Schöne neue „Töpfe“

Finanzielle Unterstützung eines Darmstädter Vereins mit zweifelhaften Einbindungen wird immer breiter

Der Träger des Hessischen Integrationspreises 2015, der „Deutsch-Syrische Verein zur
Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V.“ (DSV), ist Kooperationspartner der Stadt Darmstadt:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/07/21/zweifelhafte-kooperationen-i/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/07/21/zweifelhafte-kooperationen-ii/

Zusammen mit der fragwürdigen Hilfsorganisation „Islamic Relief“ (IR) werden gemeinsame Projekte in Syrien gemacht, auch mit der in Deutschland verbotenen, aber in der Türkei aktiven IHH und mit Unterstützung durch das AA. Doch auch in Darmstadt selber schreitet der Einbindungsprozess voran, obwohl Bedenken artikuliert wurden und berechtigt sind:

http://ds-verein.org/mach-mit/stellenangebote/

Nach Eigenauskunft* ist durch die staatliche Förderung jetzt sogar ein Übergang in einen hauptamtlich geführten Verein möglich. Wie hier bei der GIZ wird offenkundig nur das Eigenmarketing und die Eigendarstellung dieses Vereins gehört. Man vernetzt sich weiter und lernt neue, schöne Töpfe kennen und weitere Testimonials. Auch das BMWZ und die GIZ haben die Dachverbandsstruktur nicht durchschaut:

„Diese Veranstaltung fand im Rahmen eines Projektes des Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine e.V. (VDSH), dem der DSV angehört, statt.“

 

 

Kritische Stimmen und eine nüchterne Betrachtung sind dort wohl nicht eingeplant und es darf berechtigt daran gezweifelt werden, dass vorher der hessische (oder irgendein) Verfassungsschutz gehört wurde oder z.B. der Darmstädter Staatsschutz. Dort sollte es auch eine Einschätzung zu dem Verein geben und wenn es nur die wäre, dass man keine Bedenken hätte. Das ist eine verläßliche und notwendige Auskunft, bevor öffentliche Gelder vergeben werden. Die muss man als behördlicher Akteur aber halt auch eigenständig einholen. Solche Abfragen gehören allerdings wohl nicht zum Standard bei den Einrichtungen, die Integration in bestimmten Bereichen als erste Zielvorgabe haben, vom Hessischen Sozialministerium bis hin zur GIZ. Da gilt das Eigenmarketing des Gesprächspartners. Das führt dann – wenn ein anderer einen nüchterneren Blick drauf wirft – manchmal zu Überraschungen wie die Tage hins. DIV beim Bundesfamilienministerium. Ach.

Ein neues Projekt wird jetzt auch vom RP Darmstadt unterstützt:

http://ds-verein.org/vorstellung-unseres-inlandsprojektes/

Das ist im Rahmen dieses Programmes:

https://verwaltung.hessen.de/irj/RPDA_Internet?cid=5c2b4d1aee32bd2b146d669c926dba71

Man beachte den Singular auf der Vereinsprojekt-Seite.

Auch im Webarchiv findet sich leider die Satzung des Vereines nicht:

http://web.archive.org/web/20160501080038/http://ds-verein.org/files/www/satzung/

An Projekten finden sich denn auch konkret benannt bislang nur Auslandsprojekte:

http://ds-verein.org/projekte/

http://ds-verein.org/medien/

Auch im Textv zu obigen Bildern wird die Fokussierung auf Syrien deutlich in der Eigendarstellung, wo, wie schon erwähnt, der DSV mit IR und der IHH zusammenarbeitet.

Das auch schlüssig, denn nach den Zielen ist die selbstbestimmte Vereinsarbeit weniger auf Integration in Deutschland denn Hilfe in Syrien gerichtet:

 

DSV Ziele 160827

Screenshot DSV Seite „über uns“ vom 27.08.2016

 

Im Gefolge zu bewältigender Probleme im Zusammenhang mit ankommenden Flüchtlingen hat die Stadt Darmstadt dann aber wohl irgendwann im letzten Jahr entschieden, diesen Verein zu brauchen und einzubinden, auch wenn es eigentlich wegen Zielen, Ausrichtung und wohl auch internen Problemen (u.a. diejenigen, die mit IR kooperieren, müssen ja im Vorstand sein) sich nicht anbietet. Aber der Name passt halt so schön…

Allem Anschein nach wurde dies vom Amt für Interkulturelles und Internationales der Stadt Darmstadt eingefädelt und unterhalten:

https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/soziales-und-gesellschaft/migration/index.htm

Nun ist es deren originäre Aufgabe, solche Einbindungen zu knüpfen und zu unterhalten. Üblicherweise ist das gut und sinnvoll. Allerdings sind die roten Linien solcher Betätigungen wohl weniger klar als der unbedingte Wille, Marketing für die Stadt zu machen. Die politische Entscheidung war schon beim Bilal-Verein falsch, wo man sich für das öffentlichkeitswirksame Iftar entschied und jetzt durchaus sich den Nachfragen stellen muss, warum man da mitmachte. Konkret beim DSV ist der Oberbürgermeister Jochen Partsch fleißig dabei, der auch schon den „Botschafter“ für den DSV abgab. „Der DSV arbeitet mit uns, der Stadt Darmstadt, in herausragender Art und Weise zusammen“, sagte Partsch bei der Gelegenheit unten. Immerhin so weit, dass die Stadt Darmstadt die Vereinsarbeit „professionalisieren“ wollte oder musste. Der Verein brachte das im Gegensatz zu vielen anderen Akteuren offenkundig nicht zustande und auch nur mit öffentlichem Geld. 

 

 

Wie beim Bilal-Verein erscheint aber auch hier der Wille auf, Bedenken, die man berechtigt haben kann, hintanzustellen, um Arbeit, die man auch anders und als Stadt selber organisieren könnte, mit dem Etikett der Selbstorganisation zu schönen. Wie anderen politischen Akteuren auch scheint Partsch nicht klar, dass genau er bei diesem Testimonial-Spiel mitmacht und es hinterher – wenn einmal die Fragen nach den Einbindungen gestellt werden – wenig helfen wird, nur im Geheimen gute Miene zu einem fragwürdigen Spiel gemacht zu haben. Die Instrumentalisierung findet statt und sie bleibt als schaler Geschmack bestehen, dass politische Akteure sich Entscheidungen nicht (mehr) selber zutrauen und dort auf Wiesbaden warten, wenn es vielleicht doch schon die örtliche Information und Ernstnehmen dieser Information täte. Die Bedenken werden aktuell mit öffentlichem Geld, öffentlicher Anerkennung und Preisen überdeckt. Man wird sehen, wie weit das trägt, und ob die schönen Hoffnungen, die alleine schon mit Preisen bedacht und über jedes Maß belobigt werden, gerechtfertigt sind. Wundern muss auch, dass andere migrantische Initiativen nicht, obwohl sie vielleicht seit Jahren eher stiller und fleißig arbeiten, auf dieses Maß an Unterstützung bauen können. Der genannte Verein scheint die aktuelle Lage und auch die behördlichen Akteure sehr geschickt in seine Langfrist-Strategie einbinden zu können. Diese Art Professionalität kriegt man hingegen ganz alleine hin.

 

.

.

* Da der Deutsch-syrische Verein auf Anfrage hin vor Monaten nie antwortete, kann man schließen, dass er bei kritischen und genaueren Nachfragen nicht im Mindesten so öffentlichkeitsaktiv ist wie bei Einbindungsmöglichkeiten und Marketinggelegenheiten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s