Mahnwache vom 22.10.2016

Von 16:30 Uhr bis 18:30 Uhr am Brockhausbrunnen auf der Zeil. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die umsichtige Betreuung.

In kleiner Besetzung scheinen die LIES-Aktivisten ihre Verteil-Aktion aufrecht zu erhalten. Sie waren, nur 100 Meter entfernt, gestern wieder vor Ort (Ostausgang Karstadt). Die beiden LIES!-Aktivisten von letzter Woche tauchten weder auf, noch waren das die vor dem Karstadt.

 

Parallel wurde gemeldet, dass die Muslimbrüder auch auf der Zeil waren und einen „Infostand“ machen. Sie suchen das Gespräch mit Passanten und versuchen, für ihre Sichten, die sie aber nicht klar artikulieren, zu gewinnen. Eine Marketing-Aktion. Hinsichtlich der Problematik der Muslimbrüder s. auch auf diesem blog.

Mehrere junge Muslimas treten heran, die nach dem Sinn der Aktion fragten. Sie kritisieren den Begriff „Islamismus“. Sie wollen, dass wir diesen Begriff nicht benutzen, sondern „Terrorismus“. Als ich erkläre, dass es auch darum geht, dass wir genau über Islamismus reden, stimmen sie nicht zu. Eine junge Frau, Muslima, „westlich“ gekleidet, sieht zwar den Sinn der Aktion, meint aber, dass man „viel mehr Mitstreiter gewinnen könne“, wenn man einfach nur „gegen den IS“ schreiben würde. Das gestehe ich zu, meine aber, dass wir dann über genau die Ursachen und die Radikalisierungsmomente und Vorbedingungen durch die Strassenradikalisierung nicht mehr sprechen würden. Viele Passanten betonten ja gerade, dass die Koranverteilung ganz harmlos sei, es werde ja nur der Koran verteilt. In der Community werde nicht breiter diskutiert, dass diese Koranverteilung einen fundamentalistischen Islam propagiere und die Kontakte in die jihadistische Szene im Umfeld herstelle. Dass diese Ideologie nicht nur in den Krieg in Syrien führe, sondern auch an den Schulen verbreitet werde. Darauf hatte sie keine Antwort

Ein Mann mittleren Alters aus dem Iran lässt sich die Aktion erläutern. Er stimmt zu und fragt dann nach unserem religiösen Hintergrund. Auf meine Einlassung, dass verschiedene Gläubige an unserer Aktion schon teilnahmen, ich selber aber Atheistin sei, merkt er an, dass er selber Zoroastrier sei. Er kenne also die Problemlage.

Mehrere englischsprachige Passanten fragen nach. Ein Teil versteht recht gut Anliegen und Zweck und stimmt zu. Ein junges, „westlich“ gekleidetes Paar, vielleicht osteuropäische Muslime, ist sowohl der deutschen als auch englischen Sprache nur unzureichend mächtig, bleibt aber über einen längeren Zeitraum bei der Aktion. Nachdem es zunächst so schien, als hätten sie verstanden, tauchen nach weiteren Gesprächen mit Mitstreitern wieder Missverständnisse auf, die bis zum Ende nicht ausreichend zu erläutern sind.

Zwei autochthone Passantinnen beschimpfen ünabhängig wüst, wir seien „eine Schande“. Es sind ältere Damen, die nicht verstehen, aber auch kein Wort der Erklärung zulassen, sondern nur reflexartig agieren. Zu der Zeit hält ein Mitstreiter auch ein Plakat „Muslime! Lasst euren Glauben nicht in den Dreck ziehen, steht auf gegen ISIS! Schließt euch an!“. Es ist schon erstaunlich, wie sehr auch mancher in der Mehrheitsgesellschaft nicht des Lesens mächtig ist.

Ein vielfach gepiercter junger Mann mit viel sichtbarem Metall im Gesicht, beschimpfte ebenfalls, wenn auch leiser. Auch er ließ keinen Satz der Erläuterung zu, meinte aber, er habe sehr wohl verstanden.

Eine SPD-Frau aus einem Frankfurter Ortsverein fand die Aktion und auch die Plakate gut, meinte aber, dass wir den oft auch offen artikulierten Antisemitismus des Islamismus nicht thematisieren sollten bzw. meinte, wir sollten das weglassen. Die Begründung war, dass es in der Mehrheitsbevölkerung auch solche Ressentiments gebe. Da allerdings kann ich mich nicht anschließen: Wenn Antisemiten zusammenhalten, ist das deren und ein gesellschaftliches Problem, aber nicht das der Realtitätswahrnehmung oder unseres. Wir jedenfalls finden es wichtig, dass auch dieser Aspekt genannt wird (zum. als Adjektiv auf einem Plakat und als Diskussionsstartpunkt). Die Auswahl der Zuschreibungen auf dem einen unserer Plakate hat ja gerade den Sinn, über verschiedene Problembereiche des extremistischen Islams sprechen zu können, weil da eine Position gesetzt wird.

Drei junge autochthone Männer erkundigen sich freundlich. Wir tauschen uns kurz aus und ich erläutere grob Islamismus als Spezialfall des Totalitarismus (es schienen Abiturienten). Sie finden das alles wichtig, weil nur so – wenn Demokraten das erläutern und nicht rassistisch oder anders ablehnenswert hergeleitet wird – die Ängste und Sorgen in der Bevölkerung durch Demokraten aufgefangen werden können. Dass nur so über das, worüber wir als Gesellschaft sprechen müssen, in angemessener Form und Konnotation geredet werden könne. Sie bedanken sich und es scheint, sie sind nicht nur interessiert, sondern haben auch von dem Austausch profitiert.

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Ein junger Mann, vielleicht nordafrikanischer Herkunft, fragt nach. Die Antwort scheint jedoch nicht zu interessieren, sondern er fragt mitten in die (kurze!) Entgegnung gleich das nächste. Es ist deutlich in der Struktur darauf angelegt, sich eben nicht auszutauschen, sondern vor der Gruppe nur vorzuführen. Diese johlt und ergötzt sich daran, wie der junge Mann mich vermeintlich in argumentative Not bringt. Zumindest behauptet er laut vor einer Passanten-Menge, ich hätte keine Argumente. Ich bezichtige ihn der Rabulistik; davon dass er das Wort nicht kennt (zugegeben: Absicht meinerseits), lässt er sich nicht im Mindesten bremsen. Nach einiger Zeit meint er, ich sähe doch, „wir“ seien wenige und „sie“ viele. Was wir machten, sei ganz sinnlos und Zeitverschwendung. Den Einwand, dass es einerseits unsere Zeit sei und nur er Zeit verschwende, weil er gegen eine „sinnlose“ Aktion sich positioniere, wir aber den Sinn ja sähen, scheint er nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen. Ich mache dann die Mätzchen nicht weiter mit, rückte 5 m weiter. Man folgt mir, ich reagiere nicht mehr auf die dann folgenden Pöbeleien. Nach einiger Zeit verzieht sich der Troß. Wahrscheinlich fühlt man sich hinterher sehr stark.

Eine Gruppe junger Männer steigt über ein bekanntes Muster ein: Fragt kurz nach, und verteidigt dann die LIES-Aktivisten als normale Muslime. Man solle sich doch um seine eigenen Dinge kümmern. Als ich entgegne, dass die Strassenradikalisierung eben auf der Strasse stattfinde, und somit uns alle anginge, erreicht sie das Argument nicht. Sie meinen, dass das andere nichts anginge, was die LIES-Aktivisten machten. Auch das Beispiel einer Mutter, die ihren Sohn durch die LIES-Aktivisten verloren hätte, wirkt nicht. Man geht dann dazu über, mir vorzuwerfen, ich „stänke aus dem Maul, solle erst mal meine Zähne putzen, das sei ja eklig“ usw. (leider O-Ton). Eine Art der Herabsetzung, die nach meiner Beobachtung im europäischen Raum nicht so vorkommt. Auch von Personen aus Pakistan z.B. kommt das beim „bull baiting“ nicht in dieser Weise. Da es nicht selten gebracht wird und immer von Personen aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum (schon nicht mehr sonstiges Afrika nach meiner Einschätzung) scheint es sich um eine kulturelle Besonderheit zu handeln. Man müsste einmal schauen, wo das in der Erziehung herkommt. Der Vorsprecher der Gruppe junger Männer – so stellt sich dann im Weiteren heraus – kommt aus Hanau und von einer bestimmten Schule. Auch gibt man sich als „Kunde“ eines bestimmten Imbisses zu erkennen.

Gegen Ende taucht wieder eine junge, sehr große und stark überschminkte Frau auf. Ich hatte mit ihr schon Vorbegegnungen (sie war jeweils mit dem Nachwuchs unterwegs) der Art, dass sie bereits zweimal mein Plakat entweder beschädigt hatte oder das versuchte. Eine hochaggressive junge Frau, die bedingungslos die LIES-Aktivisten verteidigt. Sie begreift nicht – sie ist intellektuell nicht ganz auf der Höhe, fühlt sich aber maßlos überlegen und brachte wieder den demographischen Faktor in primitiver Weise ins Spiel – dass eben jene ihr zuallererst das Make up wegnehmen würden und auch die sehr körperbetonte Kleidung. Äußerlich „westlich“ steckt unter dieser Kleidung jedoch ein aggressiver Fundamentalismus, der jedem Faschismus in nichts nachsteht. Man kann es nahezu körperlich fühlen, wenn man ihr gegenüber steht, ihr in die Augen blickt und ihre wirklich hasserfüllten Tiraden hört: Diese junge Frau wäre – bei Möglichkeit – Willens, einen durchaus zu töten (diese Empfindung ist durchaus selten bei mir). Sie zieht Kinder auf, vollzieht sogar diese aggressiven Handlungen vor dem Nachwuchs. Man kann nur hoffen, dass in der Schule ausreichend gegengewirkt wird. Die Kinder können einem leid tun. Sie werden schlechtere Chancen haben, weil sie mit dieser Abwertung groß werden.

Ein Gedanke zu „Mahnwache vom 22.10.2016

  1. Die Eindrücke einer Mitstreiterin:

    Wieder bildet sich gleich nach Hochhalten der Plakate relativ zügig ein weiträumiger Kreis von Passanten auf der Zeil, die von Ferne interessiert erkunden wollen, worum es bei dieser Veranstaltung geht. Ich halte auch dieses Mal das Schild mit den adjektivischen Beschreibungen des Begriffs „Islamismus“ hoch, gepaart mit der auf der anderen Seite befindlichen Aufforderung an säkulare Muslime, sich anzuschließen. Im Verlauf dieser Veranstaltung bin ich immer wieder auch im Halbkreis umstanden von in der Regel Heranwachsenden mit Migrationshintergrund, die Mädchen sind westlich gekleidet. Eine besondere Erwähnung bei der Wiedergabe von Äußerungen erfolgt deshalb nur bei abweichender Herkunft.

    Wie gewohnt lässt man sich den Begriff Islamismus erklären und lehnt ihn sofort ab. Darin sei der Begriff „Islam“ enthalten und deshalb seien alle Muslime damit angegriffen. Die Erklärung, dass damit der politische Islam gemeint ist, der das Gesetz Gottes, die Scharia, über das Grundgesetz stellt, konnte nicht nachvollzogen werden. Auch die Ausführungen zur LIES-Aktion wurden mit der Entgegnung erwidert, dass deren Aktivisten keine richtigen Muslime seien und selbst die angeführten Islamisten in Syrien, deren Handlungen viele Muslime zur Flucht veranlassten, konnten die jungen Menschen nicht überzeugen. Zwischendurch werde ich gefragt, ob ich etwas gegen die Scharia habe.

    Ein dreizehnjähriger Junge sticht in den Gesprächen immer wieder besonders hervor, da er ob meiner Äußerungen sehr erregt reagiert. Er begleitet diese Veranstaltung sehr lange und sagt mir irgendwann, wenn die Polizei nicht da wäre, würde er mir mein Schild wegnehmen und in den Brunnen hinter mir schmeißen. Außerdem teilt er mir im Brustton der Überzeugung mit, dass ich froh sein könne, dass es noch nicht so viele Muslime bei der Polizei gäbe, denn dann sähe die Situation für mich hier ganz anders aus.
    Von einem jungen Autochthonen wird er zwischendurch sehr ruhig, sachlich und annehmend darüber aufgeklärt, dass man in Deutschland seine Meinung frei äußern könne und ich das Recht hätte, es auch hier zu tun. Er könne sich ja mit mir auseinandersetzen, woraufhin dieser Junge schier verzweifelt ausruft, dass er das schon seit (über) einer Stunde tue, aber ich ihn nicht verstehe. Ich hätte zudem den Propheten Mohammed beleidigt. Dies bezog er wohl auf meine zuvor gemachten Ausführungen zur Köpfung Hunderter kriegsgefangener Juden in Medina mit Billigung und im Beisein des Propheten, einer der dunklen Flecken in dessen Biographie. Gekontert wurde dieses Mal sofort mit der Judenvernichtung durch die Deutschen. Das seien schließlich sechs Millionen gewesen, also viel mehr als die paar Hundert. Der Hinweis, dass Mohammed nun aber ein Prophet sei, ging unter oder wollte nicht wahrgenommen werden. Zweifel an dessen Person kommen in diesem Punkt nie auf oder werden nicht zugelassen. Als ich im entsprechenden Zusammenhang frage, ob sie persönlich etwas gegen Schwule haben, bekunden mehrere Heranwachsende, die mich umstehen, ihre massive Ablehnung. Schwule seien pervers, das habe schon Allah gesagt und sein Wort gelte für die Muslime, so erklärt es mir der schon erwähnte Dreizehnjährige. Dass die Zuschreibung, der Islamismus sei homophob (so steht es auf dem Schild), vorher von ihnen pauschal abgelehnt wurde, sei nur nebenbei bemerkt. Eine Autochthone über Sechzig ist der Meinung, dass dieser Junge mit seinen Äußerungen eine Grenze überschreite und von offizieller Seite zur Räson gebracht werden sollte. Ich gehe nicht weiter darauf ein und und stimme ihr auch nicht zu, stelle aber fest, dass die Toleranzgrenzen doch sehr unterschiedlich gezogen werden.

    Ein Mann mittleren Alters, der deutschen Sprache im Wesentlichen gut mächtig, regt sich ebenfalls über den Begriff „Islamismus“ auf und lässt die Erklärung hierzu nicht gelten. Er schreitet aufgeregt auf und ab und kommt dann wieder auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass ich von seinem Anwalt hören werde. Ein weiterer Mann gleichen Alters schleudert mir mehrmals das Wort „hell“ entgegen. Ich verstehe es zuerst nicht und muss mehrmals nachfragen. Er meint wohl, dass ich in der Hölle landen werde und entfernt sich sofort wieder.

    Wieder werde ich gefragt, welchen Glauben ich habe. Die Position der Ungläubigen einnehmend, werde ich sofort abgelehnt, nach dem Motto, damit sei ein Gespräch sinnlos bzw. erübrige sich. „Warum stehen Sie eigentlich hier?“ und „Haben Sie Ihre Tage?“ sind Fragen, die mir wiederum junge Mädchen stellen. Ein junges Mädchen, circa 15 bis 17 Jahre alt, sagt mir wiederholt: „Sie haben wohl Mut getrunken.“ Ich kenne diese sprachliche Wendung nicht und frage nach. Sie fordert mich auf, doch einfach einmal um mich zu blicken und will wissen, ob ich denn keine Angst habe. Ich verneine dies und frage nun meinerseits zurück, warum ich denn Angst haben solle. Mir wird daraufhin entgegnet, dass sie doch viel mehr an der Zahl seien und sie meint damit ganz ausdrücklich „die Muslime“.

    Ein Mann in den Zwanzigern mit Migrationshintergrund stellt die ganze Aktion in Frage und sagt, dass sie sinnlos sei. Die Demokratie sei sowieso am Ende und in einiger Zeit seien die Muslime in der Mehrzahl und könnten bestimmen. In einem ähnlichen Zusammenhang frage ich nach, ob ich dann auch das Kopftuch tragen muss und mir wird entgegnet, dass ich das wohl nicht mehr erlebe, weil ich dann schon tot sei.

    Ein junger Mann in Begleitung zweier junger Frauen schaut mich eher verächtlich an und spuckt sehr gekonnt und gezielt mit einem scharfen Strahl vor mir aus. Ich reagiere nicht und blicke ihn nur kurz direkt an.

    Eine Farbige kommt auf mich zu und beschimpft mich als Rassistin, die keine Ahnung vom Islam habe. Als ich dann persönlich von einem der jungen Menschen beleidigt werde, lacht sie herzhaft darüber und geht fort. Eine Autochthone in den Zwanzigern wirft mir lauthals mein Engagement vor, indem sie ausführt, dass täglich Flüchtlinge angegriffen würden und der Rechtsradikalismus das Problem sei. Ich erwidere, dass der Islamismus nach meiner Auffassung ebenfalls rechtsradikal sei und es eine entsprechend hohe Anzahl von Islamisten auch in Deutschland gäbe. Dieser Argumentation kann sie wiederum nicht folgen.

    Immer wieder fällt mir auf, welche automatischen Zuschreibungen in den Köpfen, besonders der jüngeren Menschen, vorhanden sind. Ein autochthones Paar um die Zwanzig hört den Gesprächen eine Weile zu und fragt mich schlussendlich, welche Partei ich wähle. Meine Antwort lässt sie eher sprachlos zurück, denn die genannte Partei könnte vielleicht sogar die ihrige sein, da sie im Bundestag vertreten ist.

    Auch meine Aussage, dass alle Religionen in Deutschland gleich behandelt werden sollten, und zwar auch in der Kritik, wird von den meisten Anwesenden übergangen.
    Eine Autochthone mittleren Alters liest das Schild, kommt direkt auf mich zu und bezeichnet mich in mehrmaliger Wiederholung als „dumm“, denn wäre ich es nicht, würde ich das Schild nicht hochhalten. Ich solle mich doch erst einmal über den Islam informieren.

    Eine Frau über Sechzig will sich erst spontan dazustellen, äußert sich dann aber kritisch über die Beschreibung des Islamismus als judenfeindlich und meint, der Begriff solle herausgenommen werden. Die Deutschen sollten aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit diesen Punkt nicht herausstellen, da er provoziere. Mehrere autochthone Frauen über 60 bekunden ihre Zustimmung zur Aktion, heben den Daumen oder sagen „Weiter so“. Ein Mann mittleren Alters und Autochthoner kommt zu mir, nur um sich ausdrücklich bei mir zu bedanken und sagt, wir würden auch für ihn hier stehen. Ein anderer Mann etwa gleichen Alters fragt mich, welche Partei hinter dieser Mahnwache steht und nimmt sehr positiv auf, dass wir uns privat engagieren und nichts mit Pegida zu tun haben.

    Ein autochthones Ehepaar zwischen 50 und 60 steht lange in einiger Entfernung und beobachtet die Szene. Dann kommt der Mann auf mich zu, ich senke das Schild, um mich besser mit ihm austauschen zu können. Er bedeutet mir, die letzten Silben des Wortes „Islamismus“ seien wegzustreichen und dann stimmten die Aussagen. Er führt aus, dass es bei der UN eine Vorlage der OIC [Organization of Islamic Cooperation] gäbe, die fordere, dass der Islam nicht kritisiert werden darf. Dass er mit der politischen Entwicklung in Deutschland nicht einverstanden ist, macht er ruhig, aber unmissverständlich und sprachlich gewandt deutlich.

    Eine junge Frau mit Migrationshintergrund und streng gewickeltem Kopftuch spricht mich an und sagt mir, sie sei von der Gruppe „Hessische Muslime für Demokratie und Vielfalt“, die auch auf Facebook vertreten sei. Ich könne mich dort informieren. Wir reden ein wenig miteinander und kommen auch auf die Sure 8,55 zu sprechen, die besagt, dass Ungläubige weniger wert sind als das Vieh. Sie versucht mir zu erklären, warum einige Menschen mehr wert seien als andere oder einige weniger wert als das Vieh. Ich erwidere ihr, dass genau diese Auffassung in Deutschland seinerzeit letztendlich zur Judenverfolgung und -vernichtung geführt habe. Sie führt nun den Vergewaltiger eines zweijährigen Kindes als Beispiel an, woraufhin ich sage, dass auch dieser Täter rechtlich gleichgestellt sei. Wir kommen nicht wirklich zusammen, es ist ihr aber ein Anliegen, auf dieses oben erwähnte Projekt aufmerksam zu machen. Ihre Zweifel, mir das Projekt namentlich merken zu können, versuche ich, zu zerstreuen.

    Ein junger Mann, autochthon, eher Bildungsbürger und geschätzt in den Dreißigern, kommt auf mich zu, findet alle Aussagen auf dem Schild richtig und mich mutig. Er meint, „jetzt“ könne man hier noch so stehen, aber in einigen Jahren sei die Situation sicherlich eine andere und es aufgrund der wachsenden Zahl der Muslime nicht mehr so einfach möglich. Er äußert seine Sorge, dass der Islam immer mehr an Boden gewinnt und die individuellen Freiheiten deshalb eingeschränkt werden. Das würde sich jetzt schon abzeichnen und das widerstrebe ihm sehr.

    Ein Mann um die Sechzig spricht mich direkt an und freut sich sichtlich über unser Engagement, wohlwollend bemerkt er, dass „die Töchter der Trümmerfrauen“ aufstehen und dadurch jetzt „Pepp“ in die Diskussion komme, „endlich“ passiere etwas. Wir Frauen hätten mehr „cojones“ in der Hose als die Männer. Er ist Kroate, seit über dreißig Jahren in Deutschland lebend und meint, wenn die Kölner Sylvester-Vorfälle so in Zagreb stattgefunden hätten, würden die kroatischen Männer ganz anders reagiert haben als die Deutschen. Er steht noch eine Weile neben mir, weist den oben bereits erwähnten Dreizehnjährigen zurecht, er solle nicht so frech zu mir sein und mich respektvoll behandeln. Ich könne schließlich seine Mutter sein. Dieser antwortet sogleich, ich sei aber nicht seine Mutter. Trotz allem verspürte ich manchmal den eher mütterlichen Impuls, diesen aufgeregten Jungen einfach einmal in den Arm zu nehmen.

    Eine junge Frau, westlich gekleidet und stark geschminkt, dringt in den Halbkreis der mich umstehenden jungen Menschen ein und schleudert mir so wütend entgegen „Sie sind eine Scheiß-Christin“, dass selbst diese jungen Leute ein erschrockenes Raunen vernehmen lassen. Sie wiederholt ihre Aussage noch einmal und geht schnellen Schrittes davon.

    Ein circa Dreißigjähriger tunesischstämmiger Franzose kommt zu mir, stimmt den getroffenen Aussagen zu und bewundert meinen Mut angesichts der mich umringenden großen Anzahl von Muslimen. Er spricht gewollt nur zu mir und senkt dabei die Stimme. Er erzählt mir, dass er selbst Muslim gewesen und erst kürzlich Christ geworden sei. Da der Abfall vom Glauben nach islamischer Rechtsauffassung mit den Tode geahndet werden kann, ist verständlich, dass er in dieser Umgebung nicht so ohne weiteres offen damit umgehen will. Er lebt jetzt in München, wo es eine derartige Aktion nicht gäbe. Er wünscht uns viel Erfolg und geht weiter.

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