Marburg: Mehr „Verschwörungstheorien“

Muslimbrudernahe Vereine und Personen in Marburg

Am Samstag wurde in Marburg auf Einladung der Islamischen Gemeinde hin gefeiert. Man beging das 30 jährige Bestehen der Moschee und die 60 jährige Anwesenheit von Muslimen in Marburg. Dazu:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/11/25/marburg-eine-stadt-liebt-die-muslimbrueder/

und

https://vunv1863.wordpress.com/2016/11/26/marburg-eine-stadt-liebt-die-muslimbrueder-ii/

Auf der Feier hatte sich der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies zur vorher in den Medien und von Universitätsseite geäußerten Kritik wie folgt eingelassen:

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) erklärte: „In dieser Stadt werden Menschen nicht an Spekulationen, Verdächtigungen und Verschwörungstheorien, sondern an ihren Worten und Taten gemessen.

http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Muslime-wollen-ungetruebt-feiern

Mit den „Spekulationen und Verdächtigungen“ war wohl der Hinweis auf die Erwähnung des Marburger Zentrums im Verfassungsschutzbericht des Landes Hessen 2015, S. 109, gemeint:

Der IGD sind bundesweit verschiedene Moscheegemeinden und sogenannte Islamische Zentren zuzuordnen, die formal von ihr unabhängig sind. In Hessen befanden sich solche Zentren unter anderem in Frankfurt am Main und Marburg (Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Nun ist es so eine Sache, wenn das Stadtoberhaupt einer größeren Stadt den Expertenbericht einer Landesbehörde in verächtlicher Weise derart abtut. Wenn er das so tut, wie sollen dies dann die Betroffenen ernst nehmen? Offenkundig nicht allzusehr. Mit den Worten sollte man vielleicht, wenn sie derart gedehnt und bemüht werden bei Feiern und Dialogrunden, eher vorsichtig sein. Besser ist es, dem Spies`schen Rat zu folgen und sich an den Taten, den Handlungen zu orientieren. Einiges davon ist ja zugänglich.

In Marburg ist diese spezielle Gemeinde gut eingebunden, wird breit behauptet. Das ist wohl wahr, zumindest ist sie am Runden Tisch der Religionen in Marburg beteiligt, an dem andere nicht mitmachen (warum nicht? Marburg hat ca. 5000 Muslime; nur eine kleine Anzahl Muslime wird durch diese Gemeinde vertreten). Man kann sich von Seiten der IG auf die Marburger Strukturen verlassen, wie es scheint. Immerhin lässt sich Bilal El Zayat gegenüber der Oberhessischen Presse derart ein: „Wir hätten ihn [den Frankfurter Imam Taha Amer vom RIGD, SHM] nicht ausgeladen. Er ist anerkannt, wir haben ihn schön öfter gehört.“ a.a.O.

Anerkannt ist der Herr Amer allerdings allenfalls in Muslimbruderkreisen, denn auch seine Einrichtung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Offenkundig erkennt der Herr El Zayat jedoch nicht nur ihn an. Hier posiert er (2.v.l.) freundlich mit Khaled Hanafy (links), ebenfalls RIGD-Mitglied:

 

 

Taha Amer macht aus seiner Ausrichtung ebenso wie Hanafy keinen Hehl. Hier postet er eine Art Selfie von seiner Ehrerbietungsbekundung gegenüber einem Kopf der Muslimbruderschaft, Herrn Qaradawi*:

 

Oder hier, ein kürzlich veranstaltetes Tagesseminar mit Mohamed Johari. Mohamed Johari ist aus Frankfurt bekannt als Prediger der Islamischen Informations- und Serviceleistungen e.V. (I.I.S.). Dieser Verein wird ebenfalls als muslimbrudernah eingestuft und steht auch unter Beobachtung:

 

Auch die ehrliche Einlassung El Zayats, man habe Amer schon häufiger gehört, lässt sich prüfen:

 

Das ist also leider fast schon ehrlicher, als das, was vom Oberbürgermeister kommt. Spies kann natürlich kein Fachmann in diesem Bereich sein und ist das auch nicht. Die verkündete Sicherheit ist vorgeblich. Er ist auf die Angaben von Leuten angewiesen, die als Zielpersonen islamistischer Lobbytätigkeit seit Jahren viel reden, aber wenig überprüfen und einordnen wollen. Auf deren Urteil verläßt er sich offenkundig und stellt sich als Person vor eine Einrichtung, obwohl er dazu wenig eigene Kenntnisse hat. Immerhin heißt er die Einordnung aus Wiesbaden eine „Verschwörungstheorie“ und versteigt sich sogar dazu, sich „gegen Unterstellungen gegenüber unseren Bürgern“ zu verwahren. Da er ja ausdrücklich betont, man kenne „seine Islamische Gemeinde“, müsste ihm dann ja wohl auch bekannt sein, wie eng man mit anderen Muslimbrudergrößen ist. Ist es das? Wohl kaum. Spies macht sich offenkundig nur die kolportierte Marketingstory der örtlichen Gemeinde zu eigen.

Da obige Fotos für sich sprechen, also Protagonisten bei ihren Betätigungen zeigen, Fotos, die von diesen Personen selber gepostet wurden, kann es sich somit per se nicht um „Unterstellungen“ Dritter hinsichtlich des Netzwerks handeln. Hanafy, Amer, El Zayat wiederum bezeugen ihr Bekenntnis relativ offen. Spies kann die Verbindungen nicht mehr abtun, wenn man genau nach den Taten misst. Man sollte IHN nun an seinen Worten messen. Er wird sich also entscheiden müssen, wo nun die „Verschwörung“ ist, andernfalls wäre das der Schulterschluß mit der Ideologie der Muslimbrüder. Man hat also von Seiten der Orientbrücke e.V. sehr elegant, durch einfaches, aber beharrliches Marketing und Lobby-Tätigkeit, sein Problem mit dem Verfassungsschutz zu dem von Spies gemacht.

Nicht ganz ernst gemeint: Vielleicht empfiehlt sich da eine Beratung durch den Prof. Fuß, der vielleicht behilflich sein mag. Prof. Fuß kann Dr. Spies als Fachfremdem sicher ein paar Textbausteine für Bürger und Presse erstellen, die aus Muslimbrüdern in 5 Sätzen die Heilsarmee machen oder sie im muslimischen Hintergrundrauschen verschwinden lassen.

Sicher könnte man auch bei der Deutsch-arabischen Gesellschaft Rat suchen. Aber dort wird man auch vielleicht eher zum orientalischen Ansatz raten: Man kennt sich und das genügt unter Ehrenmännern. Da sitzen dann der Herr Kienzle und die beiden Herren El Zayat und noch viele, viele andere, die nicht auf die dahinterstehende Ideologie schauen, sondern das wohl mehr so kulturell wahrnehmen. Oder wirtschaftlich. Zumindest, wenn man diesen Seiten der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Glauben schenken darf:

http://d-a-g.dienstleistungen.ws/index.php?option=com_content&task=view&id=3&Itemid=165

http://d-a-g.dienstleistungen.ws/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=12

[Bei letzterem Link ist aber noch der verstorbene Peter Scholl-Latour als Präsident geführt. Wann es da wohl Neuwahlen gibt?]

Ansonsten beachten man den Beirat.

Das auf jeden Fall zeigt auf, dass man bestens vernetzt ist: lokal freundlich Schnittchen essen mit der Stadtgesellschaft, nett parlieren mit den Stadt-Honoratioren, deutschlandweit dann mehr so staatsmännisch-arabisch (im Vorderzimmer) und über das IGD-Netzwerk und international dann eher noch offener muslimbrudernah.

In Marburg sieht man offiziell wohl nur die eine Dimension. Da fragt man ja auch seit 30 Jahren nicht nach, nach welcher Persönlichkeit der islamischen Geschichte die bezeichnete Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee benannt ist:

https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmar_ibn_al-Chatt%C4%81b

Ein Friedensengel war das nicht.

Wenn man nur das offizielle Marketing-Auftreten sieht, wundert man sich dann schon mal wie die Frau Dorn im HR-Bericht:

„Die grüne Landtagsabgeordnete Angela Dorn will der Frage nachgehen, warum er überhaupt eingeladen wurde: „Es irritiert mich und passt nicht zu der ansonsten guten Integrationsarbeit der Gemeinde.“

http://hessenschau.de/gesellschaft/feier-der-islamischen-gemeinde-sorgt-fuer-wirbel,marburg-muslimbruderschaft-100.html

Frau Dorn sind – wie vielen anderen auch – die Betätigungen jenseits der Charme-Offensive entgangen all die Jahre. Das ist natürlich ein ungeheures Pfund, mit dem lokale Langsfrist-Strategen wuchern können: Politische Akteure wechseln und man ist jeweils neu im Vorteil durch die langfristige eigene Aufstellung.

Das passt also schon. Nur nicht zum Marburger Bild, das man erzeugte. Zum Bild in Hessen, Deutschland und darüber hinaus hingegen recht gut. Man ist immer das, was nützlich erscheint.

Aber wahrscheinlich halten einige in Marburg die anderen Dimensionen einfach für eine „Verschwörungstheorie“. Das macht es einfacher, handhabbarer und man muss sich nicht mit Dingen beschäftigen, die verstören könnten.

 

 

* https://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi

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