Bruderschaft ohne Brüder

Die IGD, die MJD und die verschwiegene Art der Muslimbrüder

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD e.V.) ist die mitgliederstärkste Interessenvertretung der Muslimbrüder in Deutschland:

In Deutschland verfügt die MB über 1.040 Anhänger. Die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.“ (IGD) ist dabei mit mehreren Hundert Mitgliedern die zentrale und wichtigste Organisation von Anhängern der MB in Deutschland. Neben ihrem Hauptsitz in Köln unterhält die IGD nach eigenen Angaben „Islamische Zentren“ in München, Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt am Main, Marburg, Braunschweig und Münster. Die IGD setzt auf eine an der Ideologie der MB ausgerichtete Strategie der Einflussnahme im politischen und gesellschaftlichen Bereich, um ihren Anhängern Freiräume für eine an Koran und Sunna orientierte Lebensweise zu ermöglichen.

https://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af-islamismus-und-islamistischer-terrorismus/zahlen-und-fakten-islamismus/zuf-is-2015-islamistische-organisationen/zuf-is-2015-legalistische-islamisten/muslimbruderschaft-mb-islamische-gemeinschaft-in-deutschland-igd

Schaut man auf den eigenen Seiten der Organisation nach, so ist man dort wesentlich sparsamer mit den Angaben:

Igd Zentren 160812

Quelle, abgerufen am 11.08.2016: http://igd-online.de/wer-sind-wir/#

Dass man der Muslimbruderschaft angehört oder ihr zumindest sehr, sehr nahe steht, sucht man auf der Seite vergeblich. Zur Abkunft bzw. zur ideologischen Grundlinie mag man also nicht offen stehen. Man geht anders vor, dezenter:

Mit diesen [i.e. gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichteten Zielen, SHM] Zielen und entsprechenden Aktivitäten gefährden die in Deutschland lebenden Anhänger der MB die außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland. […]

Auch in der Bundesrepublik Deutschland ist die MB mit rund 1.600 Anhängern in verschiedenen, in das international verflochtene Netzwerk eingebundenen Gruppierungen vertreten. Vorrangiges Ziel ist es, die hier lebenden Muslime ideologisch zu beeinflussen und für sich zu gewinnen. Die Anhänger der Muslimbruderschaft treten öffentlich kaum in Erscheinung. Die von der Organisation betriebenen Islamischen Zentren dienen zum einen als Veranstaltungsorte für politische Agitation, zum anderen haben sie als Begegnungsstätten die Funktion einer Klammer für Anhänger islamistischer Organisationen diverser Länder.

http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de/portal/index.php?navigation_id=12328&article_id=54221&_psmand=30

Lieber setzt man auf die persönliche Wirkung und Vernetzung, auf die „Partizipation“. Partizipation ist ein schönes Wort. Teilhabe woran? Gesellschaftlicher Einfluß? Soziale Achtung? Öffentliche Gelder?

Ein wesentlicher Punkt einer tatsächlichen Teilhabe ist Ehrlichkeit. Ehrlichkeit über die Struktur, Ehrlichkeit über die Zuordnung, Ehrlichkeit über die tatsächlichen Interessen.

Diese Ehrlichkeit sucht man bei vielen Einrichtungen, die bei genauer Betrachtung der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind, vergeblich. Lokale Politiker werden als persönliche Leumundszeugen gewonnen. Auch kirchliche Dialogpartner zeigen sich so beeindruckt von der ostentativen Freundlichkeit, dass sie selbst nach glasklarer Zuordnung nicht von den Muslimbrüdern lassen wollen. Operation gelungen, die politisch Aktiven und die Kirchenleute wurden erfolgreich in die Strategie eingebunden. Bei rechtem, linken oder sektenartig organisiertem Extremismus wäre das zu Recht undenkbar. Beim islamischen Extremismus geht da viel mehr, auf der Basis einer im Grunde paternalistischen Schönfärberei ist man nur zu gerne bereit, nicht drüber zu reden, wenn denn nur keiner damit anfängt. Dabei ist das unsere einzige Chance: ehrlich darüber zu reden. Diese Personen wurden also als kenntnislose, aber nützliche Spielbälle in die Bruderschaft sozusagen integriert. So herum geht das also auch, Tauziehen mit Fanatikern kann so ausgehen.

Wie wunderbar man mittlerweile den Integrations-Neusprech beherrscht, zeigt das Plakat der diesjährigen IGD-Tagung, die für den Oktober anberaumt ist:

 

 

Das sieht – in schwarz-rot-gold – so wunderbar integriert aus. Und „wir“: Sie haben „WIR!“ gesagt! Das erwärmt das Herz eines jeden Dialog-Führenden, der keinen wirklichen Dialog  mit echten Menschen führen will, sondern nur eine authentisch wirkende Dialog-Simulation mit seinen Ideen zelebrieren. Man ist auf der Seite des IGD sicher auf der richtigen Linie marketingtechnisch, wenn man alte SPD-Kampagnen imitiert („Das WIR entscheidet!“). Das klingt vertraut, so heimelig. Wer mit dem „wir“ gemeint ist, traut sich dann schon keiner mehr zu fragen. Kosmetik ist alles und so mancher, der Verfassungsschutzberichte nicht liest, ihnen misstraut oder sie gar aktiv ignoriert, wird dorthin gehen. Die Hardliner auf dem Plakat fallen dann schon mal aus der Aufmerksamkeit heraus. Die lächeln doch alle so nett. Und wer schaut da schon auf die fragwürdige Organisation auf dem Plakat? Niemand.

Beim Jugendverband, der Muslimischen Jugend Deutschlands e.V. ein ähnliches Bild. Nirgendwo findet sich eine Zuordnung, nirgendwo ein Verweis, wem man ideologisch folgt (die alte MJD-Seite ist nur noch im webarchiv, wie es scheint). Statt dessen alles so schön bunt bei den jungen Muslimbrüdern:

 

Auch da wurde ein gängiges Bild benutzt: Wer bunt ist, kann nicht braun sein, kann kein Extremist sein. Infantil, harmlos und unbefangen.

Wer es schafft, solch ein Bild von sich zu erzeugen, der hat schon halb gewonnen. Der lässt – sogar bei Offiziellen – die Bedenken der Verfassungsschützer in einem Wirbel bunter Assoziationen zerstauben wie im LSD-Rausch. Vor lauter Farbe sieht man nichts mehr.

Das führt dann dazu, dass eben jene Muslimische Jugend in Deutschland, die nach wie vor im Verfassungsschutzbericht als der Muslimbruderschaft zugehörend erwähnt wird:

https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2015.pdf

http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/9/01289.pdf

als Schirmherrin die Bundesfamilienministerin gewinnen konnte.

http://www.teegegnung.com/#!die-initiatoren/c19y9

So was von bunt:

http://www.teegegnung.com/#!schirmherrschaft-/c1ca3

Man ahnt: Über Islamismus und die Ideologie der Muslimbrüder wurde da sicher nicht geredet. Man tut einfach so, als existiere diese Anbindung nicht. Man nimmt das Eigenmarketing nicht nur hin, sondern lässt sich als Testimonial instrumentalisieren. Anscheinend bestehen bei Frau Schwesig wenig Bedenken, mit der Jugendorganisation einer verfassungsfeindlichen Gruppierung Tee zu trinken. Ob bei der Jugendorganisation der NPD ähnliche Dialogbereitschaft bestünde? Das darf mit Recht bezweifelt werden.

Und so passt es denn wohl in die aktuelle Linie des Hauses, wenn der Leiter des Programms „Demokratie leben!“, Thomas Heppener, nicht nur zum Deutschland Meeting der MJD ins hessische Bad Ob vor 3 Monaten hingeht, sondern sich auch für ein Grußwort instrumentalisieren lässt, in dem fortwährende Unterstützung zugesichert wird (man glaubt es kaum!):

 

1000 junge Menschen hörten zu, wann hat man schon eine solche Gelegenheit. Ja, man kann allgemein gegen Extremismus etwas sagen. Das ist schön, angemessen und legitim. Aber vor eben diesen 1000 jungen Menschen den gegenwärtigen Hauptzweck von „Demokratie leben!“ zu verschleiern, das hat schon eine besondere Qualität. Vergleicht man die nackten Zahlen, so finden sich 3 Projekte gegen linken Extremismus, 12 gegen rechten und 29 (!) im Bereich Islamismus. Dieses Wort fällt jedoch nicht, sondern es wird peinlich vermieden. Warum eigentlich?

So wie die Bruderschaft ohne bekennende Brüder dasteht, so steht hier, bei diesem Event, „Demokratie leben!“ ohne bekennenden Demokraten da. Zumindest, wenn es um Islamismus geht. Kein kritischer, zum Nachdenken anregender Gedanke wurde geäußert, sondern nur eine Solidaritätsadresse bekundet. Wie sollen diese jungen Menschen denn dann wissen, dass man genau die Ideologie der Muslimbrüder fragwürdig findet, so ohne Rückmeldung? Welches Bild will man vermitteln? Du bist ok, also ist ALLES, was du glaubst, auch ok? Wäre man bei anderen jungen Menschen, die mindestens in der ideologischen Grauzone sind, ähnlich verzagt und vorsichtig? Was ist das?

Die Marketingstrategie der Muslimbrüder geht also auf, denn solche Projekte, solche Auftritte werden nun gegenüber den Verfassungsschützern argumentativ verwendet. Die Feigheit und die Kenntnislosigkeit der einen behördlichen Akteure wird gegen die begründete Sorge der anderen behördlichen Akteure gesetzt. Man schafft es, gegeneinander auszuspielen, kurz, Waldorf gegen Realisten. So gewinnen nur die Muslimbrüder. Auch ganz ohne Bekenner.

 

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Dazu auch:

http://www.kas.de/wf/de/71.15455/

Zu i,slam:

http://www.achgut.com/artikel/ein_islamistisches_gedicht_fuer_manuela_schwesig

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