auch direkt bei der Stadt beschäftigen. Aber, so ähnlich wie bei den an vielen Orten in der Republik fehllaufenden PPP-Projekten folgt man einem Trend: Man will örtliche Partner so einbinden, dass man ihnen Geld gibt, damit sie gesellschaftlich gewünschte Tätigkeiten übernehmen. Dort, bei PPP, war ja das eigentliche Argument, dass man Geld einsparen wolle (durch Senkung der Standards usw.). Dass es nun vielerorts teurer wird, weil noch eine Organisationsstruktur und damit Gewinnabschöpfungsebene entsteht, als dass man tatsächlich spart, wird oft nicht eingestanden. Wirtschaft ist schon schwierig zu durchschauen. Das dicke nachkommende Ende ist ja vielleicht nicht mehr in der Zeit der eigenen politischen Verantwortung. Wer schaut schon längerfristig.

Bei vielen gesellschaftlich notwendigen Dingen kostet das „nur“ Geld. Geht es allerdings um mehr, wird mangelnder Weitblick ganz fatal: Ein schönes Bild mit Verfassungsfeinden (Giffey z.B.), eine Auszeichnung an falsche Personen oder Institutionen, eine Kooperation mit den falschen Partnern stellen da Weichen: Aus einem Fehler werden viele falsche Handlungen, aus einer Halbwahrheit viele Lügen. Wird da nur nachgebessert anstatt neu angefangen, wird unehrlich operiert. Kommt zu der fehlenden Selbstreflexion über eine Fehleinschätzung auch noch eine anders gelagerte Ideologie, wird es bizarr: Die eigentlichen Erkenntnismängel werden als höhere Einsicht verkauft.

Dass es fatal ist, die Handlungshoheit in manchen Bereichen wegzugeben, zeigt sich erst Stück für Stück. So ist es auch hier: Für ein bisschen Integrationsarbeit, die auch anders zu organisieren wäre, öffnet man einem Verein alle Türen, der offen mit den genannten Organisationen kooperiert. Was sagt das über die Grundausrichtung dieses Vereins? Zunächst, dass er über entsprechende Kontakte verfügt, also Organisationen heranzieht, die u.a. der Muslimbruderschaft nahestehen. Dass er auch keine Probleme mit der bekannt antisemitischen IHH hat, deren Schwesterorganisation in Deutschland immerhin verboten ist. Braucht man wirklich Personen und Einrichtungen in der Flüchtlingsarbeit, die da keine Grenze ziehen können oder wollen? Und selbst wenn man sie bräuchte und die Problemzonen sähe: Wie wollte die Stadt Darmstadt sicherstellen, dass das öffentliche Geld nicht doch auch in andere Kanäle fließt, weil sich der Verein über die öffentlich geförderte „Professionalisierung“ mindestens eigene Kosten spart? Wie will die Stadt Darmstadt sicherstellen, dass nicht fragwürdige Konzepte und Ideologien nicht nur nicht erkannt werden, sondern auch weiterverbreitet werden? Wie wollen die Stadt Darmstadt und das Land Hessen verhindern, dass ihre mutmaßliche Nachlässigkeit, die in öffentlichen Bekenntnissen zu diesem Verein mündete, als genereller Ausweis der Unbedenklichkeit gesehen wird, trotz der problematischen Einbindungen?

Mit anderen Worten: Wie will man jetzt noch verhindern, dass nicht nur Gelder fließen, sondern man auch seinerseits instrumentalisiert wird?

Auf diese Fragen gibt es, wie es scheint, keine guten Antworten. Nur unterschiedlich schlechte.

4 Gedanken zu „Zweifelhafte Kooperationen II

  1. Mir wird an Ihrem Text nicht klar, was Sie an Islamic Relief kritisieren, wo deren Probleme oder Gefährlichkeit liegen soll. Bisher kenne ich sie als Preisgewinner unabhängiger Organisationen und als zuverlässig arbeitend. Wenn Sie die Beziehungen von Islamic Relief zu Muslimbruderschaften kritisieren wollen, dann kritisieren Sie bitte auch alle Beziehungen westlicher Hilfsvereine zu christlichen Organisationen – und wenn Sie all diese auflösen wollten, bliebe nichts und niemand mehr übrig. Warum erscheint es Ihnen offenbar unmöglich anzunehmen oder anzuerkennen, dass die Stadt Darmstadt Prüfungen des Vereins vorgenommen hat? Oder denken Sie, der Stadtrat ist von Muslimbrüdern unterwandert?

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  2. „Echsenwut“: Zunächst wäre es sinnvoll, mit Klarnamen zu kommunizieren – ich tue das auch.

    Sie wissen aber schon, dass die Muslimbruderschaft vom Verfassungsschutz beobachtet wird? Bitte lesen Sie doch einmal den Verfassungsschutzbericht. Mir ist auch nicht klar, ob Sie „Islamic Relief“ meinen oder den DSV. Sie stellen die Muslimbruderschaft auf eine Stufe mit beliebigen christlichen Organisationen? Also eine Bitte hätte ich da schon: Um diese Dinge zu durchdringen, reicht es nicht, die Ringparabel gelesen zu haben oder sich darauf zu kaprizieren. Sie machen es sich unglaublich einfach. Hamas ist für Sie ok?

    Die Stadt Darmstadt hat eben nicht ordentlich geprüft meiner Ansicht nach. Die hat vielleicht auf Ringparabel-Niveau geschaut und da wird man solcher Dinge natürlich nicht gewahr oder hält sie für unproblematisch, weil man die Linien gar nicht erkennt oder erkennen will. Mit irgendwelchen Strohmännern kommen Sie – mit Verlaub – bei mir nicht weiter. Sie können die Belege lesen – ob Sie sie verstehen, ist dann Ihnen überlassen.

    Und: Warum sollte ich etwas nachweislich Falsches, Kenntnisloses und politisch Schädliches akzeptieren? Ein solcher Untertanengeist irritiert mich. Wenn die Entscheidung meiner begründeten und belegbaren Meinung – die durchaus eine Fachmeinung ist – nach falsch ist, sehe ich es als meine Pflicht an, dies zu sagen. ich habe das zunächst den zuständigen Stellen z.K. gegeben. Wenn man dort nicht einmal in der Lage ist, Sachbelege angemessen zu gewichten, dann mache ich das halt öffentlich. Das habe ich beim DIV z.B. auch nicht akzeptiert und das war auch gut so. Immerhin haben der Herr de Maziere und die Frau Schwesig das dann eingesehen, obwohl die Lokalpolitik und die lokale Integrationsbehörde sich in diesem Fall ähnlich stellte.

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    • Für mich erscheint es höchst sinnvoll, nicht mit Klarnamen zu kommunizieren.
      Was da so alles vom „Verfassungsschutz beobachtet“ wird, ist nicht wichtig. Der VS beobachtet sehr viel und nicht selten gibt er anschließend Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus. Und dass derzeit sehr viele muslimische Organisationen beobachtete werden, versteht sich angesichts der anwachsenden Islamophobie von selbst.
      Irren Sie sich bitte nicht in meiner Person; ich habe mich durchaus persönlich mit Muslimbrüdern in Ägypten unterhalten und finde keineswegs, dass sie im Vergleich zu einer deutschen CDU eine radikalere, bedenklichere, gewaltverliebtere oder allgemein gefährlichere Organisation wäre. Sämtliche Versuche, ihnen Radikalität und Nähe zum Terror nachweisen zu wollen, sind ins Leere gelaufen. Schauen Sie nach England: David Cameron wollte dem ägyptischen Diktator zuliebe eine Untersuchung anfertigen lassen, die der Muslimbruderschaft Nähe zum Terror nachweist. Allerdings kam die Untersuchung zu einem ganz anderen Ergebnis; weil Cameron sie somit nicht als Geschenk für den Diktator zur Verfügung hatte, unterdrückt er sie bis heute. Sie existiert – darf aber nicht veröffentlicht werden.
      Bisher sind in der gesamten Öffentlichkeit noch keine dubiosen Methoden von „Islamic Relief“ aufgetaucht und so halte ich es für objektiv nachvollziehbar, wenn eine Stadt Darmstadt etwa hinsichtlich dieses Vereins keine verdächtigeren Indizien aufgefunden hätte als eine Katholische Arbeiterbewegung etwa liefern würde.
      In diesem Zusammenhang verstehe ich Ihren Verweis auf die Ringparabel leider überhaupt nicht; mir ist nicht ansatzweise klar, wie diese mit dem Thema „Islamic Relief“ zusammenstehen könnte.

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  3. „Für mich erscheint es höchst sinnvoll, nicht mit Klarnamen zu kommunizieren.“

    Ja, wie soll man Sie denn dann ernst nehmen?

    Entweder Sie stehen, zu dem, was Sie schreiben, und können wir uns auf Augenhöhe begegnen oder wir lassen das.

    Muslimbrüder = CDU? Das ist ja mal eine spannende Sicht. Nein, da kommen wir nicht überein. Ich kann und will Ihnen die Unterschiede nicht einzeln vorerzählen. Wenn für Sie die VfS-Berichte wohl keine Quelle sind, was ist es dann?

    Sie sind entweder schlecht informiert oder versuchen, den Lesern Sand in die Augen zu streuen.

    Ein Beispiel:

    http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/news/uk_news/National/Terrorism/article1651954.ece

    Was von Cameron meinen Sie? Quelle wäre schon gut.

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