Weihnachtsspecial „Best of Prediger“: Sex

Auch Islamisten sind nur Menschen und so versucht der eine oder andere Prediger, die „Brüder“ auch in dieser Hinsicht rechtzuleiten

Das Paradies islamistischer Männer wird in der Regel in den glühendsten und anregendsten Farben geschildert. Es ist Belohnung und Verkaufsargument für ansonsten eher ladenhütende Dinge: Disziplin, Unterwerfung, Gehorsam und Askese. Manchmal auch den gewaltsamen Tod. Schneidet die Fremdvorstellung und Vorschrift besonders tief in die eigene Person und Persönlichkeit ein, ist etwas besonders Begehrenswertes verboten, so muss die Belohnung „gewaltig“ sein. Um also Sex zu reglementieren, in eine gewünschte oder instrumentalisierbare Form zu pressen, müssen die Angebote schon einen guten Deal versprechen. Einschränkung im Diesseits – Schlaraffenleben im Jenseits (nicht ohne Drohung bei Nichtbefolgung: ewige Verdammnis). Da keiner zurück kann, um nicht eingehaltene Versprechungen einzuklagen, kann man entsprechend tief in die Kiste der Phantasien und Ängste greifen. So gibt es für die selbstempfundene Blüte der Gläubigen viele Frauen im Paradies, die Ehefrau(en), die Sklavinnen, an denen man Rechte hatte (werden die verdoppelt bei mehreren „Besitzern“?) und dann noch die Huris… Dagegen sind die Hohen Lieder des Salomon aus der Bibel fade Kost. Ein saudischer Scheich erklärt das so:

https://www.memri.org/tv/saudi-cleric-muhammad-al-munajid-describes-virgins-paradise-and-states-paradise-one-has-strength

Im Paradies dieses Scheichs hat „der“ Mann also die „Stärke“ von 100 Männern was Essen, Trinken, Leidenschaften und – Sex anbelangt (Geisteskraft ist nicht im Angebot)*. In der Verheißung das passende narzisstische Viagra für schwächelnde und eindimensionale männliche Identität. Die Frauen dort werden in ihren äußeren Merkmalen und in ihrem Gehorsam beschrieben. Dass sie auch nur ein Wort jenseits „oh, ja, ja, jahaaa*“ flöten könnten, wird nicht geschildert. Es ist also das Männer-Paradies der schönen und gefügigen, aber ziemlich stummen und undifferenzierten Sexualobjekte**.

Derart angewärmt fehlt es nicht an Ratschlägen und Forderungen, wie man die irdischen Bedürfnisse des real existierenden einzelnen Mannes kanalisieren und vor allem eingrenzen könne. Die Bedürfnisse der Frau kommen allenfalls in Nebensätzen vor.

Zunächst eine Ermahnung von Abul Baraa, dem Berliner Prediger der As Sahaba-Moschee, wie man die vermaledeite Neigung zu einschlägigen Filmen unterdrücken könne:

 

Pornofilme sind eine Methode, um vom Weg Allahs abzubringen, meint der Herr Baraa. Für die Leute, die solche Filme herstellen, ist eine besonders heiße Hölle vorgesehen, kann man aus seinen Ausführungen schließen. Falls man alleine sei und in Versuchung komme, solle man sich ablenken, beten und Allahs gedenken (ob allerdings der Gedanke an DIESES Paradies so richtig DAVON ablenkt? Fragen über Fragen).

Pierre Vogel hingegen meint, dass Sexfilme zu Eheproblemen, Kinderschändung, Bordellbesuchen und Homosexualität führten:

 

Sicherheitshalber kennt Pierre Vogel die Zahlen aus nicht-europäischen Ländern nicht. Er belehrt dazu mehrfach, hier vertritt er sogar die Meinung, solche Filme machten „verrückt“:

 

Er stellt darauf ab, dass Männer einander im Bereich der Aura (beim Mann Nabel bis Knie) nicht einmal anschauen dürften. Das Gleiche gilt für Frauen.

Hier lässt sich Abul Bara über die Verpflichtung der Ehefrau aus. Nein ist nicht nein, sofern kein „islamischer Grund“ vorliegt:

 

Abdellatif Rouali hingegen macht sich große Sorgen, dass über das eheliche (ein anderes gibt es ja nicht) Bettgeschehen erzählt werden könnte (und ja, er scheint einen roten Kopf zu haben bei dem Thema):

 

Derweil ist für Ferit Heider*** Langeweile eines der Einfallstore für den Shaytan.
Er hat sogar einen Fünfteiler zu den Versuchungen (nicht nur sexueller Natur) gemacht. Frauen schauen im Sommer – also all das, was einen gesunden, fröhlichen, unverklemmten, heterosexuellen Mann so richtig in Sommerlaune bringt – ist für ihn wirklich schlimm. Er beschreibt sehr lebendig, wie man(n) im Sommer unter dem Anblick den vielen fremden Frauen leidet und leidet und leidet (Fitna ist (ungefähr) Versuchung, Zina heißt Sünde):

 

Also Frauen, aufgepasst: Immer eine Papptüte für den Herrn Heider mit sich führen um sie ihm über den Kopf zu stülpen. Man will ja durch ein wenig Dekollete oder einen schönen Rock nicht für so viel Leid und Gottesferne sorgen. Dem Herrn muss geholfen werden.

Ansonsten lässt er sich darüber aus, dass Frauen irgendwie alle gleich seien (sinngemäß: „das, was bei der anderen Frau ist, ist auch bei der Ehefrau“. Ja nu). Eigentlich findet er es furchtbar, dass Frauen sich heutzutage nicht mehr „anständig kleiden“ (wie zur Zeit des Propheten). Manche Männer würden abhängig von der Sünde. Selbstbefriedigung sei ein Problem, das den Muslim „kaputt mache“.

 

Gemeinsame Merkmale vieler dieser Herrschaften sind die wirklich vielen unwichtigen Ausschmückungen, die Wiederholungen und die rhetorische Fragen an das Publikum. Das bläht Dinge, die in 2-5 Sätzen abgehandelt sein könnten, zu stundenlangen Vorträgen auf, die inhaltlich weitgehend reine Zeitverschwendung der Zuhörer sind. Das hat schon etwas Rituelles: Bereuen aller Sünden durch Langeweile.

Fazit: Wer solche Vorträge zu Sexualität anhören muss, dem wird klar, dass etwas, das mit so vielen Vorschriften, Vorbedingungen und Vorbehalten verbunden ist, nicht mehr wirklich authentisch innig, menschlich spontan und alleine den zwei Menschen überlassen ist, die es eigentlich angeht. Der körperlich innigste Ausdruck menschlicher Intimität wird als Band zerrissen und unter Einbindung einer Idee und vielerlei Ängsten neu geknüpft. Zumindest, wenn es nach diesen Herrschaften geht. Denn eines ist gewiß: Wer sich in einem solchen persönlichen Bereich hineinreden und unterdrücken lässt, der ist ein brauchbarer Untertan.

 

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* Für feinsinnigere Männer, die sich über mehr als ihre Sexualfunktion definieren und Sex alleine – so schön er ist – als ausschließliches Vergnügen neben Essen und Trinken für ziemlich langweilig halten, eine fast gruselige Vorstellung. Es ist eine Paradiesbeschreibung, die vor allem Männer anspricht, denen es an Essen, Trinken und sexueller Erfüllung fehlt. Wirkliche Not an diesen Dingen gibt es „im Westen“ weniger, aber um bei letzterem erfolgreich in der tatsächlichen Ausübung zu sein, muss man nett sein, zur freien Verfügung steht das nicht. Es ist die eher pubertäre Imagination, über alle Frauen ohne eigene Bemühung verfügen zu können, etwas, das jenseits der Pubertät eher autoritär Strukturierte noch ansprechen mag.

** Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode: Die türkische Religionsbehörde Diyanet verkündet aktuell, Frauen, die beim Sex sprächen, würden stotternde Kinder gebären. Schweigen und an das Osmanische Reich denken ist also die Erdogan-gefällige Sex-Variante für Frauen. Alles unter dem Motto: Nur nicht zu viel Spaß wagen! Spaß ist verdächtig, Spaß macht frei, und freie Menschen haben Spaß. Insofern ist Spaß haben eigentlich schon Widerstand gegen die türkische Staatsgewalt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkische-ehebroschuere-wenn-du-als-ehefrau-beim-sex-sprichst-wird-dein-kind-stottern-a-1126138.html

*** Der Herr Heider ist kein Hassprediger im Vergleich mit den anderen, „nur“ ein Prediger und Imam, dessen Einrichtung, die Teiba-Moschee in Berlin in den Verfassungsschutzberichten erwähnt wird. Immer wieder. Die Einrichtung wird der IGD, also der Muslimbruderschaft zugeordnet. Abgrenzung und Abwertung und problematische Sichten (und Haltungen zu FDGO) kommen also dezenter und gepflegter daher und eher im Hinterzimmer denn direkt. Auf eine legalistische Weise halt.

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