Noch ein Unbelehrbarer

Sadiq Zadran und seine Fans

Der Frankfurter Rapper Sadiq Zadran genießt in Frankfurt und darüber hinaus eine bescheidene Prominenz in der einschlägigen Rapper-Szene. Im Internet hat seine Facebook-Seite immerhin über 150.000 Fans. Im Juni war eines seiner Elaborate „Charlie Hebdo“ auf den Index jugendgefährdender Medien gesetzt worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/06/12/lied-von-frankfurter-rapper-sadiq-auf-dem-index/

Herrn Zadran ficht dies jedoch nicht weiter an. Er hält den Inhalt und die Ausführung dieses ziemlich widerwärtigen Stücks gar aktuell für ein „Meisterwerk“:

 

Fast 2000 seiner Fans finden das auch alleine seit dem letzten Donnerstag. Zadran pflegt den Kontakt zu den Fans, auch „kleinen Brüdern“ wie man sieht (beispielhaft):

 

Diese jungen Männer bleiben als Fans oft erhalten, da sie sich durch solche Begegnungen aufgewertet fühlen. Sie verehren das Image, das Zadran von sich selbst entwarf, das durch Waffen und „dicke“ Autos dominiert ist. Ob die Waffen falsch sind und die Autos nur für einen Tag gemietet oder geliehen sind, erfahren die oft jugendlichen Fans nicht und sie fragen auch nicht nach. Der „schöne“ Schein des Sadiq Zadran ist gutes Leben ohne ernsthafte Arbeit. Ein bissel Musik machen halt und neuerdings „seinen“ Duft abfüllen in Heimarbeit in der persönlichen aktuellen Umsetzung. Das mag noch nicht gut sein; von anderer Betätigung als die narrative Kompetenz im Gruppengespräch beim Essen üben, liest man jedoch nichts.

Es ist eine Scheinwelt im Grenzbereich zwischen organisierter Kriminalität und fanatischem, zumindest aber demonstrativem Glauben. Zadran hat da die Kontakte. Das Selbstbild ist aufgeblasen. Wer sich selbst für „afghanische Löwen“ hält, wird sich schwertun im realen Leben sich auch einmal einer Frau unterzuordnen oder lebenstypische Misserfolge zu ertragen. Es wird ihm nicht leicht fallen, sich um einen Aufstieg zu bemühen, denn der reale Aufstieg ist nicht durch „hit & run“ geprägt, sondern durch Disziplin, Fleiß und auch ertragene Rückschläge. In der „eigenen“ Community wird dies jedoch nicht gesehen. Dort ist Ansehen an äußeren Merkmalen, Statussymbolen, festgemacht, die auch ohne Status und nur als temporärer Schein funktionieren. Diese Parallelwelt ist so aufwertend, dass man sich kaum hinausbegeben mag. Im wirklichen Leben mögen die beiden „Löwen“ einer sein, der sich für einen Künstler hält, und ein Schüler oder Azubi. Da weiß man doch, was man in den Tagträumen wählt. Dass die Umwelt das nicht immer so teilen und spiegeln mag, wird schon als böswillige Abwertung verstanden, auch wenn es nur die notwendige Korrektur eines übersteigerten Selbstgefühls ist. Das Selbstbild wird in der realen Welt demnach dauernd herausgefordert.

Klappt es in dieser Gesellschaft nicht, gibt es Misserfolge, vielleicht weil man den disziplinierten Wissenserwerb nicht gelernt hat oder sonstige Talente, die aber auch vorhanden sein müssen, nicht nutzt, ist bei diesem Selbstbild umgehend klar, dass es nicht die eigene Schuld sein kann. Das ist zwar ein Phänomen, das sich quer durch die Bevölkerung findet, hier aber noch einmal eine besondere Wendung hat (und natürlich haben es Menschen ohne Silberlöffel im Mund geboren schwerer und haben größere Widerstände zu überwinden). Externalisierung ist ein relativ einfacher Weg, nicht an sich selbst zu arbeiten, sondern Erwartungen an die Umwelt zu tragen. Schließlich ist man Löwe. Zum Bespiel findet sich beim uneinsichtigen Herrn Zadran kein Gedanke auch daran, dass mangelnde Marktchancen – ließe man mal die Indizierung außer Acht – dem bösen menschenverachtenden Text zuzuschreiben wären. Radioredakteure würden in dem Machwerk sicher kein Meisterwerk sehen, sondern eine, wenn auch indirekte, Aufforderung zur Gewalt. Dass das keiner würde senden wollen, ist außerhalb Zadrans Parallelwelt jedem offensichtlich.

Dass Zadran und seine Fans sich hinsichtlich dieses bösartigen Liedes als verfolgte Unschuld wähnen, spiegelt deren verfestigte Gegenhaltung; ihre Sicht ist kaum mehr als die Projektion ihrer eigenen Zurückweisung an die „westliche“ Welt. Das, was ein Mitglied der eigenen Community macht, muss per se gut sein, Gegenmeinungen und -handlungen per se schlecht. Man hat im Grunde die Vorstellung, die Zeichner von „Charlie Hebdo“ seien selbst schuld, was fordern sie denn auch „Löwen“ heraus, deren „Ehre“ auch durch Karikaturen schon angegriffen wird. Man stelle sich – Gedankenexperiment – einmal das Umgekehrte vor: Eine Band verherrlichte die NSU-Morde und bezeichnete das als Kunst*. Der Aufschrei wäre groß und zwar völlig zu Recht und durch alle gesellschaftlichen Schichten. Auch bei den Zadran-Fans. Es gibt zivilisatorische Standards, die auch – in der öffentlichen Darbietung – nicht mehr von der Kunstfreiheit abgedeckt sind. Dass sie das aber nicht im „umgekehrten“ Fall begreifen, zeigt die Kluft zwischen ihnen und der Mehrheitsgesellschaft auf. Da, jenseits dieser Kluft, stellen sie sich allerdings selber hin. Zadran und Rapper wie er halten die Fans mit ihrer „Musik“ dort und das ist nicht zuletzt für die Fans selber schädlich. Er gibt Opfer- und Gewaltmythen vor. Das macht ihn trotz sehr überschaubarem wirtschaftlichem Erfolg zu einem, der die Gesellschaft weiter spaltet und Desintegration fördert, einem, der Gewalt wahrscheinlicher macht.

 

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* Wer sich zu der höchst problematischen rechten Musikszene belesen will, kann hier einsteigen:

http://www1.wdr.de/archiv/nsu/nsu-untersuchungsausschuss-nrw-rechte-musikszene-100.html

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